Iran: ein Zeugnis – „Sind Sie Christin ? Dafür können Sie getötet werden !“

Im Iran läuft alles ganz normal, „business as usual“. Das Regime leistete sich vor Kurzem eine „Wahl“, bei der ein brutaler Islamist und Judenhasser gegen einen Islamisten und Judenhasser mit sanfterem Ton ausgetauscht wurde. Wie aber auch Kirchenkreise ganz offen zugeben, wird sich am Schicksal der christlichen Minderheit im alten Persien dadurch wohl nichts ändern.

Iran

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In diesem Sinne möchte ich auf das Zeugnis einer aus dem Iran geflohenen Hauskirchen-Christin hinweisen, die der christlichen, iranischen Nachrichtenagentur „Mohabat“ in eigenen Worten von ihrem Schicksal erzählt hat. Seit Januar 2013 lebt sie nicht mehr in ihrer angestammten Heimat, Isfahan, und dies keineswegs freiwillig.

Im Herbst und Winter 2010 ging wieder einmal eine Welle von Verhaftungen über die Christen des Iran hinweg. Vor allem in Teheran und Isfahan wurden von Sicherheitsorganen der „Islamischen Republik Iran“ Hauskirchen durchsucht, christliche Wohnungen geplündert und Gläubige terrorisiert. Schließlich landeten ca. 60 von ihnen (genaue Zahlen sind immer nur aufgrund eingehender Meldungen im Ausland möglich, da aber durch die mediale Abschottung des Iran und die selektive Informationspolitik unserer Massenmedien nicht immer alles ans Tageslicht kommt, sind alle Schätzungen als MINDESTZAHLEN anzusehen) in Gefängnissen. Eine von ihnen war die Hauskirchen-Angehörige Fatemeh Yar-Ahmadi, die uns in eigenen Worten erzählt, was ihr zustieß:

Ich bin Fetemeh Yar-Ahmadi, auch bekannt als Yasaman oder Yassi. Seit 10 Jahren glaube ich an Jesus Christus als meinen Herrn. Ich wurde in Isfahan am 26. Dezember 2010 verhaftet, ebenso wie eine Anzahl anderer Christen darunter Basir Amini, Hooman Tavakoli und Rafee Nadi-Pour in Isfahan sowie Farshid Fathi in Teheran.
Als ich von Agenten des iranischen Geheimdienstes verhaftet wurde, war ich seit acht Jahren eine Gläubige. Zu dieser Zeit arbeitete ich und kannte auch viele Christen im ganzen Land. Das iranische Regime betrachtete das als „sanften Krieg“ gegen den Islam und das Islamische Regime.

Über ihre Verhaftung:

Es war gegen 07:30 Uhr morgens, am Tag nach Weihnachten, und ich war noch im Bett, als mehrere großgewachsene, kräftige Männer in unser Wohnhaus einbrachen. Offensichtlich hatte ein Nachbar, der über uns wohnt, ihnen die äußeren Tore geöffnet. Ich hielt dies alles für einen Traum. Sie schrien: „unterbrecht die Telefonleitung, verteilt euch und beginnt mit der Suche !“ Es waren insgesamt 15 Männer. Ich begann zu schreien: „Wer sind Sie ?“ Sie antworteten nicht. Meine Mutter, die herzkrank ist, hatte schauerte und begann, zu weinen. Ich schrie wieder: „Was wollen Sie ? Reden Sie doch ! Meine Mutter hat Angst !“ Einer von ihnen, der älteste Mann, der wie ihr Anführer aussah, zeigte mir schließlich ein Papier und sagte, sie suchten nach Christen. „Wer hier ist Christ ?“

Ich sagte: „Tun Sie meiner Mutter nichts ! Ich bin Christin.“  … Meine Mutter zitterte. Einer von ihnen nahm alles mit einem Camcorder auf. Der ältere Mann fragte mich: „Geben Sie hier ganz eindeutig zu, dass Sie eine Christin sind ? Dafür können Sie getötet werden !

(Hier eine kleine Einfügung eines deutschen Evangelikalen: mir laufen kalte Schauer den Rücken herunter, wenn ich so etwas lese. Die Erinnerungen an Gestapo- und Stasi-Terror drängen sich geradezu auf ! Die hier gegenüber einem Individuum demonstrierte Allmacht des Staates, in diesem Fall noch mit schiitischer, religiöser Selbstgerechtigkeit gepaart, lassen mich um die Zukunft unseres Landes fürchten und bringen mich ab und an um meinen gesunden Nachtschlaf. Was immerhin für Sie, liebe Leser, den Vorteil hat, dass ich dann mit dem Bestücken dieses Blogs mit Nachrichten beginne…)
Nachdem ihre Wohnung eine Stunde lang durchsucht wurde und schließlich ein „verdächtiger“ Mietvertrag für eine Immobilie in einem anderen Stadtteil gefunden wurde, führte man Fatehem Yar-Ahmadi ab und brachte sie ins Dastgerd-Gefängnis, in die Abteilung für politische Straftäter. In eine Einzelzelle anfänglich und dann später in einen brutalst überfüllten Frauentrakt. Die weiteren Abläufe ihrer stundenlangen Verhöre, wobei das erste 14 Stunden dauerte, die Fragen nach dem „Netzwerk“ der Gemeinden im Iran, die Beschimpfungen, Demütigungen und Schläge usw. erspare ich Ihnen. Wir kennen das bereits aus Erzählungen anderer, iranischer Gefangener des Glaubens. In ihrem Falle drohte man ebenfalls damit, ihr die Tochter „wegzunehmen“ (schon wieder diese Analogie zu NS und DDR) und schließlich wurde eine erste Haftstrafe gegen sie ausgesprochen. Noch immer wurde sie willkürlich zu Verhören, die zwischen 7 und 8 Stunden dauern konnten, abgeholt, wobei sich herausstellte, dass die Behörden bestens über ihre Kontakte informiert waren. Vermutlich über das Abhören ihres Telefons.

Schließlich wurde ich nach 37 Tagen auf Kaution entlassen. Aber man informierte mich, dass ein abschließender Prozess noch ausstünde. Obwohl ich entlassen worden war, blieb ich unter Beobachtung der Regierung und wurde weiterhin für Befragungen durch den Geheimdienst einbestellt.

Diesem Druck des „Big Brother“, islamische Republik Iran, war Fatemeh schließlich nicht mehr gewachsen und verließ ihre Heimat im Januar 2013.

Übersetzung: MCK

(Quelle: „mohabat news“ vom 06. Juli 2013)

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