Indonesien: Christen protestieren gegen Auszeichnung Yudhoyonos

Wir alle kennen das doch: Als Christen würden wir so gerne schon im Reich Gottes leben, wo Löwe und Lamm friedlich nebeneinander wohnen und alle Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet wurden. Es wäre so viel einfacher und entspannender, wenn der ultimative Friede schon ausgebrochen wäre und das universelle Verständnis aller Religionen untereinander diese Erde überziehen würde.

Indonesien

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Im Sinne dieses Wunschdenkens hat unlängst eine in den USA ansässige „Appeal of Conscience“ (Gewissensappell) – Stiftung dem indonesichen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono den diesjährigen „Staatsmann, der religiöse Toleranz befördert“- Titel verliehen. Vorgänger in dieser Auszeichnung waren bereits der kanadische Premierminister Stephen Harper oder der koreanische Präsident Li Myung-bak.
Die „Appeal of Conscience“ – Stiftung wurde 1965 gegründet, hat ihren Sitz in New York und bezeichnet sich in ihrer Selbstdarstellung als „interreligiöse Koalition von Wirtschafts- und religiösen Führern, die Frieden, Toleranz und die Beendigung ethnischer Konflikte“ anstrebe.

Bei vielen, indonesischen Christen wurde diese Auszeichnung für den Staatspräsidenten jedoch als Schlag ins Gesicht empfunden, denn die Realität, jenseits des eingangs beschriebenen Wunschdenkens, ist eine andere. Angesichts eines öffentlichen Klimas, das immer mehr von religöser Intoleranz geprägt wird in einem Land, wo selbst muslimische Minderheiten und Splittergruppen wie Schiiten oder die Ahmadiya-Sekte brutalsten Übergriffen ausgesetzt sind, kommt diese Auszeichnung für sie zur Unzeit und geht an den falschen Adressaten. Eine christliche Kleriker – Gruppe, das „Forum der Geistlichen von Jakarta, Bantaan und West – Java“ hat nun ihrem Unmut über diese fehlgerichtete Auszeichnung Luft gemacht. In einem Protestmarsch lieferten sie am Montag, den 06. Mai 2013, eine Protestnote zur US-Botschaft in Jakarta, die aber bezeichnenderweise dort niemand annehmen wollte !

Erinnern wir uns, warum viele Christen empört sind: Präsident Susilo Bambang Yudhoyono schaut geflissentlich weg und schweigt auffällig, wenn:

  • Kirchen in seinem Land von Bulldozern abgeräumt werden wegen angeblich fehlender „Baugenehmigungen“,
  • Ahmadiya-Angehörige brutalst ermordet werden und die Aufklärung dieser Taten praktisch nicht stattfindet,
  • Schiiten gewaltsam aus ihren Wohnorten vertrieben werden (Stichwort: Sampang),
  • Kirchengemeinden ihre Rechte, z. Bsp. das der Errichtung von Kirchengebäuden, systematisch vorenthalten werden,
  • die Zugänge zu Kirchen von lokalen Behörden gesperrt werden,
  • lokale Behörden willkürlich Kirchenschliessungen und Verhaftungen von Geistlichen vornehmen, …

Aus Protest gegen viele dieser Vorgänge haben noch zu Ostern 2013 Christen einen Gottesdienst direkt vor dem Präsidentenpalast abgehalten, um Herrn Yudhoyono an seine Pflichten als Präsident ALLER Indonesier zu erinnern. Dass ausgerechnet dieser Mann, der den immer stärker nach religöser Intoleranz und Segregation der Muslime von den „Ketzern“ und Nichtmuslimen drängenden islamisch-sunnitischen Radikalen nie entgegentritt und sie durch seine Unfähigkeit oder seinen Unwillen, gegen ihre Aktivitäten Stellung zu beziehen noch befördert, einen Preis für „religöse Toleranz“ bekommt, können viele Gläubige nicht verstehen.

Ein beteiligter Geistlicher, der Reverend Palti Panjaitan, von der „Batak Christian Protestant Filadelfia church“ spricht in einem sehr offenen Ton gegenüber „world watch monitor“ sogar vom „Präsidenten der Intoleranz“. In jedem Falle fragen sich die engagierten Christen, nach welchen Kriterien diese Preisvergabe wohl stattgefunden habe. Erst unlängst war von der französischen Nachrichtenagentur „AFP“ die Welle von Gewalt gegen Ahmadiyas und andere religiöse Minderheiten wieder publik gemacht worden. Auch in diesem Artikel wird Kritik am Staatspräsidenten unverhohlen geäußert.

Ein weiterer Geistlicher des „Forums“, Pastor Erwin Marbun, äußert sich ebenso offen kritisch:

Er (Präsident Yudhoyono) beachtet das Gesetz nicht. Er versagt in Sachen der Durchsetzung des Rechts in Indonesien. Schauen Sie sich die Fälle der Yasmin-Gemeinde, der Filadelfia-Kirche, die der Shiiten von Sampang, die immer noch nicht nach Hause zurückkehren können und die der Ahmadiya an, die voller Angst leben, weil sie durch bestimmte Leute mit Gewalt bedroht werden.

Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass die Bundesregierung unlängst einem Waffendeal zugestimmt hat, bei dem der Staat dieses „Toleranz-Präsidenten“ 164 Panzer im Werte von vielen Millionen gesprochen bekommt ? Tja, Kapital kennt keine Moral, wie es so schön heisst… Und unsere Politiker haben ohnehin keine Ahnung von Fragen der Menschenrechte oder der Christenverfolgung. Oder bereitet sich Frau Merkel, nachdem sie ja bei ihrem letzten Staatsbesuch in Indonesien schon die ihr gezeigte große Moschee so schön fand, schon auf das Kopftuch vor ? Wer weiss schon, was auf und in den Köpfen unserer Volks-zertreter so alles vorgeht. Vermutlich weniger, als wir annehmen…

(Quelle: „world watch monitor“ vom 10. Mai 2013)

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