Ägypten/Deutschland: der „böse Kopte“ – der Fall Maikel Nabil

Wie es um die Meinungsfreiheit im post-„revolutionären“ Ägypten bestellt ist, beweist vielleicht am besten der Fall des koptischen Bloggers Maikel Nabil. Zunächst wurde er vom Militär verurteilt, jetzt wollen ihm die Muslimbrüder an den Kragen. Scheinbar kann man sich als freiheitsliebender Mensch derzeit in Ägypten nur noch seine Feinde aussuchen, ausweichen kann man ihnen nicht mehr.

Ägypten

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Oder wird Deutschland dem mutigen, jungen Mann eine Chance geben ? Erinnern wir uns: der Aufstand gegen die nordafrikanischen Diktatoren Ben-Ali (Tunesien), Gaddafi (Libyen) und Mubarrak (Ägypten) wurde ursprünglich von Menschen initiiert, die auf Freiheit für ihr Volk abzielten, die ein Ende von Zensur, Armut und Gewaltherrschaft erreichen wollten. Es waren zumeist gut ausgebildete, internetaffine und geistig rege, junge Leute, die den Gedanken erwogen, was wohl passieren würde, wenn die Machthaber ihre Herrschaft abgeben müssten. Sie organisierten die ersten Proteste und suchten Gleichgesinnte, sie prangerten zunächst nur im Netz und dann auch lautstark die Defizite ihrer Länder an, was wirtschaftliche und soziale Freiheiten angeht. Man sprach damals auch von einer „Internet-Revolution“. Diese Zeiten sind jedoch vorüber. Längst haben alte und „sehr, sehr alte“ Mächte wieder ihre Herrschaft in den post-revolutionären Ländern angetreten. Mit freundlicher, finanzstarker Mithilfe aus Saudi-Arabien und Katar wurden Scharia-konforme, Muslimbruder-Regime an die Macht gekauft, indem man die Unwissenheit und Armut der vielen analphabetischen Ägypter (wahlweise auch Tunesier) ausnutzte und ihnen mit Geschenken und Geldzuwendungen ihre Stimmen abkaufte.

Die durch wohlinformierte Kreise kursierende Zahl von VIER MILLIARDEN US-DOLLAR, die aus den Golfstaaten allein in die Wahlkampfkassen der entsprechenden, radikalislamischen Parteien Ägyptens geflossen sein sollen, ist noch immer nicht widerlegt oder auch nur widersprochen worden.

Männer wie der koptische Internet-Aktivist Maikel Nabil Sanad waren es, die den Ball für die Menschen am Nil ins Rollen brachten. Dafür wurde er nach der Entmachtung Mubarraks dann aber mit einer Haftstrafe wegen „Beleidigung des Militärs“ belohnt. Die im Post-Mubarrak-Ägypten regierenden Militärs waren in dieser Hinsicht also kein Schritt nach vorne, kein Schritt in Richtung auf Meinungs- und Publikationsfreiheit. Kritik an ihrem Interims-Regiment war ebenso unerwünscht, wie sie es an Mubarrak war und jetzt an den Muslimbrüdern ist.  Am 10. April 2011 war Maikel Nabil von einem Militärgericht zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Am 23. August 2011 trat er dann in einen Hungerstreik. Sein Fall hatte bereits genug internationale Aufmerksamkeit erregt, damit dies nicht unbemerkt blieb. Verschiedene Regierungen und Menschenrechtsorganisationen (Bundesregierung, „Amnesty International“ etc.) hatten sich für seine Freilassung engagiert.

Aus Anlass des ersten Jahrestages der Entmachtung Mubarraks wurde Maikel Nabil schließlich begnadigt und am 24. Januars 2012 freigelassen. Schon im Mai 2012 befand er sich in Deutschland und traf sich dort u. a. mit dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löhning. Er wolle Studien an der Universität Erfurt aufnehmen, hieß es. Nun kommt eine weitere „Bombe“ aus Ägypten: die ägyptische Regierung verlangt die Ausweisung Nabils ins Land am Nil, da er dort nun (welche Überraschung) wegen „Beleidigung des Propheten“ angeklagt werden soll. Wir dürfen gespannt sein, ob die Bundesregierung diesem Ansinnen nachkommen wird und sich damit islamischem Recht inklusive „Blasphemie-Paragraphen“ beugt.

Fassen wir zusammen: Maikel Nabil ist in Deutschland, in Ägypten haben ihn die Militärs ins Gefängnis gebracht, internationaler Druck und ein Hungerstreik holten ihn aus dem Knast heraus und nun wollen die inzwischen in Ägypten an die Macht gekommenen islamischen Radikalen ihn wieder ins Gefängnis stecken. Dafür möchten sie gerne die deutschen Behörden und die deutsche Politik als Erfüllungsgehilfen haben. Was tut dieser „böse, böse Kopte“ denn so schlimmes ? Nun, er sagt im Netz seine Meinung zu Dingen wie Korruption, Gewalt und Armut in seiner Heimat. Er listete zuvor ebenso Menschenrechtsverletzungen durch den Militärrat auf, wie er jetzt den Muslimbrüdern den Spiegel vorhält. Alles keine Dinge, die hierzulande strafbar wären (oder ändert sich da gerade etwas angesichts brennender Botschaften ?).

BITTE BETEN SIE FÜR MAIKEL NABILS FREIHEIT. NUR WEIL JEMAND IM NETZ SEINE MEINUNG POSTET, DARF ER NICHT IN DIE HÄNDE FANATISCHER HENKER ÜBERGEBEN WERDEN. (Sie sehen hier ein gewisses Eigeninteresse meinerseits, liebe Leser.)

(Quellen: „wikipedia“ und „bikyamasr“ vom 30. September 2012)

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