Syrien/USA: Obama-Regierung wird als christenfeindlich wahrgenommen

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die derzeitige US-Außenpolitik, die auf eine Ermutigung und Festigung der den Muslimbrüdern nahestehenden, politischen Gruppierungen in Nordafrika und Nahost hinausläuft, von den religiösen Minderheiten dieser Länder als direkter Angriff auf ihre Existenz angesehen wird, dann wurde vor wenigen Tagen dafür eine Lanze gebrochen.

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Demonstranten vom Juli 2013 zeigen, was sie von Obama und Frau Patterson halten

Erinnern wir uns: am 17. Juni 2013 traf sich die US-Botschafterin in Ägypten, Anne Patterson, mit dem Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Christenheit, Papst Tawadros II. in Kairo. Was eigentlich ein freundlich-diplomatischer Gedankenaustausch hätte werden sollen, geriet jedoch zur bewussten Einflussnahme auf die christliche Minderheit des Landes am Nil, als Frau Patterson den koptischen Papst davor warnte, seine Schäfchen an den geplanten Massenprotesten gegen die Muslimbruderschaft und deren Marionette Präsident Mohammed Mursi teilnehmen zu lassen. Für ein Land, welches früher viel auf die individuellen Menschenrechte hielt und die Gewissensfreiheit des EINZELNEN zu seinen Gründungsprinzipien zählt, haben die USA hier in unverantwortlicher Art und Weise zur „Kommandokultur“ gegriffen, die sonst eher vom Kreml oder von den Castros in Kuba gepflegt wird. Das US-Außenministerium hat hier in skandalöser Art und Weise eine Grenze überschritten, als sie Christen eines anderen Staates ihre Gewissenentscheidung in weltlichen Angelegenheiten vorschreiben wollte. Noch dazu im Sinne (oder im Auftrage ?) der islamisch-fundamentalistischen Muslimbrüder und des die christendiskriminierende Scharia befürwortenden Staatsoberhauptes Mursi. Das einzig „Witzige“ an dieser Story ist hingegen die Antwort des ägyptischen Gottesmannes Tawadros: freundlich lächelnd liess dieser nämlich Frau Patterson wissen, dass seine geistliche Autorität über die Kopten sich nicht auf politische Angelegenheiten erstrecke. Wir erinnern uns: „Gott was Gottes, dem Kaiser was…“ Ein echter Hirte, ein geistlicher Leiter mit Rückgrat und Humor. Ich wünschte mir, wir hätten solche auch in meiner Stadt, in unserem Lande, statt der „Zeitgeist-Apologeten“ in der EKD und den „bürokratischen Schrift-Verwaltern“ auf katholischer Seite. Vielleicht werde ich auf meine alten Tage noch Kopte, wer weiss… Und sei es nur aus Protest gegen die verlotterten, deutschen Kirchen.
Stellen wir uns hingegen einmal vor, welcher Aufschrei durch die deutsche Medienlandschaft gegangen wäre, wenn der US-Botschafter in Berlin der EKD ihre „Friedensmärsche, Stuttgart 21-Rettungen“ oder Ähnliches verbieten wollte…

In Ägypten also wurde dieses „Kommando: Christen sollen stille sein !“ aus Washington gar nicht gut aufgenommen. Nicht nur christliche Ägypter, sondern auch andere „Anti-Mursi“ Protestler sahen in dieser Angelegenheit sicher nicht ganz zu Unrecht eine Parteinahme Obama-Amerikas zu ihren Ungunsten. So ist auch eine andere Meldung, die über das konservative, christliche US-TV-Netzwerk „CBN“ verbreitet wird, nicht wirklich eine Überraschung: während einer Anhörung im US-Kongress zitierte der Vorsitzende von „Christian Solidarity International“ syrische Christen, die ihn kontaktiert und sinngemäß gefragt hätten: „Warum führt Amerika Krieg gegen uns ?“

Syrien

Syrien

Vor dem Hintergrund des syrischen Bürgerkrieges, bei dem auf Seiten der Aufständischen vermehrt djihadistische Söldner aus vieler Herren Länder ins Geschehen eingreifen (, die, wie erst unlängst bekannt wurde, auch noch von US-Truppen in Jordanien an Boden-Luft-Lenkwaffen ausgebildet werden) werden immer wieder Greuel an Christen und Alawiten gemeldet. Es ist ja bekannt, dass auch der deutsche Innenminister vor den deutschen Djihadisten warnt, die bald aus Syrien zurückkehren werden. Bestens an vielerlei Handfeuerwaffen ausgebildet, erfahren im Straßenkampf, im rücksichtslosen Töten „für Allah“, ist ihr Gefahrenpotential nach ihrer Rückkehr kaum einzudämmen.
Kidnapping von Christen zur Erpressung von immensen Lösegeldsummen, Angriffe auf Kirchen, Klöster und andere christliche Symbole in Syrien, Angriffe auf Gläubige und Geistliche, Vertreibungen von Christen aus ihren angestammten Wohnvierteln etc. gehören seit dem Beginn des Aufstandes zum Alltag in Syrien. Siehe unsere „Syrien-Rubrik“.  Eine von der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit subjektiv wahrgenommene „Bevorteilung“ der christlichen Minderheit in Syrien durch das Assad-Regime oder eine vermeintliche „besonders enge“ Kooperation der christlichen Minderheit mit der Regierung  steht hinter dieser Gegnerschaft, obwohl gerade Kirchenkreise seit Beginn der Kämpfe immer wieder ihre Neutralität bekundet haben. Die Sunniten formieren allerdings auch nicht zufälligerweise den Kern der Rebellen in diesem Bürgerkrieg. Nun werden sie massiv von westlichen Staaten, allen voran die USA, unterstützt. Wie müssen sich die Christen da fühlen, die von ebendiesen Rebellen der „freien, syrischen Armee“ oder ihnen nahestehenden Milizen, die oftmals eher schwerbewaffneten Räuberbanden ähneln, tagtäglich drangsaliert, misshandelt oder beraubt werden. Menschen, deren Freunde und Verwandte von Soldaten getötet wurden, die wohlmöglich von der CIA ausgebildet wurden (wie einst in Afghanistan 1980, wir wissen alle, woher Osama Bin-Laden seine jihadistischen Phantasien hatte).

Am 25. Juni 2013 kam es nun im US-Kongress, vor dem Unterausschuss für Menschenrechtsfragen, zu einer Anhörung über die Lage der Minderheiten in Syrien, bei der verschiedene Sachverständige aussagten. Der Vorsitzende dieses Ausschusses, der Abgeordnete Chris Smith (Republikaner aus New Jersey) verlas dabei sogar eine Erklärung, deren Kernaussage auch unseren, politischen „Eliten“ in den Ohren klingeln sollte:

Christen fürchten eben noch stärker um ihr Leben und ihre Sicherheit, als andere Segmente der syrischen Bevölkerung.

Ob man nun „Skalen“ an die Angst von Menschen anlegen kann und möchte, oder nicht, in jedem Falle wird deutlich, dass die christliche Minderheit Syriens, die jahrhundertelang nur wenig zu befürchten hatte, nun ähnliche Erfahrungen macht, wie ihre irakischen Geschwister jenseits der Grenze zuvor. Während der oben erwähnten Anhörung am 25. Juni sagte auch Nina Shea vom „Zentrum für Religionsfreiheit“ des „Hudson Instituts“, eines US-Think-Tanks, aus. Sie sprach dabei unmissverständlich von gezielten Angriffen auf syrische Christen, um einer „ethnisch-religiösen Säuberung“ Vorschub zu leisten. Die Gefühle der syrischen Christen, zu denen „Christian Solidarity International“ (CSI, nicht mit den US-TV-Serien zu verwechseln) Kontakt hat, schilderte deren Direktor John Eibner wie bereits erwähnt folgendermaßen:

Sie fragen: „Warum führt Amerika Krieg gegen uns ?“

Eine gute Frage.

Ich höre schon wieder die weniger wohlmeinenden Zeitgenossen, die mir an dieser Stelle zum wiederholten Male eine Verharmlosung des autoritären Assad-Regimes inkl. „Baath-Partei“ etc. vorwerfen wollen. Sorry, Leute, dazu habe ich in vielen meiner Syrien-Beiträge hier im Blog bereits alles gesagt, was zu sagen ist: das Regime, das so friedlich-freundlich mit den fanatischen Mullahs im Iran interagiert und sich seit Jahr und Tag mit Waffen aus aktueller, russischer Produktion versorgen lässt, hat meinerseits nur wenig Sympathien zu erwarten. Jedoch hatten Christen, anders als in der nach einem Sieg der Rebellen zu erwartenden sunnitisch-fundamentalistischen Scharia-Zukunft der Muslimbrüder, unter Assad keine Vertreibung oder Ermordung zu erwarten. Wenn wir uns die Entwicklung im benachbarten Irak ansehen, bekommen wir eine Ahnung davon, was den Christen Syriens (zu denen die ältesten Gemeinden gehören, lest gefälligst die Bibel und erinnert euch an den erblindeten Apostel Paulus vor Damaskus) blühen wird, sobald die mit katarischem, saudischem, amerikanischem und nun bald wohl auch deutschem, französischem…. Geld ausgestatteten „Befreier“ die Macht übernehmen.

(Quelle: „CBN-News“ vom 27. Juni 2013)

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