Nahost: Leiter der Caritas im Libanon gibt dem Westen schlechte Noten

Wir alle haben es in den letzten Jahren beobachtet: aus berechtigten Protesten gegen autoritäre, korrupte Regime in Nordafrika und Nahost wurden Massenbewegungen, die ganz am Ende von radikalen Islamisten übernommen wurden. Mit Hilfe von Milliarden Dollar aus Katar und Saudi-Arabien werden Stimmen und Waffen gekauft, ganz wie es nötig ist, um islamische Theokratien auf den Ruinen der Länder von Diktatoren Marke Ghaddafi, Mubarrak oder Saddam Hussein aufzubauen.

Christen haben dabei in diesen Entwicklungen z. T. ihre Rolle gespielt. Speziell in Ägypten haben sie die Protestbewegungen unterstützt, obwohl ihr damaliges Kirchenoberhaupt, der inzwischen verstorbene koptische Papst Schenuda III. sie ausdrücklich davor gewarnt hatte. Nun aber sind die Anhänger des Friedefürsten die Opfer einer immer entschlosseneren Unterdrückungswelle, die über die Länder fegt, in denen Muslimbrüder, Salafisten und deren Sympathisanten die Parlamentsmehrheiten haben. Z. Bsp. Marokko, Tunesien, Ägypten und, machen wir uns nichts vor, über kurz oder lang auch wird auch Syrien dazugehören.

Simon-Faddoul-PorträtUnlängst hat sich der Leiter der libanesischen Caritas, Simon Faddoul, beim immer wieder lesenswerten „kath.net“ über die Verhältnisse der Christen und der Gewaltopfer der Konflikte geäußert und dabei Dinge gesagt, die kein EKD-Synodale oder katholischer Bischof hierzulande noch äußern dürfte, ohne sofort abgesetzt und seiner Reputation beraubt zu werden. Ein trauriges Zeugnis für die Meinungsfreiheit hierzulande und ein noch traurigeres Zeugnis für die Verhältnisse im vom Bürgerkrieg zermalmten Syrien, dem Libanon und darüber hinaus. Über die zweifelhafte Qualität der Fragen und die mangelnde Sachkunde, die solche Fragen beim Mitarbeiter von „kath.net“ offenbart, äußere ich mich mal an dieser Stelle nicht weiter sondern lasse Simon Faddoul kurz selbst zu Wort kommen.

Zur Lage im benachbarten Syrien:

Leider sind Ihre Medien mehr von politischen Wunschvorstellungen beeinflusst als von wirklichen Fakten. Jeder weiß, dass heutzutage in Syrien über 100 verschiedene Gruppierungen in Kampfhandlungen verwickelt sind. All diese Gruppierungen bekämpfen zwar das Regime, aber nicht zusammen. Das heißt, die Kämpfe könnten zu jeder Zeit auch zwischen den Rebellengruppen ausbrechen – spätestens, sobald das Regime zusammenbricht. Das Regime erscheint mir aber stark, die Armee weiterhin größtenteils vereint.

Ich vermute, damit meint Herr Faddoul vor allem die „westlichen“ Medien, die ihre Champions, die „friedlichen, demokratischen und unterdrückten“ Rebellen, ja bereits gekürt zu haben scheinen. Leider beeinflusst diese Medien-Kameraderie mit den Rebellen und notfalls auch mit „moderaten“ Muslimbrüdern und Taliban (klingt für mich wie „liberale Nazis“ oder „föderale Stalinisten“) auch die Politik hier in Europa und den USA.

Das Engagement des Westens im Nahen und Mittleren Osten ist widersprüchlich. Auf der einen Seite wollen sie Demokratien fördern, aber auf der anderen Seite unterstützen sie Theokratien. Auf der einen Seite predigen sie den Laizismus und die Trennung von Staat und Religion. Aber auf der anderen Seite unterstützen sie Länder, deren Staatsreligion der Islam ist. Warum ist das so? Das können wir im Nahen und Mittleren Osten nicht verstehen. Ich sage Ihnen: Amerika und Europa halten die Zukunft der ganzen Welt in ihren Händen. Was machen Sie mit dieser Verantwortung?

Ja, wenn man Männern wie Herrn Westerwelle, Herrn Kerry oder ähnlichen Weichflöten die „Zukunft der ganzen Welt“ in die Hände gibt, muss man sich nicht wundern, wenn diese eher finster aussieht. Aber das nur nebenbei bemerkt. Die Verzweiflung, die aus vielen Sätzen Simon Faddouls während des Interviews spricht, macht jeden echten, noch mit einem schlagenden Herzen ausgestatteten Christen zumindest betroffen, macht nachdenklich. Vielleicht möchte man gar die ein oder andere Träne wegdrücken.

Hat der Gründer von „Kirche in Not“, Pater Werenfried van Straaten, nicht immer betont, dass Gott weint und wir seine Tränen trocknen müssen? Wo weint Gott denn? In wem? Doch wohl in den Menschen! Es ist so leicht, über Leiden, Schmerzen und Verzweiflung zu sprechen. Aber es ist so schwierig, zu den Menschen zu gehen und die Tränen abzuwischen. Das brauchen wir! Nicht nur humanitäre Hilfe, sondern Seelsorge.

Ein Warnruf, der auch im übertragenen Sinne, auf die Kirchen in Europa bezogen, Widerhall finden sollte. Nicht nur materielle Hilfen geben, sondern auch wirkliche Seelsorge, wirkliche „Sorge um das Seelenheil“ der Menschen als Motivation karitativer Arbeit sollte wieder gefördert werden und im Mittelpunkt stehen. Und die Christen im „Frühling“ der arabisch-sprachigen Welt ?

Aber was ich feststellen muss, ist, dass wir Christen die größten Verlierer und Sündenböcke dieser ganzen Entwicklung im Nahen Osten sind. Solange die westlichen Mächte das nicht wahrhaben wollen und weiter ihre eigenen Interessen verfolgen, statt die Bedürfnisse der Menschen unserer Region an die erste Stelle zu setzen, kommen wir nicht weiter.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Beten wir für mehr Aufklärung, für mehr Bewusstsein, für konkrete Hilfe an Christen (nicht nur entführte Bischöfe, die übrigens unbedingt freikommen sollten !) in Syrien und darüber hinaus.

(Quelle: „kath.net“ vom 28. April 2013)

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