Russland: Gefährden neue Gesetze die Protestanten ?

Aus Russland wird eine neue Welle der gesellschaftlichen Isolation und Rückbesinnung bekannt, die für Christen aus „nicht-orthodoxen“ Kirchen unangenehme Konsequenzen haben könnte.

Russland

Unlängst hatte der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill vor einer „Verwestlichung“ Russlands gewarnt. Was genau er damit meint, bleibt unklar. Interessant ist vor allem, dass er nur selten bis gar nicht vor der Beeinflussung Russlands durch den aggressiven, chinesischen Materialismus oder die islamische Herausforderung warnt. Angesichts von Bombenattentaten islamischer Terroristen auf Theater, Flughäfen und Schulen in Russland in den vergangenen Jahren eine merkwürdige Haltung. Aber auf „den Westen“ einzuprügeln kommt im Putin-Russland immer gut an, da auch der Präsident in seinem Wahlkampf immer stärker auf anti-westliche Positionen setzte.

Mit „Westen“ will der Patriarach wohl vor allem die Verweltlichung und Demokratisierung Russlands anprangern. Bei ersterem mag man ihm als Gläubiger von Herzen zustimmen, beim zweiten ist höchste Vorsicht geboten. Aber der Patriarch und seine Äußerungen stehen nur an der Spitze einer Tendenz Russlands, sich in seine Traditionen „einzuigeln“ und die gesellschaftliche Stabilität auf Kosten der Flexibilität und Modernisierung zu erwzingen. Denn aus der Duma, dem Parlament, werden nun Stimmen kolportiert, die unter dem Eindruck der antiwestlichen-Muslimkrawalle in aller Welt eine Art „Blasphemieparagraphen“ im russischen Strafrecht schaffen wollen. Dafür definiert sie die „traditionellen Religionen“ des Landes, die durch dieses „Anti-Beleidigungsgesetz“ geschützt werden sollen.

Die Staatsduma Russlands erkennt nämlich nur das orthodoxe Christentum, den Islam, das Judentum und den Buddhismus als schützenswerte Religionen traditioneller Art an. Evangelische Christen unterschiedlicher Denominationen könnten im Umkehrschluss also als „Gläubige zweiter Klasse“ dann durchaus angegangen werden. Dies befürchten zumindest Missionare und christliche Leiter in Russland selbst. Wally Kulakow vom US-basierten, christlichen Hilfswerk „Russian Ministries“, das sich auf die Länder der ehemaligen Sowjetunion konzentriert, sagt dazu im Gespräch mit „Mission News Network“:

Wenn du etwas im Widerspruch dazu (einer der vier geschützten Religionen) oder gegen diese sagst, dann „beleidigst“ du jetzt plötzlich die „vier traditionellen Religionen“ der ehemaligen Sowetunion. Welchen Platz haben nun die Protestanten in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ?

Eine berechtigte Frage angesichts der Tatsache, dass viele, vor allem freikirchliche, Missions- und Hilfswerke in diesen Ländern aktiv sind. Es werden und wurden blühende Gemeinden gegründet (als Beispiel sei hier nur die „Moscow Good News Church“ von Pastor Rick Renner genannt, der durch seine TV-Programme im gesamten russisch-sprachigen Raum bekannt ist) und Hilfe in materieller und geistlicher Not geleistet, zu der die Orthodoxie unfähig oder unwillig zu sein schien. Diese „Konkurrenz“ könnte man sich über eine Einschränkung der Meinungs- und auch gleich mal der Religionsfreiheit aber von Seiten der Orthodoxie wieder vom Halse schaffen, so befürchten Beobachter. Auch ein „Bibelstreit“ zwischen Orthodoxen und den anderen, christlichen Konfessionen zeigt hier seine Wirkung. Mit der im traditionellen „Kirchenslawisch“ verfassten Bibel der Orthodoxie steht auch das Monopol der Russisch-Orthodoxen Kirche zur Auslegung des Wortes auf dem Spiel. Die „moderneren“ Übersetzungen in verständliches Russisch, die in diversen Freikirchen im Gebrauch sind, seien der Orthodoxie angeblich schon länger ein Dorn im Auge. Diese Übersetzungen könnten, wenn der Einfluss der Orthodoxie sich weiter durchsetzt, verboten werden, befürchtet „Russian Ministries“.

Kulakow nennt auch ein konkretes Beispiel dafür, wie die allgemeine Situation sich darstellen könnte:

Evangelische Christen „beleidigen“ viele, wenn sie sagen, das Gott einen Sohn hatte. Er wurde zum Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Der Islam behauptet, einen Gott zu haben, der keinen Sohn hat und dass jeder, der behauptet, Gott hätte einen Sohn, vom Angesicht der Erde getilgt werden müsse. Nun, wer beleidigt hier wen ?

Solche Gesetze würden, wenn man Beobachtern wie Kulakow folgt, die „Büchse der Pandora“ öffnen und den Weg für noch mehr Repressions-Maßnahmen ebnen. Er malt ein „worst-case-Szenario“ an die Wand:

Die „nicht-traditionellen“ Religionen Russlands werden bestraft, verboten und in den Untergrund getrieben werden. Da wird kein Platz sein für die Evangelische Kirche.

Als Beispiel für solche „Untergrund“-Aussichten nennt Wally Kulakow das christliche Jüngerschafts-Schulen-Netzwerk „Schulen ohne Wände“.

Liebe Katholiken: Bevor ihr euch genüsslich zurücklehnt und grinsend die „Weinerlichkeit“ der Protestanten in Russland geniesst, möchte ich Euch darauf hinweisen, dass unter den „geschützten“ vier Gemeinschaften die katholische Kirche ebenfalls nicht auftaucht. Alles, was Wally Kulakow sagt, könnte auch für die (zugegebenermaßen sehr wenigen) katholischen Christen Russlands gelten. Auch wenn die „Arbeitsteilung“ zwischen Rom und Moskau eben so traditionell gut funktioniert, dass es eben nur sehr wenige Menschen betrifft. Eine Bevorzugung von Islam, Orthodoxie, Buddhismus und Judentum in Russland trifft alle anderen Christen gleichermaßen, da sie ja nicht mehr als „traditionell“ gelten.

BITTEN WIR ALSO DEN HIMMLISCHEN VATER DARUM, DASS DIE RELIGIONS- UND MEINUNGSFREIHEIT IN RUSSLAND NICHT NOCH WEITER EINGESCHRÄNKT WERDEN WIRD.

(Quelle: „mission news network“ vom 28. September 2012)

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