Iran: christliches Ehepaar verhaftet

Die staatlichen Maßnahmen gegen die christliche Minderheit des Iran laufen, im Schatten des international beachteten Falls Youcef Nadarkhani, in unverminderter Schärfe weiter. 

Iran

Quellen aus dem Iran sprechen bereits hinter vorgehaltener Hand von einer konzertierten Aktion, um den Iran „christenrein“ zu machen. Aber wie dem auch immer sein mag, die Fakten des jüngsten Übergriffes sind wie folgt:
Am 24. Mai 2012 wurden in Kharaj die beiden Gemeindeältesten  Mehrdad Sajadi und seine Frau Forough Dashtiani verhaftet. Beide dienen in der Evangelischen „Immanuel“-Gemeinde der Stadt und fungieren dort auch als Bibel-Lehrer. Wie in ähnlich gelagerten Fällen üblich, stürmten Sicherheitsbeamte in Zivilkleidung die Wohnung des Ehepaares und legten dabei keinerlei Legitimation für ihre Handlung (Gerichtsbeschluss etc.) vor. Die Beamten wiesen sich ebensowenig durch Dienstpapiere aus. Die Wohnung der Christen wurde, wie im Iran üblich, dabei verwüstet, diverse Materialien und persönliches Eigentum „beschlagnahmt“ (ähnlich wie bei derartigen Überfällen in Ländern wie China werden sie ihre Hab nie wiedersehen).

Das christliche Ehepaar wurde an einen unbekannten Ort verbracht. Gerüchte, die aber noch keine Bestätigung fanden, besagen, sie könnten gar im berüchtigten Evin-Gefängnis von Teheran sein, wo der Iran seit der „Revolution“ der Mullahs gerne alle unliebsamen Personen „zwischenlagert“. Familie und Freunde des Paares haben bereits versucht, mehr über den Ort der Verbringung und die Hintergründe der Inhaftierung zu erfahren, aber wahrscheinlich „basteln“ die Anklagebehörden noch, je nach Lust und Laune und in den Privaträumen der Christen aufgefundenen Materialien, an einer nachträglichen, möglichst „verhandlungssicheren“ Anklage, die zu langen Haftstrafen führen kann. Ob es den Inhaftierten möglich sein wird, auf „Kaution“ (wird in fast allen Christenverfolgerstaaten nie zurückerstattet, sondern als Sondersteuer für den Justizapparat verwendet) wieder freizukommen, ist ebenfalls noch nicht bekannt.  Selbst diese Freilassung wäre aber noch kein echter Fortschritt, wenn man die Verfolgungs-Mechanismen des Iran in anderen Fällen zugrundelegt.

In den vergangenen Monaten hat es eine Serie vergleichbarer Verhaftungen in mehreren Städten des Iran gegeben. Der Druck auf alle christlichen Gemeinden wird immer mehr erhöht. Größeren Gemeinden sind bereits Bescheide der Behörden zugegangen, in denen sie dazu aufgefordert werden, Listen ihrer Mitglieder, inklusive Personalausweis-Nummern, Adressen etc., zu erstellen, die dann den Behörden zu übergeben wären. Eine Gemeinde der „assemblies of god“ in Teheran soll bereits damit begonnen haben, dieser Aufforderung nachzukommen.  Die „islamische Republik Iran“ erhofft sich von diesen Listen eine bessere Übersicht über mögliche Konversionen, über die Größen der Gemeinden und ihren Einzugsbereich. Ebenso wird auch seit Monaten massiv gegen alle Gemeinden vorgegangen, die Gottesdienste in der Landessprache Farsi anbieten oder freimütig Konvertiten vom Islam in ihren Reihen dulden. Letzteres ist natürlich „illegal“ im Iran.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR ALLE VERFOLGTEN CHRISTEN DES IRAN (ALSO ALLE IRANISCHEN CHRISTEN DE FACTO). BETEN SIE AUCH FÜR IHRE VERFOLGER, WIE ES UNS DER HERR GEBOTEN HAT, DENN WO GOTT WIRKT, KANN AUCH DER SCHLIMMSTE SÜNDER SICH BEKEHREN UND MIT DEM ÜBLEN TUN AUFHÖREN.

(Quelle: „mohabat news“ vom 05. Juni 2012)

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2 Gedanken zu “Iran: christliches Ehepaar verhaftet

  1. Liebe nichtchristliche Leser dieser Seiten: Christen beten auch für Ihre schlimmsten Feinde. Beten heisst, sie dem dreieinigen Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) hinhalten und seine Hilfe und sein Erbarmen erbitten. Christen lieben auf diese Weise ihre Feinde. Es heisst aber nicht, dass Christen sich alles bieten liessen. Der heilige geist hat uns sehr wohl den Geist der Unterscheidung gegeben und nun sollten wir auch reichlich Gebrauch davon machen und uns nicht im Unklaren verflüchtigen. Das hilft niemandem.

    • Danke für diese differenzierenden und dennoch klaren Worte. Genau dahin argumentiere ich seit Monaten. Da wir Christen immer Hoffnung haben und wissen, dass „bei Gott alle Dinge möglich“ sind, bitten wir selbst noch für die Verfolger und Menschenquäler, damit sie ihre Sünden einsehen und sich von ihnen abwenden. Paulus ist uns allen ein Beispiel dafür, wie solch eine Umkehr gelingen kann und sogar noch segensreich wird.
      Aber „rückgratloses“ Christentum nutzt auch nichts. Wer „für alles offen“ ist, ist irgendwann nicht mehr ganz dicht. Christen stehen auf der Basis der Bibel für viele, gute Werte ein, für die wir uns nicht enschuldigen müssen, die wir auch nicht aufgeben oder relativieren müssen. So sehr wir auch unseren Glauben „im 21. Jahrhundert“ leben und unsere Überzeugungen immer wieder vor dem Hintergrund „der Welt“ prüfen müssen.

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