Ägypten: Ausschreitungen in Assiuts Universität

An der Universität von Assiut ist es am Samstag, den 09. Juni 2012, zu schweren Ausschreitungen zwischen christlichen und muslimischen Studenten gekommen, nachdem öffentlich wurde, dass eine Koptin dort freimütig Traktate weitergegeben und von ihrem Glauben erzählt hatte.

Ägypten

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Im Dormitorium der Hochschule begannen die Konflikte, die durch telefonisch herbeigerufene „Hilfstruppen“ von Verwandten und Bekannten schließlich größeres Ausmaß annahmen. Zwölf Personen sollen insgesamt dabei verletzt worden sein. Eine namentlich nicht genannte, koptische Studentin soll gemeinsam mit einem befreundeten Studenten der Ingenieurswissenschaften an Kommilitonen mutig und offen Traktate über das Christentum verteilt und offen Fragen zu ihrem Glauben beantwortet haben. Dies sprach sich herum und erregte den Zorn muslimischer Studentenkreise, die dies an die Aufsicht des entsprechenden Bettenhauses weitergaben. Diese Aufsicht sah noch keinen Grund, einzuschreiten, so dass offensichtlich zu „anderen Maßnahmen“ gegriffen wurde. Erst als die Aufseherin die Beschimpfungen und Schläge zu beenden versuchte, wurde auch sie in Mitleidenschaft gezogen.

Als im Rahmen der Gewaltausbrüche die Universitäts-Security-Mitarbeiter die Parteien zu trennen versuchten, erlitten auch sie heftige Verletzungen an Kopf und Hals. Das Gleiche gilt für andere Studenten, die sich schlichtend in die Schlägerei einmengen wollten.  Die der eskalierten Schlägerei folgenden Proteste sollen erst am darauffolgenden Sonntag, gegen 03.00 Uhr morgens beendet worden sein. Der Universitätspräsident Mostafa Kemal und diverse Sicherheits-Offizielle haben inzwischen den Ort des Geschehens besichtigt. Kemal drohte dabei an, die Verantwortlichen für die Gewalt der Universität zu verweisen und sie somit an der Teilnahme an den Abschlussexamen zu hindern. Wen genau er jedoch damit im Auge hatte, die evangelisierenden Studenten oder diejenigen, die es zur Eskalation kommen liessen, sagte er nicht. Das muss die Zukunft zeigen.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE RÜCKKEHR DER UNIVERSITÄT ZUM FRIEDEN. EINE STÄTTE DER BILDUNG SOLLTE KEINE „BRUT-„STÄTTE VON RELIGIÖSER GEWALT WERDEN.

(Quelle: „egypt independent“ vom 10. Juni 2012)

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2 Gedanken zu “Ägypten: Ausschreitungen in Assiuts Universität

  1. Ich denke, die Studentin hat trotz allem Verständnis unklug gehandelt!

    Sie hätte besonnen genug sein müssen, alleine und öffentlich zu agieren. Gerade Assyut ist schon seit Jahrzehnten brandgefährlich!

    Vor einigen Jahren ( es ist bestimmt c. 8 Jahre her) wurden dort in der Nähe -eine koptischer Wallfahrtsort irgendwo zwischen Minia uns der Universitätsstadt- 2 Busse mit jungen Koptischen Abiturienten an diesem Ort mit Maschinengewehren niedergeschossen. Es kam fast ein ganzer Jahrgang ums Leben. Vor 4 jahren wurde ein Koptischer Kinderarzt (bekannt und geliebt) mit fast seiner ganzen Familie in seinem Privathaus ermordet aufgefunden.

    Mir sind immer wieder von zuverlässigen! Koptischen Freunden aus dem Süden des Landes solche Fälle berichtet worden. Diese Ereignisse haben niemals den Weg bis nach Europa gefunden, so etwas wurde totgeschwiegen! Schon vor vielen jahren, damit die Kopten einigermaßen unbehelligt leben konnten.
    Diese junge Frau hat in ihrem jugendlichen Eifer nur schlafende Hunde geweckt!
    Die Region ist ohnehin noch ursprünglicher als der Rest des Landes. Sie wird auch als Schlupfloch von vielen obskuren Gestalten genutzt durch die vielen Möglichkeiten bedingt, die dort die Wüstenpassagen bieten. Kriminelle aller Kolleur und Schmuggler aus Lybien, mischen sich dort mit Radikalen, die immer mal wieder untertauchen müssen.
    Ich war einige Male mit meinem Mann dort auch in den letzten Jahren (natürlich nicht mit offizieller erlaubnis aber mit einer „Empfehlung“ sagen wir es mal so, die uns die Sperren öffneten. Die Menschen leben teils archaisch aber auch mit den westlichen Segnungen wie RTL und VOX.

    Da prallen verschiedene Jahrhunderte in jedem Haushalt aufeinander! Die Kinder spielen mit Esel und Nintendo und Game Boy, es ist völlig pervers!

    Gerade in diesen Gegenden werden die Christen gerne personalisiert mit Filmfiguren. Frauen sind unzüchtig, verdorben und in ständiger Gefahr. alleine der Islam kann ihnen das alles ersparen und sie sicher ins Paradies geleiten…….Nur SCHWARZ und WEIß! Ich habe diese Städte schon seit 1988 besucht und es hat sich eher noch mehr zurück entwickelt, sieht man davon ab, dass gerade Assyut eine hervorragende medizinische Fakultät vorweisen kann. Die Schere zwischen den gebildeten und den „Normalen“ Bürgern klafft sehr weit auseinander.

    Ein Arzt aus unserer muslimischen Familie (wir sind wirklich wie Schwestern und Brüder) hat 4 Jahre in Boston als Gynäkologe am Klinikum operiert. Er hält den Frauen seiner Familie glühende Vorträge, das -Entschuldigung- Tampons die auch in der Werbung dort zu sehen sind und in den Apotheken verkauft werden mit arabischer Gebrauchsanleitung- TEUFELSWERK seien, und der Unzucht mit einem anderen Manne gleichzustellen seien!!! In Amerika seien auch Frauen daran gestorben. Mag sein, es gibt eine Allergie, die wirklich mir dem Tod endet, aber dieser gebildete Arzt von knapp 40 Jahren mißbraucht hier seinen Berufsstand, um als religiöser Eiferer gut vor seinen Glaubensbrüdern dazustehen. Er legt einfach einmal so die regeln für sehr viele Frauen fest!

    Ich beschreibe dies so deutlich, damit sich der Leser des Artikels irgendwie vorstellen kann, WIE die Frauen dort der Willkür der Männer ausgesetzt sind selbst bei als ihren Frauen wohlwollenden Partnern ! Ich habe dort in den Familien jahrelang sehr dezent Aufklärung betrieben, wurde auch unter Anwesenheit meines Mannes ernsthaft und freundlich befragt. Ich komme aus der Medizin und kann mich in die Nomenklatur der Medizin flüchten, wenn es schwierig wird. Ich genieße dort vertrauen und habe es niemals mißbraucht. Es ist eine Gradwanderung, die Menschen sind abergläubisch, fehlinformiert und durch den islam gebunden.

    In einem solchen Klima grenzt es an Russisches Roulette, wenn sich eine einzelne Studentin -zu Recht natürlich- so in Szene setzt und auch andere Menschen gefährdet.Das hätte gerade sie wissen müssen. Es war eine sehr unkluge Vorgehensweise. Um dort etwas zu verändern zum Gunsten der Christen, muß es anders angegangen werden. Ägypten braucht nicht noch mehr Märtyrer!

    In Kairo wäre das evtl. anders ausgegangen, aber in Mittelägypten gleicht das fast einem SUIZID!

    • Danke für diese von Fakten und Ortskenntnis getragene Einschätzung. Offen gesagt, hatte ich mir das schon fast gedacht, als ich den Artikel gelesen hatte. Überhaupt ist das „offene“ Weitergeben christlicher Literatur in vielen Regionen dieser Welt schon fast ein Akt des Märtyrertums, weil man eben genau weiss, was darauf folgen wird. Dennoch sind wir alle dazu gerufen, das Evangelium „allen Völkern“ zu bringen. Genau daran fehlt es vor allem dem rückgratlos gewordenen Christentum in Europa: an dem, was ich „Märtyrergeist“ nenne. Wer schon in seinem eigenen Kollegen- oder Bekanntenkreis Christus nicht bekennen mag, der wird wohl auch kaum daran arbeiten, Seelen zu retten, geschweige denn dies auch noch unter Lebensgefahr tun. Und diese Lebensgefahr besteht doch auch bereits hier in Deutschland: versuchen wir doch mal, am Rande einer linksradikalen Demo oder eines Salafisten-Umzuges Seelen zu retten. Dann können wir uns das Messer auch gleich selbst in den Bauch rammen. Und das ist eben, genau wie Sie, liebe Frau Sieberz, nicht müde werden zu betonen, das Spannungsfeld, in dem z. Bsp. koptische (oder maronitische, syrisch-orthodoxe etc.) Christen leben: dem Wunsch, zu überleben, sich zu schützen und damit sicherzustellen, dass überhaupt noch Christen in bestimmten Regionen existieren einerseits und dem biblischen Auftrag, das Evangelium zu teilen und zu verbreiten, andererseits. In diesem Spannungsfeld zu existieren ist letztlich für alle Christen in der ganzen Welt eine der Hauptaufgaben und ein permanenter Tanz auf dem Drahtseil, wenn man noch über ein Gewissen verfügt.
      Danke auch noch einmal für die Betonung der Situation der Frauen in solchen Regionen ! Ich gestehe, dass mir als Mann da vielleicht manchmal etwas der Fokus oder die Sensibilität für deren besonders gefährdete Situation abgehen mag, weshalb ich für solche korrektiven Hinweise dankbar bin. Die Reihenfolge in der Hierarchie des Islam ist eben: 1. muslimische Männer, 2. muslimische Frauen, 3. „Ungläubige“ Männer, 4. „Ungläubige“ Frauen. Somit sind Frauen, die sich nicht verschleiern, die sich gar offen zu einem anderen Glauben als dem Islam bekennen, in solchen Ländern Menschen vierter Klasse. Dies beweisen ja auch die unzähligen Fälle von Missbrauch in Pakistan, deren Opfer christliche Mädchen sind. Bisher habe ich mich mit der Berichterstattung darüber hier im Blog sehr zurückgehalten, weil manche Fälle einfach so widerlich sind, dass sie wie ganz simple „islamophobe“ Propaganda klingen würden, wenn ich sie adäquat übersetzte. Aber diese Haltung überdenke ich gerade.
      Die Frage, ob und wieviele Märtyrer Ägypten braucht, kann ich nicht beantworten, dass müssen die ägyptischen Christen für sich selbst entscheiden. Die koptische Kirche nennt sich selbst auch gerne „Märtyrerkirche“ und das mit gutem Grund. Ab wann dieses mutige Bekennen die Existenz der koptischen Gemeinschaften als solcher in Frage stellt, muss vor Ort und dort entschieden werden. In jedem Falle nötigt mir jedoch die Entschlossenheit vieler Kopten, ihren Glauben unter Lebensgefahr zu bekennen, eine gehörigen Respekt ab. Mehr Respekt, als ich für die zeitgeistigen Modetrend-Pfarrer in Deutschland aufbringen kann. Wie gesagt: wir Christen wissen, wohin wir gehen und „Blutzeuge“ für Christus zu sein, kann UNS ALLEN bevorstehen, das dürfen wir nicht verdrängen. Nur sollte dieses Opfer dann eben möglichst auch sinnvoll sein und nicht völlig blind und ohne Wirkung verpuffen. Insoweit kann ich Ihre Argumentation verstehen.

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