„no future“ für die Kopten in Ägypten ?

Ägypten

Ägypten

Die größte, christliche Minderheit in der Region „Nordafrika/Nahost“, an dieser Schnittstelle von Afrika und Asien sind die traditionellen Christen Ägyptens, die Kopten. Ihre Kirche gehört zu den ältesten der Welt, Ägypten zu den Gebieten, die als erste mit dem Evangelium von Jesus Christus erreicht wurden. Das alles blenden wir in diesem Land gerne aus, wenn wir über Nahost oder Ägypten reden. Wir blenden, selbst in unseren Kirchengemeinden gerne die alltägliche Diskriminierung und soziale Ächtung der dortigen, orthodoxen Brüder und Schwestern aus.

Auch die Aufmerksamkeit für die „Arabellion“ und die Umsturzbewegung in Ägypten hat daran wenig geändert. Ganz im Gegenteil: die Berichterstattung über die Veränderungen im ägyptischen Machtgefüge haben oftmals die Kopten ausgeklammert, oder als „Ewiggestrige, potentielle Mubarrak-Verklärer“ dargestellt. Ihre Situation als marginalisierte, in ihren Menschen- und Bürgerrechten beschnittene Minderheit wurde und wird in deutschen Massenmedien so gut wie nie beleuchtet. Will man den Tourismus nicht gefährden oder die politisch-sozialen Entwicklungen im Land am Nil verklären ? Wer weiß.

In einem unlängst bei „AINA.org“ erschienenen Artikel wird nun ein düsteres Bild gezeichnet, was die Zukunft der Kopten im Lande angeht. Einige Schlüsselsätze habe ich hier mal für Sie übersetzt, wer den ganzen Artikel lesen will (Englisch), der verfolge bitte den unten eingefügten Link). Der Autor Samuel Tadros vom „Wall Street Journal“ beschreibt zunächst die alltäglichen Diskriminierungen auch schon in der Mubarrak-Zeit und weist darauf hin, dass die „offizielle“ Minderheitenpolitik Ägyptens oftmals sehr stark vom gelebten Alltag abwich. Wenn offiziell keine Benachteiligung religiöser Minderheiten postuliert wurde, dann wurden im Alltag Kopten von höheren Staats-Posten ausgeschlossen, von Beamten im Alltag immer schlechter behandelt, als Muslime und ihnen auch Bildungschancen verwehrt.

Dann weist der Autor auf den Sturz Mubarraks hin und den Zwiespalt in der koptischen Gemeinschaft, was die sozialen Änderungen angeht. Die jüngeren Kopten hätten sich oftmals hinreißen lassen, darauf zu hoffen, dass die Veränderung auch ihnen zu Gute kommen wird und sich dann an den Entwicklungen beteiligt. Die Älteren, erfahrenen Kopten hätten dagegen von Anfang an skeptisch reagiert und würden deshalb heute von den Moslembrüdern als „Mubarrak-Freunde“ diskreditiert.

Auch die Doppelgesichtigkeit der heutigen Machthaber wird im Artikel angesprochen. In Presse-Erklärungen und gegenüber der Weltöffentlichkeit werde jede Art von Diskriminierung oder Verfolgung geleugnet. In dem gelebten Alltag „vor Ort“ im Stadtviertel, im Dorf etc. werde jedoch massiv gegen Kopten gehetzt, würden Pogrome auf Gerüchte hin stattfinden und die Behörden würden weiterhin wegschauen, wenn Kopten geschlagen, beraubt und getötet werden. Baugenehmigungen für Kirchen seien schon seit Jahren nicht mehr zu bekommen und Klöster werden attackiert und ausgeraubt.

Wie sieht als nun die Zukunft der Kopten aus ? Samuel Tadros schreibt:

Menschen im Westen mögen darüber debattieren, wie „moderat“ Ägyptens Islamisten seien, aber für die Kopten ist diese Fragestellung sinnlos. Ihre Optionen sind begrenzt. Während die Kopten die größte christliche Gemeinschaft in Nahost sind, sind sie doch zu Wenige, um eine Rolle in der Entscheidungsfindung über das Schicksal ihres Landes zu spielen. Sie sind nicht geographisch konzentriert in einem Gebiet, so dass dieses eine Schutzzone bilden könnte. Die einzige Option ist es, Ägypten zu verlassen, was ein Ende der 2.000 jährigen Geschichte der Christenheit in Ägypten darstellen würde.

Schwarzmalerei ? Wir werden sehen. Die Gefahr, dass der gesamte, nahöstliche Raum in nicht allzu langer Zukunft „christenfrei“ sein könnte, ist in jedem Falle gegeben. Auch, weil „westliche“ Politiker und Kirchen diese „Wiege der Christenheit“ durch ihr Desinteresse und ihre Ignoranz preisgeben. Ihre Träume vom „friedlichen Zusammenleben der Religionen“ werden jeden Tag, den Gott werden lässt, durch die Realität ad absurdum geführt, ohne, dass ein Umdenken stattfände.

Tadros schreibt in jedem Falle auch darüber, was sich bereits jetzt abzeichnet: die gebildeteren, finanziell etwas besser gestellten Kopten können sich auf eine Flucht ins Ausland, ein Exil in Ländern, die sie aufnehmen, vorbereiten. Die armen und schlechter ausgebildeten Kopten werden ihrem unerfreulichen Schicksal überlassen.

Die traurige Wahrheit ist die, dass nicht alle in der Lage sein werden, zu fliehen. Die, die über Geld verfügen, Englisch-Kenntnisse oder ähnliches werden es schaffen herauszukommen. Die ärmeren Geschwister werden zurückgelassen werden.

Was könnte das Ausland tun, um auf die Entwicklung einzuwirken ? Nun Hilfsgelder für den „Arabischen Frühling“, die aus Washington, Berlin etc. fließen, müssen an konkrete Projekte oder überprüfbare, soziale Verbesserungen auch für die religiösen Minderheiten gebunden werden. Militärhilfe, Rüstungsgüter-Export nur noch, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Da wird dann sicher das ein oder andere Rüstungsgeschäft „platzen“ (weil Russland und China gerne einspringen werden), aber die Islamisten, die jetzt die Macht im Lande haben, werden so in ihren Absichten entlarvt und ihre Weigerung, Verbesserungen im Sinne von Menschen- und Bürgerrechten für alle Ägypter zu ermöglichen, kann so aufgezeigt und medial verbreitet werden. Das Doppelgesicht der Moslembrüder enttarnt und die Wahrheiten aufgedeckt werden, die jetzt noch von unseren Medien und Kirchen ignoriert werden.

(Quelle: „aina.org“ vom 12. Oktober 2012)

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2 Gedanken zu “„no future“ für die Kopten in Ägypten ?

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