Christen protestieren gegen türkischen Schmähfilm – im Libanaon

Die gewalttätigen Proteste in der islamischen Welt, die angeblich durch einen bereits seit Monaten bekannten youtube-Schnipsel ausgelöst worden seien, sind noch in unschöner Erinnerung, da wird erneut ein Filmkunstwerk zum Zankapfel der Religionen. Der türkische Film „Fetih 1453“ des Regisseurs Faruk Aksoy, ein 160-Minuten-Spektakel über die Eroberung Konstantinopels durch die Türken, das in seinem Herstellungsland bereits äußerst erfolgreich war (sic !), läuft nun auch im Libanon an, was die dortigen Christen zum Anlass nehmen, die Inhalte und Absichten des Filmes kritisch zu hinterfragen. Seine einseitige, provokative und manipulative Darstellung der Ereignisse soll nach ihrer Ansicht die religiösen Spannungen im Lande weiter anheizen. Es soll bislang aber von seiten der libanesischen Christen zu keiner Botschafts-Stürmung, Flaggenverbrennung oder der Tötung von Diplomaten gekommen sein.

Ab Februar 2012 soll dieser türkische Kassenschlager, der geschickt falsche Darstellungen von Fakten mit religiösen Untertönen vermengt und so indirekt zum „Kulturkampf“ des „Guten“ (Türken, Islam) gegen das „Böse“ (Griechen, Christen, Westen) aufruft, zu ungeahnten Begeisterungsstürmen in den türkischen Medien und beim „einfachen Mann auf der Straße“ geführt haben. Nun läuft der Film seit dem 27. September 2012 auch in Beiruter Kinos (ohne, dass das Kino gestürmt wurde, ein Diplomat starb oder Flaggen brannten) und schon zwei Tage später fanden sich christliche, libanesische Organisationen, die damit begannen, friedlich gegen dieses „Kunstwerk“ zu demonstrieren.

Unter der Leitung der christlichen „Al-Mashriq“-Partei, die von jungen Orthodoxen gegründet wurde, haben mehrere Organisationen der libanesischen Christen ihren Widerstand gegen die Wirkung dieses Filmes in Gang gesetzt. Sie forderten ihre Landsleute dazu auf, den Film zu boykottieren, da er zum religiösen Hass anstacheln würde. Die geschehe zum größten Teil durch offensichtliche Fehldarstellungen historischer Fakten und durch Konnotationen offensiver, aggressiver, politischer Expansionsstrategien mit dem Islam.

Rodrigue Khoury, Gründer der „al-Mashriq“-Partei, hat die Premiere des Filmes miterlebt und zeigt sich schockiert von den offensichtlich manipulativen Absichten der Verantwortlichen.

Der Film erzählt vom Kampf zweier Reiche, aber in Wahrheit handelt er vom Kampf zweier Zivilisationen: der christlichen und der islamischen. Die erste wird in grotesker Art und Weise dargestellt und als Quelle allen Übels, die zweite als perfekt und unkorrumpierbar.

Khoury sandte daraufhin ein Schreiben an die Zensurbehörde des Libanon, in dem er ausführlich darlegte, welche Fehldarstellungen und Manipulationen in dem Kunstwerk durchgeführt wurden und welche Gefahr davon für den sozialen Frieden seines Landes ausgeht. Pater Abdo Abou Kassem, Informationsbeauftragter der katholischen Kirche Libanons, beklagt ebenfalls die „Verunglimpfung“ der christlichen Religion durch diesen Film. Sie werde als „korrumpiert“ abgewertet. Auch die historischen Fakten werden aufs Gröbste missachtet. So sei z. Bsp. bekannt, dass nach der Eroberung Konstantinopels die 3000 Christen, die während der Belagerung in der Hagia Sophia Zuflucht gesucht hatten, auf Befehl des Sultans ermordet wurden. Im Film beschützt er sie persönlich und gewährt ihnen Gnade. Das widerspräche aber den historischen Dokumenten, so Pater Kassem.

(Quelle: „asia news“ vom 13. Oktober 2012)

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Ein Gedanke zu “Christen protestieren gegen türkischen Schmähfilm – im Libanaon

  1. Gleich und doch nicht gleich. Ein youtube-Schnipsel aus kurzen Szenen über den „Propheten“ Mohammed, dessen Darstellung in diesem billigen Machwerk durch frei zugängliche, islamische Quellen gedeckt ist, löst Aufruhr, Hassausbrüche und politische Forderungen islamischer Verbände und Organisationen nach Zensurmaßnahmen im freien Westen aus. Ein 17-Millionen-Dollar Großprojekt, dass offensichtlich Fakten manipuliert und tatsächlich religiöse Konflikte befördern soll, wird gefeiert, oder doch „im Westen“ zumindest weitgehend ignoriert. Ist das nun ein gutes, oder schlechtes Zeichen ? Ist das gut, weil solche Propaganda-„Kunstwerke“ uns an Blasphemien und manipulative Historienfilme gewohnten Westler nicht sonderlich aufregt, oder ein schlechtes, weil wir die „die Unschuld der Muslime“ eben wichtiger zu nehmen scheinen als „Fetih 1453“ ?
    Ehrlich gesagt, bin ich niemals für Zensur. Auch nicht für „Fetih 1453“. Dieses bösartige Machwerk mit zweifelhaften, zumindest aber nationalistischen Absichten, soll ruhig gezeigt, übersetzt und in jeder möglichen Art und Weise öffentlich diskutiert und durchleuchtet werden. Dem Schnipsel des Filmemachers von „die Unschuld der Muslime“ ging es ja genauso. Wobei die unvoreingenommene Sicht jedoch inzwischen bestätigt hat, dass der koptische Mastermind hinter diesem Projekt tatsächlich nur Fakten benutzt hat, die jeder Islam-Student der Al-Azhar-Universität in Kairo wahrscheinlich im Schlaf herunterbeten kann. Das kann über „Fetih 1453“ nicht gesagt werden, da geben die Quellen ein zumindest zwiespältiges Bild ab. Also muss gerade hierüber gesprochen, die Absichten der Produzenten und des Regisseurs hinterfragt und die Geldflüsse zur Erstellung des Filmes aufgedeckt werden. Das dies nicht passiert und wir noch immer denken, das sei eine rein „türkische“ Angelegenheit, macht sowohl die kulturelle Arroganz als auch die willentliche Ignoranz unserer Eliten gegenüber Dingen, die ihr simples Weltbild zum Einsturz bringen könnten, offensichtlich.
    Gefährlich. Niemandem nutzt eine weitere, brennende Botschaft, aber das Schweigen der „Lämmer“ im Westen lässt mich an die Schlachtbank denken. Und die Filmemacher von „Fetih 1453“ wohl auch !

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