von den Aposteln: Warum der Hl. Thomas so aktuell ist.

Liebe Leser, liebe Freunde verfolgter Christen und liebe Mitbeter,
ich gestehe es offen ein: von den Aposteln Christi, über die aus der Heiligen Schrift so einiges bekannt wird, ist mir der „ungläubige“ Thomas einer der liebsten.

Wir kennen ja alle die Geschichte mit der „Herzeigerei“ der Stigmata Christi. Einfacher gesagt: „Wat der Buur nit kennt, dat glaubt er nich.“ Das ist vielleicht die bekannteste, mit dem Apostel Thomas assoziierte Geschichte aus der Bibel. Als er bei der Erscheinung Christi unter den Jüngern nach der Auferstehung auf dem Klo ist (oder wahlweise beim Shopping, Wäsche-waschen, Evangelisieren oder Brei kochen, die Bibel schweigt sich hierzu aus), verpasst er diesen wunderbaren Moment. Als ihm die anderen Jünger davon erzählen, knirscht er vermutlich mit den Zähnen und lässt dem „alten Menschen“ in sich freien Lauf, in dem er den noch ganz begeisterten Freunden ein kaltes: „Ich glaub nur, was ich sehen und anfassen kann.“ entgegenraunzt. (Joh 20, 25)

Was für eine nachvollziehbare, nüchterne und „moderne“ Reaktion ! Thomas ist ein Mann „unserer“ Zeit ! Wir Christen, die den Menschen auf Evangelisationen immer wieder von „übernatürlichen“ und spirituellen Dingen erzählen, bekommen immer wieder diese Reaktion zu hören. Die gutwilligeren Passanten und Gäste gestehen immerhin meist noch zu, dass es „vielleicht einen Gott gibt“ und wir Christen ja vielleicht „gute Absichten hätten“, aber angesichts all der Bosheit und des Verfalls in der Welt wollen sie letztlich doch  „Beweise“ für die Existenz und die Liebe Gottes haben. Irgendein „Wunder“, das einzig und allein für sie stattfindet und möglichst auch noch alle Freunde und Nachbarn mit einschließt, damit man nichts erklären muss. Jesus persönlich den Finger in die Wunde zu legen, wäre da schon hilfreich.

Aber die Sache mit den Stigmata ist nicht die, die mich als erste auf Thomas aufmerksam gemacht hat. Es ist vielmehr der Moment, wo Christus den Jüngern klarmacht, dass er jetzt in Richtung Bethanien losgehen wird, um mal ganz lässig seinen Freund Lazarus aufzuwecken. Vom Tode, nicht vom Schlafe. In diesem Moment, wo allen klar ist, dass die „Jesus-Bewegung“ bereits mächtig angefeindet wird, nähert sich der Messias der Stadt Jerusalem an und bringt alle und alles scheinbar in Gefahr. Thomas ist wieder mal der einzige, der so reagiert, wie wir es verstehen und erwarten können. Er scheint den Kopf zu schütteln und zu sagen: „Na, dann gehen wir mal alle zur Schlachtbank.“ (Johannes 11, 16) Das ist groß, nicht weil es von Verständnis für die Mission oder die Person Christi zeugen würde (das tut es ja gerade nicht), sondern weil es so ehrlich ist. Immerhin aber, weigert er sich nicht, mitzugehen.
Christus gibt also den Marschbefehl und Thomas vermutet, dass dies ein Todesurteil für seine engsten Mitarbeiter und Nachfolger sein wird. Hier berührt die Geschichte übrigens das Thema dieses Blogs. Nachfolge Christi ist nicht erst seit der Passion und Auferstehung Christi immer im Ruch, eine lebensgefährliche Angelegenheit zu sein. Das verdanken wir dem pessimistischen Miesepeter Thomas. Dafür bin ich ihm dankbar und grinse immer heimlich, wenn diese Geschichte in der Gemeinde erwähnt wird.

Thomas wird auch noch an einer weiteren Stelle erwähnt. Beim letzten Abendmahl, von dem wohl nur Jesus endgültig klar war, das es das „letzte“ seiner Art sein würde, spricht Jesus davon, wo er jetzt bald hingehen wird und dass seine Jünger ihn dort wiedersehen würden. Den Weg dahin würden sie schon kennen, meint Jesus und weiss in diesem Moment genau, dass er damit zwar etwas Offensichtliches postuliert, das aber den Jüngern noch gar nicht bewusst geworden ist. Nun hört man im Raum eine Stecknadel fallen und die Zahnräder in den Köpfen der Apostel knirschen wohl auch noch vernehmlich. Nur der gute Thomas, dieser alte Provokateur spricht das aus, was wohl alle denken: „Weg ? Welcher Weg ? Wir wissen ja nichtmal, wo du hingehst, also kennen wir auch den Weg nicht.“ (Johannes 14, 5) Das klingt fast schon wie eine Herausforderung an Jesus, doch mal „Butter bei die Fische“ zu geben und Tacheles zu reden. Die ewigen Gleichnisse aufzugeben und klare Ansagen zu machen. Dafür liebe ich diesen Apostel einfach. Er benennt den Elefanten, der, für alle sichtbar aber peinlich verschwiegen, im Raume steht. Ist er nicht super drauf ? Und immerhin gibt er unserem Herrn und Heiland auf diese Art das Stichwort dafür, Seine vielleicht berühmtesten Worte zu sagen, an die man gar nicht oft genug erinnern kann in unserer „pluralistischen“ und „werterelativistischen“ Gesellschaft: „ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. NIEMAND kommt zum Vater, denn durch mich.“ (Joh 14, 6) Mehr als einmal habe ich mich an dieser an Klarheit nicht zu überbietenden Aussage festhalten müssen, wenn mir wieder irgendein wohlmeinender Dialog-Pastor etwas über den „einen Gott“ erzählen wollte, dem alle Monotheisten nachfolgen würden, o. ä.

In all diesen Begebenheiten erkennt man doch auch ein Stück weit sich selbst wieder, wenn man wirklich ehrlich und nicht gar zu „religiös abgehoben“ ist. Wenn mir Pastoren mit allzu schwülstiger Predigt und pseudo-spirituellem Geschwurbel daherkommen, möchte ich wie Thomas manchmal auch die richtige Frage, die richtige Phrase bereit haben, um die Gemeinde und mich selbst wieder etwas mehr auf den Boden der Realität zurückzuführen. Nein, wir zweifeln ja die Kernweisheiten und -wahrheiten der Bibel gar nicht mehr an. Was immer den Apostel Thomas dazu brachte, so nüchtern-pessimistisch auf die vor seinen Augen ablaufenden Geschehnisse zu reagieren, sei auch dahingestellt. Es hat ja seine Karriere als Evangelist nicht behindert.

Thomas gilt immerhin als derjenige, der die Aramäer bekehrt hat und er soll gar bis Indien gewandert sein und gewirkt haben. Von Syrien über den Irak und Iran hat sein Wirken Gemeinden erbaut und Menschen errettet. Das ist eine gewaltige Leistung und zeigt, dass auch ein „ungläubiger“ Thomas, ein Zweifler und Skeptiker von Gott gebraucht werden kann, um der Menschheit Gutes zu tun. Gott ist eben großartig !  Hier wird mein Herz aber auch schon wieder schwer, wenn ich an die gegenwärtige Situation der Christenheit in dieser Region denke. Es besteht die unmittelbare Gefahr, dass das Wirken des Apostels durch die Entwicklungen unserer Zeit zunichte gemacht wird. Die Wurzeln des Glaubens, die Thomas legte, werden derzeit mit äußerster Brutalität herausgerissen und wir schweigen dazu und glotzen auf unseren Bildschirm, in den Fernseher oder die Zeitung, während wir hilflos die Schultern zucken und dann zu „DSDS“ oder zum Sport weitergehen.

Herr, erbarme dich, Christus erbarme dich. Herr erbarm dich über uns !

Also, vergessen wir nicht das Wesen und die spätere Wirkung des von der katholischen Kirche als Heiligen gewürdigten Thomas. Ein guter, ein moderner und am Ende noch ein heiliger Mann. Was will man mehr im Leben erreichen ?

Es grüßt Sie, liebe Leser, Unterstützer, Freunde und Mitbeter,

Ihr

Martin Clemens Kurz

Gott segne Sie.

P.S.: Die orthodoxen Kirchen feiern den St. Thomas-Tag am 06. Oktober, die anderen Kirchen zumeist am 21. Dezember. (Wink mit dem Zaunpfahl !)

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2 Gedanken zu “von den Aposteln: Warum der Hl. Thomas so aktuell ist.

  1. St. Thomas ist für mich vor allem ein Beispiel für „harte Bekehrung“. Es gibt einen Grundsatz in der Verkaufswirtschaft: „Schnelle Kunden bleiben nicht lange, umkämpfte Kunden bleiben dir länger treu.“
    Wer also unter Mühen bekehrt wurde, wer seine Widerstände offen gezeigt hat und wer sie überwunden hat, der wird länger treu bleiben, als andere. Andere, die vielleicht in einer Art spontaner Begeisterung schneller ihr Bekenntnis zu Christus abgeben, es aber vielleicht gar nicht so meinen.
    Auch unter dem Aspekt der Verfolgung müssen wir das so betrachten. Diejenigen, deren Glaube im Feuer geprüft wird und die dennoch stehen bleiben bei Jesus, die sind wahre Nachfolger. Die, die schnell wieder in ihre weltlichen Gewohnheiten zurückfallen und keine echte Prüfung im Glauben bestehen können, werden wohl bei dem geringsten Druck wieder abfallen.
    St. Thomas ist ein Vorbild für die „auf die harte Tour“ Bekehrten, die für die Verführungen der Welt und den Glaubensabfall nicht mehr so anfällig sind wie die Schwärmer und „spirituellen Sinnsucher“.

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