Erfahrungen: was der Verbreitung unserer Nachricht im Wege steht

In den letzten Tagen habe ich viele Gespräche mit Christen aus unterschiedlichen Regionen unseres Landes führen können. Ich traf sie bei ganz unterschiedlichen Anlässen und war erfreut darüber, wie einfach man mit anderen Gläubigen ins Gespräch auch über kontroverse Themen kommen kann.

Stift zu Kommentaren.

Kommentar

Erst unlängst hat mir eine gute Freundin, die bestens in der „Christenszene“ vernetzt ist,  mit traurigem Unterton in der Stimme mitgeteilt, dass viele Christen, die sich einstmals für die verfolgten Geschwister interessiert haben, dabei sind, sich wieder von ihnen abzuwenden. Informationen werden wieder abbestellt, Rundbriefe nicht gelesen und die sehr guten Info-Schriften wie „Stimme der Märtyrer“ oder die Rundbriefe von „open doors“ werden unbeachtet weggeworfen oder gleich gar nicht erst mitgenommen. Alles Erfahrungen, die ich aus meiner Arbeit nur voll und ganz bestätigen kann. Es scheint, als ob wir solidarischen Christen nicht nur keinen Erfolg hätten, sondern sogar noch potentielle Mitstreiter im Kampf um Aufmerksamkeit für die Christenverfolgung zu verlieren scheinen.

Gelegentliche „Zwischenerfolge“ wie der wunderbare und gesegnete Marsch der Christen für Eritrea in Berlin vom 01. Juni 2012 können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir engagierten Gläubigen, die genau wissen, dass wir uns in einem geistlichen, „permanenten Abwehrkampf“ gegen die Mächte des Bösen befinden, immer weniger werden. Ja, wer heute noch inner-christliche Solidarität anmahnt, bekommt immer größere Widerstände zu spüren. Die Mächte von

  • Verweltlichung,
  • Selbstzufriedenheit und daraus resultierender Ignoranz,
  • Reizüberflutung und kurzer Aufmerksamkeitsspanne,
  • Spalterei, die uns Christen ins Ohr flüstert, wir müssten mehr auf die Dinge achten, die uns trennen, als diejenigen, die uns gemeinsam sind,
  • christlicher Wohlstands-Theologie, die uns dazu bringt, uns nur um uns selbst zu kümmern,
  • falscher Ökumene, die nicht auf gemeinsamen Werten und Arbeit für gemeinsame Ziele beruht,
  • etc.

greifen uns an und lenken uns von wichtigen Dingen ab. Von unserer Beziehung zu Christus, von unserem Engagement für Andere, wozu auch die Christen in Not gehören. Das Überangebot an christlichen „Konferenzen“, „Selbsterfahrungsseminaren“ und unsere alltäglichen Probleme vernebeln uns mehr als einmal die Sicht auf Dinge, die uns eigentlich am Herzen liegen sollten.

Verstehen Sie mich nicht falsch, liebe Leser, ich richte hier nicht über „alle Anderen“, ich kenne diese Versuchungen und Hindernisse auf dem Weg zu geistlicher Klarheit selbst nur viel zu gut. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht auch selbst frage, ob ich alles getan habe, was ich tun konnte, um auf die Anliegen verfolgter Christen aufmerksam zu machen. Waren meine Artikel eindeutig und klar genug ? Habe ich genügend Leute auf meinen Blog aufmerksam gemacht ? War ich geduldig genug in meinem letzten Gespräch mit einer christlichen Schwester/einem christlichen Bruder, als ich die Gründe für ein Engagement gegen Christenverfolgung erklärt habe ? War ich wieder zu faul, Flyer zu verteilen und habe stattdessen lieber Fussball im Fernsehen geschaut ? Ein gesundes Maß an Selbstprüfung ohne falsche Selbstanklage ist sicher allen solidarischen Christen eigen.

Jüngst begegnete mir auch noch eine perfide, neue Entwicklung in der deutschen Christenheit, die zunächst eher politisch motiviert zu sein scheint, aber indirekt doch auch den Zielen dieses Blogs entgegensteht. In Zufallsbegegnungen mit kritischen, engagierten Christen, die ich sonst eigentlich immer sehr schätze, bemerkte ich mit großem Entsetzen eine Tendenz zu sog. „antizionistischer Israelkritik“, die unter dem Deckmantel des „nonkonformistischen Denkens“ offen anti-israelische und judenfeindliche Inhalte auch in den Gemeinden voranbringen will. Dazu grundsätzlich ein paar Worte vorweg:

  • Dankenswerterweise stehen die meisten Kirchen und Gemeinden ganz offen und unwandelbar an der Seite Israels und Diskussionen über dessen Existenzrecht finden dort ganz bewusst nicht statt ! Diese Haltung unterstütze und befördere ich, wo immer es nur geht.
  • Eine differenzierte und ausgewogene Betrachtung von Politik schließt auch die Prüfung von Motiven und Handlungen israelischer Politiker und der Regierung Israels mit ein. Warum auch nicht, ich nehme mir ja auch das Recht, über Syrien, Ägypten, den Libanon und Jordanien zu sagen und zu schreiben was ich möchte, heraus. Alle Leser dieses Blogs wissen, dass ich ein offenes Wort pflege.
  • Jedoch ist mir eines dabei immer bewusst und das jenseits der „historischen Verantwortung Deutschlands für Israel“ und ähnlicher, durch gesteuertes Schuldgefühl instrumentalisierten Phrasen: Israel vertritt als politisches System in Nahost als einziges Land Werte, die denen gleichen, die auch in der gesamten „westlichen Welt“ gelten. Das verbindet.
  • In einem Meer von muslimischen Judenhassern behauptet sich ein winziger Staat seit Jahrzehnten durch seine extreme Wachsamkeit und Bereitschaft, an jedem Tag für sein Überleben zu kämpfen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das nötigt Respekt ab.

Aus diesen und anderen Gründen sehe ich mit Entsetzen, wie sich Teile der Kirchen „entsolidariseren“ und mit obskuren Theorien von „zionistischen Weltverschwörungen“ angefeuert offen oder verdeckt das Werk der Feinde Israels tun. Das katholische „Pax Christi“ springt mittlerweile auf den „kauft nicht bei Juden“ – Zug auf und von den extremen Linken in der EKD kann ich wohl gar nichts anderes erwarten, als dass Pastoren sich vor Supermärkte postieren und Kunden dazu auffordern, keine israelischen Südfrüchte zu erwerben, da diese ja auch aus „den besetzten Gebieten“ stammen könnten.

Wenn es nach diesem Standard ginge, dann dürfte ich ja auch keine türkischen Produkte mehr kaufen, weil dort keine Kirchen gebaut werden können und alle auch nur halbwegs selbständigen Journalisten im Knast sitzen. Oder wie steht es mit russischem Erdgas ? Müsste meine Wohnung im Winter kalt bleiben, weil in Russland die Glaubensfreiheit langsam immer mehr eingeschränkt wird ? Bleiben wir mal schön auf dem Teppich und werden nicht kleinlicher, als nötig. Warum aber spreche ich dieses Thema überhaupt an, da es doch ein mehr oder minder (kirchen-) politisches Thema zu sein scheint ?

Weil im Schatten und in der Deckung dieser „Antizionisten“ die eine unheilige  Allianz der ganz, ganz Rechten und ganz, ganz Linken bilden, eine Relativierung beispielsweise des iranischen Mullah-Regimes einsetzt, die leider erfolgreich versucht hat, in unseren Gemeinden Fuß zu fassen. Wer den Iran weder als ganz reale Gefahr für den Frieden des gesamten Nahen Ostens wahrnimmt, noch deren radikalen, in diesem Falle schiitischen Islam als geistlichen Gegner im Ringen um die unsterblichen Seelen der Geschöpfe des Vaters wahrnimmt, den interessiert natürlich auch das Schicksal von dort inhaftierten Christen wie Youcef Nadarkhani, Farshid Fathi, Behnam Irani und anderen kein Stück.

Das ist die Gefahr, die ich für die Botschaft von der weltweiten Verfolgung sehe. Von mir aus mag man behaupten, das sei alles „weit hergeholt“ und es sei wiederum eine eigene Verschwörungstheorie. Die Zukunft wird dies zeigen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle alle um das Wohlergehen der verfolgten Christenheit, ja der Christenheit weltweit insgesamt, Besorgten auffordern, auch anti-israelischen und anti-jüdischen Gedanken in ihren Kirchen eine klare, ausnahmsweise mal nicht auf historischem Schuldgefühl basierte, Absage zu erteilen. Und wenn Sie das tun, dann würde es mich sehr interessieren, zu erfahren, welche Erfahrung Sie dabei gemacht haben. Notfalls anonym bin ich gerne bereit, Ihre Eindrücke dann auch hier zu veröffentlichen. (stefanus1@gmx.de) Auch wenn Sie Erfahrungen im Einsatz für verfolgte Christen besitzen, die Sie gerne mit den Lesern dieses Blogs teilen möchten, dann würde ich mich über Ihre ganz persönlichen Berichte freuen.

In diesem Sinne wünsche ich wieder einmal allen Lesern einen gesegneten (Sonn)Tag.

Ihr

Martin Clemens Kurz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s