Indien: schleppende Aufklärung der Orissa – Massaker beklagt

Im Jahre 2008 waren im indischen Bundesstaat Orissa Christenpogrome ausgebrochen, wie es sie seit den Tagen des alten Roms nicht mehr allzuoft gegeben hat. Auf das Gerücht hin, „die Christen“ hätten ein Attentat auf einen nationalistischen Hindu-Politiker verübt, brach für die Gläubigen die Hölle aus.

Karte von Indien

Indien

Radikale Hindus überfielen mehrere Hundert Dörfer, die vor allem von Christen bewohnt wurden, zündeten etwas 300 Kirchen an und töteten etwa 100 Menschen. Tausende wurden bei dem Gewaltausbruch vertrieben, verletzt und gedemütigt. Die Wunden, die diese Pogrome in den Seelen der Betroffenen oder im sozialen Gefüge hinterlassen haben, sind oftmals noch immer nicht ganz verheilt. Vor allem, wenn man daran erinnert, dass die strafrechtliche Aufarbeitung des Geschehens eher schleppend bis gar nicht vorankommt.

Dies könnte u. a. daran liegen, dass mittlerweile nur noch ganze zwei Polizeininspektoren an den Ermittlungen zu dem Fall arbeiten, wie der christliche Menschenrechtsaktivist John Dayal dem katholischen „fidesdienst“ unlängst mitteilte. Dayal weiss dabei auch Zahlen zu nennen, wie „kath.net“ unlängst wiedergab:

Oft würden die Ermittlungen absichtlich verzögert oder nur oberflächlich geführt, beklagte Dayal. Von insgesamt 3.232 Strafanzeigen habe die Polizei nur 1.541 weiterverfolgt. Bisher seien knapp 1.600 Angeklagte freigesprochen worden. Die Zahl der Verurteilungen liegt demgegenüber nach Zahlen von Ende 2012 im zweistelligen Bereich. Das Strafmaß blieb dabei meist gering. Laut Dayal wird noch in lediglich 90 Fällen ermittelt.

Nun, man mag ungern einem souveränen Staat in seine Strafverfolgung hineinreden und schon gar nicht in die juristische Aufarbeitung, aber man darf sicherlich Fragen stellen wie: „Sind tatsächlich alle Maßnahmen ergriffen worden, um die Geschehnisse aufzuklären, oder wurde hier eine bürokratisch-juristische Vertuschung durchgeführt ?“ Vor allem, wenn man John Dayals weitere Aussagen ernst nimmt:

Der Menschenrechtler beklagte laut Fides, die christlichen Hauptzeugen in den Verfahren würden von Hindus häufig eingeschüchtert und bedroht, um Aussagen zu verhindern. Zudem werde es mit fortschreitender Zeit immer schwieriger, Beweise zu sammeln. In der Ermittlungsarbeit der Behörden herrsche «tiefe Finsternis», so der Menschenrechtler.

Hier tut sich also wieder der „religiöse Graben“ auf, der dazu führt, dass Christen in Orissa, wenn schon nicht in ganz Indien, offensichtlich nicht immer die gleiche Rechtssicherheit und den gleichen Schutz der Behörden geniessen, wie Hindus. Zumindest aber wird ihnen die nachträgliche Gewissheit verwehrt, dass die Handlungen von Gewalttätern in Orissa die gleichen Konsequenzen haben, ganz unabhängig von deren religiöser Überzeugung.

(Quelle: „kath.net“ vom 10. Mai 2013)

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