Syrien/Nahost: Beiruter Patriarch spricht uns ins Gewissen

Der Beiruter Patriarch der syrisch-katholischen Kirche, Ignatius Ephrem Joseph III. , gab unlängst einige klare Statements zur Rezeption der Situation nahöstlicher Christen seitens des freien Europas zu Protokoll.

Angesichts von massiver Christenverfolgung und -vertreibung im Irak, Bürgerkrieg in Syrien und einem immer feindseliger werdenden, gesellschaftlichen Klima für Gläubige in Nordafrika sieht der Patriarch die Haltung des „Westens“ sehr kritisch. Wie vor ihm schon einige, andere geistliche Oberhäupter nahöstlicher Kirchen, so bemängelt auch er ein geistlich – kulturelles Desinteresse, das sich auf der Basis einer rein materiell-wirtschaftlich ausgerichteten Betrachtungsweise entwickeln kann. Er brandmarkt diese Haltung schlicht und ergreifend als „Heuchelei“.

Vielen Regierungen geht
 es nur um wirtschaftliche Interessen. Das Schicksal der Christen in Nahost ist ihnen ziemlich egal. Sonst würden sie für die Gleichheit vor dem Recht, für die Einhaltung der Menschenrechte für alle eintreten, auch in Ländern, in denen der sogenannte arabische Frühling nicht stattgefunden hat.

Dies liess Ignatius Ephrem Joseph III. in einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ verlauten. Statt die rein materiellen Interessen im Auge zu behalten, sollte die Aufrechterhaltung grundlegender Menschenrechte wie der Gewissens- und Religionsfreiheit unterstützt und gefördert werden. Auch die Gleichheit vor dem Gesetz und die konsequente Anwendung allgemeingültigen Rechts gebe es im Nahen Osten nicht und dies gefährde das Überleben der Christen in der gesamten Region, so der Gottesmann. Er spricht auch die Situation der Kirche im Libanon an:

Wir werden bedrängt von jenen, die nur eine einzige Religion anerkennen wollen. Wir Christen verlangen keine Sonderrechte, wir wollen nur die gleichen Rechte wie alle anderen. Wir wollen Gewissensfreiheit, wir wollen Religionsfreiheit, wir wollen auch
 die Freiheit für diejenigen, die gar nichts glauben. Diese Gleichheit vor dem Recht und Gesetz gibt 
es nicht. Das ist es, was unser Überleben in der gesamten Region ernsthaft gefährdet.

Er sieht die Defizite aller, nahöstlichen Gesellschaften in Sachen Menschenrechte ganz praktisch im Alltag Wirkung entfalten.

Unsere jungen Leute wollen nicht darum betteln, in ihrem eigenen Land arbeiten und leben zu dürfen. Im Irak fragen sie mich: Was sollen wir tun? Wo sind wir noch sicher? Und das praktische Leben sieht so aus: Wenn ein junger Mann, ein Christ, sich in eine Muslima verliebt und sie ihn auch liebt, dann muss er Muslim werden, um sie zu heiraten. Wo ist da die Glaubensfreiheit?

Ein internationaler „Rundumschlag“ des Patriarchen macht vom auch den Lesern dieses Blogs wohlvertrauten Iran ausgehend, die Not des Christentums in seiner Ursprungsregion deutlich:

Ein anderes Beispiel: Wir haben jetzt eine Familie aus dem Iran hier, sie wollen getauft werden. Aber damit riskieren sie ihr Leben. Wo ist da die Religionsfreiheit? Der Islam toleriert den Glaubenswechsel nicht. Ähnliches gilt auch für die Türkei, dort kann man beobachten, wohin es führt, wenn die Freiheit nur in Buchstaben besteht. Die Güter der Christen wurden konfisziert, viele Kirchen zerstört. Aber die Christen waren
noch vor den Muslimen in Kleinasien. Auch im Irak werden die Rechte offiziell anerkannt, aber niemand schützt sie, niemand macht etwas gegen die Verfolgung der Christen. Und jetzt Syrien. Auch dort ist unsere Präsenz bedroht.

Und weiter mit Bezug auf die Lage in Syrien:

Wir haben es schon vor mehr als einem Jahr gesagt, dass der arabische Frühling Chaos und Bürgerkrieg
 bringen wird. Das ist keine Frage der Parteinahme für oder gegen Assad oder sonst einen Potentaten
 in der Region. Es ist eine Frage der gleichen Rechte für alle. Es ist eine Frage des Primats der Menschenrechte und nicht des Primats einer Religion. Integration und Zusammenleben kann es nur geben wenn dieser Primat geachtet wird. Ich habe es in Paris der Regierung gesagt und ich sage es auch Ihnen: Der fundamentale Islam will auf Dauer keinen Dialog auf gleicher Augenhöhe. Wenn die EU es ernst meinen würde mit ihren Menschenrechts-Prinzipien, dann würde sie offen für die Zukunft der jungen Generationen in dieser Region eintreten. Aber da ist, sagen wir es mal so: viel wirtschaftlicher Opportunismus am Werk.

Ist das in einem immer weiter entchristlichten Europa, dessen Gläubige auch durch diverse Irrlehren verführt und desorientiert werden, verwunderlich ? Effizienzdenken, Materialismus und Egozentrik haben längst das christliche Bekenntnis verdrängt bzw. verwässert. Ein Trauerspiel, das u. a. auch auf Kosten der Christen in Nahost aufgeführt wird. Dies zeigt uns, dass es in einer „globalisierten“ Welt eben auch immer Neben- (Aus-)Wirkungen unseres eigenen, geistlichen Versagens gibt.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE KIRCHEN DES IRAK, SYRIENS, DES LIBANONS UND ÄGYPTENS.

(Quelle: „kath.net“ vom 24. August 2012)

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3 Gedanken zu “Syrien/Nahost: Beiruter Patriarch spricht uns ins Gewissen

  1. open doors Deutschland ruft wie immer und immer wieder zum Gebet auf:
    Das sind dann die Methoden, um Kritiker verstummen zu lassen. Diesmal ging die Initiative nicht einmal vom Staat (Musi) aus, sondern von der Fatwa-Kommission der Al-Azhar-Moschee. Es hat sich also nichts geändert. Mohammed selbst tötete seine Kritiker, seine Nachfolge drohen nunmehr dasgleiche an. Wo bleibt der moderate Islam, von dem unsere Eliten immer so faseln? Ist das der Islam, der zu ‚Deutschland gehört, Herr Wulff? ist der türkische Islam der islam, der zu Deutschland gehört? Man solle doch endlich aufhören, vom Euro-Islam zu sprechen. Der geht genauso den Bach herunter die die Euro-Währung. In beiden Fällen ein ideologisches Lügengespinst.

    Es scheinen nun noch Priester aus dem Nahen Osten die Wahrheit verkünden zu wollen im Gegensatz zu Christen hier im Westen, kein Wunder, die Sicht der Dinge von Christen, die die rechtliche Ungleichstellung tagtäglich am eigenen Leib spüren, kann nicht verdrängt werden, so wie unsere Christen einschließlich Priester, Bischöfe und Politiker dies nur zu gern tun. Ist ja auch einfacher und bringt nicht so viel Unruhe und Ärger. Noch ist die islamische Gesetzgebung ja noch so weit weg. Aber nicht mehr lange.

    Ich hoffe, dass diese Demo überhaupt stattfindet. Mal sehen, wieviel Mut in den ägyptischen Bürgern noch vorhanden ist, sich gegen solche öffentlichen Fatwenmordaufrufe durchsetzen zu wollen. Ich glaube, wir hören von dieser Demo nicht viel. Die einzige rechtsstaatliche Maßnahme wäre hier die Festnahme der gesamten Kommission, die diese Fatwa in die Welt gesetzt hat. Aber die sind ja nur die nützlichen Idioten vom Muslimbruder Mursi, die die ungeistliche koran- und schariagemäße Drecksarbeit erledigen müssen.

    Zweiter „Tag des Zorns“ in Ägypten
    23.08.2012Ägypten
    Großkundgebungen am 24. August – Fatwa gegen Demonstranten

    (Open Doors) – Regelmäßig berichten uns Mitarbeiter in Kairo auch von den Entwicklungen nach dem Umsturz in Ägypten. Für heute haben Oppositionsgruppen zu landesweiten Demonstrationen aufgerufen. Die Angst vor einer gewaltsamen Eskalation sei groß, schreibt Anis*. Wir bitten Sie daher, besonders heute für Ägypten zu beten.

    Anis schreibt:

    „Einige Ägypter nennen den 24. August 2012 bereits den „Zweiten Tag des Zorns“. Zum ersten „Tag des Zorns“ am 25. Januar 2011 protestierten Zehntausende gegen die damalige Regierung und forderten den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak. Bei den landesweiten Protesten kam es zu Toten und Verletzten. Heute nun soll es wieder landesweite Demonstrationen geben – diesmal gegen Präsident Mursi und den wachsenden Einfluss der Muslimbruderschaft. Hinter dem Aufruf sollen Gegner der Islamisten, aber auch Schriftsteller und Politiker stehen. Sie wollen für einen zivilen Rechtsstaat und gegen islamistische Parteien eintreten, die Ägypten zu einem konservativen Staat machen wollen. Die Hoffnung dieser Oppositionsbewegung ist es, die Ziele und Errungenschaften der Revolution vom 25. Januar 2011 wiederherzustellen. Sie befürchten, dass die erreichten Fortschritte in Richtung Demokratie zunichte gemacht werden und kämpfen für ein Ägypten, in dem Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion, frei leben können.“

    Angst vor Chaos

    Anis schreibt weiter: „Wir wissen nicht, wie groß oder klein die Demonstrationen werden, und ob sie nur in Kairo oder auch in anderen Städten stattfinden. Auch ist fraglich, wie viele Ägypter den Mut haben werden, aus Angst vor Eskalationen erneut auf die Straße zu gehen. Anhänger der Muslimbruderschaft sollen am Freitag die Büros der Partei schützen. Viele Ägypter zögern angesichts der traurigen Erinnerungen an die jungen Männer und Frauen, die in den Tagen des Umsturzes Anfang 2011 ihr Leben lassen mussten.

    Die Angst ist nicht unbegründet: Von einer Fatwa-Kommission der anerkannten Al-Azhar-Moschee in Kairo wurde vor einigen Tagen erklärt, dass jeder, der am 24. August demonstriert, ein Feind Allahs sei und getötet werden solle. Angst hat sich bereits in den Herzen vieler ägyptischer Christen und Muslime ausgebreitet; Angst vor dem Chaos. Einige Menschen haben die großen Städte zeitweise bereits verlassen – sie warten ab, bis der Sturm vorüber ist. Wir bitten euch, betet besonders heute für Ägypten!“

    Dieses dringende Gebetsanliegen geben wir an Sie weiter und danken Ihnen, wenn Sie für Ägypten und für die Menschen dort beten.

    Beten Sie, dass die Demonstrationen friedlich verlaufen.
    Beten Sie, dass sich Ägypten zu einem zivilen Rechtsstaat entwickelt, wo jeder Bürger auch seine Religion frei und ungestraft praktizieren kann.
    Danken Sie für die Christen in Ägypten, die ihren Landsleuten, Nachbarn und Freunden in Nächstenliebe begegnen und an der Entwicklung ihrer Heimat mitwirken wollen.
    Beten Sie für die Christen in Ägypten, dass sie sich nicht von Ängsten leiten lassen, sondern in der angespannten Situation Gottes Willen erkennen und mutig Jesus nachfolgen.

    * Name ais Sicherheitsgründen geändert

  2. Ja, das ist vom Arabischen Frühling übrig geblieben. Proteste verstummen. Religion und Politik – ganz nach Mohammeds Wunsch – in eine Hand gelegt und damit brandgefährlich. Das verschweigt der Arabische Sender, dass wieder im Vorhinein Tötungsfatwen durch die führende Ungeistlichkeit öffentlich ausgerufen wurden. Das steht natürlich nicht in dem Artikel. Dieser Test für Mursi ist mittels Einschüchterung nach außen hin gelungen. Denn der Islam kann nur durch Einschüchterung wirksam sein. Das sind die Mafiamethoden des Propheten und infolgedessen der Muslimbruderschaft. Was wollen wir von solchen Menschen, die einer Todes- und Zwangsideologie anhängen, erwarten?

    Sind die innenpolitischen, außenpolitischen (Israel) und wirtschaftlichen Verhälnisse in Ägypten mit Mursi besser geworden? Ich glaube nicht. Die Gründe für eine zweiten Arabischen Frühling wären geblieben und begründet, sind aber jetzt mit religiösen Einschüchterungsmaßnahmen garniert. Das Militär liegt nunmehr in den Händen eines Muslimbruder-treuen Vasallen. Die USA spendiert weiterhin großzügig für das Militär und festigt somit dessen Position. Der Schulterschluss der Islamisten (Arabien/Ägypten) wird enger.

    Dass sich Dutzende Menschen überhaupt gefunden haben und dieser Einschüchterung durch ihre mutige Haltung entgegengetreten sind, halte ich angesichts der religiösen Warnung bereits für einen echten Erfolg.

    Der Westen kann aufatmen. Operation „Völker nicht nur in die politische (Mubarak), sondern auch noch darüber hinaus in die religiös-islamische Knebelung (Mursi-Al-Azhar-Moschee) führen“ ist wieder einmal voll gelungen. Die Christen können ja wie überall im Nahen Osten für islamische und weltpolitische Spielchen in der verstärkten Opferrolle bleiben. Die sind unwichtig und können weiterhin traktiert werden. Bravo rückgratlose politische Gesellen aus USA, Bravo EU!!!

    http://parseundparse.wordpress.com/2012/08/25/dutzende-agypter-protestierten-gegen-den-islamistischen-prasidenten/#comment-5332
    Dutzende Ägypter protestierten gegen den islamistischen Präsidenten
    Veröffentlicht am August 25, 2012 von Ardašir Pârse
    Kairo – Dutzende Ägypter protestierten gegen Präsident Mohammed Mursi in Kairo am vergangenen Freitag, und versuchten mit einem ersten Test den islamistischen Präsidenten und die islamistische Muslimbruderschaft auf der Straße, weniger als zwei Monate nach Machtantritt, und seine Popularität in Frage zu stellen. Aktivisten riefen am vergangenen Freitag zum Protest auf und beschuldigten Mursi die Macht zu monopolisieren, nachdem er im August Vorrechte des militärischen Rates wieder abgerungen hat, der Ägypten für eineinhalb Jahre regiert hatte, mit dem Ziel, diese Vorrechte für sich zu beanspruchen.
    “Wach auf ägyptisches Volk! Nicht der Muslimbruderschaft verfallen!”, sagte Mahmoud, adressiert an etwa 200 Menschen auf dem Tahrir-Platz, im Herzen von Kairo, an dem Proteste Präsident Hosni Mubarak im Februar letzten Jahres zu Fall brachten. “Ägypten ist für alle Ägypter, nicht nur für eine Gruppe”, sagte Mahmoud, der nur seinen Vornamen nannte, als er auf einem Motorrad auf dem Platz stand, mitten im Verkehrsfluss. Die Protest Organisatoren fordern, unter ihnen Oppositionspolitiker Mohamed Abou Hamed, eine Untersuchung wegen der Finanzierung der Bruderschaft, die von Mubarak während seiner 30-jährigen Herrschaft ständig unterdrückt wurde, ebenso wie das selbe alle anderen fordern, die die politische Szene dominiert hatten, seit er gestürzt wurde.
    In einer morgendlichen Schlagzeile vor den Protesten vor ein paar Wochen, nannte die unabhängige Tageszeitung Al Masry Al Youm die Demonstration “Der erste Test für Mursi.” Aber verschiedene liberale Gruppen die gewöhnlich kritisch gegenüber der Bruderschaft sind haben den Protest nicht unterstützt. Unter den Ferngebliebenen ist die 6. April Jugendbewegung und alle, die dazu beigetragen hatten, die Straße gegen Mubarak im Jahr 2011 zu füllen. Die Protest Organisatoren, die verschiedene Versammlungsorte benannt hatten, sagten, “sie planten zum Präsidentenpalast zu marschieren, um den Rücktritt von Mursi zu fordern,” der am 30. Juni als Ägyptens erster Präsident, der nicht aus den oberen Rängen des Militärs stammte vereidigt wurde.
    Sicherheitsbeamte sagten, “sie schützen friedliche Proteste, würden aber entschlossen gegen alle Gesetzesbrecher vorgehen” die nach Berichten der Presse und den Spekulationen auf Sozialen Medien verdächtigt wurden sie könnten Räumlichkeiten der Bruderschaft und ihrer Partei als Angriffsziele auswählen. Die Facebook-Seite die die Proteste ausrief sagte, es wären “friedliche Proteste” und die Beteiligten würden nicht auf Gewalt zurückgreifen. Mursi, der durch die gut organisierte Bruderschaft zum Präsidenten gewählt wurde, hat sich offiziell von der Gruppe distanziert, denn er wolle die ganze Nation im Amt vertreten.

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