Finnland/Iran: Pfingstkirchen protestieren

Wir haben davon gehört: im Iran werden Christen nicht als Bürger gleicher Rechte und gleicher „Qualität“ behandelt. Alltägliche Diskriminierungen auf Behörden, im Alltag und im Familienverbund sind „normal“. Dennoch sollen sich in den letzten Jahrzehnten so einige Ex-Muslime zur Nachfolge Christi bekannt haben. Schätzungen der seriösen, christlichen Hilfswerke gehen von mindestens 200.000 Konvertiten aus, die sich zumeist in Untergrund-Hauskirchen organisieren. Oftmals werden sie durch Visionen und Träume von Christus zum Glauben geleitet.

Iran

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Diese Hauskirchen werden von den staatlichen Behörden der „Islamischen Republik Iran“ aber als Staatsfeinde erster Klasse angesehen, da im Islam eine Trennung von Staat und Moschee, bzw. von privat und öffentlich nur rudimentär, wenn überhaupt gegeben ist. „Abweichler“, auch „Apostaten“ genannt, gefährden im simplen Weltbild der Mullahs also die staatliche Integrität. Aber auch offiziell anerkannte, „registrierte“ Kirchen sehen sich im Iran immer öfter willkürlichen Repressionen ausgesetzt, die ihre Arbeit einschränken oder ihre Vertreter einschüchtern sollen. Eine besonders „entschlossene“ Maßnahme im Kampf der iranischen Regierung gegen das Christentum war die am 22. Mai 2013 erfolgte Schließung der „assemblies of god“ – Kirche in der Taleghani-Straße Teherans. An diesem Tag verwüsteten Agenten der Revolutionsgarden die Kirche und durchsuchten das Gelände. Pastor Robert Asserian, wurde verhaftet. Diese Gemeinde war eine der letzten „offiziellen“ Kirchen, die noch in der Hochsprache des Iran, im Farsi, ihren Gottesdienst abhielten. Der Angriff auf diese Gemeinde erfolgte im Rahmen konzertierter Maßnahmen gegen sämtliche „assemblies of god“ – Gemeinden im ganzen Iran.

Soweit, so bekannt und so traurig. Auch wir hatten (siehe Link oben) darüber berichtet. Aber da standen wir wohl so ziemlich alleine da, denn nun wird bekannt, dass kein Aufschrei der Empörung durch die Christenheit in den (noch) freien Ländern des „Westens“ ging. Kirchliche Leiter und Laien-Aktivisten waren entweder mit anderen Angelegenheiten ausgelastet oder bereits so sehr daran gewohnt, dass aus dem Iran keine guten Nachrichten kommen, dass diese Meldung in ein schwarzes Loch der Ignoranz zu fallen drohte. Aber da gibt es ein winziges Bischen Hoffnung, denn ausgerechnet in Finnland haben sich nun Pfingstkirchen-Vertreter zu einem Protest aufgerafft. Traurig, dass es dazu im Lande Luthers und Melanchthons nicht mehr reicht…

Mehrere Pfingskirchenleiter präsentierten dabei vor Kurzem ein Papier, in dem systematisch die Verletzungen diverser, universeller Menschenrechte durch die Behörden des Irans aufgelistet sind. Die Dokumentation wurde sowohl dem finnischen Innen- wie Außenministerium, als auch dem Büro des Premierministers zugestellt. Die finnische Regierung wurde weiterhin dazu aufgefordert, diese Vorgänge unmissverständlich zu verurteilen und in allen Gesprächen mit Vertretern des Iran zur Sprache zu bringen. Die Wiedereröffnung der „assemblies of god“-Kirche wird ebenso dringlich anempfohlen.  Nach der Veröffentlichung des Papiers haben sich bereits mehrere Parlamentsabgeordnete Finnlands mit dem Anliegen solidarisiert und ihre Sympathie für die Forderungen ausgedrückt. Die finnische Europa-Abgeordnete Sari Essayah hat ebenso bereits in einem Kontaktgespräch mit dem UN-Sonderbeobachter für den Iran, Ahmad Shaheed, die Besorgnis der finnischen Regierung angesichts der permanenten Verletzungen der Religionsfreiheit im Iran zum Ausdruck gebracht. Bringt das nun etwas ? Wer weiß. Diplomatische Mühlen mahlen langsam. Aber „etwas“ zu unternehmen ist in jedem Falle besser als „nichts“.

Hier nun mein persönlicher Blickwinkel auf diese Nachricht: Warum, im Namen des barmherzigen Jesus, finden sich in Deutschland nicht einmal ein paar Freikirchen-Funktionäre und solidarisieren sich ebenso öffentlich mit den Kirchen im Iran ? Von den „Großkirchen“, den Empfängern von Kirchensteuern, erwarte ich ja schon gar nichts mehr. Jedenfalls nichts Gutes. Immerhin haben die Kirchenbünde ja Tausende von Mitgliedern, die man für solch ein Thema aktivieren könnte und die Drähte zur Politik sind ja oftmals auf ganz persönlicher Ebene auch gegeben. Mit Bundespolitikern wie dem CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder hätte man auch jemanden, dem man in Sachen Verfolgung nix mehr erklären muss, usw. Aber, stattdessen igeln wir uns in unseren Gemeindekokon ein, befassen und mit theologischen Banalitäten und blasen diese zu riesigen „Fragen von essentieller Wichtigkeit für das Christentum“ auf, gucken niemals über den Tellerrand und wollen „nur nicht provozieren“ und umstrittene Themen aufgreifen. Nein, Leute, das sind keine weltlichen Themen, sondern die weltweite Verfolgung der Kirche geht uns alle etwas an ! Heute dort, morgen bei den Nachbarn, übermorgen bei uns, wenn wir einfach weiter wegschauen !

Finnen, ich habe einen echten Respekt vor euch. Zumindest vor euren Pfingstkirchen.

(Quelle: „farsi christian news network“ vom 17. Juli 2013)

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