Deutschland: „Selbstverliebte Kirchen vergessen verfolgte Christen“

Viele, „wohlmeinende“ Mitchristen in diesem Land werfen mir als Autoren auf diesem Blog immer wieder vor, ich würde eine „allzu rauhe Rhetorik“ bevorzugen oder „die richtigen Dinge in den falschen Worten“ ansprechen, weil ich gerne die Dinge bei ihrem wahren Namen nenne.

Gerne gebe ich dabei auch den Kirchen „Zunder“, da ich die mangelhafte Solidarität mit den in Existenznöten befindlichen, christlichen Geschwistern, die Verfolgung leiden,  schlicht und ergreifend nicht länger schweigend ertragen will. Nur wenige, andere Fachleute teilen dabei meine Wortwahl oder Analyse bestimmter Haltungen. Aber so ganz falsch kann ich nicht liegen, wenn jetzt die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FASZ) die o. g. These aufstellt, für die ich wohl, schon wegen der Wortwahl „selbstverliebte Kirchen“ wieder an den Pranger gestellt würde. Vermutlich sogar von einigen Repräsentanten dieser Narzissten. Das christliche Nachrichtenmagazin „Pro“ schreibt dazu folgendes:

  Christen werden in der muslimischen Welt zunehmend Opfer von Diskriminierungen. Auf Solidarität von den Kirchen hierzulande könnten sie dabei nur selten zählen. Das sagt die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ – und wirft den Kirchen Selbstverliebtheit vor.

Nette Formulierung. Treffend und provokativ. Hätte von mir sein können, :-). Darf man das zitieren, ohne von Bischöfen verklagt zu werden ? Wäre schön, wenn mir das mal jemand von Ihnen, liebe Leser, mitteilen könnte. Aber Frau Breuer wird noch deutlicher:

  Alle mehrheitlich muslimischen Länder befänden sich unter den ersten fünfzig Staaten, die Christen verfolgen, sagt Rita Breuer. „Je intensiver die religiöse Ausprägung eines islamischen Staatswesens ist, desto schlechter ist die Lage der Christen.“ Die beiden großen Kirchen in Deutschland gingen allerdings tendenziell davon aus, der Islam habe dieselben Werte und Grundideen wie das Christentum. Das sei eine Form von Blauäugigkeit und Selbstverliebtheit, „zu glauben, dass jeder Mensch die Werte teilt, auf denen das Christentum fußt. Und nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass andere eigenständige Religionsgemeinschaften manches anders sehen als wir“, so die katholische Wissenschaftlerin. Damit nehme man den Islam aber nicht ernst.

Halleluja. Meine Gebete wurden erhört. Es gibt noch Menschen, die die Wahrheit erkennen, aussprechen und auch publizieren. Wir Christen müssen die sachliche und geistliche Ebene in unsere Betrachtungen immer miteinbeziehen. Wenn ein Pastor und ein muslimischer Geistlicher über Dinge wie „Freiheit“, „Frieden“ oder „Märtyrertum“ sprechen, meinen sie nämlich ganz unterschiedliche Dinge, die teils recht wenig miteinander zu tun haben. Eine Begriffsklärung erfolgt zumeist nicht, damit die „Harmonie des interreligiösen Dialoges“ nicht in Gefahr gerät. Die Ehrlichkeit wird dabei aber auch zu Gunsten eines süsslichen Konsens-Zuckergusses geopfert.

Wie Breuer sagte, seien Christen in der muslimischen Welt oft fassungslos darüber, wie sich die Kirchen für die Rechte der Muslime in Deutschland einsetzten, gleichzeitig aber keinen Sinn für die Lage der Christen in muslimischen Ländern hätten. Es entstehe der Eindruck, „dass man sich hierzulande lieber mit der Frage beschäftigt, ob ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen islamfeindlich ist, als sich zu überlegen, wie man den bedrängten Christen zu Hilfe eilen kann.“ Zwar gebe es Organisationen, die das tun. Auch die Aufmerksamkeit dafür wachse langsam, doch es gebe noch keine flächendeckende Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ja, es ist höchste, ALLERHÖCHSTE Zeit, die Welt mal durch die Augen der verfolgten Christen zu sehen. Reden wir mit Menschen wie Schwester Hatune, die selbst zur verfolgten Minderheit der Assyrer gehört und dennoch wie kaum jemand anders hilft, die Not wenigstens notdürftig zu lindern. Erst vor Kurzem habe ich mit einem Vertreter der o. g. Organisationen einen Gedankenaustausch zum Thema gehabt. Dieser sah, vielleicht aus „Betriebsblindheit“ heraus, noch nicht einmal die von Frau Breuer zu Recht als fehlend erkannte „flächendeckende Auseinandersetzung“ als gegeben an. Traurig. Da ist noch viel Bewusstsein zu verändern.

  Von den Kirchen wünscht sich Breuer „ein ganz klares und selbstbewusstes Bekenntnis zur eigenen Religion und Wertigkeit“. Dazu gehöre es, sich für verfolgte Glaubensgeschwister einzusetzen und auch Probleme im Dialog mit Muslimen nicht klein zu reden.

Dazu bedürfte es aber eines Rückgrates. Eines fröhlichen, selbstverständlichen christlichen Selbstbewusstseins bei Geistlichen aller Konfessionen und Denominationen. Aber, wie diese Kamp-Lintfort-Sache und das völlige Fehlen einer evangelistischen Zielrichtung im „interreligiösen Dialog“ mit den Muslimen deutlich genug aufzeigen, kann man das wohl von den Freikirchen und auch den staatlich alimentierten Großkirchen und ihren Repräsentanten nicht mehr erwarten. Aber ich gebe „die Kirchen“ noch nicht völlig auf. Denn: Kirche ist da, wo Christen zusammenkommen. Wenn eine „Basisbewegung für die verfolgten Christen“ sich in den deutschen Gemeinden breitmachen würde, die bereit ist, Widerstände ignoranter, „selbstverliebter“ Kirchenleute zu überwinden, könnten wir das Steuer noch einmal herumwerfen.

  Wut empfinde Breuer, wenn sie daran denkt, dass Salafisten in Deutschland Korane verteilen dürfen, es aber beispielsweise im Iran verboten ist, eine persisch-sprachige Bibel überhaupt zu besitzen. Eine „unerträgliche Schieflage“ sei das. „Muslime haben hier das ungeteilte Recht auf freie Religionsausübung. Dafür werde ich mich immer einsetzen. Dass die Salafisten dieses Recht für sich in Anspruch nehmen, solange es ihnen nützt, aber es nicht vertreten – darauf kann man auch nicht häufig genug hinweisen.“

Na, ja. Wut ist immer ein schlechter Ratgeber. Glauben Sie mir das, liebe Leser. Als Christ kämpfe ich bei jedem Artikel, den ich hier schreiben muss, gegen diese Empfindung an. Gegen die Wut auf die ignoranten Kirchenfuzzis, die jeden Baum der Welt retten wollen, aber ihre Geschwister in Not verachten. Gegen die Wut auf diejenigen, die die Verfolgung durchführen und unterstützen und noch denken, der Welt einen Gefallen zu tun.

„Ja, es kommt eine Zeit, wo jeder, der euch tötet, meint, Gott damit einen Dienst zu erweisen.“

 (Johannes 16, 2)
Gegen die Wut auf Medien, die sich durch Schweigen und Lügen über die Hintergründe der Christenverfolgung mitschuldig machen. Gegen die Wut auf angebliche „Verbündete“ im Kampf gegen diese Info-Blockade der Medien und Kirchen, die dann im entscheidenden Moment den Schwanz einziehen und um ihre Jobs und Pfründe fürchten. Ich hoffe, diese Kämpfe gegen die Wut mit Gottes Hilfe immer zu gewinnen.

IN DIESEM SINNE BITTE ICH SIE, WEITERHIN FÜR DIE VERFOLGTEN GESCHWISTER ZU BETEN. BETEN SCHEINT NICHT VIEL ZU SEIN, ABER ES KANN DEN ARM DES VATERS BEWEGEN, WENN ES SEINEN PLÄNEN DIENT. BITTE HÖREN SIE AUCH NICHT AUF, SICH IN GEMEINDEN UND VERBÄNDEN WEITERHIN FÜR DAS ANLIEGEN DER CHRISTEN IN VERFOLGUNGSNOT EINZUSETZEN. GOTT SEGNE SIE !

(Quelle: „pro-Medienmagazin“ vom 02. Juli 2012)

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Ein Gedanke zu “Deutschland: „Selbstverliebte Kirchen vergessen verfolgte Christen“

  1. Der Ausdruck „Selbstverliebte Kirche“ trifft den Nagel wirklich auf den Kopf. Besser häte auch meine Wenigkeit es nicht ausdrücken können. Wer Jesus wirklich nachfolgen würde, würde auch den im Staub liegenden Glaubenden beachten.

    Erst eine Islamwissenschaftlerin, die jetzt wahrscheinlich bei ihren Kollegen „unten durch“ ist, muss unsere verschlafenen Christenführer auf Selbstverständliches aufmerksam machen. Eine mehr als schallende Ohrfeige.

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