Diakonisse spricht Klartext über Erweckungsbewegung im Iran, Christenverfolgung etc.

Schwester Rosemarie GoetzIn einem Interview mit dem christlichen Medienmagazin „PRO“ hat die Diakonisse Schwester Rosemarie Götz unlängst einige klare Worte über die Situation von iranischen Christen gefunden. Sie betreut in ihrer landeskirchlichen Gemeinschaft „Haus Gotteshilfe“ in Berlin-Neukölln viele Exil-Iraner, die z. T. schon vor ihrer Flucht zum Glauben gefunden hatten und ihre ganz eigenen Probleme haben. Allein in diesem Jahr soll sie außerdem ca. 42 Iraner getauft haben. Viele davon Ex-Muslime.

Wir alle wissen, dass Christsein im Iran ein Martyrium sein kann. Vor allem, wenn man den Islam hinter sich lässt und entgegen den staatlichen Vorgaben und der Familientradition dem Ruf des Herrn folgen will. So etwas wie eine freie, individuelle Wahl des Glaubensbekenntnisses, wie sie für unseren Kulturkreis (noch) die Norm ist, gibt es in den islamischen Ländern nicht. Schon gar nicht in der „Islamischen Republik Iran“. Wer sich dennoch dem Ruf der Liebe von unserem Herrn Christus nicht länger verweigern kann, dem stehen im Iran schwere Zeiten bevor. Dennoch läuft ein kleiner, unterschwelliger Strom der Bekehrung auch dort, wie Schwester Rosemarie beschreibt:

Meistens waren sie zuvor unzufrieden mit dem Islam. Diese Gottesdienste werden von maximal zehn Leuten besucht. Ist er zu Ende müssen die Besucher einzeln und zeitversetzt das Haus verlassen, damit sie nicht auffallen. Diese Veranstaltungen sind pure Evangelisationen. Das geht so lange gut, bis ein Spitzel sie entdeckt und anzeigt. Im Iran kann niemand einem anderen trauen – fast wie in der DDR. Ehefrauen zeigen ihre Ehemänner an, Kinder ihre Eltern. Wird die Kirche entdeckt, hebt der Staat sie aus. Wenn die Konvertiten Glück haben, entkommen sie, wenn nicht, kommen sie ins Gefängnis. In der Regel bedeutet das für sie die Todesstrafe, es sei denn, sie werden schwach und schwören ihrem Glauben ab. Übrigens: Viele unserer Iraner kennen auch den nun im Iran freigelassenen Pastor Yousef Nadarkhani. Sie haben sich große Sorgen um ihn gemacht und tun es noch. Sie trauen dem Frieden nicht und glauben, er könne jederzeit auf offener Straße erschossen werden, schließlich kennt nun jeder sein Gesicht.

Oft werden entdeckte Konvertiten zur Flucht getrieben. Z. T. bereiten sie sich in weiser Voraussicht schon auf ihr Exil vor, noch bevor ihre Untergrundversammlungen wirklich „auffliegen“. Das ist mit einem immensen Nerven- und Finanzaufwand verbunden. Aber auch nach der Flucht können sie sich noch nicht endgültig sicher sein. Schwester Rosemarie berichtet von Erfahrungen ihrer Schäfchen:

Die Konversion vom Islam weg macht einen Christen im Iran todeswürdig. Übrigens hört der Terror für viele nicht mit dem Verlassen ihres Heimatlandes auf. Auch in den Heimen leben sie schließlich mit verschiedenen Nationalitäten und Religionen zusammen. Manch einer erscheint bei uns durchgeprügelt zum Gottesdienst.

Auch für ihre eigene Arbeit und ihre Weltsicht hat die Beschäftigung mit den verfolgten, iranischen Christen eine spürbare Auswirkung gehabt. So gibt sie dem Medienmagazin folgende, höchst aufschlussreiche Zeilen zu Protokoll:

Wir sind herausgefordert, und wir müssen uns auch immer wieder fragen: Wie ernst nehmen wir eigentlich unser eigenes Christsein? Ich selbst beschäftige mich jetzt auch mehr mit der Frage: Was wäre, wenn es in Deutschland auch einmal Christenverfolgung geben sollte? Wäre ich auch bereit, ebenso zu leiden? Es macht mir in diesem Zusammenhang große Sorge, dass der Islam in Deutschland immer populärer wird und deutsche Politiker das kaum hinterfragen. Unser Land verändert sich spürbar. Ich wünsche mir, dass die Kirchen wieder stärker zu Jesus rufen, anstatt nur auf interreligiöse Harmonie zu setzen.

Alles Worte, die ich nur betonen kann und den ignoranten Kirchenbonzen am liebsten jeden Tag um die Ohren hauen möchte. Denn wer immer sich mit Christenverfolgung ernsthaft befasst, wird über kurz oder lang zu ähnlichen Schlüssen, zu ähnlichen Fragen und Einsichten gelangen. Aber die in aller liebenswerten Naivität geäußerten Wünsche der Schwester für den Iran mögen zwar momentan in unserem Land leider politisch unpopulär sein, aber an Gott können wir ja herantragen, was immer wir wollen:

Ich wünsche mir, dass Ahmadinedschad abgesetzt wird, ein christlicher Politiker sein Amt übernimmt und unsere Iraner zurück nach Hause können – als Missionare. Ich glaube, es gibt im Iran eine massive Erweckungsbewegung. Ich frage mich selbst, woher diese Flut von Bekehrungen kommt. Es ist wie ein Sommergewitter, das plötzlich über das Land hereingebrochen ist.

Womit wir wieder beim Wunder der Erweckung unter schwierigsten Umständen sind und bei dem völligen Unverständnis, mit dem ein feige und schal gewordenes, verdünntes Christentum im „Westen“ und ebenso die weitgehend entchristlichte Öffentlichkeit der freien Welt darauf reagiert. Oder eben nicht reagiert. In jedem Falle sehen sich christliche Flüchtlinge aus islamischen Ländern von den latent christenfeindlichen Bürokratien ihrer Aufnahmeländer auch noch zusätzlich schikaniert. Als ob sie in ihren Herkunftsländern noch nicht genügend erduldet hätten.

Diese Iraner sind ja nur in Deutschland, weil sie Christen sind. Sie haben alles aufs Spiel gesetzt, um das Land zu verlassen. Viele von ihnen sind Unternehmer oder Ingenieure. Der Iran ist kein armes Land. Das alles würden sie nicht aufgeben, um in Deutschland in einem Vierer-Zimmer zu leben. Die christliche Bekehrung wird übrigens überprüft, so absurd das klingt. Auf den Ämtern werden ihnen Fragen zum Glauben gestellt: Was ist das Besondere an Jesus? Wo war er laut Bibel unterwegs? Welche Farben hat das Kirchenjahr? Ich habe manchmal den Eindruck, die Behörden verstünden sich als religiöse Gerichtsbarkeit, dabei sind die Menschen, die dort arbeiten, ja oft gar nicht gläubig. Es hat etwas von Mittelalter.

Inquisition also. Schwester Rosemarie ist nur zu dezent und höflich, um es bei diesem Namen zu nennen. (Ich bin es nicht, wie Sie sehen.) Bitten wir doch Gott um Hilfe und Segen für die christlichen Iraner, für die, die ihnen in unserem Land helfen, sich zurechtzufinden und für die Gemeinden, in denen sie heimisch werden. Und natürlich können wir um einen mächtigen Fortgang der Bekehrungen und Erweckungen bitten, ob wir ihr Autreten nun verstehen, oder als göttliches Wunder einfach nur bewundern mögen.

(Quelle: „medienmagazin PRO“ vom 07. Dezember 2012)

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2 Gedanken zu “Diakonisse spricht Klartext über Erweckungsbewegung im Iran, Christenverfolgung etc.

  1. Wir müssen mal wieder auf eine ältere Schwester warten, die sich traut, den Mund auf zu machen und nicht eingeschüchtert ist, wie die ganzen jüngeren Christen. Ich finde das etwas beschämend. Ich freue mich über den Dienst, den diese Schwester hat!

  2. In einem anderen Interview hat Schwester Rosemarie auch mal ganz deutlich darüber gesprochen, wie ihr von anderen, EKD-„Kollegen“ keine Hilfe bei der Integration von Ex-Muslimen und deren Taufe zuteil wird. Ganz im Gegenteil ihre Bemühungen um die Seelenrettung als „kontraproduktiv im interreligiösen Dialog“ angesehen und beargwöhnt. Das traut sie sich aber nur selten zuzugeben, weil sie eben nicht gegen die eigene Kirche argumentieren will. Das ehrt sie, aber ich möchte nicht in ihren Schuhen stecken.

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