Medien: die Aufmerksamkeit für die anschwellende Gewalt gegen Christen wächst (update)

Es scheint so, als ob nun endlich auch in den Massenmedien das Thema der Christenverfolgung angekommen sei. Ob dies ein längerfristiger Trend ist, oder nur ein kurzfristiger Einbruch der Realität in die oftmals sehr selbstverliebte Medienwelt, das wird die Zukunft zeigen. Erfreulich ist es immerhin.

Da wäre zunächst einmal ein Artikel im Schweizer „Tagesanzeiger“, der, das darf man getrost vermuten, in dieser Form wohl kaum noch in den bei diesem Thema notorisch um „Ausgewogenheit“ und „Äquidistanz“ bemühten, dabei aber immer wieder versagenden, deutschen Medien möglich wäre. Autor Thomas Wehrli schreibt über die Ausmaße der weltweiten Christenverfolgung und die Dimensionen, die das wiederauflebenden Phänomen vor allem in der Arabischen Welt angenomen hat. Er scheut sich dabei auch nicht, eine der Ursachen eindeutig und in klaren Worten zu benennen: die Welle der Re-Islamisierung ganzer Staaten in Regionen wie Afrika oder Zentralasien. Ob seine Referenzen und Zahlen dabei immer einer präzisen Analyse standhalten würden, sei dahingestellt. In jedem Falle hat er aber seine Hausaufgaben insofern gemacht, dass er bei Organisationen wie der katholischen „Kirche in Not“ oder der überkonfessionellen, christlichen Hilfsorganisation „open doors“ nachforschte und die präsentierten Fakten von diesen bezog.
Auch die weitere Argumentation, die ein wenig ins historisch-Soziologische schweift, ist aber demjenigen, der das Phänomen der weltweiten Diskriminierung, Vertreibung und Ermordung von Menschen, die sich zu Christus bekennen, schon länger verfolgt, einsichtig und nachvollziehbar. Vor allem aber denjenigen Skeptikern, die noch immer argumentieren, das Christentum sei gar nicht die am stärksten verfolgte Religion der Welt, gibt der Autor folgendes mit auf den Weg:

Zum einen wurden noch nie so viele Menschen einzig wegen ihres Glaubens verfolgt wie heute. Zum anderen ist das Christentum damit die mit Abstand am stärksten verfolgte Religion. «Von 100 Menschen, die weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt oder diskriminiert werden, sind 80 Christen», weiss man bei Kirche in Not: «Von 100 Menschen, die weltweit wegen ihres Glaubens ermordet werden, sind 75 Christen.»

Zugegeben: Die Christen stellen mit 2,3 Milliarden Zugewandten auch die klar grösste Glaubensgruppe. Aber bei 1,6 Milliarden Muslimen und einer Milliarde Hindus ist eine Verfolgungsquote von 80 Prozent, wenn man es statistisch-­nüchtern besieht, doch exorbitant.

Wann hat man das in dieser Klarheit (außer in Publikationen der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ oder von „open doors“) schon einmal präsentiert bekommen ? Wie man die Fakten im Gegensatz dazu auch aus dem Zusammenhang reissen und absolut unklar darstellen kann, bewies die ZDF-Doku vom Karfreitag, aber dazu später mehr.
Vielleicht hätte der Autor des Tagesanzeigers auch das von ihm beschriebene „Schweigen der Lämmer“ mit noch etwas drastischeren Worten an Kirchen und Politik im freien Westen illustrieren und dementsprechende Aufforderungen an diese Stellen formulieren können. Aber wozu ist denn sonst dieser Blog und sind diverse, andere engagierte Publikationen und Bürger da ? In jedem Falle empfehle ich diesen Artikel zu lesen, der unter

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Alle-fuenf-Minuten-wird-ein-Christ-ermordet-/story/27492516

nachgelesen werden kann.

Und dann war da ja noch die von mir vorher mit äußerstem Vorbehalt empfohlene ZDF-Dokumentation „gefährlicher Glaube“ am diesjährigen Karfreitag. Viel konnte man da wirklich im Vorfeld nicht erwarten, da sich die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mittlerweile mit Kerninhalten und -praktiken des Christentums dermaßen schwertun, dass ihre Berichterstattung manchmal bereits an öffentliche Beleidigung einer Religion grenzt. Aber, anders als die von vielen gepriesene „Friedensreligion“ der nigerianischen Kirchenbomber, sind wir wahren Gläubigen es gewohnt, verspottet und ausgegrenzt zu werden. In freien Gesellschaften ist dies der Preis, den Christen für die diversen Menschenrechte bezahlen, die in Ländern wie China, Kuba, Laos, Nordkorea, Ägypten, Pakistan, Indonesien, Saudi-Arabien, etc. völlig unvorstellbar sind.

Und, wie es die Erfahrungen mit dem ÖR-Fernsehen „versprachen“, ist schon nach weniger als einer Minute, noch während des Einführungsfilmes die Rede von den scheinbar unvermeidlichen Kreuzzügen und die Vermischung von Opfern und Tätern, von Glauben und sozialer Realität kann beginnen. So wird u. a. anhand des Masbiro – Massakers von Kairo aus dem Herbst 2011 versucht, die koptischen Christen als „voller aufgestautem Hass“ zu zeichnen, die von der Diskriminierung in ihrer Heimat die Faxen dicke hatten und es wird impliziert, dass sie deshalb randaliert hätten. Nicht etwa die agents provocateurs der Muslimbrüder, die einen friedlichen Demonstrationszug mit Steinen und Messern attackierten, oder die über jede sinnvolle Eindämmung von Gewalt hinaus brutal gegen Kopten agierenden Militärs wurden in diesem Film in die Pflicht und Verantwortung genommen. Nein, das wurde den Christen zugeschoben und von „gegenseitiger Gewalt“ gefaselt.
Die aktive, gesellschaftlich gewollte Ausgrenzung der Kopten wird weiterhin durch Worte wie „es ist ja noch keine Verfolgung“ relativert und der Experte Heiner Bielefeldt darf unwidersprochen die Christenverfolgung per se als „nur staatlich organisiert“ definieren, was der Lebensrealität von Millionen Christen beispielsweise in Indonesien, Pakistan oder Indien hohnspricht. Denn: auch unterhalb der Ebene offizieller, staatlicher Repressalien und Terrormaßnahmen kann eine ganze Gesellschaft, ein ganzes Land durch und durch christenfeindlich und in aktive Verfolgungsmaßnahmen verstrickt sein. Denken wir an den Norden Nigerias, bestimmte Bundesstaaten in Indien oder an Malaysia. Vergessen wir nicht: auch das Wegschauen und die Untätigkeit staatlicher Sicherheitsorgane angesichts von ermordeten Priestern, abgefackelten Kirchen und vergewaltigter, gläubiger Frauen, ist eine Art staatlich abgesegneter Verfolgungsmaßnahme, da noch niemals weltweit ein Milizionär, Polizist oder Richter deswegen verurteilt wurde.

Aber diese unselige ZDF-Dokumentation ist eigentlich darauf ausgerichtet, den Christen selbst den „schwarzen Peter“ der Verfolgung zuzuschieben. Es soll in einer Art oberflächlich-pseudowissenschaftlicher Betrachtung „beleuchtet“ werden, was das Christentum von der Welt absondert und warum wir Gläubigen deshalb sozusagen gehasst und ausgegrenzt werden „müssen“. Christenverfolgung als Normalzustand, denn Christus habe es ja so vorgelebt und vorausgesagt. Eine Haltung, die leider in Kirchenkreisen oftmals geteilt wird, weshalb sich auch das Schweigen, Achselzucken und Desinteresse in den Gemeinden angesichts der unfassbar schrecklichen Ereignisse weltweit begründen lässt.

Sans titre

Agnes-Mariam de la Croix

Im Film darf der Theologe Dr. Thomas Söding Jesus unwidersprochen als „Propheten“ bezeichnen und somit der Vermischung mit dem Islam, der ja die göttliche Natur Christi verleugnet und ihn als „vorletzten Propheten“ bezeichnet, argumentativ vorbereiten. Eine Vermischung, die ja von diversen Kirchen hierzulande bewusst vorangetrieben wird, wenn man Imame zur Sonntagspredigt einlädt oder von dem „einen Gott, den wir alle gemeinsam anbeten“ daherredet, ohne sich wirklich theologisch fundiert mit der Materie auseinanderzusetzen und hier eindeutig, auch bei der Wortwahl angefangen, zu differenzieren.
So ist zwar natürlich die unheilvolle Vermischung von Staat und Kirche seit der Konstantinischen Wende in dieser Dokumentation ein Thema, das dann in der unvermeidlichen Erwähnung der Kreuzzüge gipfelt, aber die Differenzierung von christlicher Lehre und politischer Okkupation der Kirche gelingt dem Film, der vielleicht sogar insgesamt zeitlich zu knapp geraten ist, nicht mehr. Warum eigentlich ? Will man einem politisch aufgeladenen Christentum das Wort reden ?
Einziger Lichtblick der Doku ist die ausgesprochen offen sprechende und charakterstarke syrische Oberin Schwester Agnes-Mariam de la Croix, die ich auch bereits die Ehre hatte, hier im Blog zitieren und ihre Aussagen besprechen zu dürfen. Sie nimmt wie immer kein Blatt vor den Mund, schildert im Film Schicksale der Gewalterfahrung und Vertreibung aus Syrien, die sie auf Veranlassung der sunnitschen Hass-Guerilla auch am eigenen Leibe erfahren hat.

Ich könnte an dieser Stelle noch viel über diesen ZDF-Film sagen, der zwar Fakten, vor allem vom Masbiro-Massaker, benennt, sie aber unendlich relativiert und somit mehr für Unklarheit als für Klarheit beim Zuschauer über die Zustände in Ländern der Verfolgung sorgt. Allein die dort kolportierten Opferzahlen stimmen keineswegs mit den Berichten aus dem Lande selbst überein. Sie sind deutlich zu niedrig angesetzt.
Die im Film transportierte sehr oberflächliche und einseitige Interpretation der Botschaft Christi als reines Friedensbekenntnis (kein Wort über die Aufrufe zur Umkehr, der strengen Ermahnungen auch in der Berpredigt und keine Erwähnung der Göttlichkeit Christi), aus dem der universelle Friede auch und gerade in Nahost erwachsen könne, legt erschreckend deutlich klar, worum es in dieser Dokumentation wirklich ging: die Friedensbrücken in Richtung Islam zu schlagen, obwohl gerade aus diesem Lager die nackte, brutale Gewalt gegen die Gläubigen hervorgeht. Sachlich und fachlich zweifelhaft, von einer „Friede-Freude-Eierkuchen-trotz-blutiger-Christenmorde“ – Mentalität getragen, hätte man sich dieses Filmchen, von den wenigen Schnipseln mit Schwester Agnes-Mariam abgesehen, eigentlich sparen können. Wieder eine Gelegenheit verpasst, um für mehr Verständnis und aktive Unterstützung der verfolgten Kirchen zu werben und Mut zu machen.

In diesem Sinne, dennoch ein schönes Osterfest

Ihr

Martin Clemens Kurz

Update: Auch in der „Welt“ ist am 30. März 2013 ein sehr guter Artikel einer Ex-Mitarbeiterin des „HMK e. V.“, Marie Wildermann, erschienen. Auch einen Blick wert !

https://gebetskreis.wordpress.com/category/aus-der-verfolgten-kirche/asien/indonesien/

Wird das Interesse über Ostern hinaus bestehen bleiben ? Beten wir doch dafür !

UPDATE: der Beitrag aus dem TV kann mittlerweile in der ZDF-Mediathek HIER

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1867014/Gef%C3%A4hrlicher-Glaube

eingesehen werden. Machen Sie sich selbst ihr Bild !

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7 Gedanken zu “Medien: die Aufmerksamkeit für die anschwellende Gewalt gegen Christen wächst (update)

  1. Ganz besonders penetrant war auch der Abschnitt über den Libanon, wo uns wieder einmal das Trugbild der „friedlich miteinander koexistierenden“ Religionen gezeichnet wurde. Dieses Trugbild hatten wir auch einmal vom Irak, von Syrien oder Ägypten. Alle diese Länder sind im Rahmen diverser Umstände zu echten „killing fields“ für Christen geworden. Warum sollte der Libanon, warum sollte Jordanien nicht als nächstes dran sein ?
    Nichts spricht derzeit dafür, dass die nächsten der diversen an die Muslimbrüder gefallenen Dominosteine eben gerade NICHT der Libanon oder Jordanien sein werden. Diese Erkenntnis wird aber dem ZDF-Zuschauer, in bester „Nebelwerfer“-Manier verborgen. Kein Wunder, dass wir immer wieder „überrascht“ sind, wenn es zu Ausschreitungen oder Massakern kommt. Wer nicht sehen will…

  2. Selbst einem kath. Blog ist aufgefallen:

    Immer weniger Christen im Heiligen Land – Patriarch von Jerusalem bei Papst Franziskus

    Christen im Heiligen Land: Erosionsprozeß geht weiter, immer weniger Christen wo Christus lebt. Im Bild: Heilige Messe in Grabeskirche e(Jerusalem) Der Erosionsprozeß des Christentums in seinem Ursprungsland geht weiter. Die Zahl der Christen hat sich allein in den Palästinensergebieten seit dem Jahr 2000 halbiert. In Jerusalem leben heute nur mehr 5000 Getaufte, dies ergab die jüngste Studie des christlich-palästinensischen Völkerrechtlers Hanna Issa, der auch Generalsekretär des Islamisch-christlichen Komitees für den Schutz Jerusalems und der Heiligen Stätten ist. Issa bezeichnet den Rückgang der Christen im Nahen Osten als „soziales Desaster“.

    Am 15. April empfängt Papst Franziskus den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal in Audienz. Thema der Begegnung wird die Situation im Nahen Osten, das Verhältnis zu Juden und Moslems, vor allem aber die Lage der Christen im Heiligen Land und den angrenzenden Gebieten sein. Die Christen des Nahen Ostens wollen den Papst bitten, dafür zu beten, daß auch die Christen weiterhin dort leben können, wo Christus lebte und wo sie seit 2000 Jahren leben.

    Vor Ausbruch des israelisch-palästinensischen Konflikts 1945 war noch ein Drittel der Bewohner des Heiligen Landes Christen, heute sind es weniger als drei Prozent. Ursache für diesen Rückgang ist der Mühlsteineffekt des jüdisch-islamischen Konflikts, der die Christen als schwächste Gruppe dazwischen aufreibt.

    Obwohl die Christen zahlenmäßig die weitaus stärkste Gemeinschaft weltweit ist, mangle es bei vielen Christen an Solidarität mit ihren Glaubensbrüdern im Heiligen Land. Nicht wenige Christen stellen sich im Nahost-Konflikt entweder bedingungslose auf die jüdisch-israelische oder auf die palästinensisch-moslemische Seite. AN IHRE EIGENTLICHEN BRÜDER UND SCHWESTERN; DIE CHRSITEN, DENKEN VIELE NICHT: SO DIE IM HEILIGEN LAND HÄUFIG ZU HÖRENDE KLAGE VON CHRISTEN

    Text: Giuseppe Nardi
    Bild: Muniat Intrantes Lux

    Woran das wohl liegt? Natürlich nicht am Islam, nur an Israel. Ironie off. Und: Es wird die mangelnde Solidarität mit Chrstein angeprangert: Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Lasst dem letzten Satz des Artikels Taten folgen.

    • Ja, ja, da ist in dem Bericht schon wieder die fatale „Äquidistanz“ zu Israel und dem Islamismus zugleich am Werk. Ich persönlich berichte von der Situation der Christen in Israel oder den Palästinensergebieten selbst nur selten (eigentlich fast gar nicht), um den Israel- und Judenhassern sowohl hierzulande als auch darüber hinaus keine Werkzeuge für ihre „antizionistische“ Propaganda an die Hand zu geben. Denn hier sind sich die „Ganz-Rechten“ mit den „Ganz-Linken“, die Atheisten mit den Pseudochristen einig: Israel und die Juden sind an „allem schuld“ und müssen vernichtet werden. NWO-Verschwörungstheoretiker oder Islamisten. Alles derselbe Müll, alles zutiefst juden- und israelfeindlich und wird von mir deshalb entschieden abgelehnt. Leider gibt es aber auch in den Kirchen mehr als einen solcher falschen Freunde, wie der von Ihnen zitierte Bericht (Stichwort: „Mühlsteineffekt des jüdisch-islamischen Konflikts“, als ob Israel jemals aktiv Christen verfolgt hätte !)zeigt…

  3. Werter Stefanus1m: Ja, habe ich auch schon festgestellt: Israel ist der Buhmann in dieser linksverseuchten Mainstreampresse und die Palästinenser sind wahre Unschuldslämmer (die Führungen sind natürlich gemeint). Kein Wort davon, dass Herr Abbas keine Juden in einem neu zu gründenden Palästinenserstaat erlauben will. Kein Wort von der Hamas-Verfassung, die Israel vernichten will. Kein Wort davon, dass die Palästinenser bereits ihren Staat sogar mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt hätten haben können, wenn sie seinerzeit zugestimmt hätten. Kein Wort davon, dass Israel den Gazastreifen geräumt hat und als Dankeschön immer wieder Radketen auf das Staatsgebiet geschossen bekommt. Aber wehe: Da wird ein Luftangriff geflogen. Dann ist Israel wieder der Aggressor. Stellen Sie sich mal vor, ein europäisches Land würde keine Farbigen, Indianer oder Muslime oder Hindus mehr aufnehmen wollen, wie groß das Geschrei in der Presse wäre. Wenn jemand verkünden würde, keine Christen mehr aufnehmen zu wollen, wäre dies wohl kaum einen Zweizeiler wert. Soviel zur Ausgewogenheit der Mainstreampresse.

    Aber wir wissen ja alle, dass der islamische Hass auf Juden sich bis heute in palästinensich-arabische Schulen 1 zu 1 übertragen hatte. Schädliche Geisteshaltung führt unweigerlich zu ungeistigen Taten wie Terroranschlägen gegen Unschuldige. Leider haben da auch Christen in der Vergangenheit eine unrühmliche Rolle gespielt, als sie Juden als „Gottesmörder“ hingestellt haben ohne zu bedenken, dass sie einen Juden, nämlich Jesus anbeten, der jüdische Feste gefeiert hat und den jüdischen Gott als den seinen im „Vater unser“ angesprochen hat, sich von seinem Vater, dem jüdischen Gott, auf Golgotha verlassen fühlte. anbeten. Welche eine Schande. Fast sämtliche Heiligen der Bibel sind Juden, was heute zu gern auch in erzkatholischen Kreisen vergessen wird.

    Ganz entschieden: Juden sind unsere älteren Geschwister, selbst wenn sie ihren großen Sohn, dessen überragende Bedeutung sie bis heute nicht erkannt haben, den Sohn Gottes, Jesus, nicht vergöttlichen können. Glauben ist halt auch Gnade. Darum aber von Gottesmördern zu sprechen ist

    a) faktisch falsch (Italiener, die früheren Römer, haben Jesus ans Kreuz geschlagen, nur eine Handvoll Juden, die die religiöse MAcht innehatten, haben ihn ans Kreuz geliefert und eine gekaufte Menge hat den Kreuzigungsruf getätigt und b
    b) völlig verblendet, weil übersehen wird oder werden soll, dass Jesus selbst in diese Welt gekommen ist, um sein Erlösungswerk zu beginnen und zu vollenden mit Tod und Auferstehung. Somit hat er letztlich sogar seine Mitmenschen in dieser Weise für sein epochales göttliches Werk instrumentalisiert, selbst Judas, aber immer ihnen den freien Willen lassend, sie nie zu ihrem Handeln gezwungen.

    Daraus die Mär vom Gottesmord zu konstruieren, ist übel an den Haaren herbeigezogen. Dieser Judenhass auch im Christentum hat den Holocaust ermöglicht. Leider hatte auch Luther einen Judenhass, der sich gewaschen hatte.

    Ob wir wollen oder nicht, auch im Evangelium, in der Apostelgeschichte, sind judenfeindliche Elemente zu finden, die aus der damaligen Situation heraus verstanden werden müssen. Aber daraus entwickelte sich diese starke Ablehnung der Juden, die Gott für sein Werk von langer Hand ausgewählt hatte.

    Dieser versteckte Judenhass des Christentums und der offene des Islam hat leider bis heute Wirkung gezeigt, unselige Wirkung von mehreren Seiten. Die meisten Zeitgenossen wissen icht einmal, dass im Mittelalter hier in Deutschland (von anderen Ländern weiß ich es nicht) Juden weder Handwerker noch Bauern sein durften. Sie musst somit auf die Berufe des Händlers und des Bänkers ausweichen, um überleben zu können. Dass sich dadurch natürlich Bankhäuser bildeten und Geschäftsleute, denen dann heute verschwörungstheoretisch unterstellt wurde, selbst Regierungen zu steuern, ist dem permanent mitschwingenden Judenhass anzulasten. Tote Juden des Holocaust sind gute Juden, denen Denkmäler (zu Recht) gesetzt wurden. Aber verteidigt sich Israel gegen ständigen Raketenbeschuss aus (den Wohngebieten von) Gaza oder baut eine Mauer gegen Terroranschläge, sind sie Kindermörder, Frauenmörder und sonst irgendwelche Monster. Siedlungen werden nicht illegal gebaut, sondern es handelt sich nicht um annektiertes, sondern um gekauftes Land und auch um strategisch ausgewähltes Land, welches Israel in die Lage versetzt, sich besser verteidigen zu können. 70 km breit an der schmalsten Stelle gibt bei dieser Feindschaft der Nachbarn allen erdenklichen Anlass zur Besorgnis. Das alles wird aber nicht gesehen und auch nicht medial transportiert,, sondern nur die Belange der Palästinenser, die von ihren eigenen Glaubensgeschwistern als Faustpfand für die Aufrechterhaltung des islamischen Dauerkonflikts gegen Israel dienen. Das alles wird nicht gesehen und soll auch medial nicht gesehen werden, weil sonst ja die Feindbildfassade Risse bekommen würde.

    Der Nahostkonflikt ist letztlich ein vom Islam instrumentalisierter Religionskonflikt, weil er es nicht ertragen kann, dass ihm Land gestohlen wurde, welches er einst erobert hatte. Das kann er nicht zulassen, zumal sich die heiligen Stätten der anderen Weltreligionen in Israel seinem Einfluss entziehen. Wir können froh sein, dass Israel die heiligen Stätten, wenn auch nicht alle, unter Verwaltung hat.

    • Vielen, lieben Dank mal wieder für Ihre ebenso sachlichen, wie nachvollziehbaren und detaillierten Ausführungen.Die Thematik der „Gottesmörder“ und die unheilvolle Tradition, die leider auch und gerade Dr. Luther gegen Ende seines geistlichen und thematischen Wirkens fortführte, sind natürlich für Christen unserer Tage und unserer Nation immer wieder und immer wieder aufs Neue eine Betrachtung und Auseinandersetzung wert. Da müssen wir Gläubigen schon einen klaren, biblisch fundierten Standpunkt einnehmen.
      Politisch-Gesellschaftlich sollte es uns natürlich ebenso leicht fallen, uns an die Seite der einzigen, funktionierenden Demokratie in Nahost zu stellen. So korrupt ihre Politiker auch sein mögen, so schwierig die Mauscheleien in der Knesset uns auf den ersten Blick erscheinen mögen, so wenig sind wir dazu gerufen, den „ersten Stein“ zu werfen. Wer sich unsere, deutsche, politische Landschaft mal unvoreingenommen anschaut, der findet mindestens ebensoviele Kritikpunkte an unseren Parteien, Institutionen und Politikern. Nicht umsonst bleibt ein stabiler Block von 40 % aller Wahlberechtigten unseres Landes den Urnengängen auf allen Ebenen der Politik mittlerweile fern. Also: wie schwiemelig uns auch manchmal die israelische Demokratie erscheinen mag, sie funktioniert am Ende doch irgendwie. Es sitzen sogar Vertreter der arabischen Minderheit im Parlament. Wer kann sich ein paar Vertreter des Judentums im ägyptischen oder marokkanischen Parlament vorstellen ?
      Nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus herumpöbelt, sei allen Kritikern gesagt.
      Zu Ihren Ausführungen bezüglich des historischen Judenhasses im Mittelalter verweise ich immer wieder gern auf das jüdische Museum zu Berlin, dass ich bereits mehrfach mit großem Gewinn besucht habe. Nur der Metalldetektor am Eingang und die Wachleute vor der Tür machen mich immer etwas traurig, da hier nicht vor der „bösen NSU“ geschützt werden muss, sondern vor unseren „Bereicherern“ aus dem bekannten Kulturkreis, in deren erweitertem, lokalen Einflussbereich sich das Gebäude befindet. Die Ausstellung selbst ist aber sehr gut, weder zu umfangreich, noch zu wenig detailliert. Sie zeichnet ein sehr sachliches, mit angenehm wenig „erhobenem Zeigefinger“ durchsetztes Bild der Geschichte des Judentums in Deutschland. Nun, den „Libeskind-Bau“ muss man schon mögen (ich tue es nicht) und außerdem sehr „wander“-freudig mit festem Schuhwerk daherkommen, wenn man die Ausstellung komplett sehen will, aber es könnte sich lohnen.
      Wie auch immer: das Christentum, speziell hierzulande, hat sich spätestens seit 1945 erfreulich offen und direkt von den bösen Traditionen der Judenverfolgung und -diskriminierung distanziert. Nur scheint unter dem Deckmäntelchen der „Israel-Kritik“ und des sog. „Antizionismus“ gerade unter den besonders „Fortschrittlichen Christen“ (ja, auch das Anführungszeichen für „Christen“ ist an dieser Stelle von mir gewollt) diese unselige Tradition wiederaufzuleben. Unter Bezugnahme auf politische Ereignisse wird dann, wie Sie ganz richtig betonen, auf den Staat Israel, dessen politisch Verantwortliche und die „religiöse Rechte“ dort verbal losgeprügelt. Ein gefährlicher Pfad, den wir deutlich kennzeichnen und von dem die Kirchen sich abwenden sollten. Denn das einseitige Parteinehmen für die „Palästinenser“, das in der deutschen Politik und in den Medien vorherrscht, ist aus den von Ihnen oben deutlich gemachten Gründen nicht sinnvoll (Stichwort: „Religionskonflikt“, in dem die arabischen Bewohner Israels instrumentalisiert werden sollen.)

      • Werter Stefanus,
        herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Ja, ich hatte vergessen zu schreiben, dass es selbstverständlich erlaubt sein muss, auch Israel für Einzelakitonen zu kritisieren wie andere Regierungen auch: Aber die mediale Extremschieflage, die zum Konsumenten transportiert wird zugunsten der Palästinenser ist schon gehörig manipulierend und desinformierend.
        Welche Regierungen sind nicht korrupt? Wer hat uns gefragt, ob wir den Euro haben wollten? wer hat uns gefragt, ob wir Länder wie Bulgarien oder andere der EU angeschlossen sehen wollten? Wer hat uns hier in Deutschland gefragt, ob der Lissabonvertrag der EU vom Volk legitimiert wird. Niemand! Das ist Korruption in Reinkultur. Von echter Demokratie in solch lebenswichtigen Fragen keine Spur.

        Ja, der Staat israel hat meines Wissens ca. 20 % arabische Muslime in seiner Bevölkerung. Sie haben annähernd gleiche Rechte, wenn nicht sogar genau gleiche. Da bin ich nicht sehr informiert. Jedoch ist Israel eine funktionierende Demokratie, möglicherweise noch eine bessere als die hier. Selbstverständlich gibt es dort auch extreme ultraorthodoxe Juden, die ihrerseits am liebsten einen jüdischen Gottesstaat errichtet sehen wollen. Aber die Trennung von Religon und Staat ist in der Lage, dies zu verhindern.

        Zur Gesamtsicherheitssituation Israels ist m. E. noch folgendes von entscheidender Wichtigkeit, auch psychologisch:
        Das Judentum war Jahrundertelang auf der ganzen Welt zerstreut. überall wurden Juden als Minderheiten Menschenrechte verwehrt auch hier in Europa. Judenfeindlichkeit war immer schon versteckt oder offen vorhanden aus den Gründen meines Kommentars und anderer. Juden waren immer Opfer, weil sie sich aufgrund ihres Minderheitenstatus nicht wehren konnten. Das war die tägliche Erfahrung der Mehrheitsgesellschaften. Juden können gemobbt werden ohne mit Gegenwehr rechnen zu müssen.

        Das hat sich nun mit der Gründung des Staates Israel mehr als geändert. Erstmalig in der neueren Zeit wehren sich Juden. Eine ganz neue Erfahrung für alle Staaten. Dass das geschieht, passt nicht so recht in die geschichtlich gewachsene Situation, in der Juden immer als Opfer wahrgenommen wurden. Aus diesem Grunde verzeiht man Israel offensichtlich nicht, sich gegen Angreifer zu wehren, weil wir es offensichtlich so gewohnt sind.Jedes andere Land, welches bei gleicher Verteidigungskonstellation wie Israel von seinen Nachbarn in gleicher Weise angegriffen würde, würde eine solche Aktion höchstens ein 2-Zeiler wert sein.

        Bei Israel sieht das aber ganz anders aus. Weil sie sich wehren unterstellt man ihnen Aggression, völlig aus der Luft gegriffen. Wir sollten uns vorstellen, wenn uns die Schweiz mit Raketen „belästigen“ würden, wie wir oder Frankreich oder Italien reagieren würden? Etwa anders? Wenn die Nachbarn Frankreichs oder GB deren Existenzrecht absprechen würden, wie würden solche Staaten reagieren? Mit Sicherheit aggressiv und die Weltgemeinschaft wäre nicht einmal kritisch eingestellt. Nur Israel darf das alles nicht. Nur Israel wird mit Argusaugen beobachtet, weil die westliche Welt Angst vor dem Islam hat. Das wird der einzige Grund sein. Wenn israel an den Islam fällt, fällt auch der Westen.

        Das muss sich der Leser erstmal bewusst machen und dann kann der Nahost-Konflikt gedanklich ausgewogen angegangen werden.

      • Wenn irgendein Nachbar Deutschland für Wert befände, es mit Raketen, Granaten o. ä. anzugreifen, würde am nächsten Tage Außenminister Westerwelle in deren Hauptstadt fliegen und sich bedanken. Er würde im Namen der Völkerfreundschaft und der „guten Nachbarschaft“ wahrscheinlich fragen, wieviel denn der Raketenangriff gekostet habe und ob wir uns als Nutznießer dieser „Segnung“ nicht vielleicht an den Kosten beteiligen dürften. So sieht´s leider aus. Kein Rückgrat mehr in Deutschland, kein Selbsterhaltungstrieb (den hat man uns mit den Versailler Verträgen und spätestens 1945 aberzogen) und deshalb ist uns die Haltung der Israelis (in deren Armee übrigens nicht wenige, arabische Soldaten und Offiziere dienen, das schreiben aber die „Süddeutsche“ oder andere, linke Schmierenblättchen natürlich niemals), die ihre nackte Existenz und ihr Staatswesen bewahrt sehen wollen, natürlich unverständlich. Jeder Hund wehrt sich, wenn er angegriffen wird, es ist ein Instinkt, den zivilisierte Menschen und deren Staatskonstruktionen natürlich kanalisieren müssen. Aber ihn grundsätzlich zu leugnen, darauf kommen nur die Nachfahren der „Dichter und Denker“. Ein Trauerspiel.

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