Salafisten stehlen der Kirche Land – um neuen Papst zu bestrafen

Erst vor wenigen Tagen hat sich nach einem langen Auswahlprozess innerhalb der koptischen Gremien ein neuer Papst herauskristallisiert. Tawadros II. ist der 118. Nachfolger des heiligen Markus und war bislang Weihbischof im ägyptischen Beheira. Er studierte Pharmazie und wurde 1997 zum Bischof geweiht. Tawadros II. hat vor wenigen Tagen die schwere Aufgabe übernommen, die koptisch-orthodoxe Kirche Ägyptens durch diese dunklen Zeiten drohender Islamisierung und weiterer Entrechtung von Christen zu führen.

Dabei hatte er unmittelbar nach seiner Wahl bereits ein deutliches Zeichen gesetzt. Eine Aussage, die besagt, dass er sich gegen eine Einführung der Frauen und Nichtmuslime diskriminierenden und sozial-restriktiven, islamischen Scharia als gültiges Verfassungs-Recht in Ägypten ausspricht, hat nun zu einer Reaktion der Salafisten im Lande geführt. Am Montag, den 05. November 2012, haben von radikalen Hasspredigern angeführte Massen ein Grundstück der Diözese von Schubra Al-Kheima in Kairo besetzt. Mitten in Kairo, auf dem Gelände der „St. Mina“-Kirche der o. g. Diözese ließen sich die Besetzer nieder, drohten Passanten mit Knüppeln und skandierten islamische Dominanz-Phrasen, die in der gesamten, arabischen Welt bekannt sind. Sie besetzten das Land für mehr als einen Tag und pflanzten sogar ein Schild in den Boden, dass einen Besitzanspruch für eine sog. „Al-Rahma-Moschee“ dokumentiert.

Ägypten

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Kurz und gut, die Botschaft lautet: „Du sagst etwas gegen die Scharia, dann bekommst du etwas gestohlen, oder zumindest die Androhung davon.“ Vermutlich werden wir noch mehr „Enteignungen“ christlicher Immobilien und Besitztümer in der Zukunft in Ägypten sehen, da radikale Muslime ohnehin jeden Besitz der „Ungläubigen“ als Diebstahl an der „Umma“, der Gemeinschaft aller Muslime, ansehen. Der Bischof der betroffenen Diözese ist nicht ganz zufällig der Top-Medien-Mann der koptisch-orthodoxen Kirche und offizieller Sprecher des neuen koptischen Papstes Tawadros II. Bischof Antonios Morcos sagt selbst:

Solche Aktionen sind nichts Ungewöhnliches in Ägypten. Aber diesmal gehen die Extremisten zum ersten Male auf einen hochrangigen koptischen Würdenträger los.

Tawadros II. hatte sich bei den islamischen Hardlinern unbeliebt gemacht, weil er sich unmissverständlich gegen die Scharia ausgesprochen hatte. Er hatte den Widerstand der koptischen Kirche gegen die Einführung der Scharia angekündigt und die Dominanz der Muslimbrüder und Salafisten auf die verfassunggebende Versammlung kritisiert. Abgesehen davon, dass sich Kirchen-Männer immer der Kritik aussetzen, wenn sie zu politischen Themen Stellung beziehen, ist ein Immobilien-Raub als Reaktion darauf vollkommen unakzeptabel. Welche Formen der Barbarei werden im Land am Nil, das einst einer Hochkultur Heimat gab, noch zutage treten ?

(Quelle: „asia news“ vom 07. November 2012)

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2 Gedanken zu “Salafisten stehlen der Kirche Land – um neuen Papst zu bestrafen

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