Syrien/Libanon: Christen fliehen in Scharen aus Syrien

Das vom Bürgerkrieg der mehrheitlich sunnitischen Milizen gegen das alawitische Assad-Regime geschlagene Land Syrien verliert täglich mehrere Hundert seiner Einwohner. Sie fliehen über die Grenzen in die Nachbarländer Türkei und Libanon.

Syrien

Nicht in den Irak, aber da kämen sie sicher auch vom Regen in die Traufe, wie man so schön sagt. Angesichts der Zustände von Anarchie, Gewalt und einer sich dramatisch zuspitzenden Versorgungslage mit Gütern des täglichen Bedarfs, darf man sich über die Flüchtlingswelle nicht wundern. Nachbarländer, speziell der in seiner ethnisch-religiösen Zusammensetzung extrem fragile Libanon, sind besorgt, dass der Konflikt des einstmals mächtigen, syrischen Nachbarn auf sie hinüberschwappt. Diese Sorge ist mehr als berechtigt, wenn man hört, was die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ am Dienstag, den 07. August 2012, verlautbaren ließ.

Ihr Referent für Nahostfragen, Kamal Sido, erwähnte dabei, dass mindestens 7.000 vertriebene Christen bereits im Libanon angekommen seien. Sie würden zumeist in Gemeinden an der Mittelmeerküste im Norden des Libanon untergebracht. Da aber der Staat befürchte, noch enger in den Konflikt der Syrer hineingezogen zu werden, würden sie dort nicht angemessen versorgt und medizinisch behandelt. Außerdem rechneten die libanesischen Christen mit weiteren Flüchtlingen aus Syrien. Vor allem aus dem umkämpften Aleppo. Die dortigen, christlichen Stadtviertel seien bedroht, falls die Rebellen bis dorthin vordringen würden und die Regierung sie von dort vertreiben müsste.

Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ appellierte in diesem Zusammenhang auch an Außenminister Guido Westerwelle, auf die Rebellen einzuwirken, damit diese nicht weiterhin, wie bereits in Al-Qusair oder Homs geschehen, gezielt christliche Wohnviertel okkupierten und die dortigen Bewohner vertrieben. Ob allerdings der deutsche Außenminister dafür der richtige Ansprechpartner ist, das sei aus mehr als einer Überlegung heraus einmal dahingestellt.

Der Repräsentant der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Simon Jakob, schätzt die Lage seiner Glaubensbrüder und -schwestern im Lande jedoch als sehr dramatisch ein. Laut einer von der christlichen Nachrichtenagentur „idea.de“ verbreiteten Meldung äußerte er sich sehr besorgt. Auch andere Stimmen kamen in diesem Beitrag zu Wort:

Schon jetzt würden Christen in Syrien verfolgt und vertrieben: „Es hat sogar brutale Hinrichtungen gegeben.“ Die Lage erinnere an die anhaltende Christenverfolgung im Irak. Wenn Präsident Assad gestürzt werde, werde sich die Situation durch das entstandene Machtvakuum für die Christen in Syrien weiter verschlechtern. Christliche Flüchtlinge aus der syrischen Stadt Kusair berichteten einer Korrespondentin von „Spiegel Online“, dass mehrere ihrer Angehörigen von radikalen Islamisten ermordet worden seien. „Ständig wurden wir beschuldigt, für das Regime zu arbeiten“, berichtete eine in den Libanon geflohene Christin dem Magazin. Der syrische Soziologe Ishaq Kanaou sagte dem öffentlich-rechtlichen Auslandssender „Deutsche Welle“ (Bonn): „Die Christen in Syrien haben große Angst, dass islamistische Kräfte an die Macht kommen und sie dadurch zu Bürgern zweiter Klasse werden.“ Diese Befürchtung erwachse auch aus den Erfahrungen, die Christen in Ägypten und vor allem im Irak gemacht hätten, wo sie immer mehr an den Rand gedrängt würden.

Langsam, nach Monaten der Berichterstattung auch hier auf dem Blog des BGVK, scheint sich sogar in der EKD ein wenig der Sinn für die Realität in Syrien geschärft zu haben. Denn der Nahostbeauftragte, der ehemalige bayerische Landesbischof Johannes Friedrich, äußerte sich laut „idea.de“ in folgender Art und Weise:

Man teile die Besorgnis in den Kirchen Syriens, dass ihre Freiheiten für Religionsausübung nun gefährdet werden könnten, schrieb er in einem Kommentar für das Evangelische Sonntagsblatt für Bayern (München). Friedrich: „Und ich sehe kritisch, dass entscheidende Teile der Opposition eine militärische Lösung des Konflikts zu suchen scheinen. Und auch auf ihrer Seite kommen offensichtlich – wie bei den staatlichen Sicherheitskräften – massive Menschenrechtsverletzungen vor.“

Zugegeben: die sehr, sehr diplomatisch, ja in ihrer leisetreterischen Formulierung fast schon unfreiwillig komischen Worte des Bischofs kommen spät und werden auch durch eine gleichzeitige Verurteilung des Assad-Regimes wieder relativiert, aber allein sein Eingeständnis, dass „eine eindeutige Positionierung“ in der Syrien-Frage „sehr schwierig“ sei, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn bislang hörte man sowohl in der weltlichen, deutschen Öffentlichkeit als auch in vielen Kirchenkreisen fast nur eine unreflektierte Begeisterung für den „Arabischen Frühling“ und damit für die von diesem profitierenden Muslimbrüder und die Einführung der Scharia von Tunesien bis zum Jemen. Das Eingeständnis, dass angesichts der nackten Fakten manche Dinge eben nicht „Schwarz-Weiss“ sind, oder man vielleicht mal die Zuteilung im „Gut-Böse“-Schema unserer Medienlandschaft hinterfragen müsse, ist als solches schon zu begrüßen.

IN DIESEM SINNE BITTE ICH SIE, LIEBE LESER: BETEN SIE FÜR DIE SYRISCHEN CHRISTEN IM LANDE UND AUF DER FLUCHT. MÖGEN SIE AUF OFFENE OHREN, OFFENE HERZEN UND OFFENE TÜREN TREFFEN !

(Quelle: „idea.de“ vom 07. August 2012)

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Ein Gedanke zu “Syrien/Libanon: Christen fliehen in Scharen aus Syrien

  1. In den übrigen Massenmedien ist nichts zu sehen und hören von den Christenverfolgungen. Bereits in der Apokalypse wird darüber gesprochen, ja wir sind in der Endzeit! Dafür soll man auch noch mehr als 18,- Euro zahlen, eine bodenlose Frechheit. Zumal die Zahl achtzehn (6+6+6) die Hauptzahl der Logenbanden ist, es ist die Zahl des Antichristen!

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