Indonesien: Protestgottesdienst vor dem Präsidentenpalast zu Ostern

Am Ostersonntag haben Christen mehrerer, evangelischer Gemeinden in Jakarta, direkt vor dem Präsidentenpalast, einen Gottesdienst gefeiert. Sie demonstrierten damit gegen die unter dubiosen Umständen stattfindenden Kirchenschließungen und -abrisse im Lande.

Indonesien

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Immer wieder kommt es in Indonesien zu Disputen um angeblich „illegal“ errichtete Kirchenbauten und ebenso „illegal“ genutzte Räumlichkeiten, die Christen für ihre Gottesdienste benutzen. Der hier im Blog schon mehrfach thematisierte Fall der Yasmin-Gemeinde von Bogor sei hierfür stellvertretend erwähnt (googlen Sie´s ruhig, liebe Leser, oder gucken Sie in unsere „Indonesien“-Rubrik). Auch die willkürlichen Kirchenschließungen in mehreren Orten stimmen nicht gerade optimistisch, was die Zukunft des Christentums in Indonesien angeht. Aber in den letzten Wochen sind lokale Behörden, mit voller Rückendeckung „von oben“, dazu übergegangen, Kirchengebäude, deren Nutzung derzeit juristisch umstritten ist, einfach „kalt zu entsorgen“, also abzureißen. Stellen wir uns mal das Gezeter vor, wenn in irgendeiner deutschen Stadt auch nur eine Anfrage im Stadtparlament nach der Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung einer dieser diversen Groß-Moscheen gestellt würde. Nun, in Indonesien hat man mit Kirchen umso weniger Probleme, als das einstmals „liberale“ Establishment des Landes nun immer mehr unter den Einfluss in Arabien ausgebildeter Hassprediger und deren fanatischen Anhängern gerät.

Am Ostersonntag, den 31. März 2013, nun haben mehr als 200 indonesische Christen, vor allem aus den von Abriss betroffenen oder bedrohten Gemeinden aus dem Großraum Jakarta, direkt vor dem Palast und Amtssitz des Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono einen Gottesdienst gefeiert. Sie wollten damit ein deutliches Zeichen gegen die langsam aber sicher immer unhaltbaren, von keinerlei gegenseitiger religiöser Toleranz geprägten Verhältnisse im Lande setzen. Unter den Anwesenden waren auch Mitglieder der Taman – Sari – Gemeinde von Bekasi, deren Kirche am 21. März 2013, also erst wenige Tage zuvor von Bulldozern plattgemacht worden war. Panahatan Siregar von der Taman-Sari-Gemeinde ließ gegenüber der Presseagentur AFP u. a. folgendes verlauten:

Die Osterfeierlichkeiten in diesem Jahr, inklusive des Karfreitags, haben unsere Herzen mehr als früher berührt, weil nun unsere Kirche in Trümmern liegt.

Die Versammelten veröffentlichten auch ein Statement, in welchem dies zu lesen ist:

Wir appellieren an Präsident Susilo Bambang Yudhoyono, sein Schweigen und seinen Mangel an Anteilnahme angesichts der um sich greifenden Verletzungen des Rechts aus Religionsfreiheit zu beenden.

Da aber gerade der Präsident nicht dafür bekannt ist, den offenen Konflikt mit den radikalen Muslimen anzustreben, wird aller Voraussicht nach nichts aus diesem Appell werden. Denn auch die Yasmin – Gemeinde hatte bereits mehrfach erfolglos an den Staatspräsidenten appelliert, ihr zu ihrem Recht im Angesicht der offenen Gesetzesverstöße örtlicher Behörden zu verhelfen. Gebracht hat es nichts.

(Quelle: „the Jakarta Globe“ vom 31. März 2013)

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2 Gedanken zu “Indonesien: Protestgottesdienst vor dem Präsidentenpalast zu Ostern

  1. Immer dasgleiche: Wer will sich schon mit radikalen Muslimen anlegen. Lieber Ruhe genießen, was mit Christen und deren Kirche passiert, ist ja egal.

    Was ich nicht verstehe: Allerorten, wo der Islam regiert, werden Christen – wie jetzt wieder in Ägypten – gemordet oder zumindest diskriminiert von Anhängern dieser Religion, die sich Islam nennt. Wie können die Vertreter dieser Politreligion noch von „Religion des Friedens“ sprechen, außer es ist dreiste manupulative Lüge, um die Michelmentalität zu beruhigen. Soviel Valium kann ich jedoch gar nicht schlucken, als dass ich diese Lüge nicht erkennen könnte.

    Aber nun etwas, nur ein Lichtblick in unserer Gemeinde: Habe jetzt in kürzeren Abständen zweimal im Hochgebet vernommen, dass dieser Priester (leider nur ein Priester von mehreren, aber immerhin) für die „Verfolgten im Glauben“ allgemein gebetet hat. Für mich schon ein kleiner, wenn auch unbedeutender Fortschritt. Vielleicht tritt eine Wandlung im Bewusstsein langsam, aber sicher, ein. Darum, liebe Leser, immer wieder an die Priester der eigenen Gemeinde schreiben und Artikel verlinken, aber immer um Sachlichkeit bemüht. Wenn viele Gemeindemitglieder dies tun, so kann damit das Bewusstsein sowohl der Priester als auch das der Christgläubigen verändert werden auf Dauer und nachhaltig. Also nicht müde werden, möglichst aus kirchlichen oder christlichen Quellen wie z. B. aus diesem Blog Artikel an die Pfarrer und Pastoralreferenten persönlich schicken und um Gebet und Fürbitte im Gottesdienst bitten. Nur so erreichen wir etwas. Also, nicht aufgeben.

    • Soviel zum Thema „steter Tropfen“. Ich finde das ermutigend und lege es allen Lesern ans Herz, auch ihren Gemeinde-Ältesten, Pfarrern etc. die Anliegen der unterdrückten, diskriminierten und verfolgten Christen weltweit immer wieder ans Herz zu legen. „Open doors“ und die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ stellen dafür ggf. einiges an sehr interessantem Lesematerial zur Verfügung. Dass z. Bsp. das ehemalige Urlaubsparadies der Malediven inzwischen ein mehr oder minder offen alle Nichtmuslime diskriminierender Gottesstaat geworden ist, hat sich hierzulande noch keinesfalls herumgesprochen. Noch nicht einmal in den Kirchen. Oder gerade dort nicht…

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