Sudan: EKD registriert die Christenverfolgungen im Land

Liebe Leser, meine persönliche, drängende Ungeduld, der ich in Zukunft noch etwas mehr Herr zu werden verspreche, bringt mich von Zeit zu Zeit dazu, der EKD schwere Vorwürfe zu machen, speziell bezüglich des Ausblendens von Fakten der weltweiten Christenverfolgung.

Aber nicht immer ist mein salbungsvoller Vorwurf gerechtfertigt. Die Kirchen wissen um die Dinge, die in der Welt passieren. Ihre „Auslandsbischöfe“ und „Kirche in Not“ – Hilfswerke (ja, ich weiß, dass ich hier die Konfessionen mixe) bekommen beste Informationen und sind auch nicht faul darin, diese interessierten Klerikern zur Verfügung zu stellen. So weit, so gut. Sie, liebe Leser, die schon länger auf diesem Blog dabei sind, werden schon ahnen, worauf ich hinaus möchte, aber bitte etwas Geduld, die „Konklusio“ kommt zum Schluss. Vorher noch der jüngste Beweis dafür, dass niemand mehr sagen kann, „er hätte ja nichts gewusst“.

Ausgerechnet „Radio Vatikan“ meldet unter Bezug auf die katholische Nachrichtenagentur kna, dass der „Sudanbeauftragte“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Volker Faigle, von „wachsendem Druck“ auf die letzten verbliebenen Christen im Nordsudan. Das ist zwar ein verantwortungloser Euphemismus, aber dennoch nicht völlig falsch. Die letzten Christen des Nordsudan leben mittlerweile als „Ausländer“ im Land, weil sie ihren Status als Staatsbürger nach der Separation des Südens vom Nordsudan aberkannt bekamen. Wer mehr über den Sudan lesen will, kann sich die entsprechende Rubrik hier im Blog zu Gemüte führen.

Volker Faigle sagte zur Situation der Christen wörtlich:

 Obwohl sich die sudanesische Regierung bei offiziellen Anlässen positiv zu Religionsfreiheit und dem Schutz der Minderheiten äußert, nimmt die Bedrängnis für Christen in diesem Lande auf besorgniserregende Weise zu.

„Radio Vatikan“ dazu weiter:

 Faigle nennt als Beispiele die Zerstörung einer Bibelschule der Sudan „Evangelical Presbyterian Church“ Mitte April sowie die vollständige Verwüstung einer anglikanischen Kirche am vergangenen Montag. Beide Gebäude standen in der Hauptstadt Khartum. „Zerstörung von Kircheneigentum und Verbrennung von Bibeln sind ernsthafte Hinweise darauf, dass Christen im Sudan mehr und mehr ihr Existenzrecht strittig gemacht wird“, so Faigle. Die Taten stünden nicht nur in krassem Widerspruch zur sudanesischen Verfassung, sondern stellten auch eine eklatante Verletzung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit dar.

Schön, dass in einem gelungenen Akt der „niederschwelligen“ Ökumene solche Informationen zwischen „Radio Vatikan“, der kna und der EKD hin- und her flutschen. Als winzigkleines Signal für das Ende des Informationsdefizits wäre es schön. Aber mehr aus dem Bericht:

 Nach Darstellung des anglikanischen Bischofs Ezekiel Kondo wurde die Kirche in einer Nacht- und Nebelaktion auf Anweisung des Bauministeriums unter Anwesenheit zahlreicher Sicherheitskräfte niedergerissen. Die Kirchenleitung habe sich seit Jahren um eine legale Absicherung des Kirchengrundstücks im Stadtteil Haj-Yousif bemüht; staatliche Stellen hätten eine Anerkennung aber verweigert.

Tja, so sieht´s aus im Sudan. Die noch im Norden verbliebenen Christen bekamen ihre Staatsbürgeschaft aberkannt, mussten sogar mit einem „Ultimatum“ leben, bis zu dem sie das Staatsgebiet verlassen haben sollten. Die Zukunft des Christentums im Nordsudan ist nach WELTLICHEN Maßstäben eher fraglich. Aber wir Gläubigen haben ja glücklicherweise noch andere Maßstäbe.

Nun zur versprochenen „Konklusio“: Die besteht aus einer ganz simplen Frage.

  • „Was tun die Kirchen, wenn sie all das genau wissen, dann in Sachen Christenverfolgung ?“

Ich möchte die Frage mal ein wenig erweitern: Wann und in welcher Form thematisieren sie die unfassbaren Dinge, die Geschwister erleben müssen ? Was wird in Sachen „Mission“ getan ? WIRKLICHER Mission und nicht nur unter diesem Namen segelnde Entwicklungshilfe ? Warum hat sich erst unlängst ein Pastor beschwert, dass die EKD keinen Plan für das Eingliedern von taufwilligen Ex-Muslimen hätte ? Was wird getan, um vom Bombenterror bedrohten Gemeinden in Nigeria zu helfen ? Ehrlich gesagt, bin ich heute in leutseliger Stimmung und will deshalb vor dem Hintergrund all dieser Fragen einmal die Hilfswerke „Nehemiah Hilfsdienst“, „Hilfsaktion Märtyrerkirche“, „Schwester Hatune Stiftung“ und natürlich, last but not least, „open doors“ loben. Dort wird all die Arbeit gemacht, vor der sich kirchliche oder den Kirchen „noch näher“ stehende Organisationen herumdrücken.

Dort werden Bibeln zu Pastoren gebracht (geschmuggelt ?), die sonst nichts hätten, womit sie den Gottesdienst vorbereiten können, dort werden „Untergrund“- Bibelkurse organisiert, dort werden auch Hilfsgüter verteilt und Trost gespendet. Was allein diese wunderbare, kleine syrisch-orthodoxe „Dauernovizin“ Schwester Hatune Dogan leistet, ist ohne die Kraft, die sie dafür von unserem Herrn erhält, gar nicht mehr vorstellbar. Ihr, allen anderen „Kämpfern für Christus“ und dem, der sie alle motiviert, sei ewiger Dank.

BITTE BETEN WIR DOCH EINMAL FÜR DIE KIRCHEN, AUF DASS W-I-R ALS MITGLIEDER DES LEIBES CHRISTI DAZU BEITRAGEN KÖNNEN, DASS DIE HERZEN AUCH DER „HÖHEREN“ KLERIKER SICH VERNEHMLICH UND LAUTSTARK FÜR DIE VERFOLGTEN ÖFFNEN MÖGEN.

(Quelle: „Radio Vatikan“ vom 25. Juni 2012)

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2 Gedanken zu “Sudan: EKD registriert die Christenverfolgungen im Land

  1. Die zuständigen Mitarbeiter des Vatikans handeln mehr und mehr wie Politiker! Mag sinnvoll sein oder auch nicht, aber ich würde mir offene Worte wünschen; Stellungnahmen und nachvollziehbare Handlungen. Schließlich der Vatikan den Christen weltweit zur Seite stehen und nicht fast ausschließlich aus Eigennutz agieren!

    Eine „schlankere Hierarchie“ mit weniger Hofschranzen zugunsten einer überzeugt schlagkräftigen Truppe die in den Kriesengebieten aktive Hilfe leistet und den Weg vorbereitet wie es die von Ihnen benannten großartigen Vorbilder täglich umsetzen.

    Aber in Zeiten von Filialkirchen und flacher Struktur erreicht man den Seelsorger ja kaum, bekommt ihn doch fast nicht zu Gesicht. Wo bleibt das Geld, das die Kirche einnimmt? Eine eigene Bank die Vatikanbank verwaltet es. Die Gehälter der Kirchenobrigen sind mit Ministergehältern zu vergleichen. Ich mochte es kaum glauben als vor 3 Jahren anlässlich eines Scandales im Kreis Montabaur Zahlen benannt wurden.

    Wie vereinbahrt sich das mit der Berufung, Gott dienen zu wollen? Ich stelle diese Fragen nicht aus rhetorischen Gründen, ich meine es so, wie ich es frage.

    Würden diese Männer Gottes auch das weniger luxuriöse Leben einer Schwester Hatune leben wollen? Sie fährt sicher keinen teuren Geländewagen oder verfügt gar über eine Haushälterin, die für sie arbeitet.

    Nach meiner Überzeugung leistet sich die Kirche zu viel an Verwaltung und „Nebenkosten“ bei sinkender Leistung (einmal ganz nüchtern betrachtet). Ist dies alles wirklich notwendig? Ist das Voraussetzung, um mit Gott zu kommunizieren?

    Wenn durch Transparenz und Investition mehr Projekte mit diesem Geld als jetzt unterstützt werden könnten, wäre das nicht viel eher im Sinne Gottes?Es könnte wieder zu einer Indentifikation mit der Kirche führen. Menschen würden sich ermutigt fühlen, für genau diese Aufgabe zu leben und zu arbeiten, als Entwicklungshelfer zu. B. , dort wo es der Hilfe bedarf.

    Die Politikverdrossenheit der Menschen spiegelt sich auch in der Kirche wieder, weil man sich hilflos ausgeliefert fühlt und gar nicht mehr berücksichtigt wird. Die Machinerie hat sich längst verselbständigt. Viel hat das nicht mit dem zu tun, was Jesus Christus uns Menschen zum Geschenk gemacht hat, indem er für uns am Kreuz gestorben ist. Ich stelle hier nur meine private Sichtweise mit meinen Worten dar. Keine provokation, nur das hilflose Gefühl das ich empfinde, wenn ich Gott und Kirche gegenüberstelle.

    • Vielleicht hört das nicht jeder gerne, aber solche Überlegungen zur Kirchenreform, zu Sinn und Zweck bestimmter Funktionen und Einnahmen, haben vor einigen Jahrhunderten einen Augustiner-Mönch dazu gebracht, sich Gedanken über die ideale Kirche und das Verhältnis des Menschen zu Gott zu machen. Dieser arme, deutsche Gottesmann war u. a. zutiefst von der kirchlichen „Ablasspraxis“ irritiert, die viel Geld in die Diözesen und auch nach Rom spülte. Mit Luft und Liebe wurde nämlich St. Peter in Rom nicht gebaut. Wir wissen alle, wie dieser nachdenkliche Mönch hieß: Martin Luther.
      Wie auch immer, ich will hier nicht gegen irgendeine Konfession oder Denomination agitieren, weil mir das nicht sinnvoll erscheint, aber ich verstehe, wenn bestimmte Praktiken und Traditionen ALLER Kirchen einmal kritisch hinterfragt und auf den Prüfstand des Evangeliums gestellt werden. Was können und müssen wir heute von „Kirche“ erwarten ? Was hilft einer glaubhaften Repräsentation des Evangeliums ? Wie können wir glaubwürdig sein, ohne beliebig zu werden ? Wieviel „Bandbreite“ verträgt Kirche, ohne auseinanderzubrechen ? Wie wirkt sich das (gerade auch in evangelikalen Kreisen) betonte Prinzip der „geistlichen Leitung“ durch die Führungsgremien auf die „Schlagkraft“ und Glaubwürdigkeit der Gemeinden aus ? Alles Fragen, die zunächst einmal diskutiert und dann auch eindeutig beantwortet werden müssen. Die Zeit für „sowohl als auch“-Kompromisslösungen ist meines Erachtens nach vorbei !

      Die Politikverdrossenheit der Menschen spiegelt sich auch in der Kirche wieder, weil man sich hilflos ausgeliefert fühlt und gar nicht mehr berücksichtigt wird. Die Machinerie hat sich längst verselbständigt. Viel hat das nicht mit dem zu tun, was Jesus Christus uns Menschen zum Geschenk gemacht hat, indem er für uns am Kreuz gestorben ist. Ich stelle hier nur meine private Sichtweise mit meinen Worten dar. Keine provokation, nur das hilflose Gefühl das ich empfinde, wenn ich Gott und Kirche gegenüberstelle.

      Ja, diese Überlegungen kenne ich alle nur zu genau. Ein Grund dafür, dass ich mich bisher einigen „Vereinnahmungsversuchen“ dieses Blogs verwehrt habe. Ein tiefes Mißtrauen, was größere Organisationseinheiten geistlicher Art angeht, ist auch in mir vorhanden. Ihre Schlagkraft, „Reaktionzeit“ und teilweise sehr starren Hierarchien halte ich im Sinne der Aufklärungsarbeit über verfolgte Christen nicht immer für adäquat, wenn man Botschaften transportieren und Bewusstsein verändern will. Andererseits braucht man aber auch immer Verbündete, weshalb ich die Hoffnung darauf, einzelne Pastoren, Älteste oder sonstige geistliche Leiter (neben den „normalen“ Christen, die meine Hauptzielgruppe sind) als Partner zu gewinnen, wohl noch nicht völlig aufgegeben habe. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt.
      Gott und Kirche gegenüberzustellen war aber auch für mich der Anfang einer Reise hin zu Gott und Seinem Wort und weg von der allzuhohen Erwartungshaltung Menschen gegenüber.

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