koptischer Papst äußert sich…

Die Zeiten werden härter. Niemand wüsste das besser, als die koptisch-orthodoxe Kirche weltweit und speziell in ihrem Heimatland Ägypten. Nun hat der neue koptische Papst, Tawadros II., in einem Interview mit der „Associated Press“ ein paar interessante Dinge gesagt, die ihn von seinem vorsichtigeren und vielleicht manchmal gar zu verbindlichen Vorgänger unterscheiden.

TawadrosTawadros II. , als Nachfolger Schenudas III. nun das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche weltweit, sprach mit AP über seine Sicht der Dinge und wurde dabei, wie die „Washington Post“ berichtet, deutlicher in seinen Worten, als man es von Kirchenoberhäuptern heutzutage sonst zu hören bekommt. Wer sich ein Bild davon machen will, wie die Veränderungen der ägyptischen „Revolution“ und deren Ergebnisse die christlichen Ägypter (immerhin eine stolze Anzahl von ca. 10 Millionen) beeinflussen, der muss genau hinhören, wenn sich Männer wie Papst Tawadros zu Wort melden. In dem von der Washington Post zitierten Interview soll sich Tawadros sehr kritisch über die islamisch-fundamentalistische Regierung und vor allem über die neue Verfassung geäußert haben. Die Zeitung spricht davon, der Gottesmann habe die neue, stark von den Muslimbrüdern vorgegebene und schariakonforme Verfassung als „diskrimierend“ und die von Präsident Mursi ausgerufenen Gesprächsrunden als „sinnlos“ bezeichnet.

Wer aufmerksam die politische Szenerie im Land am Nil beobachtet hat, dem ist schon länger klar, dass Präsident Mursi sich mit Haut und Haaren der Agenda der islamischen Welteroberer von der Muslimbruderschaft ergeben hat, während er den „westlichen“ und liberalen Medien im Lande jedoch noch immer den Dialogpartner vorspielt. Die Ägypter wissen das und wissen, dass der Mann jedem alles erzählt, was der Gesprächspartner hören will, während seine Gesinnungsgenossen Ägypten in ihrem Sinne umgestalten. Die staatlichen Medien werden mit Muslimbrüdern an Schlüsselstellen bestückt, während liberale und kritische Journalisten um ihre Jobs und z. Teil um ihr Leben zittern müssen. Die Sicherheitsorgane Ägyptens werden von den Muslimbrüdern seit der Parlamentswahl ganz natürlich als „ihre“ Polizei angesehen, die jetzt gefälligst alle Andersdenkenden verhaften und verprügeln soll. Ein recht interessantes „Demokratieverständnis“. Ob das auch Herr Obama und Frau Merkel wissen, die weiterhin Militär- und Finanzhilfen in Millionenhöhe zur Verfügung stellen ? Sieht so die von den Berufsblinden in den Medien und der Politik dahingezeichnete Analogie von den Muslimbrüdern als einer Art „islamischer CDU“ aus, die uns auch der schlechteste Außenminister seit Ribbentrop und international verlachte (erinnern Sie sich noch an die Wikileaks – Berichte aus der US-Botschaft in Berlin ?) Guido Westerwelle anheimstellte ?

Aber zurück zu Tawadros II. Dieser setzt auch ganz neue Zeichen im anschwellenden Jubel-Gesang der islamischen Suprematisten in seinem Lande. Unlängst hat er sich auf eine „gefährliche“ Pilgerfahrt zu einem Kloster im Süden Ägyptens begeben. Diese Region galt bislang als „unsicher“ und so hatte seit Jahrzehnten kein Kirchenoberhaupt mehr das antike „Al-Muharrak“-Kloster besucht, bevor Tawadros dies tat. Wie die „WP“ schreibt, sei dies ein Zeichen der Ermunterung und geistlichen Zurüstung an alle Kopten. Die WP zeigt sich weiterhin davon überzeugt, dass Tawadros, anders als sein Vorgänger Schenuda III., sich weniger in reinen medialen „Show-Veranstaltungen“ engagieren könnte, die nur dazu dienen, ein falsches Bild der gelebten Realität Ägyptens über die Medien zu verbreiten. Zu diesen „nationalen Dialogen“ zitiert die WP den Papst folgendermaßen:

„Wir müssen und werden uns aktiv an jedem, nationalen Dialog beteiligen, in dem wir einen Gewinn für die Nation erkennen können. Aber wenn wir herausfinden, dass der Dialog endet, bevor er überhaupt begonnen hat und keines der Gesprächsresultate dann in die Realität umgesetzt wird, dann erkennen wir, dass dies nicht im Interesse der Nation ist.“

Starke Worte, zumindest im Vergleich. Würde sich auch nur ein einziger, deutscher Bischof ähnlich äußern, nachdem er wieder einmal viele Stunden seines Lebens in sinn- (weil ziel-) losen, „interreligiösen Dialogen“ vergeudet hat ? Selbst, wenn viele Kirchenmänner (und -frauen, keine Benachteiligung beabsichtigt) hinter vorgehaltener Hand immer mal wieder andeuten, dass ihnen die permanente Forderungs- und Vorwurfshaltung vieler, islamischer „Dialogpartner“ nicht geheuer vorkommt, so würden sie es angesichts des politischen Klimas in Deutschland niemals offen zugeben. In diesem Sinne gilt einem Manne, der wie Papst Tawadros II. in einer viel exponierteren und gefährlichern Stellung ist, ein großer Dank, dass er zumindest ganz vorsichtig so etwas wie eine eigene Linie entwickelt und dies auch artikuliert. Wer nicht für die eigenen Interessen aufsteht, der muss sich nicht wundern, wenn er von Leuten mit ganz anderen Interessen überrollt wird. Ein Signal auch an unsere Geistlichkeit hierzulande.

Tawadros zeigte sich auch erfreut darüber (ganz anders als Schenuda), dass sich so viele Kopten in den sozialen Bewegungen Ägyptens engagierten, betonte aber weiterhin, dass jede Aktion friedlich sein müsse.

(Quelle: „Washington Post“ vom 05. Februar 2013)

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