Kirgistan: Jeremy Camp in Bischkek (update)

Liebe Leser, falls Sie es mir gestatten mögen, möchte ich heute zunächst etwas Persönliches mit Ihnen teilen. Für mich als „Spätberufenen“ Nachfolger unseres Herrn ist die Musik ungeheuer wichtig. Die „Lobpreislieder“ und moderne, christliche Musik berühren mich oft mehr, als Predigten und Vorträge, die nur bestätigen, was ich geistlich gesehen bereits gelernt habe.

kirgistan-landkarteWenn ich Ihnen dies an dieser Stelle anvertrauen darf: selbst die schönsten Kirchenlieder von Paul Gerhardt, die mich schon in Kinder- und Jugendtagen berührt haben und während meiner seltenen „Gastbesuche“ in Kirchen an den Feiertagen oftmals staunend zurückließen, haben mich nicht so nachhaltig geprägt wie der Moment, in dem ich die christliche Rockmusik entdeckte. Ich bin halt noch aus der „Hardrock“-Generation, die mit profanen Bands wie „Iron Maiden“ oder „Judas Priest“ (ausgerechnet ! sic) aufwuchs. Der Moment, in dem ich „zufällig“ meine erste „Bloodgood“-CD in die Hände bekam, es war in einem winzigen CD-Laden in Köln, war eine Offenbarung des Höchsten nur für mich. Natürlich weiß ich heute, dass es sich mitnichten um einen Zufall handelte, aber Ihnen, als gläubige Leser ist das natürlich völlig klar. Von diesem Tag an, bis zu meiner Taufe floss zwar noch viel Wasser die Havel herunter, aber Gott hatte einen „Enter-Haken“ in meine Seele geworfen, dem er weitere nachfolgen lassen konnte, bis ich schließlich mein Leben an Seinen Sohn übergab. Bis heute noch mag ich die Musik von „Bloodgood“, „Stryper“ oder neuerdings „Skillet“ und erfreue mich daran. Ich weiß auch, dass viele Prediger und Evangelisten auch heute noch Pop- und Rockmusik für Tummelplätze des Teufels halten, die durch und durch von bösen Energien durchsetzt seien. Dieser Haltung habe ich niemals etwas abgewinnen können, denn wo der Herr erscheint, wird alles gereinigt und gewandelt. Bitte glauben Sie mir, wenn ich gestehe, dass ich hier aus eigener Erfahrung spreche. Heute juble ich lieber dem Herrn zu, wenn er durch Musiker die Lebensfreude in uns Zuhörern motiviert, als z. Bsp. Mammon anzuhimmeln oder Fussballclubs zu vergötzen. Das ist aber nur meine persönliche Meinung dazu.

Jeremy Camp

Jeremy Camp

Dies alles vorausgeschickt, mögen Sie, liebe Leser, vielleicht ermessen, warum mich die folgende Geschichte aus Kirgistan tief berührt hat: Gegen jede Wahrscheinlichkeit gab der christliche US-Popmusiker Jeremy Camp nämlich im Rahmen seiner Tour durch ehemalige GUS-Staaten am 31. Juni 2013 auch ein Konzert in Kirgistans Hauptstadt Bischkek. Die Voraussetzungen dafür waren denkbar schlecht, wie der Missionar Jed Gourley in einem Beitrag für „assistnews“ zu berichten weiß.

Es ist praktisch unmöglich, offen über Jesus Christus zu sprechen. Wenn man dies tut, wird man geschlagen, verhaftet oder getötet.  … Fakt ist, dass Missionare aus Kirgistan deportiert werden, Gläubige Verfolgung erleiden und die Gesetze bezüglich der Religion sind restriktiver, als in anderen Teilen der Welt.

Alle, die in die Vobereitungen dieser Veranstaltung involviert waren, machten sich große Sorgen. Jed Gourley fasst die Bedenken in etwa so zusammen:

Was würde also während dieser Woche von Events passieren, die in einer Massenversammlung von Gläubigen im größten Stadion von Bischkek gipfeln sollte ? Würde es Widerstände von der Regierung geben ? Würde es gewalttätige Attacken seitens der muslimischen Bevölkerungsmehrheit geben ? Würde überhaupt jemand kommen ?

Das spricht für sich. Auch die zunehmende Islamisierung Zentralasiens soll, laut Jed Gourley, den Veranstaltern ein Zeitfenster nahegelegt haben, nachdem solche Veranstaltungen vielleicht völlig unmöglich sein würden. Dies soll aber an dieser Stelle auch als Beschreibung der Sorgen seitens der kirgisischen Gemeinden, die das Event unterstützten, genug sein. Wie sich herausstellte, war der Herr nämlich wieder mit den Furchtlosen und so fand das Konzert mit Jeremy Camp in Bischkek wirlich statt. Wer ihn und seine Musik nicht kennt, der kann bei wikipedia (Englisch, das deutsche ist zu pc-verseucht) Infos über seinen Werdegang als Christ und als Musiker finden. Da ist interessantes zu lesen, aber das nur nebenbei bemerkt.

Die Pastoren und Freunde des evangelistischen Events verließen sich voll auf den Satz

ES SOLL NICHT DURCH HEER ODER KRAFT, SONDERN DURCH MEINEN GEIST GESCHEHEN. (Sacharja 4,6, Luther 1984)

Aber auch jeder Gläubige konnte etwas ganz einfaches für die gute Sache tun, wie der Missionar weiter anmerkt:

Wenn man die geistlichen Erweckungswellen weltweit studiert, dann wird es klar, dass, bevor eine geistliche Erweckung stattfindet, immer eine Phase des intensiven Gebets unter Kirchen und Kirchenleitern vorangeht.

Sieh mal an ! Interessant. Hier sehe ich Möglichkeiten, auf für uns, die tatsächlich immer mehr in die Defensive gedrängten Kirchen Zentralasiens zu stützen… Jed Gourley schreibt weiter, was im Vorfeld des Konzerts geschah:

Gläubige aus vielen Kirchen begannen damit, Jeremy´s Texte zu übersetzen und in Gebetsveranstaltungen und gemeinsame Anbetungszeiten einzubauen, sowie die Nachricht vom Konzert in Bischkek in ganz Kirgistan und einigen umliegenden Ländern zu verbreiten.

Am Abend nach ihrer Ankunft, gab Tom (Camp, Jeremy´s Vater, ein Pastor) eine mächtige Lektion über den Philipperbrief.

Und hier kommt ein sehr interessanter Abschnitt:

Am nächsten Tag hatten wir ein Arbeitsessen mit einigen Regierungsvertretern. Bei diesem Treffen, das man nur als freundschaftlich beschreiben kann, wurde auch gewitzelt und Informationen über unsere Familien ausgetauscht. Diese Männer (die Regierungsbeamten) teilten auch ihre Frustration über die scheinbar unaufhaltsame Islamisierung Kirgistans mit uns. Sie sprachen davon, wie machtlos sie sich fühlten, weil sie beobachten, wie ihrem Volk eine Art von Islam aufgenötigt wird, der mehr als nur Körper verhüllt, nämlich auch die Herzen und den Verstand.

Aber eine mediale Schmutzkampagne ging dennoch auf die Veranstaltung nieder. Wie Jed Gourley schreibt, war der „Vater aller Lügen“ mächtig tätig unter den Journalisten von Zeitungen, Rundfunk und TV, um das Konzert und die daran beteiligten Gemeinden zu diffamieren. Ein Pastor wurde z. Bsp. mehrfach ins „Religonsministerium“ einbestellt, und befragt. Ihm wurde offen mit der Schließung seiner Gemeinde gedroht, wenn irgendetwas aus dem Ruder laufen würde.

Am Tag des Konzerts gab es noch einige Bedenken wegen des Wetters, das aber weitgehend trocken blieb. Ca. 10.000 Menschen versammelten sich schließlich, um die Vorgruppen aus Kirgistan zu hören, bevor dann auch Jeremy Camp auftrat. Vertreter der Sicherheitsbehörden blieben weitgehend beschäftigungslos und konnten die Musik genießen. Die die Texte der Lieder von Herrn Camp wurden sogar, dank der schon erwähnten, fleißigen Übersetzer, auf Großbild-Leinwänden sowohl in Russisch als auch in Kirgisisch angezeigt, damit die Anwesenden ein besseres Verständnis von der Botschaft bekamen, die der Musiker zu vermitteln suchte. Die Botschaft von der Liebe Gottes durch Christus, unseren Herrn, nämlich.

Es soll nicht verheimlicht werden, dass vielleicht 10-15 % aller Anwesenden das Stadion verließen, als Jeremy Camp seine persönliche Geschichte (lesen Sie wikepedia, s. o.) erzählte und vom Trost Jesu sprach. Jed Gourley, der seit sieben Jahren in Kirgistan arbeitet, war aber dennoch froh, denn er hatte damit gerechnet, dass viel mehr Menschen die Gute Nachricht nicht wirklich hören wollten und nur wegen der Abwechslung gekommen waren. Dennoch sprechen nicht nur Gourley und seine Pastoren-Kollegen von einem „Durchbruch“ für Kirgistan, der an diesem Tag erreicht worden sei. Menschen wurden berührt, erschüttert und viele Christen Kirgistans, die sonst eher mit eingezogenen Köpfen und „im Schatten“ der Gesellschaft leben, konnten zum ersten Male durchatmen und Mut tanken für die Herausforderungen, die aller Wahrscheinlichkeit vor ihnen liegen werden.

Liebe Leser, dies ist nur ein Bruchteil des gesamten Berichts den der amerikanische Missionar auf „assistnews“ geliefert hat. Sie werden sicher verstehen, warum diese Geschichte mich anrührt und hoffentlich fühlen auch Sie jetzt eine gewisse Verbundenheit mit den Gläubigen Innerasiens, die auf schwere Prüfungen zugehen, aber an Tagen wie dem oben beschriebenen noch immer Hoffnung und Mut tanken können. Ob das nun immer bei Konzerten sein muss, sei dahingestellt, aber in jedem Falle lebt die Kirche noch auch und gerade in Unterdrückung und Verfolgung. Wer den ganzen Bericht auf Englisch lesen möchte, kann den unten stehenden Link anklicken. Es lohnt sich.

(Quelle: „assistnews“ vom 09. Juli 2013)

P.S.: Um den Kreis der Ereignisse zu vollenden: ich habe erst vor Kurzem erfahren, dass die christliche Band „Stryper“ 2011 ein Album mit Coversongs aufgenommen hat, auf dem sie u. a. ausgerechnet Lieder von „Iron Maiden“ und „Judas Priest“ eingespielt hat. So berühren sich alle Dinge am Ende wieder. …

P.P.S.: Hier noch zwei Videos von Jeremy Camp. Eines davon ist ein zeitloser Gospel-Klassiker, den sicher alle von Ihnen kennen, das andere eine Eigenkomposition.

„Mary, did you know ?“

„I still believe“

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2 Gedanken zu “Kirgistan: Jeremy Camp in Bischkek (update)

    • Schon klar, :-), hab die Quelle nicht umsonst verlinkt. Guter Bericht, direkt vom Missionar und darin eben der link zu CBN. Die Einstellung von Jed Gourley finde ich dabei so bewundernswert: er will seinen kirgisischen Geschwistern Mut machen, auch in solch lebensgefährlichen Zeiten ihren Glauben zu bekennen und mutig zu sein. Das ist natürlich leichter gesagt, als getan, aber manchmal helfen solche mutigen Einzelereignisse dabei, etwas Kraft zu tanken. Außerdem finde ich immer wieder interessant, wie Dinge, die für uns „banal“ und alltäglich sein mögen, wie ein Konzert, in einem feindseligen Umfeld plötzlich eine ganz andere Wertigkeit bekommen.

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