Ägypten: Christen rücken zusammen, sind aber vom „Frühling“ enttäuscht

Auf dem Jahresfest der „Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten“ (EMO), wurde am 24. Juni 2012 in Wiesbaden über die Situation in Ägypten gesprochen.

Ägypten

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Der Leiter der EMO-Aktivitäten in Ägypten, Gerald Lauche, sagte dabei, dass in der äußeren Unsicherheit viele Menschen wieder neu nach Gott fragten. Der politische Umbruch und die anhaltende Unsicherheit hätten aber auch zu neuen, geistlichen Aufbrüchen geführt. Die Kirchen seien gut gefüllt und vor allem sei ein Zusammenrücken der Christen unterschiedlicher Konfessionen nun erwünscht und werde von einigen Christen aktiv angestrebt. So wünschten sich z. Bsp. koptisch-ortodoxe Gemeinden und Bischöfe jetzt mehr Unterstützung für ihre evangelistischen Programme durch evangelische Christen im Land. Nach Lauches Einschätzung werden derzeit Christen auch von Muslimen verstärkt als Patrioten wahrgenommen, die ihr Land lieben und das Beste für Ägypten erreichen wollen.

Die christliche Nachrichtenagentur „IDEA“ berichtet dazu:

Die EMO unterhält in Oberägypten ein Krankenhaus in Assuan und zwei Tageskliniken in Dörfern. In Assuan veranstaltet das Werk alle zwei Monate Gebetsnächte in der Wüste, an denen regelmäßig 150 bis 200 Christen aus verschiedenen Kirchen teilnehmen. Bei diesen Treffen wird besonders für die Zukunft Ägyptens gebetet.

Die auch im Sudan und den Vereinigten Arabischen Emiraten aktive EMO engagiert sich unter anderem in Verkündigung und Seelsorge, leistet medizinische und soziale Hilfe und fördert Entwicklungsprojekte. Das im Jahre 1900 gegründete Werk beschäftigt 35 Mitarbeiter im In- und Ausland.

Aber nach Einschätzung der Mitarbeiter der EMO sind die Christen in Ägypten vom bisherigen Verlauf der Revolution enttäuscht. Gerald Lauche:

 Der arabische Frühling hat stark herbstliche Farben angenommen.

Er sprach von einer bislang noch nicht veröffentlichten Studie, nach der 92 % aller Christen in Ägypten keine Verbesserung ihrer Lage erkennen können. 48 % fühlen sich im Land nicht mehr sicher und 46 % berichten von Diskriminierungserlebnissen. 39 % aller ägyptischen Christen denken mehr oder minder ernsthaft über die Emigration nach !  Was der EMO-Repräsentant nicht erwähnte, war, dass bereits mehr als 100.000 Kopten das Land seit dem Sturz Mubarraks verlassen haben sollen, wie koptische Aktivisten in den USA verlauten liessen.

BITTE BETEN WIR WEITERHIN FÜR ÄGYPTEN, FÜR SEINE BEWOHNER UND VOR ALLEM FÜR DIE CHRISTEN IM LANDE. DIE JÜNGSTEN WAHLEN UND DIE  BESETZUNG DER VERFASSUNGGEBENDEN VERSAMMLUNG LASSEN NACH IRDISCHEN GESICHTSPUNKTEN NICHTS GUTES ERHOFFEN.

(Quelle: „idea.de“ vom 26. Juni 2012)

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3 Gedanken zu “Ägypten: Christen rücken zusammen, sind aber vom „Frühling“ enttäuscht

  1. „Der arabische Frühling hat stark herbstliche Farben angenommen“.

    Es ist nur traurig, dass erst jetzt die Erkenntnis sich wohl oder übel durchgesetzt hat, nachdem die Realität das Wunschdenken ersetzt hat. Es war von vornherein abzusehen, dass dieses Enttäuschungsgefühl aufkommen musste, wie die Reaktionen von Christen hier beweisen. Können wir diesen Christen verdenken, dass sie ausgewandert sind ober aber noch auswandern wollen? Sie geraten in Ägypten zwischen die Mühlsteine des islamischen Miltiärrates und den Muslimbrüdern. Dieser Zustand dauert bereits seit Hunderten von Jahren an. In einem islamisch geprägten Land kann es keine Demokratie geben. Man kann nur wählen zwischen der einen islamischen und der anderen islamischen Partei mit nuanciert unterschiedlichen, aber immer negativen Folgen für die Christen, denn die haben, obwohl gerade die Kopten in Ägypten die Ureinwohner stellen, immer die schlechteren Karten bei dieser Konstellation. Im Zeitalter des Internets lernen junge Christen, dass es (noch) Orte auf der Erde gibt, auf denen es möglich sein soll, seinen Glauben frei und ohne Behinderung ausleben zu können. Dazu gehören allerdings nie die islamisch geprägten Staaten, welch Wunder! Und die Staaten, in denen die freie Religionsausübung noch möglich ist, sind kräftig dabei, diesen Zustand zu ändern und ägyptische Islam-Verhältnisse auch dort einzuführen.

    Jesus wünscht sich für seine Schützlinge, nämlich die Christen, keine Verfolgungen um seinetwillen, er stellt sie uns nur vor Augen. Er weiß, dass seine Person und seine Lehre immer die Welt der Erde in einem Spannungsfeld der Hass-Liebe hält und halten wird. Es ist schon traurig, dass eine Gestalt wie Jesus Christus ein Eckstein ist, an dem sich die Welt reibt. Ein Mann, der Frieden so glaubwürdig verkündet und auch – das ist bereits ein Wunder in sich – gelebt hat, ist zum Gegenstand von Religions- und Ideologiekriegen geworden. Eine Persönlichkeit, die in Wort und Tat jedes menschlich-irdische Fassungsvermögen übersteigt wird zum Zankapfel für die Welt. Wie es in einem modernen christlichen Lied heißt: „Schuldlos schuldig und verraten. Hängst Du zwischen Gott und Welt. Bist in unseren Krieg geraten“. Warum ist das so?

    Er hält den Mächtigen dieser Welt seiner Zeit und weil seine Lehre seine Gültigkeit nie verlieren wird, auch den Mächtigen der heutigen Zeit gnadenlos den Spiegel vor Augen und die Mächtigen erkennen darin monsterhafte Erscheinungen, weil dort Mord, Korruption, Menschendiskriminierungen und Menschenleid sie aus diesem Spiegel anstarren und sie genau wissen, dass dieses Leid auf ihr Konto geht.

    Jesus ist nicht der König dieser Welt. Das nehmen ihm Islam und Kommunismus, aber auch der Edel-Kapitalismus übel. Er ist seinem Vater, der mit dem Hl. Geist in ihm ist, verpflichtet, nicht den Mächtigen dieser Welt. Das rechtfertigt Vertreter von Religionen und Ideologien offensichtlich zum Handeln gegen die Christen dieser Welt.

    Und weil die Christenheit dieser Welt in sich selbst uneins ist und sich nicht für die verfolgten Glaubensgeschwister dieser Welt interessiert und insbesondere massiv durch Gebet und Handeln und durch integeres politische Handeln einsetzt, haben es die Antichristen dieser Welt so leicht, Frühlinge, Reformen und Verbesserung, die Christen und alle Menschen in Not betreffen sollten, zu torpedieren und den Islam weiterhin zu hofieren in der Hoffnung, dass dieser sie selbst nicht überspülen wird.

    • Wieder ein treffender, wohlfundierter Kommentar, der eigentlich keiner Antwort bedürfte. Deshalb mache ich es auch an dieser Stelle kurz und bedanke mich nur schnell dafür, dass Sie uns, die Leser des Blogs und mich, an Ihren Überlegungen teilhaben lassen.

      Und die Staaten, in denen die freie Religionsausübung noch möglich ist, sind kräftig dabei, diesen Zustand zu ändern und ägyptische Islam-Verhältnisse auch dort einzuführen.

      Traurig genug. Und dies alles, um der kompletten Begriffverwirrung und Perversion noch die Spitze aufzusetzen, im Namen von „Toleranz und Religionsfreiheit“. Die Wölfe im Schafspelz lachen herzlich über die vielen Schafs-Dhimmis, die mit ihnen gemeinsame Sache machen in der schrittweisen Einführung der Scharia im „Westen“. Genau deshalb schauen auch so viele Kirchenvertreter nicht so genau hin, wenn Christen in islamischen Ländern diskriminiert, vertrieben und ermordet werden. Denn von Verhältnissen wie in Nord-Nigeria, Nord-Mali, Ägypten oder Pakistan könnte man ja für das eigene Christenleben etwas lernen. Und genau diese Lehren scheuen unsere, im „interreligiösen Dialog“ beschäftigten, Pastoren und Bischöfe wie der Teufel das Weihwasser. Hab gerade gelesen, dass die Christen in Nigeria jetzt damit anfangen, ihre Kirchen selbst zu schützen, weil der Staat das nicht mehr packt. Respekt, die haben noch Charakter, die haben die Lage analysiert und handeln entsprechend. So sollte Kirche auch hierzulande sein. Aber wer sich der Analyse der Situation schon verweigert, von dem können wir eben auch keine Lösungen erwarten. Das gilt ebenso für Politik wie für die Kirchen.

      Und weil die Christenheit dieser Welt in sich selbst uneins ist und sich nicht für die verfolgten Glaubensgeschwister dieser Welt interessiert und insbesondere massiv durch Gebet und Handeln und durch integeres politische Handeln einsetzt, haben es die Antichristen dieser Welt so leicht, Frühlinge, Reformen und Verbesserung, die Christen und alle Menschen in Not betreffen sollten, zu torpedieren und den Islam weiterhin zu hofieren in der Hoffnung, dass dieser sie selbst nicht überspülen wird.

      Tja, genau so ist es. Nur, dass der Islam eben nicht immer, angelehnt an den berühmten Krokodilsvergleich, diejenigen „zuletzt frisst“, die ihn füttern. Sondern zumeist als erste, wie der Fall der iranischen Linken beweist, die von den Mullahs als erste „beseitigt“ wurden, nachdem man gemeinsam den „bösen Schah“ entmachtet hatte.

  2. Pingback: Kopten rücken aus Enttäuschung vom “Frühling” zusammen « kopten ohne grenzen

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