Ägypten: koptischer Papst setzt neue Akzente (update)

Hier im Blog hatte ich es bereits erwähnt: der neue, koptische Papst Tawadros II. setzt im Umgangston angesichts der knallharten Realität von Verfolgung und Gewalt gegen seine Kirche neue Akzente. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Schenuda III. , der eine diplomatischere „Hinterzimmer“-Politik bevorzugt hatte, um die Interessen der koptischen Christen Ägyptens wahrzunehmen, lässt Tawadros an Eindeutigkeit seiner Aussagen selten etwas zu wünschen übrig.

TawadrosAngesichts einer sich verstärkenden Welle der Gewalt gegen Christen im von Muslimbrüdern regierten Land am Nil bezieht das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II. in fast etwas überraschender Klarheit Stellung. Angesichts diverser Versprechungen des radikal-islamischen Präsidenten Mohammed Mursi schüttelt Tawadros diesen „Überwurf“ der Phrasen ab und fordert klare Taten.

Was ist passiert ? Am Sonntag, den 07. April 2013 wurde in Kairo die Markus – Kathedrale von einem aufgebrachten, Muslim-Mob attackiert und die Kirchgänger, die einer Trauerfeier für vier wenige Tage zuvor ermorderte Glaubensbrüder beiwohnten, mit Steinen und Brandsätzen angegriffen. Dabei waren ein Mensch getötet und 29 weitere verletzt worden. Daraufhin hatte es Unruhen in den benachbarten Stadtvierteln gegeben. Soweit die Fakten. Tawadros hatte noch unmittelbar im Anschluss an diese Vorgänge zu Ruhe und Verantwortung im Sinne nationaler Einheit aufgefordert.
Das Klima im Lande der Pharaonen ist aber inzwischen brandgefährlich für alle Nichtmuslime. Ganz im Sinne einer demonstrativen, aber völlig konsequenzfreien Politik hatte sogar der Muslimbruder Präsident Mursi über die Medien eine Untersuchung der Vorgänge um die Markus-Kathedrale in Kairo angekündigt und die Wiedereinsetzung eines „nationalen Rates für Gerechtigkeit und Gleichheit“ befohlen. Papst Tawadros nun rückt diese medienwirksamen Ankündigungen aber ins rechte Licht, wenn er verlauten lässt:

Genug der Formationen, Gruppen, Komitees und was sonst noch immer ! Wir fordern Taten statt Worte und, lassen Sie mich das sagen, es gibt momentan viele Namen für Komitees, aber in der Realität geschieht gar nichts !

Ein Mann klarer Worte. Denn die Realität in Ägypten ist nun einmal die, dass es praktisch keine ernsthaften Untersuchungen oder gar Prozesse gegen antichristliche Gewalttäter gibt, eher im Gegenteil. Christen, die in Selbstverteidigung eben mal nicht „die andere Wange hinhalten“ werden ratz-fatz mal wegen „illegalen Waffenbesitzes“ o. ä. verurteilt, während ihre Angreifer nicht einmal ausfindig gemacht oder gar angeklagt werden. Vor diesem Hintergrund müssen die wohlklingenden, aber zumeist hohlen Phrasen der Muslimbrüder-Politiker wie Mursi und Konsorten gewertet werden, selbst wenn sie „unverzügliche, rücksichtslose Aufklärung“ ankündigen. Wir kennen das auch hierzulande, dass die „brutalstmögliche“ Aufklärung oftmals ein Synonym für parteipolitisch instrumentalisierte Verschleierungen ist.

In diesem Sinne begeht Papst Tawadros angesichts der faktischen Aufkündigung des sozialen Konsensus in Ägypten, der jahrzehntelang in der Formel bestand „wir (Muslime, Mubarrak-Regime) diskriminieren euch und ihr sprecht nicht darüber, weil wir sonst die Muslimbrüder von der Kette lassen und alles noch schlimmer wird für euch“ einen Traditionsbruch, der sich aus der Dringlichkeit der Situation seiner Kirche begründet. Taten statt Worte. Eine Forderung, die auch hierzulande den Beschwichtigungspolitikern in den Ohren klingeln sollte.

(Quelle: „the Washington Post“ vom 09. April 2013)

UPDATE: Mittlerweile wird aus Kair0 berichtet, dass mindestens zwei Kopten, die während der Angriffe auf die St. Markus-Kathedrale zugegen waren, von der Polizei verhaftet wurden. Shadi Sami und Michael Morcos wurden von Spezialkräften der Polizei am frühen Freitagmorgen, dem 12. April 2012, in ihren Wohnungen inhaftiert. Mindestens eine der Wohnungen wurde Beobachtern zufolge dabei gestürmt.  Noch kein einziger ihrer muslimischen Angreifer wurde jedoch ausfindig gemacht oder gar von den Sicherheitskräften festgesetzt. Ich kann nicht sagen, dass für mich diese Nachrichten überraschend sind…

(Quelle: „christian solidarity worldwide“ vom 12. April 2013)

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