Aserbeidschan: Ein kleiner Blick ins Unbekannte

Vor Kurzem erschien auf dem Webauftritt der Britischen Evangelischen Allianz ein interessantes Interview mit einem im unfreiwilligen Exil befindlichen, aserischen Christen. Dieser ehemalige Funktionär des aserischen Baptistenbundes hat uns ein paar Einblicke in die Situation der Gläubigen seiner Heimat gestattet. Einige Auszüge aus dem Interview möchte ich hier präsentieren.

SONY DSCAserbeidschan steht nicht oft im Lichte internationaler Aufmerksamkeit. Der Ölflusss aus dem „Land des Feuers“ (die Bedeutung von „Aserbeidschan“) läuft prächtig, der „Eurovision Song Contest“ damals funktionierte auch im Sinne der positiven Außendarstellung. Ansonsten macht das Land nicht gerade besonders viele Schlagzeilen. Das muss nun aber nicht bedeuten, dass dort alles „Friede-Freude-Eierkuchen“ ist. Reverend Elnur Jabijew gab jetzt in einem Interview mit der britischen „evangelical alliance“ einen kleinen Einblick in das Leben der christlichen Minderheit im Lande. Hier ein paar Auszüge:

Wie ist das so, als Christ in Aserbeidschan zu leben ?

Es ist schwer für Christen, zu überleben. In der allgemeinen Gesellschaft denken die Leute, du beleidigst den muslimischen Glauben, wenn du Christ wirst. Das Christentum wird als „fremde Religion“ angesehen und plötzlich wirst du für jedermann zum Feind. Leute haben sogar Angst, nur mit dir zu reden.

Die Beziehungen zur erweiterten Familie sind sehr eng in Aserbeidschan, aber wenn du Christ wirst, schämt sich die ganze Familie dafür. Sie isolieren dich und wollen dich nicht mehr sehen. Oftmals werden Christen wegen ihres Glaubens entlassen und wenn bekannt ist, dass du Christ bist, bekommst du Jobs nicht einmal angeboten.

Als ich im Jahre 2001 Christ wurde, feuerte man mich und alle Kollegen distanzierten sich von mir. Jemand von der Inneren Sicherheit zeigte mir Fotos, in denen ich eine Kirche betrat und sagte mir ins Gesicht, dass man mich entlasse, weil ich Christ sei. Als ich darauf hinwies, dass dies der Verfassung widerspreche, in der steht, dass jeder seinen Glauben frei praktizieren könne, antwortete er mir, dass dies ein muslimisches Land sei und er sich darum (die Verfassung !) einen Dreck schere. Jeder war gegen mich.

Ich gestehe, solch direkte und „ad-hoc“ Diskriminierung von Christen ist schon ein „dickes Ding“, aber sicher in der Region vom Schwarzen Meer bis nach China nicht gerade selten. Was hat Elnur Jabijew noch gesagt ?

Stehen in Aserbeidschan Bibeln zur Verfügung ?

Bis vor neuen Jahren hatten wir nur das Neue Testament in unserer Sprache zur Verfügung, dann wurde auch das Alte Testament ins Aseri übersetzt. Vor ein paar Jahren durfte die Baptistische Kirche 2.000 Bibeln importieren und vor Kurzem bekam eine Kirche die Erlaubnis weitere 3.500 Bibeln einzuführen. Bibeln können in Aserbeidschan nicht gedruckt werden, weil das sehr teuer wäre und offizielle Druckereien sie möglicherweise aus Angst nicht drucken würden.

Können sich Christen in Aserbeidschan frei versammeln ?

Es gab acht oder neun evangelische Kirchen in der Hauptstadt Baku, die eine Registrierung für das Versammeln von 200 – 300 Personen hatten. Vor etwa drei Jahren aber, wurden alle religiösen Institutionen dazu gezwungen, sich neu zu registrieren und keine evangelische Kirche bekam die Registrierung. Die „Greater Grace“ – Kirche ist ein solches Beispiel und es ist ihr nun ganz und gar verboten, sich zu versammeln. Christen außerhalb der Hauptstadt dürfen sich überhaupt nicht treffen. Wenn entdeckt wird, dass sie sich in ihren Häusern versammeln, müssen sie mit Haftstrafen oder Entlassungen rechnen.

Sind christliche Freunde von Ihnen in Aserbeidschan ihres Glaubens wegen verfolgt worden ?

Jeden Tag werden meine Freunde verfolgt, besonders, wenn sie aktiv im Dienst stehen. Es gibt verschiedene Formen der Verfolgung: durch die Gesellschaft, die Familie und die Regierung. Eine junge Familie, die einen christlichen Buchladen betrieb, wurde übelst verprügelt, so dass sie beinahe starben, was zur Folge hatte, dass sie das Land verlassen mussten.

Im Weltverfolgungsindex der Hilfsorganisation „open doors“ steht Aserbeidschan derzeit auf Platz 38. Dort wird der Bericht von Pastor Jabijew weitgehend bestätigt. Open doors beklagt den fehlenden, rechtlichen Status von Kirchengemeinden und den wachsenden Druck auf Konvertiten vom Islam. Auch das komplette Verweigern von Baugenehmigungen für Kirchen wird im Länderportrait Aserbeidschans bei open doors schmerzlich bemerkt. Pastor Elnur Jabijew bittet jedenfalls um Gebet für eine Veränderung im Land, denn „Gebet bewegt die Hand Gottes“ (habe ich zuerst von Bruder Andrew mal gehört…).

(Quelle: „eauk“ vom 19. Juli 2013)

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