Niederlande/Iran: Christlicher Asylsuchender ermordet – viele Unklarheiten über das „Warum ?“

Ein Fall der in den deutschen Medien (zumindest nach einer schnell durchgeführten „Google-Suche“) nicht vorkommt: Am 18. Februar 2013 wurde im niederländischen Oosterwijk der aus dem Iran stammende Asylsuchende Mustafa Talai ermordet. Über die Hintergründe der Tat ist bislang wenig bekannt, da die Polizei mit auffälliger Akribie versucht, nichts an die Medien dringen zu lassen.

niederlande_cia_2001Bereits unmittelbar nachdem der leblose Körper des Mannes in der Nähe seiner Unterkunft aufgefunden wurde, gaben die ermittelnden Behörden eine Art Nachrichtensperre aus, die dafür sorgte, dass wochenlang nicht einmal der Name des Mannes bekannt wurde, geschweige denn darüber hinausgehende Fakten. Das iranische „Farsi Christian News Network“ (FCNN) berichtete nun vor kurzem mehr über den Fall.

Mustafa Talai wurde demnach im Jahre 1969 in Teheran geboren und befand sich bereits seit Längerem in Europa. Bereits im Jahre 2001 habe er, so FCNN, in den Niederlanden erstmalig um Asyl ersucht. Vermutlich aus politischen Gründen. Dieses wurde ihm (Anm. d. Autors.: Warum eigentlich ?) wohl verweigert, woraufhin Herr Talai im Jahre 2005 versuchte, Anerkennung seines Flüchtlingsstatusses in Großbritannien zu erlangen. Im Jahre 2010 wurde er auch dort ausgewiesen, nach den Niederlanden zurückgeschickt, wo er noch am Flughafen verhaftet wurde und ein geschlagenes Jahr lang dort in Haft saß. 2012 wurde ihm schließlich die Wiederaufnahme seines Aslyverfahrens gewährt und er konnte die Zelle zu Gunsten einer Unterkunft für Asylsuchende in Oosterwijk verlassen. Ersten Berichten zufolge sei sein Ersuchen um Asyl kurz vor seiner Ermordung nachgekommen worden und er stand kurz davor, die Unterkunft zu Gunsten eines frei gewählten Wohnsitzes innerhalb der Niederlande zu verlassen.

Soweit, so problematisch. Ich werde an dieser Stelle nicht darüber lamentieren, warum es vielen europäischen Behörden schwerfällt, Flüchtlingen aus Ländern wie dem Iran ihre existentielle Notlage abzunehmen und einen legalen Aufenthaltsstatus ohne demütigende Prozeduren zu ermöglichen. Mustafa Talai jedenfalls hatte sich während seiner Odyssee durch den Behördendschungel bekehrt. In einer reformierten Kirchengemeinde in Friesland habe er sich nach Angaben von FCNN am 20. Mai 2012 taufen lassen. Wie Kirchenälteste sich laut dem vorliegenden Bericht vernehmen lassen, habe Herr Talai mit großer Hingabe am Gottesdienst teilgenommen und auch Dienste übernommen und mit großer Akribie ausgeführt. Er sei außerdem ein engagierter Bibelstudent gewesen.

Nun höre ich schon wieder die Skeptiker fragen: „Na, wird der nicht nur eine Bekehrung vorgetäuscht haben, um Sympathiepunkte bei den Asyl-Beamten zu bekommen ?“ Solche und ähnliche Gedanken werden häufig geäußert, wenn sich Flüchtlinge erst in ihren Aufnahmeländern bekehren während ihr Aufnahmeverfahren noch läuft. Auch hier in Deutschland sollen sich Beamte dementsprechend verhalten und, wie z. Bsp. die Berliner Diakonisse Rosemarie Götz vom „Haus Gotteshilfe“ in Berlin in der Vergangenheit berichtet hat, die Konvertiten einer peinlichen Inquisition mit Fragen unterziehen, die 90 % aller deutschen Kirchgänger auch nicht beanworten könnten. Frau Götz hat, wie auch verschiedene Pastoren in Gemeinden überall in Deutschland, viele Iraner getauft und spricht aus Erfahrung.

Natürlich kann niemand ausschließen, dass es auch Fälle von „Pseudochristen“ gibt, die sich tatsächlich eine einfachere Integration in ihre neue Heimat ausrechnen, wenn sie den christlichen Glauben praktizieren. Aber diese „Namenschristen“ kennen wir doch auch aus unseren Gemeinden, dort nennen wir sie manchmal „CEO“, als „Christmas and Easter only“, weil sie nur zu Weihnachten und Ostern in die Kirche kommen. Ich würde hingegen sagen, dass die Konversion ihnen, so traurig es ist, das zugeben zu müssen, in unseren mittlerweile dem echten Glauben latent skeptisch bis feindlich gegenüberstehenden Ländern des „Westens“ eher Nachteile bringt, speziell im Umgang mit Behörden oder im Alltag mit Nachbarn und Arbeitskollegen. Mein persönliche Erfahrung geht jedenfalls auch dahin und die iranisch-stämmigen Christen, die ich in meiner Stadt kennenlernen durfte, waren ausgesprochen „authentisch“, viele von ihnen authentischer als mancher „einheimische“ Gläubige, den ich auf meinen Touren durch die Gemeinden erlebt habe. Weil sie also wohl kaum Vorteile im Alltag aus ihrem Glauben ziehen können, bin ich der o. e. Skepsis gegenüber selber „skeptisch“. 🙂

Zurück zum Fall Mustafa Talai: Sein Fall wird besonders „real“ und entzieht damit dessen Konversion jedem Verdacht der Heuchelei, wenn man weiss, dass auch Talais Bruder in den Niederlanden lebt. Nachdem Mustafa sich offen und ehrlich zur Nachfolge Christi bekannt hatte, soll es zwischen ihm und seinem Bruder zu dem üblichen, im Islam vorgeschriebenen, Zerwürfnis gekommen sein. Man muss dazu wissen, dass ein „Aussteigen“ aus dem Islam nicht vorgesehen ist. Konvertiten, sog. „Apostaten“ riskieren den Ausschluss aus ihren Familien, die Ächtung und Nichtbeachtung durch ihr bisheriges, soziales Umfeld (zumindest soweit es aus Muslimen besteht) und unter Umständen sogar den Tod. Darin sind sich sogar die üblicherweise stark zerstrittenen Sunniten und Schiiten einig.

Am 18. Februar 2013 nun soll Mustafa Talai auf dem Weg in seine Unterkunft gewesen sein, als gegen 20.30 Uhr ein Wagen neben ihm anhielt, das Fenster geöffnet wurde und kurze Zeit später sein Körper zu Boden fiel. Jugendliche wollen das beobachtet haben, seien aber vor Angst vom Tatort geflohen. Erst etwa 90 Minuten später sollen Spaziergänger dann den Leichnam entdeckt und der Polizei Meldung gemacht haben. Dem Artikel von FCNN zufolge, soll sich in der Brust Talais eine Stichwunde befunden haben, die vermutlich tödlich war.
Mustafas Bruder hat später den Leichnam für die Familie reklamiert, ihn auch erhalten und diesen auf einem muslimischen Friedhof beisetzen lassen.

Viel ist also nicht bekannt darüber warum Mustafa Talais Leben vorzeitig endete. Es gäbe viele Ansätze der Ermittlung. Hatte er Streit mit anderen Bewohnern in seiner Unterkunft ? War es eine „Zufallstat“ ? Waren holländische Rassisten am Werk ? Hat seine muslimische Familie den „Apostaten“ getötet, um die „Familienehere“ wieder herzustellen ? Warum sollte ein Christ muslimisch beerdigt werden ? Eine Frage aber stellt sich vor allem: Warum gibt die Polizei nichts zu ihren Ermittlungen bekannt ? Haben sie nichts erreicht oder wollen sie es gar nicht ? War Mustafa Talais Leben für sie bedeutungslos und er nur ein „weiterer Asylant“ mit einem Messerwunde im Körper ? In jedem Falle hat die Polizei mittlerweile die exiliranische „Community“ um Mithilfe bei den Ermittlungen gebeten.

(Quelle: „FCNN“ vom 14. Mai 2013)

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