Weihnachten in Indonesien – Feier unter Androhung von Gewalt

Indonesien

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Wir erachten es hierzulande als „natürlich“, sozusagen als „Geburtsrecht“, dass Gläubige ihre Festtage in Frieden und ohne Einmischung durch Staat oder den sprichwörtlichen „bösen Nachbarn“ begehen können. Diese Einstellung hat sich auch in unseren Gemeinden, Kirchen und bis hinein in den „weltlichen“, säkularen Raum hinein verbreitet. Ich persönlich halte es da aber lieber mit Thomas Jefferson, der nicht zu Unrecht postulierte „Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit.“ Auch der Preis der Religionsfreiheit, liebe Mitchristen, das sollten euch die Hirten des Öfteren mal wieder vor Augen führen.

Wie es gehen kann, wenn man in einer feindseligen Umgebung versucht, die Ankunft Christi, des Lichtes der Welt, zu zelebrieren, zeigt die jüngste Geschichte, die aus Indonesien bekannt wird. Dort haben die Vorbereitungen für einen Weihnachtsgottesdienst im Ort Ungaran in Zentral-Java die Fanatiker der „Islamic Defenders Front“ (IDF) auf den Plan gerufen. Der größte Platz des Ortes, auf dem die Christmette nämlich abgehalten werden soll, liegt nämlich (nicht zufällig, im Islam hat eine starke Symbolik nämlich Tradition) ausgerechnet vor der größten Moschee des Ortes. Die IDF hat bereits zu einer Massenkundgebung am Weihnachtsabend gegen die Messe aufgerufen. Ihre Androhung, jegliche, christliche Religionsäußerung über die Feiertage zu unterbinden, ist durchaus ernstzunehmen in einem Land, das zunehmend unter den Einfluss radikal-islamischer Kräfte gerät, gegen die der Staat offensichtlich nicht vorzugehen gedenkt, wie die Geschichten um die Yasmin-Kirche aus den letzten Jahren zur Genüge bewiesen haben. Aber zurück nach Zentral-Java: Ein IDF-Anführer hat bereits folgende Verlautbarung von sich gegeben:

Eine massive, christliche Kundgebung vor einer Moschee spricht nicht für inter-religiöse Toleranz. Da gibt es andere Orte, die Christen sollen woanders hingehen.

Auch hier wird wieder der Begriff der „Toleranz“ als „Muslime tun und sagen was sie wollen, alle anderen Religionen sollen die Klappe halten“ fehlinterpretiert. Eine Auslegung, die, wenn man Augenzeugen diverser „interkultureller“ und „interreligiöser Dialoge“ hierzulande Glauben schenken darf, auch viele Islam-Vertreter diverser „Dialogpartner“ in Deutschland oftmals mehr oder minder unverhohlen an den Tag legen, sobald auch mal Forderungen an ihre Glaubensgemeinschaften gestellt werden und nicht nur umgekehrt sie selbst ihre Forderungen loswerden. „Woanders hingehen“ kann man in einen solchen Kontext auch schon mal sehr kritisch als „geht doch dahin, wo der Pfeffer wächst“ interpretieren. Wächst der eigentlich in Indonesien ? 🙂

Aber, bei aller Kritik am intoleranten, gesellschaftlichen Klima in weiten Teilen Indonesiens, sei der Gerechtigkeit halber auch bemerkt, dass die Polizei von Zentral-Java bereits deutlich signalisiert haben soll, dass sie eventuelle Ausschreitungen gegen Christen, die von Seiten der IDF ausgehen sollten, zu unterbinden gedenkt. Immerhin haben die katholischen Gemeinden alle notwendigen Genehmigungen für die Messe eingeholt. Bezeichnenderweise trauen sich aber selbst die Sicherheitsorgane nicht, dies offiziell zu verkünden, da sie die IDF und ihre Sympathisanten „nicht provozieren“ wollten. Eine Haltung, die ebenfalls auch aus unserem Land bekannt ist, wenn Sicherheitskräfte gegen Gewalttäter unterschiedlichster Provenienz eine „defensive, gewaltvermeidende Taktik“ bevorzugen. Also kann man kaum die Relevanz solch „exotischer“ Meldungen aus Indonesien für unsere eigene, deutsche Gegenwart verhehlen.

Indonesien ist das bevölkerungsreichste, islamisch dominierte Land der Welt. Im Land gilt eigentlich eine Verfassung, die die Diversität der Ethnien und Religionen Indonesiens berücksichtigt. Dieses Prinzip der „Einheit in Diversität“ wurde jahrzehntelang als „Pancasila“ bezeichnet und durchgesetzt. Mittlerweile häufen sich jedoch die Übergriffe gegen islamische Sekten, die vom sunnitischen Mehrheitsislam als „Ungläubige“ angesehen werden (Ahmadiya…) und gegen Christen diverser Denominationen und Konfessionen. Vor einigen Monaten haben mir Missionare, die im Lande tätig sind, bestätigt, dass selbst den alteingesessenen, liberalen Muslimen der Einfluss junger, in Saudi-Arabien, Katar oder ähnlichen Ländern ausgebildeten Hasspredigern langsam aber sicher unheimlich wird. Sie würden jedoch niemals diese Radikalen anzeigen oder behindern aus Angst vor Vergeltung. So sind Meldungen wie diese oder die böse Geschichte der Yasmin – Gemeinde von Bogor (googlen Sie´s selbst, bitte) nicht mehr verwunderlich. Das gesellschaftliche Klima kippt dort spürbar seit Jahren.

(Quelle: „asia news“ vom 21. Dezember 2012)

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