China: katholischer Bischof „verschwunden“ nachdem er der Staatskirche entsagte

China ist ein Vorreiter des gefährlichen Trends von asiatischen Staaten, die versuchen, Kontrolle über alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu erlangen. Die Kirchen sind traditionell davon nicht ausgenommen. 

Es gibt staatliche anerkannte Verbände von Kirchen, die bestimmten Restriktionen unterliegen, dafür aber offiziell nicht verfolgt und diskriminiert werden. De facto sieht das zwar anders aus, da in der chinesischen Provinz sowohl die „registrierten“ Kirchen dieser Verbände („Drei-Selbst-Bewegung“ für die Evangelischen, „Katholische-Patriotische-Vereinigung“ für die Katholischen) als auch die unregistrierten Hauskirchen willkürlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Aber dennoch gilt die Mitgliedschaft in diesen Staatskirchen-Verbänden als Voraussetzung dafür, dass der Kelch der brutalen Polizeistaats-Massnahmen öfter einmal an der eigenen Gemeinde vorbeigeht. Durch diese Verbände übt nämlich die Volksrepublik China, die an Platz 21 des „Weltverfolgungsindex“ von „open doors“ steht,  die Kontrolle über die Kirchen aus. Sie kann Einfluss nehmen auf die Inhalte der Gebete, die Arten der Finanzierung bis hin zur Auswahl der Geistlichen.

Der katholische Vize-Bischof von Shanghai nun hatte beschlossen, sich öffentlich von der „Katholisch-Patriotischen-Vereinigung“ loszusagen. Der 44-jährige Thaddäus Ma Daqin, der am 07. Juli 2012 in der St. Ignatius-Kathedrale von Shanghai in sein Amt eingeführt wurde, entsagte bei dieser Gelegenheit vor der versammelten Gemeinde der Leiterschaft in diesem Staatskirchenverband und trat von seinen dortigen Ämtern zurück. Nach unbestätigten Augenzeugenberichten soll es dabei zu lauten Jubel- und Zustimmungsbekundungen gekommen sein. Es muss dazu gesagt werden, dass der Vatikan den staatlichen, katholischen Kirchenverbänden kritisch bis ablehnend gegenübersteht. Bei diversen Ernennungen von Bischöfen war es deshalb zu Konflikten zwischen Peking und Rom darüber gekommen, wer diese Hirten ernennen darf. Ich würde es, als historisch nicht ungebildeter Mensch, fast einen erneuten „Investiturstreit“ nennen. Ein Ringen um staatliche und kirchliche Kontrolle der Gemeinden.

Im Publikum der Ordinationsansprache von Bischof Ma Daqin befanden sich selbstverständlich auch staatliche Offizielle. Der Gottesmann soll nach seiner Ansprache verschwunden sein. Niemand kann Kontakt zu ihm bekommen, sogar der Vatikan verneint bislang jeden direkten Kontakt zu seinem Hirten. Es gibt Gerüchte darüber, wo er festgehalten wird, die aber bislang nicht bestätigt werden konnten.  China ist ja bekannt dafür, dass dort Menschen tatsächlich „komplett“ verschwinden und bestenfalls dann völlig überraschend wieder auftauchen können, wie der Fall des ehemaligen Menschenrechtsanwalts Gao Zhisheng bewiesen hat.

China selbst hatte Ma Daqin für den Posten des zweiten Mannes hinter dem altersschwachen Bischof Jin Luxian (96 Jahre) ausgewählt. Der Papst hatte angeblich in einer versöhnlichen Geste dieser Wahl in einem offiziellen Schreiben zugestimmt. Andere Quellen sprechen jedoch davon, dass der Vatikan noch immer dieser Ernennung widerspricht. Ma Daqin hat in jedem Falle seine Wahl getroffen und sich ganz endeutig für das Primat der Kirche ausgesprochen. Die Zukunft Ma Daqins liegt nun mehr denn je einzig und allein in Gottes Hand.

“ Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
(Apg 5, 29, Luther 1984)

BITTE BETEN SIE FÜR DIE KATHOLISCHE DIÖZESE VON SHANGHAI, FÜR DEN HIRTEN BISCHOF MA DAQIN UND SEINE SCHAFE.

(Quelle: „bosnewslife“ vom 13. Juli 2012)

UPDATE:
Bischof Ma Daqin wird unter Hausarrest im Sheshan – Seminar gehalten. Dort ist es ihm seit dem 16. Juli 2012 wieder möglich, Zugriff auf seinen eigenen Blog zu nehmen und darüber mit der Außenwelt zu kommunizieren. Zunächst hat er dort ein Bild und mehrere Gedichte publiziert.
(Quelle: „asia news“ vom 16. Juli 2012)

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