Nordkorea: Wo Vernichtunslager noch immer existieren.

Beinahe unbemerkt von den Massenmedien kam im April 2012 ein Buch auf den Markt, dessen Inhalt eigentlich dafür prädestiniert gewesen wäre, einen Aufschrei des Protestes in der „Szene“ der menschenrechtlich engagierten Zeitgenossen zu erzeugen. 

Nordkorea

Aber der Aufschrei blieb weitgehend aus. Bis auf einige, sehr, sehr rührige und engagierte private, christliche Gruppen wie die „Aktionsgruppe Verfolgte Christen“ aus dem Südwesten unseres Landes und der „Mahnwache für Nordkorea“ in Berlin haben nur wenige den „Ball“ aufgenommen. Worum geht es ? In „Escape from camp 14“ berichtet ein US-Journalist über das Schicksal eines im nordkoreanischen Straflager geborenen Mannes, der als bisher einziger, im Camp geborener Mensch erfolgreich aus dem Straflager geflohen ist. Zumindest ist das Zeugnis von Shin Dong-hyuk, welches von Blaine Harden aufgezeichnet wurde, der einzige, dokumentierte Fall dieser Art.

Was in Nordkorea passiert, spottet an Abscheulichkeit beinahe jeder Beschreibung. Ein diktatorisches Regime, welches sich einen extrem aufgeblähten Sicherheits- und Militärapparat leistet, unterdrückt seine Bevölkerung im Namen der sog. „Juche“-Philosophie, was de facto soviel bedeutet, wie die Anbetung der verstorbenen Diktatoren Kim Il Sung und Kim Jong Il. Die Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung wird mit dauerhaftem Hunger weiter Teile der Bevölkerung und der Androhung von Straflagern aufrechterhalten. Auch wenn die „Kim“-Diktatur hier im „Westen“ oftmals nur als skurrile, stalinistische Monstrosität verspottet wird, so ist ihre Realität für die ihr unterworfenen Menschen keinesweges zum Lachen.

Shin Dong-hyuk

Zu dieser Realität gehören eben die vom Regime mit Zähnen und Klauen geleugneten, aber bereits durch simple Satelliten-Aufnahmen leicht auszumachenden Arbeits- und Straflager, die sich zumeist in entlegenen Gebirgsregionen des Landes befinden. Hier herrscht ein System der totalen Kontrolle, weshalb im englischen Sprachraum von den Lagern auch als „total-control-zone“ gesprochen wird. Hier werden de facto alle „Falschdenker“, die in irgendeiner, oft willkürlich festgelegten, Art und Weise gegen die Juche-Doktrin verstoßen haben sollen, zu Tode geschunden. Durch Krankheiten, Hunger, Hinrichtungen und körperliche Misshandlungen sterben die Insassen.

Open doors, auf dessen Weltverfolgungsindex das von der Weltgemeinschaft weitgehend isolierte Nordkorea mit trauriger Regelmässigkeit die Nummer 1 einnimmt, schätzt, dass derzeit bis zu 70.000 Untergrundchristen in ca. 30 dieser Lager dahinvegetieren. Das Buch „escape from camp 14“, das bezeichnenderweise erst am 10. September 2012 auf Deutsch erschien, obwohl es sich nicht ganz schlecht in den USA verkaufte, berichtet nun von einem solchen Lager. Und davon, wie ein Mensch, der in diesem System geboren wurde, es überwindet und nun davon berichtet, was es den Insassen antut. Amazon hat dazu folgende, kurze Sätze parat:

Camp 14, ein politisches Arbeitslager weit ab in den Bergen von Nordkorea. Von hier gibt es kein Entkommen. Die Insassen arbeiten 12 bis 15 Stunden am Tag, schuften im Kohlebau, nähen Militäruniformen oder bauen Dämme – bis sie hingerichtet werden, bei Arbeitsunfällen, an Krankheit oder Hunger sterben.

Hinter diesen knappe Worten verbirgt sich die Hölle auf Erden. Shin erzählt darin z. Bsp. wie er selbst seine Mutter und seinen Bruder an die Wachen verrät, als diese einen Fluchtversuch wagen wollen. Er muss dann zusehen, wie beide vor seinen Augen getötet werden.  Ein Beweis für das Pessimisten-Credo, dass es nichts gibt, was ein Mensch einem anderen nicht anzutun bereit wäre. Wir Deutschen wissen das, wir wissen Bescheid über die KZs der Nazis, über die Stalin-schen Gulags oder die Hungermorde in China und der Ukraine. Nach Nordkorea schauen wir aber nicht so gerne. Das ist uns hierzulande „zu weit weg“ und irgendwie unheimlich. Ein fernes, abgeschottetes Land, in dem irgendwelchen finsteren Dinge vorgehen. Das stört in vielen Kirchen den „schönen Sonntag“, den man dort gemeinsam mit Freunden verbringen will, glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

Wie dem auch sei, ich empfehle an dieser Stelle dieses spannende, schonungslose Buch zur Lektüre. Zwar gab es das lange nur auf Englisch, aber das tut der Brisanz seines Inhalts ja keinerlei Abbruch. Seit dem 10. September 2012 ist es auch in Deutscher Sprache zu haben.

„Escape from camp 14“ von Blaine Harden, Viking-Penguin books, 2012, 13,95 €, bzw.
„Flucht aus Lager 14“, ein „Spiegel“-Buch, 19,99 €, Deutsche Verlags Anstalt

einfach bei „amazon“ oder anderen Internet-Diensten bestellen.

(Quelle: „focus online“ vom 10. September 2012)

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2 Gedanken zu “Nordkorea: Wo Vernichtunslager noch immer existieren.

  1. Gut, dass dieses wichtige, wertvolle Zeugnis jetzt auch in Deutsch zu haben ist. Man kann gar nicht genug Menschen über die Grausamkeiten in Nordkorea aufklären. Ich habe nämlich bemerkt, dass viele Menschen lieber auf Nordkorea herumschimpfen, als auf den islamischen Ländern, wo Christen auch übelst misshandelt werden, weil sie berechtigte Angst vor den Racheaktionen der Muslime auch hierzulande haben. Wer also gerade in Kirchen auf Christenverfolgung aufmerksam machen will, hat beim Thema Nordkorea sicher einen guten Einstieg.

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