Und „noch´n Kommentar“: Was der Verbreitung unserer Nachricht im Wege steht 3

Sie, liebe Leser des Blogs, kennen ja bereits meine „Miniserie“ namens „Was der Verbreitung unserer Nachricht im Wege steht“, in der ich mich ganz persönlich und in aller Subjektivität mit den möglichen Gründen für ein mangelndes Engagement vieler Christen zu Gunsten der verfolgten Geschwister befasse.

Stift zu Kommentaren.

Kommentar

Da habe ich schon zwei Ansichten zum Besten gegeben, die interessierte Leser

nachlesen können. Und wieder einmal wurde ich von einem TV-Prediger dazu angeregt (ja, ich schaue wohl zuviel Bibel TV, freue mich immer noch, dass ich das überhaupt bekommen kann) ein kurzes Wort darüber zu verlieren, warum so viel von der Botschaft der verfolgten Christen nicht auf fruchtbaren Boden fällt. Dazu kann ich jedoch nur über meine Stadt sprechen. Die Geschichten und Erfahrungen, die mich aus anderen Regionen des deutschsprachigen Raumes erreichen, sind vielfältig und durchaus nicht alle so sperrig, wie das, worauf ich heute an dieser Stelle hinaus möchte.

Was steht also u. a. der positiven Aufnahme der Botschaft im Wege ? Heute möchte ich auf ein sehr ärgerliches Phänomen eingehen und fasse das mal unter dem Begriff der „Spaltung“ zusammen. Die Spaltungen, die „Frontstellung“ diverser Gemeinden und Kirchen gegeneinander steht der Solidarität mit verfolgten Christen massiv im Wege. In meiner Stadt ist das so: hier sind fast alle Konfessionen und Denominationen der Christenheit in unterschiedlichen Größen und Ausformungen anwesend. Theoretisch sollte dies also eine von Gott reichlich gesegnete und tiefgläubige Stadt sein.

Dem ist aber, wie wohl jedem Christen schon mehr oder minder deutlich bewusst ist, nicht so. Die staatliche alimentierten Großkirchen verlieren beinahe täglich an Mitgliedern und an Einfluss auf das öffentliche Leben, die ethnischen und „Minderheiten“-Kirchen, wie beispielsweise die Kopten, Aramäer, griechisch-Orthodoxen und andere, sind in einer derartigen Unterzahl und teilweise so schlecht miteinander und mit den anderen Kirchen vernetzt, dass sie leider kaum ins Gewicht zu fallen scheinen. Die diversen, protestantischen Denominationen wiederum machen sich noch gegenseitig „Konkurrenz“ um die wenigen, treuen Gläubigen, so dass jede Gemeinde nur recht überschaubar und damit weniger schlagkräftig ist.

Sie meinen, ich übertreibe ? Nun gut, ich will hier ganz offen sein und mit Ihnen, liebe Leser, ein paar Erfahrungen teilen, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Ich selbst tummelte mich einige Jahre lang in diversen evangelischen Gemeinden, speziell in solchen mit stark pfingstlerischem Einschlag und schon hier fängt das Problem an. Es gibt von dieser geistlichen Ausrichtung so einige Gemeinden in der Stadt. Die eine ist mehr für Jüngere attraktiv, weil der Pastor dort jünger ist, die andere mehr für Menschen mit bestimmten Migrationshintergründen, weil der Pastor dort selbst aus der vertrauten Region stammt, etc. Schon hier muss man sich die Frage stellen, ob jede dieser Gemeinden tatsächlich alleine stehen (und damit klein und relativ einflusslos) bleiben muss. Klar, hier wird beinahe jedes, individuelle, spirituelle Bedürfnis bedient und das schafft, gemeinsam mit der geringen Größe der Gemeinde, eine „familiäre, heimelige“ Atmosphäre. Für junge Christen ist das sehr attraktiv, aber das hat auch eine Kehrseite.

Ich war Zeuge der „Neugründung“ einer von mir so benannten „Systemgemeinde“, die nach einem bereits weltweit erprobten „Pflanzsystem“ modelliert, in Berlin Einzug hielt unter Bedingungen, die ich so noch nie gesehen und erlebt hatte. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, aber ich schicke meine „Konklusio“ jetzt gleich mal voraus: diese Gemeinde unterschied und unterscheidet sich (sie gibt es noch immer) in keinem, entscheidenden Bereich von den bereits in dieser Ausrichtung vorhandenen Gemeinden. Nun nenne ich hier weder den Namen noch die genaue Ausrichtung der Gemeinde, weil ich die dortigen Geschwister hier nicht an den Pranger stellen will und auch den Pastor als durchaus respektablen Bruder kennengelernt habe, dessen ernsthafte Mühen ich nicht diskreditieren mag. Dennoch bezweifle ich noch immer, ob wir in Berlin auf genau diese Art von Gemeinde wirklich „noch gewartet“ haben. Das korrespondiert mit meiner Beobachtung, dass vor allem „Teilzeitberliner“, die nur kurzfristig, beruflicherseits hier arbeiteten, von dieser Gemeinde angezogen wurden.

Ein weiteres Beispiel aus meinem persönlichen Weg kommt jetzt: Einige Jahre habe ich in einer Gemeinde verbracht, in der eine sehr gute Atmosphäre herrschte, die aber eine strenge Abgrenzungspolitik betrieb. Auch hier werde ich den Namen nicht preisgeben, da mir die Christen dort sehr ans Herz gewachsen sind. Allerdings war ich schon sehr betroffen, als ich deren, viele Seiten langes, Glaubensbekenntnis zu Gesicht bekam und dort bestimmte Dinge schriftlich fixiert wurden, deren Sinn sich mir bis heute nicht erschließt. So war und ist es dort ein offenes Geheimnis, dass der Pastor eine Eheschließung zwischen Katholiken und Mitgliedern dieser evangelischen Denomination ablehnt.

Abschließend werde ich Sie noch mit einem weiteren, kleinen Detail langweilen, welches meine Eingangsgedanken stützen soll. Als nämlich im Herbst 2011 die koptische Kirche in Deutschland zu Protesten gegen die Massaker vom Masbiro – Platz gegen Christen in Kairo aufrief, da folgten diesem Aufruf zu einem Protestmarsch in Berlin zwar die koptischen Christen in Berlin, die Ägypter und Sudanesen, aber Christen „deutscher“ Kirchen, die sich mit ihnen bei diesem Anlass solidarisiert haben, waren nicht einmal in „Dutzendstärke“ anwesend. Ich weiss es, denn ich war einer von diesen „weniger als 12“.

Also: die unnötige „Kleinstaaterei“ und Abgrenzung der Gemeinden ebenso wie die mangelhafte Vernetzung der orthodoxen und ethnisch-orientierten Gemeinden habe ich selbst schon beobachtet. Sie sind Indizien der Spaltung der Christenheit in meiner Stadt, die eine Grundhaltung befördern, in der sich alle Konfessionen, alle Kirchenbünde, alle Denominationen selbst in einer „Gegen-Stellung“ zur jeweils anderen ansieht. Man betont die theologischen oder traditionsbegründeten Unterschiede und macht sich nicht auf die Suche nach den Schnittmengen. Bitte halten Sie mich für naiv und unerfahren, aber ich bin ganz tief in mir davon überzeugt, dass Christen die Gemeinsamkeiten untereinander suchen und aktiv pflegen sollten, anstatt mit geradezu fanatischer Inbrunst immer wieder Zeit und Mühen darauf zu vergeuden, die Unterschiede hervorzuheben und sich gegeneinander abzugrenzen.

Welche Relevanz haben diese Spaltungen aber für die Nachricht von den verfolgten Christen ? Nun, das Beispiel der Kopten-Demonstration habe ich im Text bereits erwähnt. Es war bedauerlich, dass nur so wenige deutschsprachige Christen sich mit ihren ägyptischen Geschwistern solidarisierten. Ähnliches erlebe ich, wenn ich Kontakt zu einer Gemeinde aufnehme, die mich und die Informationsarbeit dieses Blogs noch nicht kennt (bei denen, die mich kennen, ist es oft noch schlimmer, aber das sei heute mal ausgeklammert, 🙂 ). Eine der ersten Fragen, die ich immer gestellt bekomme lautet, in der einen oder anderen Form: „Welcher Kirche gehören Sie an ?“

„Der Kirche Jesu Christi natürlich, was dachten Sie denn ?“ Das sollte ich eigentlich antworten, aber ich will mich nicht künstlich dumm stellen, denn mir ist sehr klar, was diese Frage der Ältesten und Pastoren eigentlich für einen Zweck hat: in dem ich meine „Heimatgemeinde“ und Denomination preisgebe,  glauben diese „erfahrenen Gottesläute“ mich und die Botschaft vom Gebet für die verfolgten Christen „einschätzen“ und am Besten auch gleich „ablehnen“ zu können. Es käme ihnen nicht im Traum in den Sinn, dass mein Engagement für Geschwister in Not in meiner Beziehung zum Erlöser Jesus Christus begründet ist und nicht in einer wie auch immer gearteten Affiliation zu einer Konfession oder Denomination. Sie sind so sehr in ihrer Bürokratie, in ihrer eigenen, religiösen Teil-Landschaft gefangen, dass sie sich nicht mehr vorstellen können, es gäbe Christen, die über diese Grenzen hinwegschauen und das Verbindende, das Gemeinsame suchen, damit die vielen Christen weltweit, die Diskriminierung und Verfolgung erleiden, nicht vergessen werden.

Nein, zum 100.sten Male sei es erwähnt, ich will keiner falschen, süsslich-irrationalen Ökumene das Wort reden. Es gibt Gründe dafür, dass die Kirche ein so vielfältiges, buntes und oft sehr, sehr unterschiedliches Gesicht zeigt. Offen gesagt schätze ich sowohl den herzerwärmenden Lobpreis russisch-sprachiger Christen, die große, überschäumende Freude am Evangelium in afrikanischen Gottesdiensten und die große Innerlichkeit der Orthodoxie. Das alles ohne, dass ich meine eigenen Einsichten und Offenbarungen aus dem Wort Gottes deshalb aufgebe oder kompromittiere.  Bestimmte Formen der Anbetung werde ich wohl nie ganz verstehen aber das macht mir, offen gesagt, keine schlaflosen Nächte.

Was mir sehr wohl schlaflose Nächte macht, sind diese „Aus welcher Gemeinde/Kirche/Denomination – kommen – Sie -denn ?“ – Fragen. Ich spüre jedes Mal, wenn ich wieder damit konfrontiert werde, wie sich eine Ablehnung gegen mein Anliegen aufbaut, wenn ich jetzt die „falsche“ Antwort gebe. Das Anliegen ist jedoch absolut grenzübergreifend. Diejenigen, die Kirchen in die Luft sprengen, Pastoren inhaftieren und christliche Mitbürger vertreiben, halten sich auch nicht an Denominations-, Konfessions- oder Ländergrenzen. Oder glaubt irgendjemand, der diesen Blog liest oder sich auf anderen Wegen über Christenvefolgung informiert, dass die „Boko Haram“ in Nigeria erstmal nachfragt, ob es sich auch um eine katholische Kirche handelt, bevor sie ein mit Sprengstoff gefülltes Auto vor deren Tür fährt und es explodieren lässt ? Oder die chinesichen Staats-Terroristen, die Christen wahllos verhaften: Ist ihnen wirlich daran gelegen, nur die (wahllos von mir heute als Beispiel gewählten) Baptisten zu verfolgen ?

Nein. Die Hass und Gewalt gegen das Evangelium sind genauso „grenzübergreifend und universell“ wie es das Christentum sein sollte. Denn die Ablehnung der Botschaft Christi ist geistlich gesehen, eine Ebene tiefer angelegt, als in der Ausformung der diversen Christenverfolger. Es gibt bestimmte „rote Linien“, die man ziehen kann, ja geradezu ziehen MUSS, wenn man nicht immer wieder mit vor Erstaunen offenem Mund vor jeder Nachricht über eine abgefackelte Kirche oder einen ermordeten Pastor dastehen will. Aber der Hass auf Christus liegt tiefer. Jesus wusste das und hat die Verfolgung vorhergesehen und uns verkündet.

„Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.  Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen.  Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich’s euch gesagt habe.“ Joh 6, 2-4.

Nehmen wir dies Wort Ernst. Nehmen wir es an und hören damit auf, es auf alle nur erdenklichen Arten und Weisen aus dem Gemeinde-Alltag zu verdrängen.

Gott segne Sie alle

Ihr

Martin Clemens Kurz

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3 Gedanken zu “Und „noch´n Kommentar“: Was der Verbreitung unserer Nachricht im Wege steht 3

  1. Werter Herr Kurz,
    Sie haben mir aus der Seele gesprochen. Ich bin zwar nicht so viel in den christlichen Gemeinden dieses Landes herumgekommen, aber ich kann den Inhalt Ihres Kommentars nur allzu deutlich bestätigen. Im März 2009 haben mein syrisch-aramäischer Kollege und meine Wenigkeit folgendes Schreiben an verschiedene kirchliche Organisationen geschrieben, ja und auch abgeschickt. Antwort: 0. Wahrscheinlich haben die uns als arme Irre angesehen. Entschuldigen Sie, dass ich wieder einmal einen überlangen Kommentar hier eingestellt habe. Aber das musste mal gesagt werden. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit.

    An die jeweiligen Vorsitzenden der

    1. Russische Orthodoxe Kirche
    2. Koptisch-Orthodoxe Kirche
    3. Serbische-Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa
    4. Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien
    5. Griechisch-Orthodoxe Metropole von Deutschland
    6. Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland
    7. EKD – Ökumene und Entwicklungsdienst Bischof Martin Schindehütten, sowie der Mitglieder des Rates der EKD – Geschäftsstelle und Büro des Vorsitzenden
    8. Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
    9. Joyce Meyer Ministries GmbH
    10. St. Georg`s Anglican Episcopal Church Berlin,
    11. Deutsche Bischofskonferenz, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz,
    12. Papst Benedikt XVI

    Sehr geehrte Bischöfe, sehr geehrte Bischöfinnen,
    sehr geehrte Leiter/in jeder einzelnen christlichen Gruppierung,

    die Lektüre der christlichen Nothilfeorganisationen CSI, Kirche in Not, open doors, usw., die uns vermehrt mit Nachrichten aus der kommunistischen und der islamischen Welt konfrontiert, dass immer häufiger die elementarsten Menschengrundrechte mit Füßen getreten werden, lassen uns – einen syrisch-orthodoxen und einen römisch-katholischen Christen, jeweils ohne theologische Ausbildung – an den barbarischen Verhaltensweisen von Menschen, ob areligiös oder auch gerade religiös motiviert, aufhorchen. Viele grausame Nachrichten wie z. B. die Nachricht vom 23.10.08 aus Ägypten, dass der koptische Priester Matthias Wahba, Pfarrer der Santa Maria Kirche bei Gise in Ägypten zu 5-jähriger Freiheitsstrafe wegen Urkundenfälschung verurteilt wurde, weil er einen koptischen Christen und eine zum koptischen Christentum übergetretene Muslimin getraut hatte, ohne zu wissen, dass letztere gefälschte Papiere vorgelegt hatte und das Gesetzesvorhaben für schiitische Gläubige in Afghanistan durch dessen Präsidenten, dass eine Frau spätestens alle vier Tage in der Ehe Geschlechtsverkehr zulassen müsse, was einer Vergewaltigungslegitimation gleich kommt oder Christen in kommunistischen Gefängnissen ihr Leben zu fristen haben, ließ in uns „das Fass zum Überlaufen“ bringen und uns nicht mehr los.

    Diese o. g. Organisationen, denen wir an dieser Stelle für ihr Wirken unsere tief empfundene Hochachtung und unseren Dank aussprechen möchten, tun ihr Bestes, aber letztlich kann es nicht genug sein, wenn sie nicht den Rückhalt aller Christen dieser Erde durch Gebet, geistliche (auch mediale) Rückendeckung der christlichen Leiter/innen der verschiedenen Gruppen und auch finanzielle Hilfe spüren. Welcher Christ kennt diese Organisationen? Leider!!!!!

    Wo bleibt eigentlich der Aufschrei aller Christen der Erde gemäß dem biblischen Wort, welches eine der o. g. Organisationen zu Recht als Leitwort benutzt „…Wenn ein Glied leidet, leiden die anderen Glieder mit“, 1 Kor. 12, 26, wenn gerade auch christliche Mitschwestern und Mitbrüder sowie alle verfolgten und gedemütigten Menschen, ob gläubig oder glaubenslos, in aller Welt verfolgt werden? Wo bleibt der Aufschrei der Medien? Sind Einzelfälle der Folter, des Menschenrechtsentzugs keine Meldung mehr wert? Offensichtlich haben sich die Menschen bereits an diese grauenhaften Missstände gewöhnt! Die Mainstreammedien interessieren sich offensichtlich mehr für Menschenrechtsverletzungen, die Russland, China und die USA (Stichwort Guantanamo u. a.) durchführen oder zulassen, was selbstver-ständlich auch richtig und (r)echt notwendig ist, jedoch leider sehr einäugig einseitig. Wo bleibt der Aufschrei der Christenheit, wenn noch heute im Namen Gottes oder im Namen einer areligiösen Ideologie Menschen, ob Muslime, Christen, Juden, Atheisten oder andere Glaubensangehörige gefoltert, geknechtet, verfolgt und getötet werden, teilweise durch menschenrechtsverletzende Gesetze gerechtfertigt, angewandt und vollstreckt von offiziellen Richtern und Justizorganen, in einigen Ländern in irriger Weise sogar „göttlich!!!!“ legitimiert. Von einem Aufschrei von Christen vernehmen wir wenig. Selbst ganze Christen- und Menschengruppen, z. B. in Somalia und Nigeria, werden diskriminiert, Tausende als Sklaven gehalten, von christlichen Organisationen freigekauft, einige zwangskonvertiert, Frauenvergewal-tigung von einigen islamischen Geistlichen durch Fatwas gedeckt, Beschneidung von Mädchen, von einigen islamischen Geistlichen durch Fatwas legitimiert, gründend auf einen entsprechenden Hadith des Mohammed, von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet, vielleicht sogar bewusst ignoriert? Von der Politik ist eher keine Hilfe zu erwarten, da diese sich eher von Wirtschaftsinteressen leiten lässt.

    Ja, der unter die Räuber gefallene Mensch im Gleichnis Jesu, dem der „andersgläubige“ Samariter umfassend geholfen hat, existiert noch heute tausendfach. Räuber sind jedoch „lediglich“ Kriminelle, die ihre eigenen verdorbenen Egoismen bedienen und vor Verbrechen an anderen bemitleidenswerten Menschen nicht zurückschrecken, sich in der Regel von Gott entfernt haben zumindest in diesen Taten. Menschen, die einer Ideologie z. B. wie dem Kommunismus oder dem real existierenden Sozialismus oder der Religionsideologie des Islams und dessen Traditionen und auch anderen Religionen zum Opfer fallen, sind bedauernswerte Leidtragende durch Methoden von Systemen, welche in ausgrenzender Weise Andersdenkende, Andersglaubende und Andersseiende meinen durch Anwendung und Vollstreckung systemkonformer und in diesen Fällen dem Unrecht verpflichtenden Gesetzen diskriminieren zu müssen, um den eigenen Machterhalt in primitiver Weise illegitim stärken zu können. Denn mit Feindbildern lebt es sich in solchen Systemen recht behaglich.

    Anstatt alle christlichen Gruppen und Konfessionen in dieser Frage ihr „eigenes Süppchen kochen“, wäre es doch insbesondere um Christi und dieser und aller politisch und religiös verfolgten Menschen willen endlich an der Zeit, Zeichen der wahren Ökumene und der Einheit, zwar nicht bzw. wenn schon nicht in theologischen Glaubensfragen, so doch im Kampf um Menschenrechte (und Sozialfragen) zu setzen und an einem Strang zu ziehen. Wo bleibt die explizit global-kirchlich-christliche Einheit der Christen genau in dieser/n Frage/n?

    Die christlich-theologischen Glaubensfragen mögen, nein sollten und müssen Unterscheidungen zulassen. Keiner möchte einen christlichen Einheitsbrei ohne Konturen im Glaubensinhalt. Dies wäre eine innerchristliche geistliche Verarmung. Aber in dem sinngemäßen Ausspruch Christi, dass am „ …größten Gesetz der Gottes- und Nächstenliebe das ganze Gesetz und die Propheten hängen“ sollte doch der Mittelpunkt christlichen Lebens zum Ausdruck kommen. Dieses Wort Christi ist es doch, das alle christlichen Gruppen, egal welchem christlichen Glaubensgerüst sie angehören, weltweit vereinen sollte. Wenn die Christen der Erde, die ja “Salz der Erde“ sein sollten, es nicht schaffen, gemeinsame Positionen zumindest in Fragen der Menschenrechte (oder auch in einigen grundlegenden Sozialfragen) einzunehmen und danach gemeinschaftlich sichtbar zu handeln, und z. B. in der Gründung einer gemeinsamen Institution, in der alle christlich-kirchlichen Gruppen vertreten sein sollten, mit einer Stimme und in dieser/n Fragen intensiv von Glaubensgruppe zu Glaubensgruppe übergreifend von allen Unrechtssystemen ohne Ansehen der Person, Religion oder Ideologie, selbst der eigenen, wenn dort Unrecht geschieht, einzufordern, haben wir als Weltchristen nicht versagt und dann im Grunde Jesus Christus nicht verraten und ihn erneut ans Kreuz geschlagen? Sind wir dann nicht besser, als die Jünger Jesu, welche Jesus verleugneten oder ihn verließen, als seine Todesstunde näher rückte?

    Wenn, wie in diesem Falle ein koptischer Christ völlig ungerechtfertigt im Gefängnis sitzt, müsste, nein muss die gesamte Christenheit intervenieren, wenn in kommunistischen Gefängnissen Christen, Muslime und Priester hinter Gittern sitzen, weil sie Christen, Muslime oder Priester sind, verletzt dies die Menschenrechte eklatant. Wenn in einigen muslimischen Ländern Juden und Christen, Muslime anderer Konfessionsrichtungen und Anders- oder Nichtgläubige ihrer Freiheit beraubt werden oder sonstwie extrem benachteiligt werden, weil sie Juden, Christen, Muslime anderer Konfessionen oder einfach nur Frauen sind und örtlich angewandt koranisch-menschenverachtende Gesetze dies irrigerweise rechtfertigen, ist es Sache der Christenheit, gemeinsam im Auftrag Jesu, die Finger wirksam in die Wunden von Einzelfällen, aber auch von Unrechtsgesetzgebungen auch anderer Religionen zu legen, die systematische Menschenrechtsverletzungen – insbesondere Frauen- und Andersgläubigenrechtsungleichstellungen – legitimieren.

    Die alttestamentarische Aussage, die den Menschen als Ebenbild Gottes ansieht, verleiht dem Menschen doch erst wahre und keine beliebige Menschenwürde, weil Gott den Menschen damit aus dem materialistischen Weltbild herauskatapultiert hat für alle Zeiten. Nicht zuletzt hat dieses universelle Wort dazu beigetragen, dass sich im jüdisch-christlich-abendländischen Bereich der Begriff „Menschenwürde“ auch in den Gesetzgebungen durchgesetzt hat. Allein für diese göttlichen Worte zusammen mit den 10 Geboten hat das jüdische Volk, das uns diese Worte überliefert hat, unser aller Dankbarkeit verdient. Mit dem Menschen als Ebenbild Gottes ist doch allgemein – so verstehen wir das jedenfalls laienhaft – gemeint, dass

    a) jede von Gott erschaffene Seele eines jeden Menschen ähnlich derjenigen Gottes unsterblich ist,
    b) der Mensch eben nicht nur ein körperlich-materielles, sondern ein von Gott selbst in den geistig-seelischen Zustand emporgehobenes Wesen ist und
    c) der Mensch infolgedessen theoretisch, aber auch praktisch – wenn auch nicht vollkommen – in der Lage ist, bewusst seinen Nächsten und Gott zu lieben und folgerichtig verantwortungsvoll mit der Schöpfung umgehen kann.

    Nur diese Fähigkeiten sind als göttlich zu bezeichnen und somit auch als großes Liebesgeschenk Gottes anzusehen. Dieses Abbild oder Ebenbild Gottes geht ja in der entsprechenden Thorastelle der Genesis mit dem Segen Gottes einher. Jeder Mensch ist von Gott zunächst einmal gesegnet, weil er Ebenbild oder Abbild Gottes ist und diesen (wenn auch für das menschliche Verhalten unzureichend) kleinen göttlichen Funken der selbstlosen Liebesfähigkeit in sich trägt. Es ist Sache des Menschen, wie er mit diesem göttlichen Funken umgeht, ob er ihn aktiviert oder vernachlässigt.

    Aber genau da ist umgekehrt auch die gedankliche Schnittstelle, die Gott dann vom gebrochenen menschlichen Geist aus betrachtet fälschlich als gut und schlecht – also genauso wie den Menschen – ansieht und Gott gute (liebevoll) und schlechte (strafende und verfluchende) Eigenschaften (janusköpfig) zuordnet bzw. unterstellt und mit dieser Denkweise Gott seiner heiligen Vollkommenheit beraubt. Aus dieser Sichtweise heraus wird dann auch verständlich, dass der Mensch sich kein Bild von Gott machen soll, eben weil er mit seinem endlichen Geist niemals die wahre liebende Dimension Gottes erfassen könnte und die Fertigung eines Bildes von Gott hoffnungsloses Unterfangen bleiben würde und somit immer zu falschen und abträglichen Vorstellungen Gottes in den Köpfen der Gläubigen beitragen würde. Wir kommen eben nicht als Christen, Atheisten, Muslime, Hindus oder Kommunisten u. a. auf diese Welt, sondern als Ebenbilder Gottes. Welche herausragende, weil von Gott selbst gewollte (Vor)Stellung! Aus dieser Vorstellung heraus den Menschen als Ebenbild Gottes zu sehen, würde jede Menschenrechtsverletzung (auch Abtreibung) Gott selbst beleidigen. Und darum wiegt sie auch so schwer und sollte von der Gesamtchristenheit auch in diesem Sinne friedlich und ehrlich bekämpft werden.

    Die gesamte Christenheit sollte in einer von allen christlichen Leitern/innen und Christengruppen zu unterstützenden gesamtkirchlich-christlichen Organisation in gesamtkirchlich-christlicher Trägerschaft als Anwalt für alle Verfolgten und Unterdrückten in aller Welt in der aktiven Tat unter Zuhilfenahme der Medien und des weltweiten Gebetes auftreten. Diese Organisation könnte von gut ausgebildeten Laien geführt werden, unterstützt und ausgestattet mit dem sprichwörtlichen Segen der jeweiligen geistlichen Leiter/innen einer jeden Gruppe. Denkbar wäre auch eine geistliche Führungsperson aus jeder christlichen Gemeinschaft, die jährlich wechselt, so dass jede christliche Gruppe an der Reihe wäre. Das wäre doch mal eine auch geistlich-sensationelle Vorstellung, wenn die geistlichen Leiter aller christlichen Religionsgruppen ein gemeinsam geführtes Menschenrechtswerk (und vielleicht sich und ihre Gruppen gegenseitig) segnen und tragen würden.

    Die Welt schickt sich an, im politischen Handeln die Globalisierung voranzutreiben. Oft genug werden dabei die Menschenrechte auf der Strecke bleiben. Das Christentum jedoch bleibt noch immer weit hinter den Ansprüchen Christi zurück, ein weltumspannendes gemeinschaftlich-christlich-kirchliches Menschenrechtswerk zu gründen, obwohl unser gemeinsamer Herr und Bruder Jesus sich dies seit 2 000 Jahren wünschen würde. Das wissen alle christlichen Gruppen in ihrem Herzen und kein Leiter/in dieser Gruppen geht hin und macht auch nur einen Versuch, auf andere Christengruppen zuzugehen, um weltweit eine Dachorganisation christlicher Gruppierungen ins Leben zu rufen, die sich dieser wichtigen Thematik konzentriert und umfassend bis hin zu besonders gravierenden Einzelfällen, annimmt und diese auch in den sonntäglichen Gottesdiensten verbreitet und dort durch konkretes Gebet unterstützen lässt. Die einzelnen Hilfswerke der verschiedenen Gruppierungen könnten, nein, müssten sogar selbständig in eigener Verantwortung segensreich weiter wirken. Das Eine schließt das Andere doch nicht aus!

    Wir meinen, dass hier alle vielleicht theologisch begründeten „Glaubensgerüst-egoismen“ überwunden werden sollten, um dieses Ziel zu erreichen. Keine christliche Gruppe braucht deshalb von ihrer ihr eigenen speziellen christlichen Theologie und der ihr eigenen Traditionen abzurücken, seien es evangelische, baptistische, orthodoxe, freie evangelikale, anglikanische oder alt- oder römisch-katholische Christen. Alle christlichen Gruppen sollten sich der Sache, um die es geht, nämlich die der Einforderung von Einhaltung der Menschenrechte Einzelner und Gruppen und die Forderung nach Änderung oder Aufhebung von entmenschlichten Gesetzen im Sinne des christlich-humanen Gottes- und Menschen-(und Frauen)bildes annehmen aus innerstem Herzensantrieb heraus. Dieses globale Zusammengehörigkeitsgefühl aller Christen auf Jesus hin ist leider nur unzureichend spürbar. Die gegenseitige Überwindung von Vorurteilen innerhalb der verschiedenen christlichen Gruppierungen sollte mit Hilfe des Heiligen Geistes überwindbar sein, denn dieses gegenseitige Vorurteilsdenken verhindert dringend notwendiges gemeinsames christliches Handeln. Nächstenliebe ja, nur nicht zur anderen christlichen Gruppe, darf nicht mehr der Leitfaden christlichen Denkens sein!

    Gerade weil dieser Aufschrei von Christen aus aller Welt nicht deutlich genug zu hören ist, wird sich auf Dauer auch an den Missständen nichts oder nur wenig ändern.

    – Jede menschenrechts- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn der Aufschrei der Welt-Christenheit ausbleibt.
    – Jede menschenrechts- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn die Gleichgültigkeit der Welt-Christenheit diese toleriert.
    – Jede menschenrechts- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn die Welt-Christenheit sie verschweigt oder nur unzureichend ans mediale Tageslicht befördert.
    – Jede menschenrechts- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn die Welt-Christenheit sich weiterhin weigert, in Werken der Nächstenliebe und Menschenrechtseinforderung zusammen zu arbeiten.
    – Jede menschenrechts- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn Christengruppen nur schlecht oder nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauen (wollen) und wohl leider nicht oder kaum in der Lage sind, wenigstens in Menschenrechts- und Sozialfragen an einem Strang zu ziehen.
    – Jede menschenrechts- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn der Kommunismus nicht da kritisiert wird, wo er zu kritisieren ist (Meinungsunfreiheit, Religionsunterdrückung),
    – Jede menschenrechts- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn der Islam (leider als „Bruder?“-Religion) nicht da kritisiert wird, wo er zu kritisieren ist (in seiner ausgrenzenden „ungöttlichen“ Unterteilung in Gläubige und Ungläubige mit der Folge, dass die koranisch-rechtliche Ungleichbehandlung von Nichtmuslimen in die Rechtsprechung einiger islamischer Länder teilweise recht brutalen Einlass findet, in seiner rechtlichen, weil koranischen Ungleichstellung der Frau im Zivilleben, in seinen imperativen Tötungsaufrufen gegen Apostaten und Ungläubige (mit Gut und Blut zu bekämpfen) in einigen Ländern usw.),
    – Jede menschen- und seelenverachtende Tat profitiert davon, wenn auch im christlichen Bereich ausgrenzende Denkweisen gedeihen und Selbstkritik zu üben wäre, wo sie nicht geübt wird, vorausgesetzt, dass alle Christen auch selbstkritisch mit innerchristlichen Abgrenzungsproblemen umgehen können.

    Hat die Welt-Christenheit nicht lange genug in diesen Fragen nicht zusammengearbeitet?
    Hat die Welt-Christenheit nicht lange genug Christi Aufruf nach Einheit wenigstens im samaritarischen gemeinschaftlichen (Menschenrechts-)Dienst und im globalen Gebet missachtet?
    Hat die Welt-Christenheit nicht lange genug einzeln vor sich hin gearbeitet in diesen Fragen?

    Die Liebe Gottes, u. a. auch ausgedrückt im alttestamentarischen Liebesgebot zu(m dreifaltigen) Gott und zu jedem Nächsten sollte das Band sein, welches alle Christen miteinander verbindet. Wenn alle Christen gemeinsam in den wichtigsten sozialen Fragen und insbesondere Menschenrechtsbelangen koordiniert, wenn auch nur in einigen prägnanten Projekten sinnvoll zusammenarbeiten würden, würden so manche menschliche Schranken innerhalb des Christentums fallen und die christliche Stimme würde ernster genommen. Wenn jedoch jede Gruppe vor sich hinarbeitet und um sich selbst kreist, wird das Christentum unnötige Kraft verschwenden und letztlich ungehört und für Nichtchristen unglaubwürdig bleiben. Christentum in theologischer Vielfalt, jedoch verbunden, geeint und gestärkt in einem christlich-sozialen Tun und Handeln wenigstens in einigen wenigen, dafür effektiven sichtbaren Werken könnte das Fundament der Einheit der Christenheit stärken. Da die Vereinheitlichung der Theologie unterbleibt (hier wertfrei gemeint), so ist noch immer die gute Tat, durchgeführt in Liebe zum Dreifaltigen Gott und zum Nächsten Messlatte eines christlichen Lebens. Der Glaube an Christus als den Sohn Gottes und das allgemeine Glaubensbekenntnis, die Taufe auf den Dreifaltigen Gott hin sowie das Gebet des Herrn, das Vater unser, eint im Grunde doch schon jetzt alle Christen. Leider reicht dieses zarte Pflänzchen dieses gemeinsamen Glaubens offensichtlich nicht aus, wenn er nicht zumindest zeichenhaft mit Leben erfüllt wird.

    Welcher Ungeist hält die Christen eigentlich davon ab, in Einheit und engster Zusammenarbeit in Fragen und Stellungnahmen gegen gravierende Menschenrechtsverletzungen, sogar der eigenen Glaubensgeschwister aufzutreten?

    Stolz, Gruppenegoismus oder Konkurrenzdenken, ja vielleicht sogar bis hin zu gegenseitigem – teilweise geschichtlich gewachsenem und deshalb durchaus menschlich verständlichem – feindseligem Groll innerhalb des Christentums in dieser Frage ist unseres Erachtens heute im Jahre 2009 eher schädlich und hemmt das Gemeinschaftsgefühl im guten Tun und Denken. Gegenseitiges Vergeben, eine urjesuanische Forderung, ist nach 2 000 Jahren mehr als dringend vonnöten. Allumfassende Vergebungsbitte und -gewährung innerhalb der christlichen Gemeinschaften ist das Gebot der Stunde. Wenn Christen das nicht schaffen, wer soll es dann schaffen? Allein die Vorstellung, dass es in der Vergangenheit sogar Kriege, Mord und Totschlag zwischen Christen – wir sagen jetzt etwas provokant – „lediglich“ wegen theologischer Unterschiede und unchristlichen Machtspielen gegeben hat, lässt uns frösteln. Das war niemals der Wille Christi. Der Weg hin zur theologischen Wahrheit ist mit Sicherheit ein wichtiges und auch „steiniges“ Anliegen, birgt aber immer die Gefahr in sich, dass Christen oder Menschen, die diese als absolut gesetzte theologische Wahrheit nicht annehmen können oder wollen, unzulässig ausgegrenzt werden. Die dadurch zwangsläufig zustande gekommene Verschiedenheit kann u. E. jedoch nur im gemeinsamen christlichen Tun überwunden werden, damit sich solche innerchristlichen Gräueltaten im Kleinen wie im Großen nie wiederholen, aber auch nicht in einem ungeistigen und unbeweglichen für alle Zeiten einbetonierten Status quo in den innerchristlichen Beziehungen des unchristlichen Nebeneinanderher münden sollten. Dieses – nämlich das christlich motivierte uneigennützige gemeinschaftliche gute Tun – ist der einzige Weg, verkrustete und verfestigte innerchristliche Verschiedenheitsstrukturen aufzubrechen, vielleicht sogar der einzige Weg religionsübergreifend positiv zu wirken.

    Jesus ist bereits der Stein des Anstoßes innerhalb der drei monotheistischen Religionen, vom Judentum nicht als Messias anerkannt, vom Islam lediglich zu einem Propheten degradiert, dessen Lehren sich in vielen Fällen diametral von den Lehren des Islams unterscheiden. Er hätte jedoch niemals der Stein des Anstoßes der von ihm geformten Christenheit sein dürfen. Wenn Jesus prophezeit hat, dass die Christen um seinetwillen verfolgt werden (was ja leider noch heute traurige Aktualität besitzt und darum auch unser Anliegen), hat er garantiert nicht die Sorge um die gegenseitige christliche „Selbstzerfleischung“ im Auge gehabt, die der Hl. Paulus prophetisch in seinem Galaterbrief sorgenvoll zum Ausdruck gebracht hat. Jesus hat immer, wenn es darauf ankam, den Menschen bzw. die gute Tat des Menschen über das damals geltende Gesetz gestellt und die Liebe unter den Menschen und zu seinem Vater als oberstes Ziel verkündet. Nehmen wir uns ein Beispiel an Petrus und Paulus, die nicht immer einer Meinung waren, letztlich – wenn es darauf ankam – jedoch zusammen gearbeitet haben.

    Vielleicht sind die uneigennützige gute Tat und das uneigennützige Gebet von Christen, welches sie uneigennützig für Andere und für Gott/Jesus in Liebe bewirken, ohne himmlischen Lohn zu erwarten, über einige letztlich wenige trennende theologische Wahrheiten zu stellen? Darüber sollte man ernsthaft nachdenken. Seit fast 2 000 Jahren haben christliche Theologen es nicht geschafft, theologisch einheitlich das Christentum zu verkünden. Vielleicht sollte für die 2000-jährige Zukunft dem christlichen gemeinschaftlichen Tun im Geiste Jesu verstärkte Bedeutung beigemessen werden.

    Warum kann man sich im christlichen theologischen Verständnis nicht darauf einigen, dass die eigene christliche Theologie die Wahre auf dem Weg zu Jesus sei ohne im gleichen Atemzug die andere zu „verdammen“ oder nicht einmal im Ansatz als minderwertig zu betrachten. Die anderen christlichen Gruppen mögen dann das jeweils andere Glaubensgerüst auf dem Weg zu Jesus in Liebe respektieren. Wir reden also nicht dem Synkretismus das Wort. Wir sind davon zutiefst überzeugt, dass es letztlich mehrere Wege zum Seelenheil in Jesus und dem Dreifaltigen Gott gibt. Verschiedene Auffassungen von Zölibat, Frauenordination, Amtsverständnis, Heiligenverehrung, Missionsgestaltung, Sakramentenlehre und anderes mögen einerseits für die einzelne christliche Gruppe durchaus sehr wichtig und als nicht aufgebbare Wahrheit angesehen (welches wir hier auch in keiner Weise herabsetzen wollen und werden) werden, dürften jedoch andererseits dem Anliegen des gesamt-kirchlich-christlichen Handelns nicht, nein, keinesfalls im Wege stehen. Wir meinen, dass jede christliche Gruppe von der anderen lernen kann. Gelebte liebende Begeisterungsfähigkeit für Jesus ist die Grundlage eines jeden christlichen Handelns, nicht das getrennte Tun wegen theologischer Unterschiede. Und genau das sollte doch das Wichtigste für das Seelenheil eines jeden christlichen Menschen sein. Laut Aussage Jesu reicht das Zusammensein von zweien oder dreien in seinem Namen bereits aus, um seine Gegenwart genießen zu dürfen. Das müsste doch die allgemeine christliche Grundhaltung sein, um gemeinschaftliches christliches Zusammenwirken der verschiedensten christlichen Gruppen zustande bringen zu lassen.

    Wenn Jesus in den Evangelien gesagt hat, dass Brot und Wein sein Leib und Blut sind, warum nehmen wir dies nicht einfach in kindlichem Glauben wörtlich und sehen es als im wahrsten Sinne des Wortes als himmlisches Geschenk an, ohne es verstehen zu müssen? Wir schaden niemandem damit und erreichen alles. Sein Wort müsste uns doch Garantie genug sein. Göttliche Worte kann man daran erkennen, dass sie den Menschen ernst nehmen und für ihn Gutes bereit halten in Liebe und Freiheit leben zu dürfen, indem vertrauensvoll ein liebender Gott angebetet werden darf. Höllenandrohungen sind als Voraugenhalten von Konsequenzen zu werten, in die sich jeder Christ/Mensch selbst manövriert, wenn er von der Liebe Gottes Abschied nimmt in seinem Verhalten. Gott straft nicht, der Mensch besorgt dies selbst. Göttliche Worte können nun einmal niemals z. B. Kriegsaufrufe, Tötungsanweisungen und rechtliche Ungleichstellung von Frauen oder Andersgläubigen sein, nicht im AT, nicht im Koran, nicht in anderen heiligen Büchern. Die menschliche Vernunft kann unter Zuhilfenahme des Heiligen Geistes diese Unterscheidung leisten.

    Christliche Demut gepaart mit dem selbstbewussten Wollen in dem Bewusstsein des „Zustandebringenwollens“ und des „Durchsetzenkönnens“ von visionären Zielen von Veränderungen bis hin zur Milderung oder sogar Aufhebung von Menschenunrechtssystemen im Sinne des Heiligen Geistes und dem Geist Jesu ist für den Weltfrieden dringender denn je erforderlich. Wenn alle christlichen Gruppierungen sich theologisch etwas zurücknehmen würden und die zu erreichende gemeinsame Sache in den Vordergrund rücken würden, müsste das Ziel zu verwirklichen sein.

    Selbstverständlich muss der religionsübergreifende Dialog mit kommunistischen Machthabern z. B. in Nordkorea (falls dies überhaupt möglich sein sollte) und mit dem Islam liebevoll, aber auf gleicher Augenhöhe weitergeführt werden, jedoch nicht unter Unterlassung der Benennung der Tatsachen, dass in einigen kommunistischen und islamischen Ländern eklatante Menschenrechtsverletzungen an Christen und Andersgläubigen auch aufgrund fehlgeleiteter kommunistischer und islamischer koranischer und darauf gründend scharianischer Gesetze festzustellen sind. Ursache sind die gravierenden Unterschiede im Gottes- und Menschenbild der verschiedenen Religionen. Diese sollten unbedingt bei dem Dialog mit dem Islam zur Sprache kommen. Selbstverständlich muss das Zusammenleben und gegenseitige Hilfestellung zwischen Muslimen und Christen und Andersglaubenden gefördert werden, wo es bereits jetzt gelingt. Das Bild des ausgrenzenden „Straf- und Rachegottes“ und daraus resultierenden Unrechtsgesetzen in allen Religionen sollte langsam, aber sicher ausgedient haben. Allen Religionen wird nicht zu Unrecht zum Vorwurf gemacht, dass sie über die Androhung der Hölle ihren Machterhalt gesichert haben und sichern. Dieses Denken muss endlich der Vergangenheit angehören. Christliche, aber auch jede religiöse Verkündigung von der Liebe Gottes kann bzw. darf nur den Glaubenden auf Gott als Inbegriff der Liebe hin ausrichten. Dann wird die Hölle zur Nebensache. Freude am Tun für andere und für Gott lässt die Hölle vergessen. Damit wollen wir die Existenz der Hölle im Sinne von „Ewig-Entferntsein von Gott in Qual“ und die Einflüsterungen Satans nicht negieren. Das sind wir Jesu Wort schuldig. Aber sie dürfen den Glauben auch nicht vergiften. Die Hölle ist noch immer Quell von Angstglauben und dieser ist nicht im Sinne Jesu; und der Glaube an Jesus als einer Person des dreifaltigen Gottes ist noch immer der sicherste Weg zum himmlischen Seelenheil.

    Wir meinen, dass alle (größeren) christlichen Gemeinschaften der Welt sich dazu durchringen sollten, sich in einer praktisch-christlichen (nicht theologischen – das trennt nur, wie 2000 Jahre beweisen) Organisation zusammen zu schließen und dieses Ansinnen des Kampfes gegen Menschenrechtsverletzungen zum Nachteil aller Menschen und Menschengruppen, ob aus politischen (kapitalistischen, kommunistischen, sozialistischen oder religiösen Gründen mit einer globalen christlichen Stimme, die dann auch mehr Gewicht hätte, begegnen würden, einer Art „Menschenrechts-UNO-Organisation“ der Christenheit als Fernziel. Man sollte auch religiöse Verfolgung als solche deutlich ansprechen und sie nicht unter der Rubrik „Politisch Verfolgte“ einordnen, wenn dies den Tatsachen entspricht. Der egoistische Gruppenstolz, welcher bereits im eigentlichen Sinne zutiefst unchristlich ist, sollte so ein Ansinnen nicht verhindern. Auch hier ist endlich christlich „globalisiertes“ Denken, aber auch Mut gegenüber totalitären Systemen und ihren Vertretern gefragt. Wir sind uns sicher, diese neu zu gründende Dachorganisation hätte viel zu tun auf Erden oder müssen wir der Ansicht sein, dass Menschenrechtskritik in kommunistischen, islamischen, hinduistischen und anderen Ländern nur zur Verschlimmerung der Situation dieser verfolgten und gefolterten und vergewaltigten Menschen beitragen würde und diese bei verschärfter Kritik noch mehr den Schikanen dieser Systeme ausgesetzt wären. Würde man jedoch darauf Rücksicht nehmen, würde sich wohl nie etwas zum Positiven ändern. Selbstverständlich sollten uns Gläubige aus anderen Religionen, auf diesem Wege unterstützen dürfen, im Gegenteil es wäre sogar wünschenswert.

    Aber wahrscheinlich ist die Verwirklichung dieses Ansinnens nur ein Traum unserer-seits und man wird uns – vielleicht sogar mit Recht – als realitätsferne, insbesondere naive Spinner abtun. Es liegt an den einzelnen Gruppierungen und deren Führungskräften, ob dieses Ansinnen auf „fruchtbaren“ Boden fällt oder auf „steinigen“. Die einzelnen Gruppen könnten doch Ausschüsse einsetzen, die mit den übrigen Gruppen in Verbindung treten würden. Die Durchsetzung dieses Ansinnens erfordert selbstverständlich Tatkraft ungeheuren Ausmaßes und ein kraftvolles Bekenntnis zum christlichen Glauben. Gemeinschaftliche regelmäßige Gebetsoffen-siven aller christlichen Gemeinschaften um dieses Anliegen der Menschenrechte ob insgesamt oder auch in Einzelfällen oder anderer Anliegen hier in Deutschland, möglicherweise in neutralen Gebäuden, wären doch vorstellbar und ein Anfang, oder? Von Deutschland ging vor Jahrhunderten die letzte große Christentrennung aus. Warum sollte der globale christliche Einheitsgedanke im gemeinschaftlichen Tun in Christus nicht wiederum vom deutschsprachigen Raum ausgehen?

    „Ich habe keine anderen Hände als die Euren“, sollte Ansporn genug sein. Es wäre zu wünschen, dass sich die verschiedenen christlichen Dachorganisationen untereinander – vielleicht erst einmal hier im deutschsprachigen Raum – zu diesem Schritt aufmachen, um dann weltweit weiter wirken zu können. Da Leiter/innen der verschiedenen Christengruppen wohl mit dem Lesen längerer Texte vertraut sind, hoffen wir, dass diese bis zu diesen Zeilen „durchgehalten haben“ und vorgedrungen sind. Wir hoffen, dass der Inhalt dieses Textes einen geistlichen Initiativimpuls für eine aus unserer Sicht guten und dringend erforderlichen, weil sinnstiftenden Sache auslöst. Falls es jedoch bereits eine solche gesamtkirchlich-christliche globale Menschenrechts-Organisation bereits geben sollte, entschuldigen Sie bitte, Ihre kostbare Zeit in Anspruch genommen zu haben. So würde es nur bei dem Ansinnen auf Einheit im gemeinsamen christlichen Handeln in einer noch zu gründenden Organisation mit sozialem Anspruch bleiben. Aber das wäre doch auch eine gleichwertig gute Sache. U. E. reicht es nicht, sich über Menschenrechtsver-letzungen hier und da zu beklagen und den Märtyrerstatus der Christen zu pflegen. Die gesamte Christenheit sollte sich „wie ein Mann“ aktiv gegen solche barbarischen Vorgehensweisen durch Gebet und gemeinschaftliches friedliches und liebevolles, aber auch ehrliches Handeln konsequent wehren. Friedlicher Geist des Widerstandes eines Martin Luther King oder eines Mahatma Gandhi lässt grüßen.

    Mit demütiger, jedoch vorzüglicher Hochachtung verbunden mit dem Wunsch, dass sich der Segen des dreifaltigen Gottes, welcher sich auf allen christlichen, religiösen und menschlichen Werken zum Guten hin legen, wirken und ausbreiten, sich in jeder Gruppierung einige aktive gleichgesinnte Christen finden und pfingstlich-christlicher Geist sich Bahn brechen möge, indem christlichem Dürren Leben eingehaucht wird.

    Verteiler:
    1. Russische Orthodoxe Diözese des orthodoxen Bischofs von Berlin und Deutschland – Diözesanverwaltung -, Schirmerweg 78 in 81247 München,
    2. Koptisch-Orthodoxe Kirche – Mönchserzpriester Guiris El Moharaki, Roedeliusplatz 10365 Berlin-Lichtenberg
    3. Serbische-Orthodoxe Diözese für Mitteleuropa, Obere Dorfstr. 12, 31137 Hildesheim,
    4. Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien
    a) Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien St. Stephanus,
    Hohenzollernstr. 53, 33330 Gütersloh,
    b) Wiener Gemeindezentrum der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, Lainzerstr. 154, A-1130 Wien,
    5. Griechisch-Orthodoxe Metropole von Deutschland – Bischof Bartholomaios von Arianz, PF 30 05 55, 53185 Bonn,
    6. Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, Gregor-Mendel-Str. 28, 53115 Bonn,
    7. Evangelische Kirche Deutschlands –
    a) Ökumene und Entwicklungsdienst Bischof Martin Schindehütten, Kirchenamt der EKD, Herrenhäuser Str. 12, 30419 Hannover,
    b) Der Mitglieder des Rates der EKD – Geschäftsstelle und Büro des Vorsitzenden, Herrenhäuser Str. 12, 30149 Hannover,
    8. Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschlang K. d. ö. R. Geschäftsstelle des Bundes, Johann-Gerhard-Onken-Str. 7 in 14641 Wustermark,
    9. Joyce Meyer Ministries GmbH, GF: David Wessler, PF 76 10 01, 22060 Hamburg,
    10. St. Georg`s Anglican Episcopal Church Berlin, Frau Irene Ahrens, Preußenallee 11 – 19, 14052 Berlin-Neu Westend
    11. Deutsche Bischofskonferenz, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kaiserstr. 161, 53113 Bonn,
    12. Papst Benedikt XVI über Presseamt des Heiligen Stuhls, Via della Conciallazione 54, SCV-00193 Rom,
    13. und als möglicher Vermittler: Bibel-TV, Wandalenstraße 26, 20097 Hamburg,

    • Ja, ich habe nur einmal eine freundliche, aber kurz gefasste Einladung zum Gebet für die Christen in Not an verschiedene Gemeinden in meiner Stadt versandt und die Reaktion war ähnlich. NADA, NIX, NULL, Nicht mal eine Absage oder ein Kommentar, kein „lassen Sie uns in Ruhe“ oder „gute Idee, nur haben wir keine Lust“. Aber wenn „konkludentes Handeln“ auch eine Reaktion ist, dann wissen wir ja, was das Schweigen zu bedeuten hat. Dabei hatte ich mir die Gemeinden sehr genau ausgesucht. Da waren die nahöstlichen Orthodoxen ebenso dabei, wie mir persönlich bestens bekannte Kirchengemeinden, von denen ich bis dahin einen wirklich guten Eindruck bekommen hatte. Na, ja, die Desillusionierung hat ja auch ihre Vorzüge: sie bringt mich immer wieder „auf die Palme“ und dann schreibe ich Kommentare. Wer weiss, ob der Herr nicht am Ende doch alles so fügen wird, dass selbst meine aus der Frustration geborenen Betrachtungen noch bei irgendjemandem in Schlüssel-Stellung auf fruchtbaren Boden fallen.

      • Da können wir nur hoffen und beten, dass dieser Ihr Wunsch, dem ich mich nur zu gern anschließe, wahr wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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