Kommentar: Was der Verbreitung unserer Nachricht im Wege steht 2

Erfahrungen mit potentiellen „Mitstreitern“ für die Anliegen der verfolgten Christen sind oft vielfältig. Man freut sich über jeden, der „am selben Strang“ zieht und genau wie man selbst ein Ohr für die Hilfeschreie der Geschwister hat.

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Andererseits erlebt man aber auch andere Überraschungen, die dann wieder verdeutlichen, warum in unserem Land Kirchen, Medien und Politik so beharrlich das Thema der wachsenden Gewalt gegen Christen weltweit ignorieren, oder doch zumindest herunterzuspielen suchen. Um zu vermeiden, jemandem zu nahe zu treten, werde ich ganz abstrakt einmal verschiedene Erlebnisse Revue passieren lassen, um deutlich zu machen, warum keine Welle der Solidarität und keine Massenproteste auf den Straßen zu sehen sind.

Es ist nämlich ganz einfach: Wir Aktivisten machen es den Verharmlosern und Ignoranten viel zu einfach !  Wir ergehen uns in Schaukämpfen, Zwistigkeiten, gegenseitigen Vorwürfen und Fingerzeigereien, statt unsere kleinen Eitelkeiten mal beiseite zu schieben und gemeinsame Sache zu machen. Ich frage also:

  • Warum hat nur EINE EINZIGE für Christen eintretende Hilfsorganisation (glücklicherweise mit einem Menschenrechtsverband gemeinsam, aber dennoch) vor einigen Wochen in Berlin zum Marsch für Eritrea aufgerufen ? Da ich kein Abonnent ihrer Publikationen bin, hätte sogar ich niemals davon erfahren, wenn ich nicht eine Bekannte auf der Straße getroffen hätte, die mir davon erzählte.
    Das ist nur noch peinlich, wie wenig Organisationen wie der HMK e. V. das AVC oder die sich notorisch „für etwas Besseres haltenden“ open doors in Deutschland kooperieren. Schlimm genug, dass wir drei solcher Gruppen brauchen, aber wenn jeder seine eigenen Schwerpunkte abarbeiten würde, während man am großen Ziel, die Aufmerksamkeit auf vergessenes Leid zu lenken und dieses zu lindern, gemeinsam arbeitet, wäre das noch zu ertragen. Warum veranstalten sie so selten bis gar nicht etwas Medienwirksames gemeinsam und mobilisieren so viel größere Mengen ? Wie wär´s mit einem „Ooberfuse“-Konzert vor der pakistanischen Botschaft in Berlin ?
  • Warum gehen die Spaltungen schon bis in die individuelle Ebene ? Wenn eine bekannte Menschenrechtlerin und Publizistin (nein, keine Namen, reimt´s euch selbst zusammen) zunächst einen Artikel veröffentlicht, in dem sie unmissverständlich auf die Rezeptionsdefizite in Deutschland bezüglich der Christenverfolgung aufmerksam macht, dann aber später eine sehr gute und effiziente christliche Aktivistengruppe, die seit einiger Zeit viel Störfeuer von Linksradikalen erhält,  „feige“ nennt, weil deren Mitglieder nicht bereit sind, samt und sonders die individuelle Zukunftsplanung, die Gesundheit und das Leben aufs Spiel zu setzen, dann ist das so unnötig wie ein Kropf. Solche „Freunde“ brauchen die verfolgten Christen wirklich nicht. Ja, auch ich rufe dazu auf, mehr „Märtyrergeist“ zu zeigen, aber diese lieben Geschwister tun mit ihren Aktionen ja bereits deutlich mehr als alle Kirchen und Bischöfe zusammen.
    Auch nicht solche, die einem auf einer Konferenz kurz die Hand schütteln, nur zwanzig Minuten entfernt wohnen, sich aber beharrlich weigern, auch nur ein einziges Mal gemeinsam für die verfolgten Christen zu beten. Pfui !
  • Warum schweigen die Christen, die über das Phänomen der andauernden, weltweiten Christenverfolgung Bescheid wissen und äußern sich nur noch in „geschützten Umfeldern“ wie einem „open doors“ Tag oder einer „HMK-Konferenz“ ? Ich habe mehr als einen Gläubigen selbst in meiner scheinbar von Gott verlassenen Stadt gefunden, der genau darüber informiert war, was da draußen in der Welt vorgeht. Wenn man einen von ihnen dann aber zum Gebet, zum Handeln oder zum Organisieren von Veranstaltungen in seiner Kirche oder darüber hinaus aufgerufen hat, dann hatten sie alle plötzlich  „so viele bessere Dinge“ zu tun. Gut zu wissen.

Fazit: Wir machen es denjenigen in diesem Lande, die lieber Leisetreten wollen, um nur ja keine „schlafenden Hunde“ zu wecken (wen meinen die wohl damit ? Ich habe einen Verdacht und derjenige schläft ohnehin nicht…) und das Thema ganz, ganz „niedrig hängen“ wollen, viel zu einfach. Wir sichern uns ab, ob wir auch wohl in der Gemeinde, im Freundeskreis oder der Gesellschaft allgemein „anecken“ wenn wir über brennende Kirchen in Nigeria sprechen, über versklavte Christen in Pakistan oder hungernde Gläubige in Laos. Wenn wir in bester, deutscher Versichertenmentalität nicht 10.000 % ig sicher sind, dass wir keine negativen Konsequenzen zu erwarten haben, dann werden wir nicht zu handeln beginnen.

Währenddessen sterben Christen. Werden in Nigeria von Bomben zerfetzt, in Ägypten mit Messern aufgeschlitzt oder in Nordkorea in Arbeitslager (eigentlich: Vernichtungslager) gesteckt, die gerade uns Deutsche fatal an ganz bestimmte Zeiten unserer eigenen Geschichte erinnern sollten.

Ich plädiere also dafür, dass sich alle Christen (auch Nichtchristen, wenn ihnen die verfolgten Gläubigen am Herzen liegen !)  zusammentun und GEMEINSAM Druck auf Medien, Politik und vor allem die Kirchen ausüben, damit das unselige Beschwichtigen oder noch viel schlimmer: das kalte, tödliche Schweigen in den Gemeinden aufhört !

Gottes Segen, liebe Leser

Martin Clemens Kurz

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7 Gedanken zu “Kommentar: Was der Verbreitung unserer Nachricht im Wege steht 2

  1. Mir fällt auf das viele Aktionen nicht bekannt werden. Vom Marsch für Eritrea habe ich zum Beispiel überhaut nichts erfahren. Wir bei DpP hätten sicher einen Hinweis dazu aufgenommen, so wiewir es bei anderen, ähnlichen Gelegenheiten auch getan haben.

    • Ja, so ist das eben. Die Kommunikationswege sind noch lange nicht optimiert. Deshalb auch meine „Termine“-Seite und Rubrik. Sobald mir jemand mitteilt, dass etwas für die verfolgten Christen irgendwo im deutschen Sprachraum passieren wird, bringe ich es in der ein oder anderen Form. Auch dazu soll dieser Blog dienen. Aber wie von Ihnen völlig zu Recht bemerkt: Auch ich erfahre viel zu oft erst nachträglich oder viel zu spät, um noch größere Gruppen von potentiellen Teilnehmern aktivieren zu können, von wichtigen Terminen. Auf den Eritrea-Marsch hatte ich allerdings eine knappe Woche vorher noch einmal explizit hingewiesen.
      Wie schaffen wir das, das Termine schneller ausgetauscht werden ? Netzwerke bilden und nutzen. Und nicht so viel „gegeneinander“ sondern miteinander arbeiten.

      • Man kann selbst als einer der viel unterwegs ist in christlichen Themen viele Seiten im Auge behalten. Das geht leider nicht. Besser wäre es wenn man eine Möglichkeit schaffen würde das man Termine vernetzt. So fände ich es gut wenn man alle Termine in einem einheitlichen Format – iCalendar zum Beispiel – zur Verfügung stellen würde um sie dann auf einfache Art und Weise zusammenführen zu können und anzubieten. Ich könnte mir gut vorstellen das es WordPress-, Drupla- und Joomla-Module/Plugins zur verarbeitung von iCalendar-Events gibt.

  2. Ich werde weiterhin versuchen, mit meinen Familien in Ägypten in Kontakt zu kommen. Wenn ich von dort Nachrichten erhalte, werde ich hier meinen Eindruck und meine Einschätzung der Lage beschreiben. Aus Kairo habe ich noch immer keine Nachricht. Aber ich vermute, dass dort Telefone, die Mitarbeiter staatlicher Institutionen zugeordnet werden können, irgendwie manipuliert werden.

    Briefe mit privaten Fotos sind nie angekommen, schon vor unserem letzten Besuch und so muss ich auf eine andere Möglichkeit hoffen.

    Wie schon in meinen anderen Beiträgen beschrieben; die meisten Straftaten und Repressalien die an Christen begangen werden, haben sind auch in der Vergangenheit niemals bis nach Europa durchgedrungen. Es waren immer nur vertrauensvolle Gespräche mit langjährigen Freunden, die so etwas zu Tage förderten. Erstaunlicherweise waren die offiziellen Kommentare den Touristen gegenüber immer etwa „hier in …….. ist das Verhältnis ganz entspannt und es scheint nur in Mittelägypten wirklich ernst zu sein. Nun, das hat sich inzwischen gründlich geändert!

    Ägyptische Journalisten trauen sich nicht mehr -wie anfangs noch auf Pressefreiheit hoffend- ihre Bürger zu informieren.

    • Ich bitte Sie von Herzen, liebe Rita Sieberz, seien Sie vorsichtig. Sie wissen aus eigener Anschauung am Besten, was zu tun ist, um Ihre Kontaktpersonen und Freunde in Ägypten nicht zu gefährden. Aber alle Informationen, die einen „realistischen“ Blick auf die Verhältnisse im Land der Pharaonen (und Muslimbrüder) ermöglichen, sind natürlich immer hochwillkommen. Vielen Dank.

      • Bitte sorgen Sie sich nicht! Ich habe solche Angst, meine Familien dort zu gefährden, dass ich äußerst vorsichtig agiere. Mein Problem gestaltet sich vor dem Hintergrund, dass ich christliche und islamische Ägypter in meinem engen Kreis seit Jahren kenne und schätze.

        Es hat so lange gebraucht, bis wir (mein Mann und ich) in den Familien so ungezwungen und dennoch mit äußerstem Fingerspitzengefühl einen festen Platz in den Familien hatten und miteinander diskutieren konnten, auch begrenzt über Religion. Es gibt nicht alleine SCHWARZ oder WEIß, aber jetzt gibt es die Angst, die Angst etwas zu sagen das früher unproblematisch war.

        Wir sind so traurig, wir vermissen unsere Lieben dort. Den Werdegang der Kinder vom Baby bis zum Student, Werden sich diese wundervollen jungen Menschen einem Regime beugen müssen, dass die Wünsche der jungen Generation einfach ignoriert und zu ersticken versucht? Ist alleine unser Besuch dort schon riskant, wenn der Nachbar die Freunde aus Europa sieht, die Christen?

        Die Ungläubigen! Wird das Nachteile heraufbeschwören? Kann es den Job kosten, oder mehr?

        Ich habe große Sorgen, wie meine beste Freundin, die seit 8 Jahren verwittwet ist und 3 Söhne alleine erziehen muß (9,20 und 23 J.) diese schwere Aufgabe bewältigen wird. Sie ist Akademikerin, gehört der Upperclass an und wird von der Familie ihres verstorbenen Mannes beschützt und geliebt. Sie wird große Angst um ihre Söhne haben, da bin ich mir sicher!

        Es ist der Familie bisher gelungen, eine Wiederheirat zu verhindern. Es wird eigentlich eine neue Heirat arrangiert Frauen sind nicht handlungsfähig sagt die Öffentlichkeit. Die Söhne treten an die Stelle des Vaters und entscheiden. Junge Hitzköpfe, die das gebet schon vor 3 Jahren nicht mehr mit dem täglichen Niederwerfen verrichtet haben und sich (wörtlich) eine Frau wie Shakira mit den Fähigkeiten und der Demut der Mutter wnschen und für sich die Freiheit obenan!

        Verführbar durch TV-Sender aus dem Ausland, auf mehr persönliche Freiheit hoffend, aber tief innen erzkonservativ geprägt sind durch Religion und Umgebung. Eine hochexplosive Mischung, da müssen dann wenigstens die Frauen der Familien nach außen hin in die ihnen zugedachte Rolle schlüpfen, damit die Ehre und die Reputation der Männer keinen Schaden nimmt.

        Ich frage mich, sind die Männer der Familien noch die gleichen Freigeister oder werden sie uns ganz anders gegenübertreten? Bei den Christlichen Familien ist das sicher wie immer, aber wie werden sich unsere Familien islamischen Glaubens verhalten?

        Wird es eine Art von Widerstand in der Gesellschaft entwickeln und die Menschen sich sichernd wie scheues Wild verhalten lassen? Ich schließe beide Religionen in meine guten Wünsche und Hoffnungen ein, ich bete für Beide! Und ich schließe die tapferen Ordensleute darin ein, die unermüdlich dort ihre Arbeit tun. Sie sind Menschen, die unsere Gebete und unsere Bewunderung verdienen.

        Unsere unbekümmerten Reisen ins Landesinnere sind wohl Vergangenheit, wir werden uns von jetzt an wohl an die Spielregeln halten müssen. Unbefangene Gespräche gehören wohl auch dazu, es wird wohl ein vorsichtiges Tasten und unendlicher Spürsinn in jedem Einzelfall nötig sein.

        Ja und nach Kairo komme ich immer noch nicht durch außer zu Hotelrezeptionen oder öffentlichen Telefonnummern wie dem Flughafen, der Airline etc. und das soll seit Monaten Zufall sein?

      • Es steht zu erwarten, dass die ganz „normalen“ Begegnungen für Ägypter in Zukunft noch schwieriger werden. Wenn ich Ihre Beschreibungen des Alltags lese, drängt sich mir immer mehr das Bild eines „Gedankengefängnisses“ auf, das durch soziale Kontrolle stabilisiert und zementiert wird. Es kommt dann darauf an, wie „eng“ diese Kontrolle funktioniert. Je engmaschiger dieses gegenseitige Bespitzeln abläuft (das kennen wir ja aus der DDR), desto schwieriger wirds für Muslime, mit Gästen offen zu reden, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
        Natürlich hätten die Ägypter etwas Besseres verdient, aber dann hätten sie nicht die Muslimbrüder ins Parlament und ins Präsidentenamt wählen sollen.Schlimm genug, dass die Armut vieler Ägypter vom Lande durch Wahlgeschenke der Fundamentalisten, die sie mit saudischen Dollars bezahlt haben, dazu brachte, ihre Stimme soz. zu „verkaufen“.
        Bin gespannt, ob sich die Telekommunikation wieder herstellen lässt. Schätze, da hatte das Militär die Finger drauf, aber das ist nur Spekulation.

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