Pakistan: Asia Bibis Leiden gehen weiter … mindestens noch zwei Jahre lang

Lange haben wir nichts mehr von Asia Noreen, genannt „Asia Bibi“ gehört. Ob diese Abwesenheit von neuen Fakten nun gut oder schlecht ist, hat sich gerade erst herausgestellt. Denn es wurde bekannt, dass die Berufung, die ihr Anwalt vor dem „Lahore High Court“ anstrengt, in frühestens zwei Jahren verhandelt wird. Solange muss die mehrfache Mutter (41, verheiratet mit Ashiq Masih), die seit Jahr und Tag wegen angeblicher „Blasphemie“ gegen den islamischen „Propheten“ Mohammed im Gefängnis sitzt, also noch die Feindseligkeiten ihrer Mitgefangenen und die Quälereien der Wärterinnen ertragen.

Asia Bibi

Asia Bibi

Asia Noreen, genannt „Asia Bibi“, sitzt seit dem 19. Juni 2009 im Gefängnis in Pakistan. Ein Streit zwischen Landarbeiterinnen im Ort Ittanwali war zuvor eskaliert, weil Asia ihren Kolleginnen Wasser geben wollte, was diese aber aus den Händen einer „Ungläubigen“ nicht annehmen wollten. Wie das unter Frauen (und oft auch Männern) so ist, gab daraufhin ein Wort das andere und schon machte sich ein wütender Muslim-Mob auf, um die Christin Asia Bibi wegen angeblicher „Blasphemie“ gegen den Islam zu „richten“. Was wirklich passiert war, wird wohl niemals mehr zu ermitteln sein. Die Polizei wurde jedenfalls ihrer habhaft und seitdem läuft ein Verfahren, das an Dauerhaftigkeit seines Gleichen sucht.

Bereits am 08. November 2010 wurde Asia Bibi als erste Frau überhaupt in der Geschichte Pakistans wegen angeblicher „Blasphemie“ zum Tode verurteilt. Seitdem gab es verschiedene Initiativen von Menschenrechtsgruppen und politischen Kreisen, das Urteil zu widerrufen. Dies hat bislang jedoch nur zur Aussetzung der Hinrichtung geführt, bis alle Appellationsmöglichkeiten juristisch ausgeschöpft sein werden. Asia Bibis Haft im Gefängnis von Scheikhapura wird von Beobachtern als ausgesprochen schwierig bezeichnet, da sie lange von ihren Mitgefangenen schikaniert und vom Haftpersonal misshandelt worden sei. Nachdem die internationale Aufmerksamkeit für ihr Schicksal größer wurde, wurde sie in ein abgelegenere Zelle verlegt und durfte am 06. März 2012 schließlich auch Besuch durch ihren Ehemann erhalten. Diese Besuche erfolgen nun monatlich, wie „voice of the martyrs“ berichtet.

Der ehemalige Gouverneur des Pandschab, Salman Tasir, hatte sich währendessen für ihre Freilassung ausgesprochen und ihre Inhaftierung sowie das Blasphemiegesetz des pakistanischen Strafrechts (Paragraph 295, versch. Absätze) in deutlichen Worten verurteilt. Sein politischer Einfluss hätte sich positiv auf eine Freilassung, zumindest auf Kaution, von Asia Bibi auswirken können. Nicht zuletzt deshalb wurde Tasir am 04. Januar 2011 in Islamabad von seinem eigenen Leibwächter ermordet. Nun wird bekannt, dass der High Court in Lahore offensichtlich personell so schwach besetzt ist, dass es einen gewaltigen Rückstau von Berufungsverfahren gäbe, der mehrere Jahre umfasse, wie die pakistanische Zeitung „Express Tribune“ berichtet. So wird momentan damit gerechnet, dass Asia Bibi mindestens noch zwei Jahre auf die Verhandlung warten muss, deren Ausgang dann ebenfalls offen ist. Zwar gäbe es nach der pakistanischen Strafverfahrensordnung die Möglichkeit, Fälle von besonderer Bedeutung oder Dringlichkeit vorzuziehen, jedoch wurde bislang vom Gericht in Lahore davon für den Fall der inhaftierten Christin kein Gebrauch gemacht. Eine Menschenrechtsorganisation in Pakistan hatte zuvor dahingehend an den „High Court“ appelliert, dies jedoch ohne Erfolg.

Der Fall Asia Bibi bietet sich auch als Musterbeispiel dafür an, wie gefährlich es ist, Denk- und Redeverbote juristisch zu kodifizieren. „Blasphemie“-Tabus in das Strafrecht aufzunehmen widerspricht eigentlich allem, wofür freie und „offene“ Gesellschaften stehen. Redefreiheit, Religionsfreiheit und offener Gedankenaustausch beflügeln an sich jede Gesellschaft. Die Tatsache, dass Asia Bibis Schicksal unter Christen in der „freien Welt“ wenig bekannt ist und wenn doch, dann sozusagen „achselzuckend“ als kulturelle Eigenart eines radikalislamischen Landes abgetan wird, lässt Schlimmes erwarten. Denn wo „Blasphemie“-Gesetze als normal empfunden werden, gibt man in der Vergangenheit schwer erkämpfte Freiheiten wieder aus der Hand. Vermeintlich um das „Heilige“ zu schützen, de facto aber, um Ärger zu vermeiden und sich den gemütlichen Sonntag in der (geistlichen ?) Hängematte nicht zu ruinieren. Jesus, das Christentum und die Kirchen haben z. Bsp. hat schon viele Beleidigungen, die oft unter dem Deckmantel der Kunst daherkamen, überstanden. In einer liberalen Gesellschaft müssen wir Christen eben auch die widerlichsten Angriffe auf das Kreuz und die erlösende Kraft des Evangeliums in Kauf nehmen, wenn wir nicht auf den „Abwärtspfad“ gelangen wollen, auf dem die Länder mit Blasphemiegesetzen (Indien, Pakistan, die Zahl wächst) sind.

Denn wo man bestimmte Dinge nicht mehr ansprechen darf, ohne dafür „vor den Kadi“ gezerrt zu werden, (hier nehme ich Aufrufe zur Gewalt und zur Tötung, wie diese famose Facebook-Seite, in der zum Köpfen aller „Ungläubigen“ aufgerufen wird, die Mohammed beleidigen, ausdrücklich aus. Hier ist wirklich die Grenze überschritten) da stirbt der gesellschaftliche Diskurs. Da werden dann auch schon mal Denkverbote gesetzt und letztlich landen wir in einer Art Orwellscher Dystopie, wo man vom „großen Bruder“ (oder vom Imam in der Moschee, dem Lehrer in der Schule, dem FDJ-Gruppenleiter, HJ-Führer, etc.) gesagt bekommt, was man heute gerade so zu denken, zu sagen und zu tun habe. Gegen ebensolche Einschränkungen der individuellen Freiheiten sind in der Türkei übrigens gerade viele Tausende Menschen auf die Straße gegangen und wurden von der Erdogan-treuen Polizei dafür niedergeknüppelt und mit Tränengas beschossen.

(Quelle: „the Express Tribune“ vom 29. Juni 2013)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s