Iranischer Glaubenshäftling gedenkt der Toten des Newtown-Massakers

Farshid Fathi

Farshid Fathi

Zugegeben: um Weihnachten herum werde ich, wie viele meiner christlich geprägten Mitmenschen auch, immer etwas rührselig. Ich neige zu einer starken Emotionalität bis fast zur Weinerlichkeit. Aber ehrlich gesagt, die folgende Geschichte hat mich einfach so sehr gerührt, dass ich sie Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten will.

Der im Iran inhaftierte Pastor Farshid Fathi, der momentan eine sechsjährige Haftstrafe absitzt, hat eine Botschaft des Trostes und der Solidarität mit den Eltern der Opfer des Newtown – Massakers von Connecticut, USA, geschrieben. Dieser Mann, der für den Glauben an Christus und dafür, dass man diesen auch ohne Einschränkung leben und praktizieren darf von den Behörden der Islamischen Republik Iran angeklagt, verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wurde, denkt noch in seiner eigenen Not an die Verletzten und Gebrochenen, die nicht verstehen können, warum sie ihrer Kinder und Freunde beraubt wurden. Während wir also fleissig Gänse und Weihnachtsbäume einkaufen über die „böse Waffenlobby“ in den USA schimpfen, unsere Terminkalender mit Familien- und hoffentlich auch Kirchenbesuchen vollstopfen und uns nur so richtig wohlfühlen wollen an Weihnachten, gedenkt dieser Dulder der Anderen. Diese Größe ist meines Erachtens nach einer Erwähnung wert. Hier ein paar Auszüge aus dem Schreiben, dass Farshid Fathi aus dem Gefängnis sandte:

An die Väter und Mütter, die ihre wertvollen Kinder in der Connectictut-Tragödie verloren haben:
Ich weiss wirklich nicht, welches Wort der Welt Sie trösten könnte, welche Linderung Ihren gebrochenen Herzen zu Hilfe kommen könnte und welche Hände die Tränen wegwischen könnten, die von Ihren Wangen fallen.
Ich möchte nur sagen: Sie sind in meinen Gebeten.
Ich bin sicher, diese hohen Mauern werden meine Gebete für Sie nicht aufhalten können. Bevor diese Tragödie passierte, dachte ich viel über meine Leiden nach und darüber, was ich durchmache für meinen Herrn Jesus Christus, besonders, da ich von meinen geliebten Kindern ferngehalten werde. Aber wenn ich mir vorstelle, wie extrem groß Ihr Schmerz ist, vergesse ich meine Leiden. Weil ich Gottes Gnade erkenne, werde ich meine Kinder spätestens 2017 wiedersehen, wenn ich das Gefängnis verlassen werde. Aber unglücklicherweise werden Sie noch länger warten müssen. Deshalb möchte ich meinen tiefsten Kummer über Ihren Verlust ausdrücken.
Ich glaube, wir werden im Himmel noch genügend Zeit haben mit unseren geliebten Kindern für immer. Da gibt es keine Schusswaffen, kein Gefängnis, keinen Schmerz.

In der Hoffnung auf diesen wunderbaren Tag, Ihr Bruder in Christus aus dem Gefängnis im Iran.

Das hat Größe. Das hat echte, christliche Gesinnung, wenn man von sich selbst absieht und mit den Leidenden mitfühlt. Das zu Unrecht in unseren Breiten seit langem entwertete und diskreditierte Wort „Mitleid“ bekommt für mich immer wieder einen positiven, einen christlichen Inhalt. Mit anderen gemeinsam leiden, ein bischen ihres schweren Lebenspaketes mit ihnen zu tragen, ist in meinen Augen eine zutiefst biblische Botschaft. Bruder Farshid Fathi öffnet auch uns, auch mir selbst, die Augen dafür, wie wichtig es sein kann, von den eigenen „Päckchen“, die wir alle zu tragen haben, gelegentlich abzusehen und einmal auch das Leid der anderen anzuerkennen und ggf. zu teilen.

In diesem Sinne, Frohe Weihnachten

Jemeljan Pugatshow

(Quelle: „assistnews“ vom 21. Dezember 2012)

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