syrischer Bischof gibt der Welt Einsicht in die Not der Christen

Syrien

Der chaldäische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, gab auf einem Empfang im britischen Parlament am 18. Oktober 2012 einen Einblick in die Not der Christen im vom Bürgerkrieg geplagten Land. In klaren Worten skizzierte er ein Bild von Not, Armut, Arbeitslosigkeit, Gewalt, Vertreibung, Flucht und Verzweiflung. Die Bischöfe Syriens hätten sich jedoch allesamt dafür ausgesprochen, nicht aus ihren Diözesen zu fliehen, um ihren Schäfchen keine Signale der Ausweglosigkeit zu senden. Die Präsenz der Christenheit in diesem Kerngebiet christlicher Tradition dürfe nicht in Frage stehen, so Bischof Audo.

Die geistlichen Oberhäupter Aleppos seien nicht einmal während der Papst-Visite im Libanon ausgereist, sondern hätten dem Papst stattdessen einen Brief geschrieben, in dem sie ihn um Hilfe baten. Die Lage der Christen in seiner Stadt Aleppo und in weiten Teilen Syriens beschreibt er so:

In manchen Gebieten…haben sie ihre Häuser verlassen wegen der Bombendrohungen, sie haben ihren Besitz verloren, ihre Schulen. Die Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen funktionieren nicht mehr. Da ist nur noch Chaos.

Dies war bereits zu vermuten. Viele Regionen des „Arabischen Frühlings“ sehen heute so aus (Libyen) und auch im Irak sieht es nicht anders aus. Offensichtlich gelingt es den mächtigen Interessengruppen in Nahost nicht, so etwas wie ein funktionsfähiges Staatswesen aufrechtzuerhalten. Für Syrien steht da nichts Gutes zu erwarten. Und für den Libanon, wo bereits erste Terroranschläge auch christliche Funktionsträger passierten und antichristliche Drohungen aufgetaucht sind, erwartet kein neutraler Beobachter etwas Besseres. Wann ist wohl Jordanien fällig ?

Über Aleppo sagt der Bischof dies:

Das Gesicht der Stadt hat sich verändert. Es gibt keine Sicherheitskräfte mehr, die Stadt ist dreckig, es gibt Schwierigkeiten mit dem Straßenverkehr. Es gibt keine Taxis oder Busse mehr.

Aus Homs berichtet er aber noch Schlimmeres:

In der Stadt Homs, immerhin einst Heimat der zweitgrößten christlichen Gemeinschaft Syriens, wurden alle, bis auf einige wenige Christen dazu gezwungen, die Stadt zu verlassen nach einer Welle der Verfolgung. Alle Kirchen der Stadt wurden dabei entweiht.

Angesichts dieser gezielten Angriffe auf die starke, christliche Minderheit Syriens, stellt Bischof Audo die Lage der Gläubigen von Aleppo so dar:

Der Wunsch, zu emigrieren, ist immer präsent, besonders unter den Christen. Die Mehrheit der reicheren Leute hat Aleppo bereits in Richtung Libanon verlassen, um dort Schulen für ihre Kinder zu suchen. Die, die zurückbleiben, sind die armen Familien. Wir befürchten, dass die Christen verschwinden und ihren Einfluss verlieren, so wie es im letzten Jahrzehnt im Irak passiert ist.

Wenn die Christenheit hier auf einen winzigen Restbestand reduziert würde, wäre dies eine Katastrophe, denn unsere Gemeinschaft war eine der letzten, starken, christlichen Bastionen in Nahost.

Angesichts dieser wenig vielversprechenden Aussichten der Christenheit in Aleppo und Syrien insgesamt stellt Bischof Audo die Schlüsselfrage, um die sich weltweit die Christen so gerne herumdrücken:

Und so frage ich: Wie sieht die Zukunft der Christenheit in Nahost aus ?

Eine Frage, mit der sich ganz sicher nicht nur die Gläubigen in der dieser Region auseinandersetzen müssen, denn wenn schon die Kerngebiete der historischen Ausbreitung des Evangeliums „christenrein“ gemacht würden, dann dauert es an der „Peripherie“ (Europa, Südostasien, Zentral- und Südafrika, etc.) auch nicht mehr endlos lange, bis Angriffe auf den Glauben dort Erfolg haben werden.

Nach vorläufigen Schätzungen der UN haben seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien ca. 300.000 Menschen ihr Heimatland verlassen, weitere 1,5 Millionen sind innerhalb des Landes Vertriebene. Mindestens 18.000 Todesopfer seien bisher zu beklagen. Bei all diesen Zahlen ist nicht bekannt, wie hoch der Anteil der Christen darunter ist, weil die UN diese nicht erfasst. Es steht aber leider zu vermuten, dass unter den „Binnenflüchtlingen“ in Syrien ein sehr hoher Anteil an Christen ist.

(Quelle: „aina.org“ vom 23. Oktober 2012)

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