Pakistan: Rimshah auf Kaution entlassen

Wir hatten es vor einigen Tagen erhofft und nun ist das kleine Mädchen, dass aufgrund von manipulierten Indizien wegen „Blasphemie“ verhaftet wurde, zunächst einmal auf Kaution frei.

Pakistan

Am Freitag, den 07. September 2012, wurde sie nun erwartungsgemäß entlassen. Jedoch nur auf Kautionsbasis. Diese wurde in Höhe von 5.000 US-Dollar hinterlegt. Eine gängige Praxis in islamischen Staaten, wenn die Behörden sich die Option offenhalten wollen, auch zukünftig weiter Druck auf die ehemaligen Untersuchungshäftlinge und ihre Familien auszuüben, indem sie damit drohen, den „Fall“ wieder aufzurollen. Im Iran z. Bsp. ist diese Praxis weitverbreitet. Die „Kautionen“, die vor der Entlassung zu entrichten sind, sieht natürlich auch niemand wieder und so stellen diese eine willkommene, zusätzliche Einnahmequelle korrupter Beamter dar.

Rimshahs Vater, Misrek Masih, äußerte sich in jedem Falle sehr erleichtert darüber, dass seine Tochter (Berichte sprechen davon, dass sie 11 Jahre zählt, andere reden von 14 Jahren) nun aus dem Gefängnis entlassen wurde. Gegenüber „asia news“ zeigte er sich auch dankbar für die Unterstützung, die er während der zurückliegenden, schweren Wochen von Seiten christlicher Aktivisten in Pakistan und des Ministers für „Nationale Harmonie“, Paul Bhatti, erhalten habe.

Rimshah wurde vorgeworfen, die Seiten eines Koran-Lesebuches ausgerissen, verbrannt und die Asche dann im Müll entsorgt zu haben, was möglicherweise nach pakistanischem Strafrecht den Tatbestand der „Blasphemie“ erfüllen könnte. Erst später im Verlauf der Ermittlungen gingen Zeugenaussagen ein, die einen lokalen Imam mit Namen Khalid Jadun schwer belasteten. Er soll die Indizien, die das katholische Mädchen belasteten, selbst fabriziert und platziert haben. Er habe damit eine Welle der Gewalt gegen die Christen seines Viertels hervorrufen wollen (was ihm, wie die Medien berichteten, auch gelungen ist), um die Nachbarschaft durch eine Christenvertreibung „religiös zu säubern“. Dies hatte bis tief in muslimische Kreise Pakistans eine Welle öffentlicher Empörung hervorgerufen, welche auch viel Solidarität mit der kleinen Rimshah erkennen ließ.

Am Morgen des 07. September 2012 gab nun ein Gericht in Islamabad die Order, das Mädchen, das an einer leichten, geistigen Behinderung leiden soll, zu entlassen. Der o. e. Minister, Paul Bhatti, ein katholischer Christ, dessen Bruder ebenfalls Minister war und im Frühjahr 2011 ermordet wurde, äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“ folgendermaßen:

Ich bin wirklich zufrieden und glücklich. Ich glaube, die Gerechtigkeit hat sich durchgesetzt.

Aber nicht alle Pakistani sehen das so. Anwohner des ärmlichen Vorortes von Islamabad, in dem Misrek Masih und seine Tochter wohnten, zeigten sich von dieser Entwicklung enttäuscht. Sie können oder wollen noch immer nicht einsehen, dass ihre Pogrome gegen Christen nach der Verhaftung Rimshahs nicht nur nach allgemeinen Maßstäben der Zivilisation widerlich waren, sondern auch völlig grundlos stattfanden. In der Nähe der örtlichen Moschee wurden Passanten befragt. Einer von ihnen mit Namen Ijaz Sarwar wird so zitiert:

Das ist falsch ! Sie hat den Koran verbrannt !

Ein weiterer, junger Mann (18) mit dem bezeichnenden Namen „Saddam Hussein“ soll folgendes zu Protokoll gegeben haben:

Wenn sie freigelassen wird, muss auch der Imam freigelassen werden !

Dies lässt die eklatante Abwesenheit eines Rechtsstaats-Verständnisses in weiten Teilen der pakistanischen Bevölkerung vermuten, wie Beobachter diverser Menschenrechtsorganisationen immer wieder durchblicken lassen.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN DAFÜR, DASS MISREK MASIH UND RIMSHAH FREI UND IN SICHERHEIT LEBEN KÖNNEN UND KEINEN „RACHEAKTEN“ AUFGEBRACHTER MUSLIME ZUM OPFER FALLEN.

(Quellen: „Reuters“ vom 07. September 2012 und „asia news“ vom 07. September 2012)

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3 Gedanken zu “Pakistan: Rimshah auf Kaution entlassen

  1. So sehr mich die Freilassung für das Mädel freut, so sehr geraten die anderen Christen aus dem Blickfeld, die vertrieben wurden und aus Angst vor Radialislamisten nicht in ihre Häuser zurückkehren können oder wollen. Allerdings ist es bei der Sachlage im Grunde eine Unverfrorenheit, auch noch Geld als Kaution zu verlangen. Ich kriege auch hier wieder einen Triesel, wenn ich so etwas lese und von den mafiösen Strukturen im islamischen Bereich ganz zu schweigen.

    http://www.katholisches.info/2012/09/07/rimsha-masih-gegen-kaution-frei-schicksal-hunderter-vertriebener-christlicher-familien-noch-ungeklart/

    Rimsha Masih gegen Kaution frei – Schicksal Hunderter vertriebener christlicher Familien noch ungeklärt

    (Islamabad) Das zuständige Gericht von Islamabad hat die Enthaftung der elfjährigen Christin Rimsha Masih gegen Kaution angeordnet. Das geistig behinderte Mädchen war Mitte August aufgrund falscher Anschuldigungen verhaftet worden, einen Koran verbrannt zu haben. Laut pakistanischem Anti-Blasphemiegesetz droht ihr lebenslange Haft. Der Katholik Paul Bhatti, Regierungsberater im Ministerrang für die religiösen Minderheiten und Bruder des 2011 ermordeten Ministers für die religiösen Minderheiten Shahbaz Bhatti, zeigte sich „froh und erleichtert“. Er dankte den Rechtsanwälten von Rimsha, den Ulemas und den Sicherheitskräften für den Beitrag zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung.
    Die Richter legte fest, daß eine Kaution von 500.000 Rupien (etwa 4000 Euro) für das Kind zu entrichten ist und das Mädchen dann Minister Bhatti und den Rechtsanwälten der All Pakistan Minorities Alliance übergeben wird, die sich für die Verteidigung der jungen Christin zur Verfügung stellten.

    Zu lösen bleibt noch immer die Situation von mehreren Hundert christlichen Familien, die nach der Verhaftung von Rimsha durch fanatische Moslems aus ihren Häusern vertrieben wurden. „Einige sind in ihre Häuser zurückgekehrt“, berichtet Paul Bhatti. „Wir arbeiten daran, der ganzen Gemeinschaft die Rückkehr zu ermöglichen oder für sie einen Ort für eine Neuansiedlung zu finden.“ Die Erzdiözese Lahore erklärte sich bereits bereit, einen Grund für die Ansiedlung der Familien zur Verfügung zu stellen, falls eine Rückkehr wegen radikaler moslemischer Gruppen unmöglich sein sollte.

    Die Wende im Fall zeichnete sich durch die Verhaftung von Khalid Jadoon Chishti an, des Imams, der das christliche Mädchen wegen Blasphemie angezeigt hatte. Ihm wird eine Manipulation der Beweise vorgeworfen. Der Rat der Ulemas prüft zudem, ob er sich selbst der Blasphemie schuldig gemacht hat. Wegen dieses Vorwurfs wurde er von der Polizei verhaftet. Asianews berichtet, daß der Blasphemievorwurf gegen die junge Christin inszeniert worden sein könnte, um einen Anlaß zur Vertreibung der Christen der Gegend zu haben und sich deren Land und Häuser anzueignen.

    Text: Asianews/Giuseppe Nardi
    Bild: Asianews

  2. Ja, das darf man eben nicht vergessen. Der ganze „Fall“ Rimshah ist in einen Kontext eingebettet, der sich durch ihrer Freilassung noch nicht grundlegende geändert hat. Allein die Tatsache, dass ein paar verbrannte Seiten zu Pogromen gegen Nichtmuslime führen können, ist hochgradig bedenklich.
    Allerdings bin ich mir noch unschlüssig, wie ich die äußerst deutliche Zurückweisung der Aktionen dieses Khalid Jadun durch den „Ulema“-Rat von Pakistan und die große Solidarität mit dem Mädel gerade von Muslimen werten soll. Könnte es sein, dass sich ein Rest Menschlichkeit und Abscheu vor Lügen und Manipulation im Bewusstsein der Pakistani gehalten hat ?
    Na, ja. die Zukunft wird es zeigen, wohin dort unten die Reise geht. Vermutlich sind die Leute nur nach dem „Haltet-den-Dieb“-Prinzip vorgegangen und sind eigentlich nur sauer, dass dieser Imam erwischt wurde. Ist ähnlich wie mit dem ganzen „Osama“-Ding. Da sind die Pakistani auch nicht sauer, dass der unerkannt bei ihnen lebte, sondern wollen die Leute inhaftieren, ausweisen und killen, die zu seiner Entlarvung und dem Angriff auf ihn beigetragen haben.

    • Bei der Gesetzeslage würde ich mir da keine sehr großen Hoffnungen machen. Christen stehen dort wie andere Minderheiten auch auf der Abschussliste. Die Welt der Entscheidungen in tiefislamischen Ländern ist für den normal denkenden Europäer eh nur ein Buch mit sieben Siegeln. Allein die Lehrsätze des Koran, der Hadithen und der Sunna sowie die heute noch propagierte Welt der Fatwen geben Aufschluss über die Denkweise dieser Menschen dort. Grunddenke: Hass auf alles Nichtmusliische. Daraus erklärt sich im Grunde alles. Nur, das darf nicht geschrieben werden, da wir ja andernfalls ja political incorrect schreiben.

      So wie sich unerklärliche Taten der liebenden Uneigennützigkeit durch den Motor „Liebe“ erklären lassen, lassen sich diese Taten eben durch das Gegenteil der Liebe erklären.

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