EKD gedenkt der Christen Indonesiens

Die Kirchen Deutschlands waren bis vor Kurzem nicht unbedingt am Thema „Christenverfolgung“ oder an den Schicksalen von Gläubigen in „schwierigen“ Ländern und Regionen interessiert. Dieses Desinteresse könnte nun langsam aufweichen, wenn man die Zeichen der Zeit liest und sehr wohlwollend interpretiert. Ein guter Anstoß kommt (ausgerechnet, Gott lässt immer noch große und kleine Wunder geschehen !) aus der EKD:

Bischof Nikolaus Schneider

Bischof Nikolaus Schneider

Am zweiten Sonntag der Passionszeit, „Reminiszere“, gedenkt man in der Amtskirche gerne diesem oder jenem. Bürokratisch korrekt und von einem festen „Plan“ (wer denkt bei diesem Wort nicht an die DDR – „Planwirtschaft“ ?) gesteuert, wird in der EKD einmal im Jahr auch das Thema „Religionsfreiheit“, welches unmittelbar mit der weltweiten Christenverfolgung gekoppelt ist, angegangen. Anders als die Freikirchen und die eher evangelikal ausgerichteten Verbände, die der „Evangelischen Allianz“ nahestehen und traditionell im Winter den „internationalen Gebetstag für die verfolgten Christen“ begehen, muss die EKD zwar ob ihrer Schwerfälligkeit öfters mal „zum Jagen getragen werden“, aber am Reminiszere-Sonntag 2013 soll nun doch speziell der Situation von Christen in Indonesien gedacht und für diese gebetet werden.

Das ist erfreulich und hoffentlich geht die Not vieler Geschwister nicht im Geklingel von „Dialogbereitschaft“ und Friedensrhetorik unter, mit der sich die Mainstream „Kirchen“ hierzulande dafür zu entschuldigen pflegen, wenn sie mal widerstrebend etwas Realität anerkennen und sich um ihre ureigensten Angelegenheiten zu kümmern scheinen. Schauen wir mal, was die offizielle Handreichung der EKD zu diesem SONNTAG, DEN 24. FEBRUAR 2013, zu sagen hat:

  • Sie steht unter dem biblischen Motto:
    „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,
    die von Ewigkeit her gewesen sind.“
    (Ps 25,6)
    Herrlich nichtssagend, aber mit vielen Wohlfühlvokabeln versehen. „Güte“, „Barmherzigkeit“. Wer könnte dagegen sein ?
  • In den Einführungsworten des EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Nikolaus Schneider (s. Foto oben) finden sich gute Ansätze, ein paar gute Gedanken:

    Zu den Früchten, die Jesus von uns erwartet, gehört auch, dass wir uns die Leiden der be­drängten und verfolgten Glaubensgeschwisterzu eigen machen und im Gebet vor Gott bringen. Es lohnt sich ein genauerer Blick auf die Län­der, aus denen uns immer wieder Schreckens­meldungen erreichen. Überall dort, wo die Reli­gionsfreiheit verletzt wird, werden auch Men­schenrechte missachtet.

    Amen, Herr Bischof, Amen. Diese Worte sind weise und jeder Christ, dem die verfolgten Geschwister am Herzen liegen, wird Ihnen darin zustimmen. Vor allem das Wort vom „genaueren Blick“ auf die Verfolgerstaaten kann man nur unterstreichen. Leider verweigert sich gerade die EKD und die ihr nahestehenden Organisationen oftmals diesem genauen Blick, weshalb die Worte Schneiders ein wenig zweideutig klingen und auf ihren genauen Inhalt geprüft werden müssen. Taten sprechen eben immer lauter als Worte, Herr Bischof !

  • Aber weiter:

    Unsere Aufmerksamkeit am Sonntag Remi­niszere gilt in diesem Jahr besonders den christ­lichen Kirchen in Indonesien. Seit vielen Jahren kommt es dort immer wieder zu Übergriffen durch radikale islamistische Kräfte, denen die Polizei und andere staatliche Stellen nicht mit der erforderlichen Entschiedenheit begegnen.

    Ein gehöriger Schuss Wahrheit. Gut gesprochen, Herr Bischof. Alle Leser dieses Blogs kennen ja die Realität vieler indonesischer Christen aus unserer dementsprechenden Länderrubrik. Schön, dass diese Wahrheiten sich bis zu Ihnen herumgesprochen haben ! Vielleicht besteht ja noch Hoffnung.

Jetzt kann man nur noch hoffen, dass sich viele Gemeinden kreativ und auch kontrovers an entsprechenden „Awareness“- und Gebetsinitiativen beteiligen. Dies wäre eine schöne Chance, die Grundlage für ein verstärktes und dauerhaftes Engagement für verfolgte Christen nicht nur in Indonesien zu legen. Organisationen wie „open doors“, die „Schwester Hatune Stiftung“ oder die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ wären dankbar für neue Unterstützer und Spender.

In diesem Sinne: bestehen wir darauf, dass das Schicksal der indonesischen Kirchen hierzulande bekannt wird und über die Ursachen für aggressiven Christenhass offen und ohne falsche politische und geistliche Tabus gesprochen wird. Die Handreichung der EKD kann AN DIESER STELLE geladen werden. Es wird darin beispielsweise explizit auf das Schicksal der auch von mir beobachteten „Yasmin-Gemeinde“ von Bogor eingegangen.

(Quelle: „Pro-Medienmagazin“ vom 29. Januar 2013)

Advertisements

Ein Gedanke zu “EKD gedenkt der Christen Indonesiens

  1. Aber bevor wir jetzt alle „Halleluja“-rufend und einen Trommelkreis gründend das Ende der Nöte unserer Geschwister ausrufen, hier noch ein kleiner Hinweis auf meine Erfahrungen der vergangenen Jahre:
    Bei allen guten Absichten, die hinter solchen „einmaligen“ Veranstaltungen stehen, ziehen sie doch selten ein langfristiges, von Herzen kommendes Engagement nach sich. Bestenfalls können solche Anregungen im kirchlichen oder im Gemeindeumfeld den ein oder anderen Christen zum Nachdenken bringen. Sozusagen „ein Samenkorn legen“. Aber auch das ist ebenso selten wie dennoch wünschenswert.
    Allerdings nehmen oftmals gar nicht allzuviele Gemeinden an diesen Initiativen teil. Der weltweite „Gebetstag für die verfolgten Christen“ der DEA zum Beispiel wird in meiner Stadt weitgehend ignoriert. Gemeinden, die sich oftmals selbst als „Wagenburgen gegen die Welt und alle anderen Kirchen“ betrachten, haben meist kein Interesse an allem, was nicht direkt ihre Funktionsfähigkeit und ihr „Wachstum“ betrifft. Bei der EKD darf man nun allerdings davon ausgehen, dass diese „Reminiszere“-Aktion wenigstens weiterverbreitet wird und von vielen Pastor/inn/en aufgenommen werden wird. Bedauerlicherweise wird der geistliche, wirtschaftliche, politische und sonstige soziale Kontext, in dem religiöse Intoleranz blüht, zumeist nicht angemessen analysiert. Was im Bezug auf den Antisemitismus als „normal“ gilt, nämlich die genaue Analyse seiner Vorbedingungen, gilt im Bereich der Christianophobie bislang als Tabu. Was kann man dann also von den meisten EKD-Gemeinden hierzulande am 24. Februar erwarten ?
    Dialog-, Toleranz-, und sonstiges, unverbindliches Geschwurbel, vielleicht ein wenig Gebet für „alle armen Opfer“ von religiöser Gewalt und ein schnelles Abhaken des Themas. Wir werden sehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s