Kommentar: zum ökumenischen Bericht der Kirchen…

Die Christenverfolgung ist also endlich auf der Agenda der beiden großen konfessionellen Kirchen Deutschlands angekommen. Am 01. Juli 2013 stellten u. a. der Auslandsbischof der EKD, Martin Schindehütte zusammen mit anderen in Berlin den „Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“ vor. Aus verschiedenen Gründen habe ich lange überlegt, ob ich dieses Papier kommentieren soll, aber, da ich nicht nur ein notorischer Sabbel-Onkel bin, sondern auch tatsächlich ein paar Anmerkungen zu dieser Vorstellung habe, haben Sie, liebe Leser, jetzt die Möglichkeit, meine Gedanken im folgenden Beitrag nachzuvollziehen und von mir aus nach Herzenslust im Kommentarbereich zu kritisieren.

ERDEWie ich es schon in den einleitenden Worten angedeutet habe, hat es lange gedauert, bis die beiden Großkirchen, diesmal in einem seltenen Akt ökumenischer Einigkeit, sich daran gemacht haben, diesen „blinden Flecken“ auf ihrem Radarschirm freizulegen. Per se eine positive Sache, die höchst überfällig war, denn jahrzehntelang hat man in unseren geistlichen „Großdampfern“ EKD und Katholische Kirche die Nöte, Bedrängnisse und das Leid der Geschwister in großen Teilen dieser Welt ignoriert. Ein von mir seit Jahren heftigst angeprangertes „beredtes Schweigen“ lag über den Gemeinden, wenn es um Namen wie Youcef Nadarkhani, Asia Bibi, Haik Hovsepian oder Behnam Irani ging. Man kannte sie nicht, wollte nichts von ihrem Schicksal wissen, da man ja so sehr damit beschäftigt war, sich Gedanken über die sich schleichend immer mehr leerenden Kirchenbänke und damit die schwindenden Einnahmen zu machen. Für Aktionen gegen das Waldsterben, diverse Kernkraftwerke oder die gefühlte soziale Kälte im Lande hats noch gereicht, aber die warmen Herzen der Pastoren, Synodalen, Bischöfe und sonstigen Funktionsträger der Kirchen strahlten danach eben nicht mehr genug Energie ab, um auch glaubwürdig etwa das Schicksal Youcef Nadarkhanis, für den es immerhin international eine weit gefächerte Kampagne gab, an der sich u. a. brasilianische Kirchen massiv beteiligten, thematisieren zu können. Noch nicht einmal beten wollte man für ihn und diverse andere Opfer der Verfolgung. Hat sich nun seit dem 01. Juli 2013 daran etwas geändert ?

Ja und Nein. Ich weiss, so eine „gemischte“ Antwort ist extrem unpopulär, aber bei unserem Thema muss an dieser Stelle tatsächlich differenziert werden. Zum Einen können wir in Sachen Christenverfolgung engagierten Zeitgenossen jetzt an etwas anknüpfen, wenn wir das Gespräch mit Vertretern der Großkirchen suchen. Nach der Vorstellung dieses Berichtes können die Kirchen fortan schlicht und ergreifend bestimmte Sachverhalte nicht mehr übersehen oder wegzuleugnen versuchen. Etwa die im Bericht erwähnte Tatsache, dass Christen in (mindestens, aber das ist nur meine Meinung) 111 Ländern auf diesem Planeten bedrängt und verfolgt werden. Oder die erwähnte Einschätzung, dass der sog. „Arabische Frühling“ für die Christen nichts an Fortschritt, an Verbesserung ihrer oftmals sehr ernsten Lage in Ländern wie Tunesien oder Ägypten gebracht hat. Meines Erachtens nach ist der „Frühling“ sogar ein Auslöser schlimmster, antichristlicher Pogrome, aber darüber lässt sich ganz gewiss herzhaft streiten.

Andererseits hat bereits die Journalistin Anna Lutz völlig zu Recht in einem Beitrag für das christliche Medienmagazin „PRO“ darauf hingewiesen, dass sich der ökumenische Bericht der Kirchen wie eine bewusste „Blaupause“ des Weltverfolgungsindex von „open doors“ liest. Ohne es offen zu benennen (was mich sehr, sehr skeptisch macht, muss ich zugeben) positionieren sich EKD und Katholische Kirche hier ganz bewusst konträr zu den großen nationalen und internationalen Hilfs-Organisationen wie „open doors“, „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK), „Aktionskomitee Verfolgte Christen“ (AVC), „Christian Solidarity International“ (CSI, nicht lachen, hat nix mit der TV-Sendung zu tun) oder der „Schwester Hatune Stiftung“, die über jahrzehntelang gewachsene Kontakte und Erfahrung verfügen. Das mag zunächst befremden, da diese Gruppen eben seit Jahren die Arbeit an Aufklärung, Bewusstseinsbildung und konkreter Hilfsleistung verrichten, die die Kirchen versäumt haben, zu initiieren bzw. massiv aktiv zu unterstützen. Dabei lassen die o. g. und auch andere Hilfsgruppen für verfolgte Christen es sich eben auch nicht nehmen, in ihren Publikationen frank und frei über die geistlichen und materiellen Hintergründe der Verfolgung zu berichten und sie oftmals recht deutlich beim Namen zu nennen. Das scheint langsam aber sicher auch Spuren in manchen Gemeinden hinterlassen zu haben und manchen Gläubigen nachdenklich zu stimmen.

Und genau hier scheinen die Großkirchen Bauchschmerzen zu bekommen. Warum, darauf komme ich gleich zu sprechen. Vorher möchte ich diese „Frontstellung“ der Kirchen gegen „open doors“ und Co. noch ein wenig bedauern dürfen. Diese Gruppen, die seit Jahr und Tag großartige Arbeit leisten und deren Hilfen oftmals die letzten Hoffnungsschimmer für Christen in echter Existenznot sind, wären einer Kirche, die wirkliches Interesse für andere Teile des „Leibes Christi“ aufbrächte, nämlich ganz sicher ein kompetenter und nur allzu gutwilliger Kooperationspartner. Dass die Kirchen hier eine künstliche Trennlinie ziehen, muss bedauert, ja mehr noch: es muss kritisch hinterfragt werden. Woran entzündet sich denn nun die Kritik der Kirchen ? An den Zahlen mit denen open doors und Co. operieren. Die sehr griffigen Zahlen über den Umfang der Verfolgung, mit denen die auf Spenden angewiesenen Hilfswerke operieren, werden von den durch Steuern finanzierten Kirchen als unwissenschaftlich und viel zu hoch angesehen. Dazu hier gleich meine persönliche Meinung (ja, auch ich befasse mich seit Jahren mit der Verfolgung von Christen und erlaube mir eine Meinung): Zahlen helfen nicht weiter, Taten helfen weiter und da haben die Kirchen gegenüber Einzelpersonen wie Schwester Hatune oder gegenüber der Hilfsaktion Märtyrerkiche etwa ein gewaltiges Defizit aufzuweisen. Diskutieren wir also nicht müßigerweise darüber, wieviele Christen jährlich aufgrund ihres Bekenntnisses getötet oder aktiv verfolgt werden. Auch, ob dies durch staatliche Organisationen geschieht, oder von diesen nur durch Wegschauen gefördert wird, ist für die Betroffenen, unsere christlichen Geschwister, nämlich völlig gleichgültig.

Aber auch manche Aussage über den Kontext, in dem Christenverfolgung gedeiht, wird durch die Verantwortlichen für den ökumenischen Bericht der Kirchen abgelehnt. Vor allem die Einschätzung, dass in sehr weit islamisierten Gesellschaften die Gläubigen anderer Religionen von offener Diskriminierung (etwa beim Zugang zum Bildungswesen oder der Arbeitssuche) bis zu knallharter Gewalt alles erdulden müssen, was das Arsenal der Verfolger so hergibt. Da wollen die Kirchen eine stärkere Differenzierung zwischen „Diskriminierung und Verfolgung“ angewandt wissen und vor allem auch die Gewalt gegen andere Spielarten des Islam (wie etwa gegen die Ahmadiya in Indonesien) miteinbezogen sehen. Hier muss ich persönlich bemerken, dass Kirchen sich per se zunächst den „eigenen Schafen“ widmen sollten, zumal dann, wenn sie dies jahrzehntelang versäumt haben. Wenn Christus zu Petrus sagt „weide MEINE Schafe“, dann meint er eben nicht Buddhas oder Mohammeds Schafe. Das mag kaltherzig klingen und wird wohl genau deshalb auch von den Kirchen anders gesehen, aber wer sich nicht mal um die eigenen Schafe kümmert, sondern sie kommentarlos verloren gehen lässt, der wirkt extrem unglaubwürdig, wenn er auch noch das Wohlergehen von Buddhisten, Hindus oder Muslimen ins Auge fasst. Deshalb sind Aussagen über die Verfolgung anderer Religionsgemeinschaften mit Vorsicht zu treffen und am besten gleich ganz zu vermeiden. Mein Vater sagte dazu immer so treffend: „Schuster, bleib bei deinem Leisten.“

Und so verwässert der Bericht manchen Kontext, wirft Nebelkerzen gerade dort, wo es gilt, Licht in Situationen zu bringen, die den Konsumenten unserer deutschen Massenmedien unverständlich und nicht nachvollziehbar erscheinen. Wenn ich an dieser Stelle meinen oben so fahrlässig fallengelassenen Argumentationsfaden wieder aufgreifen darf: dies tun die Kirchen nicht grundlos. Die Befassung mit der weltweiten Verfolgung schafft nämlich ein neues Bewusstsein beim einzelnen Christen dafür, welchen Bedrohungen sich unser Glaube in dieser Welt gegenüber sieht. Ich spreche aus eigener Erfahrung wenn ich sage, dass dies tatsächlich die ganze Weltsicht und auch das gesamte Glaubensleben und die Beziehung zu seiner Gemeinde, seiner Kirche sogar, verändern kann. Ich persönlich nenne mein Schlüsselerlebnis in dieser Hinsicht gerne eine Art „Erwachen“ ein Augenöffnen für Dimensionen des Christenlebens, die ich vorher, warum auch immer, übersehen hatte. Und dieses „Erwachen“ wollen die Kirchen um jeden Preis vermeiden, so scheint es. Denn ein großangelegter Prozess des Abschüttelns einiger Aspekte der liebgewonnenen Lethargie in den Gemeinden, die durch Routine und die immerselben Phrasen geprägt wird, könnte im Extremfalle Konsequenzen des geistlichen Erwachens nach sich ziehen, die keinesfalls mehr durch die Bischofskonferenzen etc. einzudämmen oder gar steuerbar wären.

Z. Bsp. könnten Christen, denen bewusst ist, welche Herausforderungen und Bedrohungen ganz konkreter Art etwa vom Islam ausgehen (nicht vom sog. „politischen Islam oder Islamismus“, den es per se gar nicht gibt), sich von ihrem Gewissen gedrängt sehen, die Ergebnisse der „interreligiösen Dialoge“ unserer Kirchen (, die erstaunlicherweise fast nur mit Muslimen, nie aber mit Buddhisten, Hindus, Taoisten oder Satanisten geführt werden) analysiert sehen zu wollen. Was an konkreten Fortschritten für die Kirche, die Gemeinde, das einzelne Gemeindemitglied bringen diese immer stärker forcierten Dialoge ? Wer profitiert von diesen Gesprächen und warum ? Was genau wird dort besprochen und sprechen die Vertreter der Kirchen bei diesen Runden überhaupt noch für ihre Schäfchen oder nur noch für ihr eigenes Weltbild ? All diese Fragen wurden bislang nicht aufgeworfen, wurden in den Gemeinden zu Gunsten der rosaroten, watteweichen „Eine-Welt-wir-haben-uns-alle-lieb“-Ideologie nicht zugelassen. Die knallharten Fakten der Christenverfolgung etwa in Pakistan, dem Irak, Syrien, der Türkei, den Malediven etc. könnten Gläubige dazu bringen aus dieser selbstgemachten Blase der Ignoranz auszusteigen, die Fakten auf bisher ungedachten Pfaden zu analysieren, Punkte zu verbinden und in Wort, Gebet und Tat sich den Bedrohungen unserer Geschwister entgegenzustellen. Auch hierzulande. Und soweit darf es, das könnte die Marschrichtung unserer Kirchenoberen sein, gar nicht erst kommen. Man will sich seine schönen Tee-Runden mit dem Imam der Moschee von nebenan ja nicht verderben. Da stören Fragen nach der Vertreibung oder Tötung von Christen in dessen alter Heimat nur. Und nach dem Kern dieser Gewalttaten in Koran oder Hadithen fragen wir schon gar nicht, sonst lädt der freundlich lächelnde Vollbartträger uns ja nie wieder ein !

In diesem Sinne: machen Sie sich ihre eigenen Gedanken, liebe Leser. Ich bleibe auch nach diesem Bericht noch immer dabei: er ist ein Feigenblatt der Kirchen, das in einigen Teilen schwammig formuliert wurde, um die Dialoge mit Islamvertretern nicht in „gefährliche Gewässer“ zu bringen. Wenn EKD und Katholische Kirche in Deutschland WIRKLICH etwas erreichen wollen und sich tatsächlich um die anschwellende Gewalt gegen Christen sorgen, dann müssen in Zukunft TATEN folgen. Wie etwa eine großangelegte, medial ordentlich vorbereitete und durchgepaukte Gebets- und Spendeninitiative etwa. In Kooperation mit „open doors“ möglicherweise. Vielleicht zu Gunsten der Untergrundkirchen im Iran oder einer im Alltag diskriminierten Kirche in Indonesien. Die Zukunft wird uns zeigen, ob etwas derartiges von Schneider, Schindehütte, Kässmann, Zollitsch, Marx und Co. ausgebrütet werden wird. Ich zweifle jedoch daran.

Ihr

Martin Clemens Kurz

Advertisements

3 Gedanken zu “Kommentar: zum ökumenischen Bericht der Kirchen…

  1. Die Gedankengänge des Blogbetreibers sind vollinhaltich nachzuvollziehen. Meine Weinigkeit meint schon, dass es letztlich der richtige Ansatz ist, dass die Großkirchen sich um alle Menschen, egal welchen Glaubens, kümmern sollten, denn nicht nur Christen werden verfolgt. Aber: Die Argumente des obigen Artikels greifen. Die Kirchen sind unglaubwürdig, weil sie nicht einmal ihre in Verfolgung geratenen Glaubensgeschwister bislang beachtet haben. Erst wenn da voller Einsatz zu spüren ist, sollten auch die anderen Menschen nicht zu kurz kommen. Da hat der Verfasser schon recht.

    Leider habe auch ich den Eindruck, dass dieses Papier erst einmal nur ein Papier ist, ohne dass der Inhalt in die Seele selbst der Verfasser Eingang gefunden hat. Es spricht nicht für den Geist, der in den Kirchen in dieser Frage herrscht, sich auf Kosten von open doors oder anderen wirklich engagierten Gemeinschaften irgenwie von oben herablassend in einem Papier zu äußern. Es wäre souverän gewesen, dass wenigstens zugegeben worden wäre, dass sich die Kirchen bislang – durchaus sündhaft – dieses Problems eben nicht angenommen haben. Das wäre eine echte Haltung gewesen, die ich sogar bewundert hätte. So bleibt ein fader Beigeschmack des Nichternstmeinens, des Relativierens und des Herumeierns.

    Die Großkirchen hätten das Potential, dieses Thema zu einem Hauptanliegen werden zu lassen. Sie werden es nicht dazu kommen lassen, weil sie den Dialog mit Islamführern nicht aufs Spiel setzen wollen. Aus diesem Grunde ist dieses Papier tatsächlich ein Feigenblatt.

    Es muss die Frage an die Dialogpartner des interrreligiösen Dialogs (Christentum – Islam), was sich durch diesen Dialog konkret zum Positiven geändert hat im Machtbereich des Islam? Nichts, im Gegenteil: Es ist alles nur noch schlimmer geworden. Die Ausgrenzungshaltung Nichtmuslimen gegenüber ist noch radikaler geworden mit den entsprechenden Folgen für Christen und andere Nichtmuslime.

    Wer da noch an einen Erfolg eines wirklich ernsthaften Dialog nicht nur mit lichtbestrahlten Seiten des Wohlfühlsynkretismus glaubt, kann nur noch mit der Puderquaste behandelt worden sein und sich die Welt schön zurechtdenken. Das ist nicht Sinn des Dialogs, Teekränzchen mit Rücksichtnahme auf Islamvertreter abzuhalten, wenn nicht auch die tragische Realität und die Rolle der islamish-koranischen Dogmen auf die Tagesordnung des Dialogs gesetzt wird. Dialog würde dann nämlich zum Dialüg. Wer sich etwas vormacht hüben wie drüben und es aus Rücksichtnahme gegenüber dem Dialogpartner vermeidet, eine echte der Realität angepasste Bestandsaufnahme der rechtlichen Gleichstellung zwischen Muslimen und Christen in islamischen Ländern zu liefern, kann sich den Dialog schenken. Er verkommt zu einem Kaffeeklatschniveau unter Damen, die ihre letzten Einkäufe besprechen. Wer sich scheut, Wahrheiten auf den Tisch zu bringen, der macht sich im Dialog auch nur noch lächerlich.

    Die Großkirchen müssen sich entscheiden, um glaubwürdig zu sein und nicht nur zu wirken:
    a) Dialog auf einer anderen Ebene weiterführen, die auch die Realitäten nicht außer Acht lässt und
    b) sind die verfolgten und diskriminierten Mitgeschwister auf der Prioritätenliste ganz oben, vor dem Dialog?

    Nebelkerzen sind bislang zur Genüge gezündet worden im Sinne von Mehr Schein als Sein. Genau das muss sich ändern.

    • Wie immer wortstark und treffend. Mir gefällt vor allem dies:

      Er (der Dialog) verkommt zu einem Kaffeeklatschniveau unter Damen, die ihre letzten Einkäufe besprechen. Wer sich scheut, Wahrheiten auf den Tisch zu bringen, der macht sich im Dialog auch nur noch lächerlich.

      Ja, soweit sind wir leider bereits. In diesen Dialog-Veranstaltungen geht es letztlich nur noch um direkte oder indirekte Forderungen, die von der islamischen Seite an die „deutsche“ Gesellschaft oder an die Kirchen gestellt werden. Eine aktive Unterstützung der Teilnahme von muslimischen Gemeinden am sozialen Leben auf kommunaler oder überregionaler Ebene wird dabei immer in der ein oder anderen Form gefordert. Die Kirchen machen nur zu gerne die Türe dafür auf, mit der Konsequenz, dass mittlerweile in halb NRW der Muezzin vom Turme ruft. Wenn dies der „Fortschritt“ ist, den ein „sozialer Wandel“ unserem Land bringt, sollten gerade die geistlichen Hirten sich überlegen, ob es immer und in jedem Falle sinnvoll ist, sich an diesen Dingen zu beteiligen. Denn diejenigen, die den Muezzinruf für sozialen Fortschritt halten, wollen zumeist gleichzeitig die Kreuze in Schulen, Behörden und Gerichtssälen abhängen. Da ist was „faul“, nicht nur im „Staate Dänemark“.
      Wenn ich allein den Bischof der EKD, Martin Schindehütte, sagen höre, es sei nicht sinnvoll, sich immer „am Islam abzuarbeiten“, dann rieche ich förmlich die Kapitulation, spüre förmlich, das fehlende Rückgrat. Denn das „Abarbeiten“ am Islam hat ja in den großen (und z. T. auch den kleinen) Kirchen noch nicht einmal rudimentär begonnen. Hier soll wohl eine Diskussion im Keime erstickt werden, die de facto noch fast gar nicht begonnen hat. Das riecht stark nach „Basta“-Kommando und muss kritisch hinterfragt werden. Na, die Zukunft wird uns zeigen, wozu das alles gut war…

      Es spricht nicht für den Geist, der in den Kirchen in dieser Frage herrscht, sich auf Kosten von open doors oder anderen wirklich engagierten Gemeinschaften irgenwie von oben herablassend in einem Papier zu äußern.

      Und wenn man dann noch nicht einmal „Ross und Reiter“ offen benennt und die Trennlinien in unheilvoll traditionsgebundener „Sniper“ – Mentalität nur zwischen den Zeilen durchscheinen lässt, ist das Anliegen als solches ja bereits kompromittiert. Mir war immer einer lieber, der mir ins Gesicht sagt, was er an meinem Standpunkt nicht teilen kann, als einer, der sich nur hinter meinem Rücken äußert. Ob wohl „open doors“ und Co. Stellung bezogen haben zu diesem Papier ? Hab bislang nix dazu gelesen. Ich denke, es ist auch Leuten wie dem „open doors“-USA-Chef Moeller geschuldet, dass unsere Leisetreter-Kirchen so ihre Schwierigkeiten mit denen haben. Der ist noch viel mehr, als der deutsche Chef Rohde, offen in seiner Sprache und seinen Kommentaren. Seit Jahr und Tag schon sagt und schreibt er, dass unsere Kirchen pennen. In seinem Land genauso wie hier. Das haben sie ihm und seinem Werk wohl nicht verziehen.
      https://gebetskreis.wordpress.com/2012/07/27/usa-open-doors-kirche-im-koma-uber-die-verfolgung/

  2. Mittlerweile habe ich auch gelesen, dass es wohl einen „Graben“ zwischen den eher von Freikirchen unterstützten Werken einerseits und der Staatskirche andererseits gibt. Das Hauptaugenmerk läge dabei auf den unterschiedlichen Einstellungen zum Thema „Mission“, wo eben die Freikirchen dafür sind, die großen „Dampfer“ aber eher dagegen. Da aber nun die Hilfswerke durch die Distribution auch von Bibeln und Schulungsmaterial die kleinen Untergrundkirchen in vielen Ländern stärken, hätten sie es sich mit EKD und deutschen Katholiken versaut. Die befürchten nämlich die „Gegenschläge“ von Regimen und Zivilgesellschaft in kommunistischen und islamischen Ländern.
    Wenn ich es noch „griffiger“ auf eine These bringen müsste: hier stehen biblisches Gottvertrauen (Mission) gegen nackte Angst um die Reste christlicher Gemeinschaften, die es in manchen Regionen gerade noch so schaffen, zu überleben (Dampfer). Da muss sich wohl jeder selbst entscheiden, wenn er sich mit dem Thema auseinandersetzt, was biblischer ist, was einem echten Christenleben mehr entspricht. Angst oder Gottvertrauen. Ich persönlich setze auf das Letztere. Paulus, Augustinus und Luther waren auch keine Angsthasen. Den Tod fürchteten sie nicht. Aber Gottes Willen nicht zu erkennen und zu tun, das machte ihnen schlaflose Nächte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s