Kommentar: Verfolgung nicht „unerklärlich“….

Sogar ich, als klassischer Pessimist, muss es zugeben: das Thema dieses Blogs wird scheinbar langsam aber sicher stärker wahrgenommen. Im weltlichen, aber noch viel mehr im kirchlichen Bereich, gibt es doch von Zeit zu Zeit gute Nachrichten, die sich Bahn brechen. Politiker setzen sich für verfolgte Pastoren im Iran ein, Menschenrechtsgruppen hinterfragen die Machteliten, die in ihren Ländern Christenverfolgungen zulassen oder gar anfeuern und sogar aus der ein oder anderen Gemeinde oder Kirche hört man zaghafte Stimmen, die außer „Dialogen“ und irgendwelchen zeitgeistigen Themen (die Verwechslung von Zeitgeist und Geist Gottes hat in der EKD sogar langsam systematische Ursachen und Dimensionen angenommen) auch schwierige und derzeit nicht mainstreamige Sujets angegangen sehen wollen. 

Gebetskreis_Pur2Wer viel in Sachen „Christenverfolgung“ unterwegs ist, der weiss, dass in der Begegnung mit Bürgern auf der Straße oder im ersten Kontakt mit Geschwistern in deren Gemeinden oft eine große Unwissenheit über die Dimensionen dieses Phänomens zutage tritt. Gebildete, herzensgute und oftmals sehr engagierte Mitchristen schütteln überrascht den Kopf oder sind jedenfalls tief erschrocken, wenn man ihnen erstmals ein paar Fakten vorstellt oder Informationen einer Hilfsorganisation übergibt. „SOOOOOOOOO schlimm hatten wir uns das nicht vorgestellt.“ ist ein Tenor, den man öfters in der ein oder anderen Form zu hören bekommt. Geschwister, die in einem anderen Bundesland regelmässig in Sachen „Aufklärung über die Verfolgung und ihre Ursachen“ unterwegs sind, bestätigten mir diesen Eindruck.

Es ist ja nicht so, dass tiefgläubige, engagierte Christen wirklich ignorant wären. Das mag auf manche von ihnen zutreffen, aber als Regel würde ich das niemals gelten lassen. Es ist auch nicht so, dass bei echten Gläubigen kein Interesse am Thema vorhanden wäre. Wer immer Aufklärungsarbeit über Christenverfolgung jemals aus ganzem Herzen betrieben hat, wird dies wissen. Vor allem andere Christen sind zumeist nicht von vornherein negativ gegenüber der Botschaft eingestellt. Warum aber schweigt dann die Kirche oftmals so laut vernehmlich, wenn in Nigeria Kirchen (und die darin sitzenden Gläubigen !!!) brennen, in Nordkorea Christen in LAGERN gefoltert werden oder in Saudi-Arabien damit gedroht wird, keine „Ungläubigen“ mehr auf ihrer Halbinsel zu dulden ? Es ist schwer, darauf eine „griffige“, eine schnelle Antwort zu finden. Wenn man mich dazu zwänge, würde ich wohl sagen, dass die „Hirten“ unserer Herde die Analyse des Problems scheuen. Diverse, nichtssagende und schwammige Aussagen von Bischöfen etc. über „Religionsfreiheit“ und „Dialogbereitschaft mit allen Religionen“ (de facto ist dabei fast immer nur der Islam gemeint) deuten darauf hin.

Denn eines ist schlicht und ergreifend wahr: Christenverfolgung findet nicht im luftleeren Raum, einer Art spirituellem oder politischem Vakuum, statt ! Sie hat soziale Rahmen- und Vorbedingungen, die sehr wohl analysiert und bezeichnet werden können. In seinen einleitenden Worten zur Handreichung der EKD bezüglich des Gebetstages für verfolgte Christen am 24. Februar 2013 weist sogar der sonst nicht gerade als „nonkonformistisch“ oder gar „politisch unkorrekt“ bekannte Bischof Nikolaus Schneider darauf hin, dass es sich lohne, einen genaueren „Blick auf die Län­der, aus denen uns immer wieder Schreckens­meldungen erreichen“ zu werfen. Offen gestanden, möchte ich ihm darin von Herzen gerne zustimmen, auch wenn ich mir durchaus bewusst bin, dass die Ergebnisse dieses genauen Blickes und die Konsequenzen, die ich persönlich daraus zu ziehen empfehlen würde, dem Herrn Bischof voraussichtlich nicht gefallen würden.

Christenverfolgung findet nämlich vor allem in kommunistischen und islamischen Ländern statt. Die wenigen Ausnahmen von dieser Faustregel (Indien, und, je nach Standpunkt: Laos) fallen hierbei nicht ins Gewicht. Sie sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen, dass sich linke Atheisten und radikale Muslime in einem einig sind: das Christentum ist für sie das „Böse“, dass bekämpft werden müsse. Koste es, was es wolle. Eine simple, aber dennoch stimmige Wahrheit, der sich hierzulande gerne viele Kirchenfrauen und -männer verschließen, weil sie ihrem eigenen, ganz persönlichen Anspruch nach einem „differenzierten“ Weltbild nicht gerecht zu werden scheint. Kein Wunder also, dass viele Schäfchen in den von diesen Hirten geleiteten Gemeinden vielleicht schon von Christenverfolgung gehört haben, aber dennoch immer wieder so schockiert sind, wenn diese plötzlich für sie „real“ wird. Wenn sie z. Bsp. eine gläubige Schwester aus Nigeria treffen, die unter Tränen berichtet, wie ihr Mann von den Handlangern der „Boko Haram“-Terroristen ermordet wurde und wie sie ihnen Jahre später dennoch vergeben konnte. Oder wenn sie von einem Bruder aus China hören, was er im Arbeits- und Umerziehungslager alles erdulden musste.

Da haben sich dann im Vorfeld oftmals die Hirten auf die zwar biblische, aber dennoch nicht komplette Aussage zurückgezogen, dass die Verfolgung uns ja sogar von Jesus selbst vorhergesagt wurde.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen. (Lk 6, 22)

Nichts gegen die Seligkeit der Märtyrer und die „Heiligkeit“ von Männern wie Youcef Nadarkhani. Aber deren Leid darf uns nicht dazu bringen, es als „gottgegeben“ und prophezeit abzutun und dann schulterzuckend wieder mit unserer kleinlichen Kirchen- und Gemeindepolitik fortzufahren. Gerade jene Hirten und Kirchen, die so gerne jeden Baum am Stuttgarter Bahnhof umarmen und jede gefleckte Feldmaus vor der Vertreibung retten möchten, zeigen nämlich oftmals ihren Geschwistern in Nigeria oder Pakistan, in China oder Indien, die Trost, Gebet, Hilfe und Zuspruch benötigen, die kalte Schulter. Ist ein Baum mehr wert, als 10 ermordete Christen in Ägypten ? Für viele Pastoren scheint es so zu sein, denn ihre (mehr oder minder) heimlichen Sympathien für Kommunismus und Islam machen sie dann übervorsichtig, wenn auch nur entfernt so etwas wie „Islamkritik“ oder „Antikommunismus“ (zwei Hassobjekte der politischen Linken im Lande) ihre Gedankenwelt zu infiltrieren „drohen“.

Auch geistlich findet keine Auseinandersetzung mit den Ursachen der Christenverfolgung mehr statt, denn dazu müsste man die Existenz des Bösen, die Existenz Satans als real ansehen und in unseren „aufgeklärten“ Zeiten ist so etwas natürlich extrem unpopulär. Man könnte ja vielleicht gar ein paar liberale Kirchenmitglieder verlieren, wenn man die Bibel in dieser Hinsicht wieder ernstnähme. Angesichts der prekären Spenden- und Kirchensteuerlage will sich das keine Kirche leisten. Monetärer Opportunismus liegt in der Luft, aber was weiss ich schliesslich schon ?

In jedem Falle lohnt es, anderen Christen eindeutig, in geistlicher wie politisch-sozialer Hinsicht, die Wahrheit über die Not der Geschwister weltweit mitzuteilen. Ein Leben in der Wahrheit (ja, auch der nicht-nur-geistlichen Wahrheit) ist allemal besser, als die ewigen Kompromisse mit dem Zeitgeist, die bislang eine Analyse der Rahmenbedingungen für Christenverfolgung, Hass und Intoleranz verhindert haben, weiterhin zu akzeptieren.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern wieder mal eine gesegnete Zeit.

Gott schütze und bewahre Sie alle.

Ihr

Martin Clemens Kurz

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4 Gedanken zu “Kommentar: Verfolgung nicht „unerklärlich“….

  1. Schliesslich ist es in Deutschland ja auch nicht umsonst gute Tradition, den Antisemitismus, der sich im NS-Regime so scheusslich Bahn brach, bis ins kleinste Detail hinein zu analysieren. Vorbedingungen, Verlauf und schrecklicher Höhepunkt antijüdischer Exzesse und Pogrome sind bestens dokumentiert (und dies aus gutem Grunde !). Eine ähnliche Akribie bezüglich der Bedrohungen unseres Glaubens wäre wünschenswert, denn längst laufen Vertreibungen und Pogrome gegen Geschwister in verschiedenen Ländern. Irak, Sudan, Somalia und andere Länder mahnen uns zu Präzision und Ehrlichkeit. Denn wenn wir die Zeichen erkennen, mit denen die Repressionen gegen Christen dort begonnen haben, können wir uns hierzulande vorbereiten. Denn es glaube nur keiner, dass es nicht früher oder später auch in Europa losgehen könne. Wir sind keine „Insel der Seligen“ mehr, wo das Christentum als Grundlage einer verbindlichen Ethik und Soziallehre noch unangefochten wäre.

    Was einem engagierten Christen sonst noch so passieren kann, soll folgende Anekdote schildern: eine im deutschsprachigen Raum bekannte Menschenrechtlerin, die ich eigentlich sehr schätze und die ich hier im Blog mehrfach positiv erwähnt habe, liess mir jüngst durch ihr Büro mitteilen, ich hätte illegalerweise ein von ihr nicht autorisiertes Pressefoto im Blog genutzt und solle dieses sofort entfernen.
    Ganz unabhängig davon, ob dieser Sachverhalt zutrifft (ich gehe davon aus, dass es nicht so ist, denn bewusst nutzt ich keine gesetzlich geschützten Inhalte), war ich verblüfft, dass der „Erstkontakt“ zwischen dieser Dame und ihrer Organisation einerseits und meiner Wenigkeit andererseits in der unverholenen Drohung eines juristischen Nachspiels stattfand. Kein „wir haben gemeinsame Ziele“, kein „lassen Sie uns über gemeinsame Aktionen nachdenken“ o. ä. Stattdessen eine nüchterne Unterlassungsaufforderung. Puh. Mit solchen „Freunden“ brauchen wir eigentlich keine Feinde mehr, dann hat der Teufel längst gewonnen, liebe Leser. Sie sehen mich noch immer erstaunt, enttäuscht und ein bischen sauer hier auf der Tastatur herumklimpern.

  2. Ja, diese Erfahrung kann ich bestätigen:
    Auf kath.net folgender Artikel: http://kath.net/detail.php?id=40007

    Langsam ändert sich etwas. Aber sehr langsam und schleppend. Aber Rückschläge sind immer vorprogammiert. Werter Stefanus 1: Lassen Sie sich nicht von solchen leider von dieser Dame kleinkarierten Sichtweise abbringen, dieses Ihr Werk weiter zu verfolgen. Wer am gleichen Strang zieht und mit solchen Kleinigkeiten mit juristischen Nachspielchen droht, ist ein Mensch, dem es offensichtlich mit ihrem in die Öffentlichkeit getragenen Anliegen nicht sehr ernst ist, denn sie würde sich über eine Unterstützung in jeder Weise freuen.

    Drastischer als der von Ihnen zitierte Prophezeiungstext Jesu aus Lukas ist folgender:

    Joh 16,2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.
    Joh 16,3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
    Joh 16,4 Ich habe es euch gesagt, damit ihr, wenn deren Stunde kommt, euch an meine Worte erinnert. Das habe ich euch nicht gleich zu Anfang gesagt; denn ich war ja bei euch ….

    Ich schätze, dieses Wort trifft für heutige Verhältnisse zunehmend zu. Sowohl Vertreter des Islam und Vertreter der atheistischen Ideologien wie der alles gleichmachende Sozialismus wollen alles Christliche zerstören. Diese Prophezeiung Jesu – wobei ich das Wort „Synagoge“ durchaus auch auf den Begriff „Kirche“ ausweiten möchte, (Juden werden ja genauso verfolgt!) traf zu allen Zeiten zu und vermehrt tritt diese brutale Handlungsweise heute wieder auf. Gerade der Islam macht sich als „andere“ Religion gerade wieder einmal zum Prophetenerfüller dieses Wortes Jesu. Wer hat schon ein Buch, dessen Inhalt bis heute zutrifft? Allein das mag schon der Beweis dafür sein, dass unser Herr JEsus Christus der Sohn Gottes ist. Welche Prophezeiung trifft so wortgenau auch nach 2 000 Jahren zu? Ja, die Täter des Islam meinen genau das: Sie meinen, Gott mit ihren Untaten einen Dienst zu erweisen. Treffender kann das niemand ausdrücken.

    Jesus hat uns das prophezeit. Aber wie der Autor des Artikels so treffend formulierte: „.. Aber deren Leid darf uns nicht dazu bringen, es als “gottgegeben” und prophezeit abzutun und dann schulterzuckend wieder mit unserer kleinlichen Kirchen- und Gemeindepolitik fortzufahren.“

    Genau, das ist der Kernsatz, den sich unsere Kirchenvertreter deutlichst hinter die Ohren schreiben sollten.

    • Die „Synagoge“ die Christus im o. g. Zitat andeutet kann sehr wohl als die heutigen Kirchen interpretiert werden. Jeder, der Christi Worte, Christi Vorbild und den Geist Gottes (nennen wir ihn von mir aus den „Heiligen Geist“) heute noch ernstnimmt ist doch kurz davor, aus seiner Gemeinde geworfen zu werden. Man nehme mir das ruhig ab: ich habe es bei Freunden erlebt. Menschen, die Christus aufs Beste nachfolgen wollten, wurden aus angeblich „bibeltreuen“ Gemeinden geworfen, sozusagen „den Hunden zum Fraße vorgesetzt“. Die Großkirchen nehme ich schon gar nicht mehr ernst. Von denen diffamiert und ausgestoßen zu werden, ist für echte Christen heutzutage eher eine Art „Ritterschlag“ und ein Beweis ihrer Ernsthaftigkeit in der Nachfolge. Ja, ich sage es so offen: die (deutschen) Kirchen sind die Pharisäer-Brutstätten von heute. Von ihnen haben echte Gläubige nur noch wenig zu erwarten. In jedem Falle nichts Gutes. Diese Worte aus Johannes 16 treiben mich, wie Sie sehen, auch schon seit längerem um und ich habe mich mit ihnen mehr als einmal auseinandersetzen müssen.
      Dennoch schmerzen die Zurückweisungen und die Blindheit der Christen immer noch besonders, weil die Christen die Möglichkeit, sozusagen das „Handwerkszeug“ hätten, um es besser zu machen und anständig vor ihrem Schöpfer dazustehen. Aber der Mensch ist eben schwach, fehlerhaft und sündig. Deshalb braucht er ja den Erlöser….

  3. Pingback: Christenverfolgung verfolgt braune Medien und Gutmenschen « kopten ohne grenzen

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