Wider die künstliche Naivität in den Gemeinden

Es ist schon wieder ein paar „Tage“ (hüstel, oder Monate) her, dass ich eine meiner berüchtigten „Streitschriften“ oder „Tiraden“ verfasst habe, die mit dem Wort „Wider“ beginnen. Natürlich habe ich das als selbstironischen Spass so gemacht, da der mir in geistiger und geistlicher Hinsicht unendlich überlegene Dr. Luther auch einst einige seiner Kernthesen in Schriften niederlegte, die mit dem Wort „wider“ begannen.

kreuzDer letzte derartige Text von mir lautete „Wider das passive Christentum“ und handelte davon, dass Christen aktiv und handelnd eingreifen können, wenn sie wirklich auf dem Felsen Christus stehen. Auch ein „wider das gewollt naive Christentum“ habe ich mal verfasst, auch wenn es in diesem Text nur um die oft gefährlich seichten Texte diverser Lobpreis-Lieder ging. Aber diese Sache mit der Naivität hat mich unlängst wieder gedanklich zu beschäftigen begonnen. Wer den o. g. Text einmal gelesen hat, der weiss, dass ich darin davor gewarnt habe, die Texte von gar zu flachen Liedern gedankenlos nachzusingen, sie sogar im Gottesdienst „einfach so“ als Lobpreis vor Gott zu bringen, da hier oft einem bewussten Verwechseln von „Wunsch“ und „Realität“ Vorschub geleistet wird. Eine gefährliche Tendenz, die eben auch aus dem Textvers Mt. 18, 3 entspringt:

Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Damit wird in unseren Gemeinden oftmals gar zu viel begründet. Wenn wir „wie die Kinder“ werden sollen, dann müssen wir, laut gängiger Gemeinde-Philosophie, eben auch auch „alles glauben, allen vertrauen und immer vom Besten ausgehen“. Hier ist das Gottes-Wort dann doch allzu flach ausgelegt, was aber z. T. sehr schlimme Konsequenzen hat. In unserem Umgang mit „der Welt“, mit den Realitäten des Alltages, können gerade wir Christen uns keine falsche Naivität erlauben, keinen Mangel an Wachsamkeit, der uns von vielen böswilligen Nichtchristen dann als Dummheit ausgelegt werden und der, dessen dürfen wir uns 100%ig sicher sein, aufs entschlossenste ausgenutzt werden wird.

Denn schon Christus selbst hat uns eingeschärft:

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. (Mt. 10, 16)

Das wird gerne mal unter den Tisch fallen gelassen, aber es ist Christi Wort und damit wahr ! Ja, wir dürfen auch klug, also gebildet, geschickt, zielgerichtet sein. Nein, wir dürfen nicht nur, wir SOLLEN so sein, wie der Herr uns aufgetragen hat. Wie vertragen sich nun die beiden bisher zitierten Bibelworte miteinander ?

Sollen wir nun „naiv“ wie die Kinder sein, oder klug wie Schlangen ? Hier möchte ich jetzt endgültig mit dem gängigen, aber falschen Postulat aufräumen, „wie die Kinder“ zu werden bedeute, Christen und Gemeinden dürften sich blind, naiv und dumm allem hingeben, das die Welt ihnen vor die Füsse wirft. Jede Sau, die von Politik oder Massenmedien durchs Dorf getrieben wird, „streicheln“ oder zumindest kommentieren zu müssen, scheint eine Konsequenz dieser Grundhaltung zu werden. Nein, liebe Leser, ich denke, da liegen die naiv-Christen falsch. Denn es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen „kindlich“ und „kindisch/naiv“. Diese feine Differenzierung ist aber für das Christenleben in der Welt extrem wichtig !

Schon der Apostel Paulus wusste das. In 1. Kor. 13, 11 (Schlachter 2000) heisst es deshalb:

Als ich ein Unmündiger war, redete ich wie ein Unmündiger, dachte wie ein Unmündiger und urteilte wie ein Unmündiger; als ich aber ein Mann wurde, tat ich weg, was zum Unmündigsein gehört.

Wenn wir also dennoch „wie die Kinder“ werden sollen, um das Himmelreich zu erreichen, dann ist darin vor allem unsere Haltung gegenüber Gott angesprochen. IHN sollen wir als Vater (und Sohn und Heiligen Geist, versteht sich) verehren, IHM die Ehre geben, SEINEN Geboten gehorchen etc. Unsere Herzenshaltung zum Schöpfer, unser Vertrauen auf Gott, unsere „Freude am Herrn“ (Nehemia 8, 10), unsere Begeisterungsfähigkeit für SEIN Wirken und SEINE Herrlichkeit gehören zum Besten, was ein Christ sich bewahren oder was er im Verlustfalle zurückgewinnen kann, um wieder als „Kind Gottes“ vor dem Schöpfer zu stehen.

Der Welt aber gegenüber, dem Geschehen des Alltages gegenüber dürfen, ja müssen wir schlau wie Schlangen sein, denn sonst werden wir Verluste erleiden, die wir vielleicht selbst mit Gottes Hilfe nur sehr schwer verkraften können. Müssen wir tatsächlich immer annehmen, das jeder unserer nichtchristlichen Gesprächspartner demselben Ethos folgt, wie wir selbst ? Müssen wir auf jede Alltagsfrage sofort und unreflektiert eine schlüssige Antwort bereit haben ? Müssen wir alle Wünsche, die wir vor dem Hintergrund der Bibel für diese Welt haben, bereits als erfüllt ansehen ? Müssen wir Christen alle Tagesaktualitäten in so einer Art „besserwisserischen Bibelwissens“ überhaupt kommentieren ? Oder dürfen wir in klarsichtigem Realismus Klippen umschiffen, die vor unseren Lebens- und Gemeindeschiffen auftauchen ? Ich plädiere im Sinne von Paulus für das Letztere. Blenden wir uns nicht selbst mit falschverstandener Naivität, die oftmals nur gedankliche Faulheit kaschiert. Seien wir KINDLICH vor Gott und nicht KINDISCH vor den Menschen.

Was hat das alles mit den verfolgten Christen zu tun, ist natürlich die Frage, die sich vor dem Hintergrund des Themas dieses Blogs stellt. Angesichts diverser, von der soeben angeprangerten, falschen Naivität befeuerten Fehlentwicklungen in den Gemeinden, geht viel Realität in der Phrase „Gott wird es schon richten, Liebchen“ unter. Gottvertrauen in allen Ehren, aber wenn es dazu genutzt wird, um z. Bsp. die anschwellende Christenverfolgung aus dem Fokus der Gemeinden auszublenden, dann sind wir wie die Kinder, die sich Augen zuhalten, wenn sie etwas Bedrohliches wahrnehmen, statt der Bedrohung auszuweichen. Das ist kindisch und gefährlich.

In diesem Sinne

Ihr

Martin Clemens Kurz

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6 Gedanken zu “Wider die künstliche Naivität in den Gemeinden

    • Man verstehe mich hier nicht falsch. Mein dauerhaftes Plädoyer für mehr Realitätsbezug und weniger oberflächlich-dümmliche „Gott-wirds-schon-machen“-Ignoranz in unseren Gemeinden ist im Kern auch eine Argumentation gegen die klassische „Wagenburg“-Mentalität. Nichts gegen Evangelisten und Publizisten wie Lothar Gassmann oder Rudolf Ebertshäuser, die ich sehr schätze und mit denen ich extrem viele Schnittmengen habe. Aber ihre Überzeugung, dass die Gemeinde „herausgerufen“ sei, sozusagen eine Art „Priester-Heiligen“-Elite zu sein hat, die sich nur um ihr eigenes Seelenheil und die Vorbereitung aufs Jenseits kümmern soll, kann ich aus der Bibel in dieser Form nicht ableiten. Den Missionsbefehl lese ich anders.
      P.S.: Das Thema „Dominionismus“ tangiert mich nicht. Ich halte es klassisch mit Luthers „Zwei-Reiche“-Lehre und damit basta.

  1. Ich denke, dass das Wort „so werden wie Kinder“, in den Kirchen kaum eine Rolle spielt. Von der Kanzel höre ich schon die richtige Interpretation, die Sie, werter Stefanus 1, – und ich freue mich, wieder von Ihnen zu lesen – beschreiben.

    Diese ursächliche Misere des „oberflächlich“ verkündeten und was noch schlimmer ist, aber die Folge hiervon das „oberflächliche“ Gemeindeleben, ergibt sich wohl in erster Linie durch die Verkündigung des „verkündeten“ Jesus, dem blutleeren Jesus eines Herrn Bultmann, der Jesus als historische Person letztlich für seinen Glauben nicht braucht.
    Die Ursache der für den Synkretismus anfälligen Theologie waren wohl solche psychoanalytischen Interpretationen Drewermannscher Manier des letztlich in dieser Form historisch nicht existierenden Jesus, der eben nur als Bild Gottes herhalten musste, der zum Pazifisten, zum Revolutionär, zum Kumpel von nebenan, der mit den Armen Cola trinken geht, degradiert wurde. Dieses Jesusbild wurde dann der Beliebigkeit und der relativistischen Sichtweise unterworfen, mit der alles und nichts begründet werden kann.

    Darum habe ich als Katholik unseren leider zurückgetretenen Papst Benedikt so verehrt, weil er versucht hat, die Person Jesus wieder so richtig in die biblische Sichtweise einzuordnen, gerade auch in der heutigen Zeit des zunehmenden Relativismus und dem in seiner Folge auftretenden sinnfreien Werteverfall. Vielleicht werden seine Schriften in Zukunft, wenn es um die Positionierung der Kirche zu Jesus geht, wieder extrem wichtig werden. Sie sind es jetzt schon.

    Diese Beliebigkeit Jesu ließ auch alle Schärfen der Jesusworte wie z. B: die der engen und der weiten Pforte oder die der Ertragungsaufforderung von Verfolgung schwammig werden.

    So unverbindlich wie Jesus verkündet wird, so gestaltet sich auch in gleicher Weise das unverbindliche Glaubens- und Gemeindeleben der „Schäfchen“, die sich in ihrer „Mündigkeit“ (ein anderes Wort für Destabilisierung des ereinenden Glaubens) ihren eigenen Glauben zurechtschustern und sich eben nur um die Dinge kümmern, die leichter zu ertragen und zu bewältigen sind. Man will ja niemandem vor den Kopf stoßen. Genau ist das Problem. Christentum ist eben kein Zuckerwatteschlecken. Aus diesem Grunde wird auch die Christenverfolgungsproblematik gesehen, denn dieses Problemfeld würde doch die eigene heile Christenwelt torpedieren und die Christen auf den Boden der Realität zurückführen. Das muss verhindert werden.

    M. E. wird der Dreifaltigkeitsglaube, der ja erst die Grundlage für das vollkommene Gottesbild der Liebe des christlichen Gottes in Fülle schafft, zu wenig in den Vordergrund gerückt. Verleiben wir die Person Jesus in die Person des Vaters ein (Jesus sagt ja von sich, das er im Vater ist und wir den Vater sehen, wenn wir Jesus sehen), verleiben wir auch gleichzeitig den Heiligen Geist der Lehre Jesu im NT diesem Gott ein. Erst durch das NT können wir von einem Gott der Liebe in Fülle sprechen und diesen überhaupt andenkbar, glaubhaft vertretbar und sichtbar machen. Wer diesen Glauben der Hl. Dreifaltigkeit zur Disposition stellt und aufgibt, begibt sich in die Gefahr, den Menschen wieder in das alte Knechtsverhältnis zwischen Gott und den Menschen zurück zu führen, aus dem Jesus uns alle herausgeholt hat.

    (Wir verkennen, wenn wir von dem vollkommenen Gott der Liebe sprechen, dass wir es sind, die sich von diesem Gott entfernen und es aus diesem Grunde im Jenseits einen Erkenntnisprozess gibt, der uns den richtigen Platz im Jenseits einnehmen lässt. Der Gott der Liebe kann nur dann die Menschen zu sich ziehen, wenn wir dieser Gott angenommen haben. Darum ist der Gott der Liebe mit Sicherheit barmherzig und er wird unsere Fehler ausgleichen. Wer jedoch sein Angebot ablehnt, wird es im Jenseits möglicherweise nicht leicht haben. Dies schreibe ich, um dem weit verbreiteten Missverständnis zuvor zu kommen, dass dieser Gott der Liebe alles und jedes Verbrechen im Stile eines Hitlers und Stalin und Konsorten mit dem Mantel der Liebe zudecken wird, weil er doch die Liebe selbst ist. Es kommt auf unsere Position Gott gegenüber an. Der freie Wille entscheidet. Es gibt auch in der kath. Kirche Priester, die ich persönlich kenne, die wirklich verkünden, dass alle Menschen in den Himmel kommen und die Hölle nicht existiert. Ein gefährlicher die Menschen in die Irre führender Weg. Ich will keine Höllenpredigt und keine Angstmacherei. Die hatten wir schon Jahrhundertelang. Ich will aber, dass die Worte Jesu über die Hölle ernst genommen werden. Denn Jesus ist hier sehr eindeutig. )

    Darum ist es m. E. das Ziel moderner Theologie, den Göttlichkeitsstatus Jesu auf lange Sicht zu eliminieren, damit unselige Synkretismusgötter für die Allgemeinheit anbetbar sind und um so die Kompatibilität insbesondere mit dem Islam schaffen zu können.

    Diese Vertreter der „Christenheit“ geben den heutigen Judas und verraten und verscherbeln Jesus an den werteabschaffenden Religionsrelativismus.

    Das scheint dann auch für mich persönlich die Urquelle zu sein, die die Kirchen und Christen veranlasst, den islam in so hellem Licht erscheinen zu lassen, welches er bei nüchterner und realistischer Betrachtung eben nicht ausstrahlt, weil Verbrechen als Ziel zur Ausbreitung und im Gottesbild selbst fundamental verankert sind. Der christlich-jüdische Gott hat nur Vollkommenes erschaffen, nicht die Hölle selbst, die hat der Stolz eines Luzifers erschaffen. Der gott des Islam erschafft von vornherein Himmel und Hölle und gibt damit preis, dass er Herr des Himmels, aber auch Herr der Hölle ist, ein Gottesbild, welches das jüdisch-christliche beleidigt und in den Schmutz zieht.

    Das ist der Grund dafür, dass dieser Gott nicht identisch sein kann mit dem Gott der Christenheit und des Judentums.

    Wer den Gott der Christenheit mit dem Gott des Islam in Einklang bringen will, muss nicht mehr alle christlich-theologischen, aber auch sonstigen Tassen im Schrank haben.

    Bitte: Ich spreche hier nicht von Muslimen, die unserer Wertschätzung als Menschen und auch als Glaubende als solche bedürfen. Aber solange der Islam Elemente des Ausgrenzung, der RAche und der Gewaltlegitimation im Programm hat, solange werde ich keinen Allah anbeten. Ich bete keinen Gott an, der mich als Christen in meiner Menschenwürde so herabstuft, dass ich als schlechtestes Geschöpf angesehen werde.

    Liebe zu Muslimen strikt ja! Liebe zum Islam: strikt nein.

    • Mannomann, da steckt ja wieder so einiges an hartem Tobak drin, der aber auch ausgesprochen und der Diskussion anheimgestellt gehört. Wie immer kann ich das meiste des von meinem Vorkommentator erwähnten Pakets der Beobachtungen und Gedanken nur unterstreichen und betonen. Auch und vor allem im Bereich der protestantischen Kirchen geht so mancher Ungeist um, der sich den „christlichen“ Mantel umhängen will. Die Einfallstore für unbiblisches und durch keinerlei vertretbare Bibelauslegung mehr gedeckten

      werteabschaffenden Religionsrelativismus

      werden immer größer, die Zahl der den Synkretismus und die Beliebigkeit der Person Christi predigenden Kanzel-Beflecker wird immer höher. Es ist erschreckend und angesichts solcher und manch anderer Tendenz habe ich in letzter Zeit mehr als einen Gedankenaustausch über „Endzeit“-Thematiken mit seriösen Christen geführt. Sogar mein eigener, ein wenig vom „Psychologismus“ angekränkelter Pastor ist mittlerweile davon überzeugt, dass die Rückkehr des Herrn Jesus wohl nicht mehr gar so lange auf sich warten lassen wird, auch wenn es nicht an uns (nicht einmal an Ihm selbst, denn der Vater behält ja die Info für sich) ist, die genaue Zeit zu wissen. „Dieb in der Nacht“ halt…
      Ich kann leider aus Zeitgründen gar nicht auf alle Details Ihrer wie immer sehr lesenswerten Ausführungen eingehen, die ich vor allem als Protestant sehr interessant finde, das sie mir einen kleinen Einblick in die Verfassung der deutschen, katholischen Kirche und ihrer mehr oder minder desorientierten Schäfchen geben. Andererseits mag ich mir gar nicht vorstellen, wie lang Ihre Beiträge würden, wenn Sie den teils wirklich absurden „Theatervorstellungen“ innerhalb des sehr bunten, deutschen Protestantismus zusehen müssten, so wie ich es lange getan habe.
      Einzig die Differenzierung von „kindisch“ und „kindlich“, die Sie scheinbar in der katholischen Kirche als ausreichend gewürdigt ansehen, sehe ich in unserer Konfession eben nicht immer als eindeutig oder als überhaupt gegeben an, weshalb ich letztlich auch den Artikel zu diesem Thema verfasst habe. Eigentlich habe ich da nicht zwischen den Konfessionen differenzieren wollen, aber möglicherweise gibt es diesen Unterschied. Was denken eigentlich die orthodoxen Ostkirchen darüber ? Als neugieriger Mensch fände ich es schön, das mal zu erfahren. Wie halten die es mit der „Kindlichkeit“ der Gläubigen ?
      In jedem Fall ist dieses ungenaue Verhältnis zur „Kindlichkeit“ in vielen mir bekannten Gemeinden und Kirchenverbänden eben ein weiteres Einfallstor für extrem ungutes Gedankengut. Die falsche Naivität wird dabei (bewusst oder oft vielleicht auch unbewusst) ausgenutzt, um Christen zu einer bestimmten Art zu denken und zu fühlen zu konditionieren, die eben den „Werte-Relativismus“, den Synkretismus (Chrislam) oder ein bis zur Unkenntlichkeit verwässertes Christus-Bild zur Folge haben können. Natürlich speisen sich solche Entwicklungen aus vielen Quellen und ich will dem (in meinen Augen sehr wichtigen) Detail der künstlich erzeugten Naivität keinen höheren Stellenwert beimessen, als es hat, aber es sollte in jedem Falle beobachtet, analysiert und richtig eingeschätzt werden können.

      • Werter stephanus 1:
        Danke für die ausführliche Antwort.

        Ja, die Endzeit. Aber die Jünger dachten damals bereits an die Endzeit. Die Offenbarung des hl. Johannes spricht da Bände. Verbrechen, Ausbreitung des Islam seit seinem Bestehen, Mord und Totschlag, Holocaust, GULAG und Co. Millionen von Toten anlässlich antiker Kriege bis heute haben die Endzeit nicht herbeigeführt.

        Ich meine, dass es sich im Grunde erübrigt, über die Endzeit zu spekulieren. Das weiß ja laut Jesus eh nur der Vater allein. Ich denke, der Endzeitglaube sollte nicht überbewertet werden. ist es nicht im Grunde egal, ob ein einzelner Mensch stirbt, da für ihn die „Endzeit“ eingetroffen ist. M. E. ist es letztlich für den Einzelnen schnuppe, egal oder gleichgültig, ob ganze Völker ermordet werden, einer Naturkatastrophe zum Opfer fallen oder eben nur einige oder wieder andere eines natürlichen Todes sterben. Die persönliche Endzeit ist eh bereits in uns selbst grundgelegt. Darum kann die Endzeiterwartung zu religiösen Fehlleitungen und -einstellungen führen.

        Wenn ganze Völker ermordet werden, kommen halt Millionen von Seelen vor den Schöpfer und haben ihre Erkenntniserlebnis, so auch jeder Einzelne. Die Endzeitprophetien machen mutlos, hoffnungslos und verleiten dazu, die Seele unnötig mit „Blei“ zu belasten. Das wäre ja so, als ob ein Asteroid oder Meteorit der großen und unzerstörbaren Art auf die Erde zurasen würde. Diese Unheilserwartungshaltung ist, so meine ich ganz vorsichtig, nicht mit der Frohen Botschaft zu vereinbaren. Selbst wenn wir wüssten, dass so ein Teil in ca. 2 Wochen unweigerlich auf die Erde zurasen würde, könnte die Menschheit sich besinnen, da alle den Tod vor Augen hätten. Man kann sich selbst umbringen, wenn man ATheist ist oder diese 2 Wochen noch so intensiv wie möglich sich allen Freuden hingeben, die das irdische Leben zu bieten hat oder aber die Menschen versuchen aus Gottes Geist heraus denken zu lernen, das irdische Leben als Prüfung und Probelauf auf Gott sehen zu lernen und die Zuversicht und die Liebe zu bewahren. Endzeitszenarien aus Prophetien gehören eindeutig ins Kino, nicht in den liebenden frohmachenden Glauben.

        Wahr ist allerdings und es mehren sich die Indizien, dass seit Adam und Eva die Möglichkeit für den heutigen Menschen gegeben ist, seinen Lebensraum, nämlich das Geschenk Gottes, die Erde oder das Leben selbst zerstören zu können, zumindest, was menschliches Leben angeht. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, die wohl zusammentreffen müssen. Überbevölkerung durch insbesondere religiöse Frauenverachtungsdogmen, Waffenentwicklungen der perfiden Art im Zusammenspiel mit egoistischem Macht- und Kriegsdenken von Ideologen oder Religionideologen, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit und Naturvernichtung en gros. Das sind wahrlich anzuerkennende ernst zu nehmende Probleme und tatsächlich ein denkbares Endzeitszenarum, welches wir uns realistisch vorstellen können. Aber was bringt das? Erkennen und dagegen versuchen, etwas zu tun. Mehr können wir nicht. Beten für all diese Dinge und uns für die gerechte Sache einsetzen. Mehr ist einfach nicht drin. Zuversichtlich bleiben trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse scheint das Gebot der Stunde zu sein. Wir haben gelernt, dass alles, selbst ein tausendjähriger Baum sterben muss. Alles ist in Veränderung, alles ist stetig im Fluss. Leben ist so.

        Mit Endzeitszenarien in der Prophetiereligion, die leider auch unter Katholen noch recht oft vertreten werden, (meine Schwiegermutter und deren Schwestern sahen bereits in den 70ern die Welt untergehen, die Zeugen Jehovas bereits mehrfach, das Jahr 2000 war der Untergangstermin schlechthin und Privatoffenbarungen beschäftigen sich anstatt mit dem ‚Glauben lieber mit Warnungen und Weltuntergang) Wer aus diesem Grunde betet, betet kleingeistig. Der Tod unseres Körpers ist uns allen bestimmt hier auf Erden. Da macht es wirklcih keinen Unterschied, ob dieser Tod Massen, die ganze Menschheit oder aber lediglich normale einzelne Menschen eines natürlichen Todes sterben lässt.

        Ich denke, dieses Denken verengt die Weite unseres Glaubens auf zukünftige GEschehnisse, die mit zunehmendem Eifer praktisch am nächsten Tag erwartet werden und doch nicht eintreffen. Das fördert eine Strafgotthaltung größen Ausmaßes. DAs fördert ein Gottesbild der Vernichtung. Das mag jetzt alles kalt und unbarmherzig klingen, aber Endzeitprophetien lenken wirklich in die falsche Richtung. Dann nistet sich wieder die Angst vordergründig in den Liebesglauben des Christentums und dann betet wieder jeder für sich selbst (was auch legitim ist) aber eben egoistisch, wenn auch religiös egoistisch. Die Fokussierung auf die Endzeit, so faszinierend dies mitunter sein kann und mag, ist immer der falsche Weg. Würde Jesus nicht eher strenger mit uns „ins Gericht“ gehen, wenn wir nur noch die Endzeit im Kopf hätten, dessen Denken uns von ihm und seiner Liebe letztlich entfernt hat oder nur aus Angst religiös hätte handeln lassen, weil wir nur noch um das eigene Seelenheil bemüht wären?

        Wir haben noch immer einen verkopften und kranken theoretischen Umgang mit dem Tod. Damit will ich keine Leichtfertigkeit mit dem Sterbenmüssens des langen Leidens herunterspielen und der Lächerlichkeit preisgeben. Diese armen bedauernswerten Menschen sollte unsere ganze Liebe und Hilfe gelten. Ganz klar. Wir müssen uns jedoch beizeiten noch im gesunden Zustand befindlich zutiefst bewusst machen, dass der irdische Tod zum Leben dazugehört. Und dann verliert auch die Endzeit ihre Schrecken. Und als Glaubende brauchen wir vor Jesus doch wirklich keine Angst zu haben, oder?

        Als Kathole halte ich es hier mit Martin Luther:

        Wenn ich wüßte, daß morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.

        Ein wunderbares Zitat, welches im Grunde die vielen vorher gemachten Worte meinerseits ad absurdum führen und letztlich überflüssig machen.

      • Für mich persönlich halte ich es mit der Endzeit so, dass die Erkenntnis der möglicherweise bald bevorstehenden Rückkehr Christi mich eben „auf dem Boden“ zu halten pflegt, wenn mein Pendel mal wieder gar zu weit in irgendeine Richtung ausschlägt. Zu viel „Freude am Herrn“, ohne Ihn wirklich im Ganzen (Vater, Sohn, Heiliger Geist) zu betrachten. Oder eben zu viel Empörung über die Sündhaftigkeit von uns Menschen und die Wege, die diese Welt zu gehen scheint. Vor dem „Tag des Herrn“ relativiert sich da viel Negatives aber auch Positives zu Ihm hin, der ist, der war und der da kommt. Daran muss ich mich selbst mehr als einmal pro Woche erinnern, aber es hilft, wenn die Dinge etwas gar zu „bunt“ zu werden drohen.

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