Ägypten: Amnesty International scheint ein Licht aufzugehen

Am 05. Juli 2013 ging in in Nagah Hassan, 18 km westlich von Luxor, ein Mob wütender Muslime auf Christen los. Kopten wurden mit Messern, Metallstangen, Hämmern und Knüppeln traktiert, nachdem in der Nähe eines von Kopten bewohnten Hauses ein Toter aufgefunden wurde. Die Polizei sah bei diesem Hassverbrechen seelenruhig zu. Nun fällt das sogar Amnesty International auf. Besser spät, als nie.

Ägypten

Ägypten

Amnesty International setzt sich für politisch verfolgte Einzelpersonen und Gruppen ein. Seit Jahrzehnten. Sie berichten über üble Fälle von Menschenrechtsverletzungen und Verstößen gegen die U.N. Menschenrechtskonvention. Soweit so gut. Darüber haben sie sich einen wirklich guten Ruf erarbeitet. Nun, ja. Verschiedene Publikationen und Stellungnahmen von Mitarbeitern A.I.s ließen dabei immer eine gewisse Schwerpunktsetzung erkennen, die nicht jedermann jederzeit für gut und richtig befinden musste. Nicht umsonst haben sich auch andere Menschenrechtsgruppen hier in Deutschland (und da sei allen voran die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ IGfM genannt, oder auch die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ GfbV) mit etwas anderen Organisationsformen und Schwerpunktsetzungen ihre „Nische“ erarbeitet, aus der sie die Bürger, welche für solche Themen sensibilisiert werden können, ansprechen. Weiter in die Tiefe möchte ich bei dieser Betrachtung jetzt nicht gehen.

Wie auch immer: es ist schön zu sehen, dass Amnesty International jetzt einen (überraschend verwunderten) Aufschrei der Empörung über das Verhalten von ägyptischen Polizeibehörden im Angesicht von Christenmassakern vom Stapel gelassen hat. Denn bei den oben beschriebenen, 18 Stunden dauernden Angriffen starben vier Kopten und vier weitere wurden schwer verletzt. Leser dieses Blogs und von ähnlich offenen Publikationen wie etwa „Kopten ohne Grenzen“ wird dies sicherlich nicht verwundern. Die Stellungnahme der Nahost- und Nordafrika-Beauftragten von A.I., Hassiba Hadj Sahraoui, wirkt jedoch etwas unbeholfen und überrascht, ist jedoch dennoch eindeutig. Hier ein  Auszug:

Es ist irrsinnig, dass dieser Angriff ungehindert eskalieren konnte. Amnesty International hat diverse Fälle dokumentiert, wo die Sicherheitsbehörden unnötige Gewalt oder scharfe Munition bei Demonstrationen benutzt haben, aber hier haben sie sich zurückgehalten, obwohl Menschenleben in Gefahr waren.

Aber, Frau Sahraoui, es waren doch nur „Ungläubige“. Mit diesen ein bischen zu spielen, wie die Katze mit der Maus ist doch „nicht so schlimm“ ! Die Logik der permanenten, alltäglichen Diskriminierung und Herabwürdigung von Menschen aufgrund ihres Glaubens hat sich Ihnen wohl noch nicht richtig eingeprägt ! Na, vielleicht kommt das noch. WIr kennen ähnliche Fälle etwa aus Indien, wo sich die Polizei sogar gerne in die Machenschaften der Christenverfolger verstricken lässt. In jedem Fall fordert Amnesty International nun eine „gründliche, unvoreingenommene und unabhängige Untersuchung“ des Verhaltens der Polizeikräfte während der Angriffe auf die Christen. Insgesamt sollen während der mehrstündigen Pogrome ca. 100 von Kopten bewohnte Häuser attackiert, geplündert und abgefackelt worden sein, wie A.I. schreibt.

(Quelle: „Amnesty International“ vom 23. Juli 2013)

Advertisements

Ein Gedanke zu “Ägypten: Amnesty International scheint ein Licht aufzugehen

  1. Danke für den Artikel. Jedes Erkenntnislichtlein ist es wert, dass darüber berichtet wird.

    Die Staatsmacht als Schutz für islamische Gewaltaktionen ist schon einen Bericht – selbst für AI – wert. Die Untätigkeit von Polizei bei Gewalttaten gegen Christen und Kirchen ist ja förmlich als Aufforderung, es diesen Tätern gleich zu tun, zu verstehen. Eine unhaltbare Situation. Die Vergewaltigungswelle auf dem Tahirplatz scheint in die gleiche Richtung zu deuten. Ordnungshüter, die die Ordnung nicht mehr hüten, sind Mittäter. Das hat auch wohl AI kapiert.
    Aber in ideologiegeprägten Staaten ist das immer so eine Sache mit der “gründlichen, unvoreingenommenen und unabhängigen Untersuchung“. Da werden sich die Staatsorgane nicht in die Karten gucken lassen, auch nicht die Armee.

    Solange in islamischen Staaten die Gewaltenteilung nicht klar und restlos durchgeführt wird und Muslime in den Augen des Staates genauso viel wert sind wie Christen und Juden, sondern Islam und Staatspräsident eine Einheit bilden und als Ausfluss des Rechtssystems die islamische Scharia Geltung hat, sind Menschenrechtsverletzungen durch das Gesetz legitimiert. Diese Gesetze sollen in jedem islamischen Land durchgeforstet werden. Dieser Fall, so grausam er war, ist letztlich ein Einzelfall. Die wahre Quelle der strukturierten Menschenrechtsverletzung kommt aus dem Koran selbst, aus den entsprechenden Gesetzen des Landes selbst und aus den Predigten, die in Moscheen gehalten werden. Solange diese Scharfmacherimame die Menschen zu solchen Taten aufhetzen und sie tun das letztlich im Einklang mit dem Gesetz, wird die Menschenrechtssituation so bleiben.

    Selbstverständlich hat Ägypten ähnliche Strafgesetze wir wir. Diebstahl ist dort genauso verboten wie hier. Aber es ist halt ein Unterschied, ob ein Muslim bestohlen worden ist oder ein Christ durch einen Muslim. Wenn in diesem Bereich nicht alle gleich behandelt werden, so wird das nichts mit dem Einhalt der Menschenrechtsverletzungen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s