Nigeria: Stimme eines Christen in Angst – „Ich traute mich nicht mehr, in die Kirche zu gehen.“

In Nigeria herrscht Angst. Viele Christen, vor allem in den nördlichen Bundesstaaten, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt werden und in denen bereits weitgehend die Scharia – Gesetzgebung praktiziert wird, sind durch die anhaltende Serien von Bombenattentaten auf Kirchen verängstigt.

Karte von Nigeria.

Nigeria

Wir wissen es alle: verängstigte Lebewesen neigen dazu, aus ihrer Not und Verzweiflung heraus, merkwürdige Dinge zu tun. So sind die Berichte über junge Christen, die ihre Kirchen durch Straßensperren und den Bau von Schutzwällen abzuriegeln versuchen, auch nur eine hilflose Reaktion auf die ebenso große Hilflosigkeit der Sicherheitsorgane Nigerias, die der “Gruppe zur Propagierung der Lehren des Propheten und des Dschihad” (Ex-”Boko Haram”) nicht Herr zu werden scheinen.

Auf der Webseite des französischen Auslandsfernsehens „France 24“ ist das Zeugnis eines nigerianischen Christen nachzulesen, der uns in seinen eigenen Worten einen Eindruck von der Situation gibt, in der Christen sich selbst unter diesen Umständen sehen. Paul Aminu, Berater von Fussballspielern und Vater eines 5 Monate alten Sohnes, erzählt vom Alltag der Christen in Verfolgung. Hören wir ihm zu und sehen wir seine Worte als Warnung:

Ich bin Christ. Am letzten Sonntag traute ich mich aus Angst vor einem weiteren Anschlag nicht mehr in die Kirche. Aber als ich zur Tankstelle fuhr, kam ich an einer Kirche vorbei. Die Jugendlichen der Gemeinde hatten Straßensperren um die Kirche herum errichtet und kontrollierten jedes Fahrzeug sehr sorgfältig, das vorüberfuhr, ganz gleich, wer darin saß. Jetzt beschützen also Christen und die Polizei gemeinsam die Kirchen. Als ich das sah, fühlte ich mich wieder sicher und werde am nächsten Sonntag wieder zur Messe gehen.

Da steckt schon sehr viel Interessantes drin. Durch die Gewalt der muslimischen Terrorgruppe sind Christen bereits so sehr eingeschüchtert, dass sie bei jedem Gottesdienstbesuch mit einem Anschlag rechnen müssen und so jeder Sonntag in der Gemeinde zu einem Märtyrergang werden kann. Aber die Christen Nigerias sind findig und kreativ und fangen an, ihre Kirchen selbst zu schützen, wenn die Sicherheitsorgane (JTF, Polizei, Militär) dazu nicht mehr in der Lage sind. Sie zeigen Initiative und Rückgrat im Angesicht der nackten Gewalt.
Paul Aminu hat aber noch mehr zu sagen.

Ich lebe hier seit vier Jahren. In dieser Zeit hat es vier größere Anschläge in der Stadt gegeben.  … Sie (die Boko Haram, Anm. d. Übers.)  sagten, sie würden die Regierung bekämpfen, aber in letzter Zeit scheinen sie eine Islamisierung des gesamten Landes anzustreben und um das zu erreichen, versuchen sie uns einzuschüchtern, um uns vom Gottesdienst fernzuhalten. …
Hier in Kaduna, mögen Christen und Muslime zwar miteinander arbetiten, aber sie sind keine Nachbarn. Die Stadt Kaduna ist sozusagen zweigeteilt. Die Christen leben im Süden und die Muslime im Norden. Die meiste Zeit ist die Beziehung herzlich, aber die Situation kann jeden Moment durch die kleinste Provokation explodieren.

Wen das nicht fatal an die Situation in bestimmten Stadtteilen deutscher Großstädte erinnert, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Diese „Nebeneinanderherleben“ und die unter der zivilen Oberfläche brodelnde Gewalt, die jederzeit ausbrechen kann. Das hatten wir auch schon in französischen Banlieus und britischen Vorstädten. Das hatten wir bei Salafisten-Gewalt-Taten gegen Polizisten und das werden wir noch in stärkerem Maße in der Zukunft bekommen, je mehr sich bestimmte Stadtteile zu Scharia-Zonen wandeln. Insofern ist Kaduna überall.

Paul Aminu weist aber auch noch auf einen anderen Aspekt der Situation hin:

Abseits von Sicherheitsüberlegungen schaffen die Angriffe der Boko Haram aber auch wirtschaftliche Probleme für den Bundesstaat Kaduna. Viele Firmen verlassen den Staat und es kommen keine neuen her. Die verhängte Ausgangssperre von 19.00 Uhr – 04.00 Uhr ist nicht gut für das business.

Auch die Preise für Lebensmittel und sonstigen Alltagsbedarf seien immens gestiegen, weil sich viele Firmen weigern, Waren nach Kaduna-State zu liefern.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE LAGE DER GLÄUBIGEN IN KADUNA-STATE UND ANDEREN BUNDESSTAATEN NIGERIAS. SIE MÜSSEN UM IHR ÜBERLEBEN FÜRCHTEN, ABER VIELE VON IHNEN WOLLEN IHRE HEIMATORTE NICHT VERLASSEN UND MÜSSEN NUN WEGE FINDEN, UNTER AKTUELLER VERFOLGUNG NICHT ZU VERZWEIFELN.

(Quelle: „France 24“ vom 28. Juni 2012)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s