Nigeria: Ex-Kirchenleiter spricht Präsident ins Gewissen

Es ist schon seit längerem bekannt, was in Nigeria passiert: eine sozial und ethnisch diverse Nation mit massiven Problemen wird von islamischen Terroristen heimgesucht, die zunächst den Norden des Landes und schlussendlich auch das ganze Land zum Gottesstaat unter der Scharia machen wollen, so wie es erst kürzlich im Norden Malis geschehen ist.

Karte von Nigeria.

Nigeria

Zugegeben, das klingt zunächst eher nach einem innenpolitischen Thema oder überhaupt nach Politik, die ich hier im Blog ja üblicherweise nicht direkt anrühre. Aber diese Ausgangssituation in Nigeria hat für die Christen der 12 nördlichen Bundesstaaten, die bereits mehr oder minder unter der Scharia stehen, Konsequenzen, die das Thema Christenverfolgung, dem sich dieser Blog gewidmet hat, illustrieren. Und dies bereits von Anfang an. Einer der ersten Artikel hier im BGVK-Blog vom Januar 2011 berichtete über Nigeria und seitdem hat uns die Lage im Land, die für Christen immer unerträglicher wird, nicht mehr losgelassen.

Zu beobachten war dabei in den letzten Monaten leider, wie die „Qualitätspresse“ ebenso wie z. Bsp. auch die derzeitige US-Regierung dazu übergingen, die Attacken der islamischen Terroristen von der “Gruppe zur Propagierung der Lehren des Propheten und des Dschihad” (Ex-”Boko Haram”) durch semantischen Feinschliff zu „ethnischen“ oder „sozialen Konflikten“ umzudefinieren, die von „wirtschaftlicher Ungerechtigkeit“ bei der Verteilung von Öl-Gewinnen motiviert seien.

Nun will niemand, der es mit dem Land oder seinen Einwohnern gut meint, ernsthaft in Abrede stellen, dass es dort schwere ethnische Konflikte, etwa zwischen sesshaften Berom und nomadischen Fulani im Plateau State oder ein eklatantes Einkommensgefälle gibt. Aus all dem schöpft aber letztlich nur die von ihrem fanatischen Eroberungseifer getriebene “Gruppe zur Propagierung der Lehren des Propheten und des Dschihad” (Ex-”Boko Haram”) ihren Treibstoff für den Dschijad. Die wirklichen Bedürfnisse etwa der hungernden Bevölkerung des Nordens oder der Fulani sind den Dschihadisten ebenso gleichgültig wie das Leben von Nichtmuslimen und Regierungsvertretern, dem sie mittels Hieb-, Stich- und Schusswaffen sowie Bomben regelmässig ein Ende machen. Ihre nicht unerheblichen Mittel gibt diese Terror-Sekte lieber für Waffen und Bestechungen aus, anstatt Gutes damit zu tun.

Soviel vorweggeschickt, bevor ich zu den Äußerungen komme, die jüngst während einer Konferenz und eines Gottesdienstes zum nigerianischen „Democracy Day“ zur Sprache kamen. Augenzeugen, darunter auch Journalisten machten dabei deutlich, dass die bislang veröffentlichten Opferzahlen der jüngsten „Mai-2012“-Attacken auf Christen im zentralen Bundesstaat Plateau von der Regierung massiv geschönt worden seien. Journalisten, darunter auch ein Vertreter des Nachrichtenportals „compass direct“ wurden dabei während eines Besuches in der Region Zeugen der Attacken und entkamen, Gott sei Dank, um davon zu berichten.

Das Militär hatte dabei bislang die Zahl von 35 Todesopfern der Attacken von Fulani-Nomaden auf Dörfer in Plateau State veröffentlicht. Diese Zahl sei aber nicht realistisch, wie von Medienvertretern und Augenzeugen übereinstimmend ausgesagt wird. In fünfzehn Dörfern habe es im Mai Überfälle gegeben. Die Opferzahlen lägen im dreistelligen Bereich und mehr als 1.000 Menschen wurden durch die Attacken ihres Obdachs beraubt und heimatlos, so das Nachrichtenportal „compass direct“, das einen eigenen Korrespondenten auf Spurensuche geschickt hatte.

Die Attackierten bezeichnen die Angreifer dabei immer wieder als „Fulani-Nomaden“, die offensichtlich durch die islamischen Terroristen der  “Gruppe zur Propagierung der Lehren des Propheten und des Dschihad” (Ex-”Boko Haram”) mit Waffen versorgt wurden, um deren Schmutzarbeit zu verrichten. So sagt beispielsweise ein Mann namens Dauda Gyang aus, dass sein jüngerer Bruder während der Überfälle auf den Ort Gwarim getötet worden sei, die über zwei Wochen andauerten ! Über den Modus Operandi der Täter sagt er folgendes aus:

 Ihr Angriffsmodus ist der, dass sie aus der Distanz auf die Bewohner schiessen, um sie zu erschrecken und zu ängstigen. Sobald die Dorfbewohner anfangen zu fliehen, kommen sie und zünden die Häuser und Hütten an. Allein in meinem Dorf haben sie zehn Häuser abgebrannt.

Die Sicherheitsbehörden haben sich mittlerweile mit Opfern und Vertriebenen dieser Attacken getroffen und diese aufgefordert, in ihre Orte zurückzukehren, da sie ihnen Schutz gewähren könnten. Dafür seien Truppen verlegt worden.  Es wird nun aber auch massive Kritik am Verhalten der Sicherheitsbehörden und der Politik laut. Diese seien ineffektiv oder gar mit den Angreifern im Bunde, wie jetzt ein ehemaliger Abgeordneter von Plateau State, Emmanuel Jugul, zu Protokoll gab:

 Die Sicherheitsbehörden der Region sind nicht vertrauenswürdig. Entweder tun sie einfach ihre Arbeit nicht, oder sie konspirieren mit den Angreifern, weil sie nichts getan haben, um die Tötungen zu unterbinden. Und das obwohl in den betroffenen Regionen bereits der Notstand ausgerufen wurde.

Am Pfingstsonntag, den 27. Mai 2012, hat nun der ehemalige Primas der Anglikanischen Kirche Nigerias, Peter Akinola, im Rahmen eines Gottesdienstes zum nigerianischen „Democracy Day“ dem Staatspräsidenten Goodluck Johnathan öffentlich „die Leviten gelesen“ und Klartext gesprochen. In der Hauptstadt Abuja sprach er die Aktivitäten der  “Gruppe zur Propagierung der Lehren des Propheten und des Dschihad” (Ex-”Boko Haram”) direkt an. Er warnte dabei die Öffentlichkeit davor, anzunehmen, diese Gruppe sei von etwas anderem motiviert als dem dschihadistischen Wunsch, das Christentum zu beseitigen. Die Behauptungen, bei dem Konflikt gehe es um soziale Ungerechtigkeit, wies er zurück.  Auch sprach der 68-jährige den anwesenden Staatspräsidenten Goodluck Johnathan direkt an:

 Sie („Boko Haram“) wollen „Ungläubige“ eliminieren, das betrifft auch Sie, Herr Präsident ! (Präsident Johnathan ist Christ, Anm. d. Übers.) Sie machen sich selbst lächerlich, wenn Sie den Dialog mit einer Gruppe beginnen, die das Land unregierbar macht. Behandeln Sie sie nicht mit Samthandschuhen ! Mit Kriminellen führt man keinen Dialog !

Und über die „Boko Haram“ sagt er folgendes:

 Die Boko Haram muss im richtigen Kontext gesehen werden. Sie ist eine Fortführung der Vergangenheit. Vergessen Sie all die politischen Behauptungen, dass Boko Haram nicht gegen die Christenheit gerichtet ist. Sie ist es. Das geht schon seit 1966 so. Sie haben sich dem Djihad verschrieben. Man kann sie (mit konventionellen Mitteln) nicht aufhalten, da der Djihad ihre religiöse Pflicht ist. Sie haben das seit 36 Jahren gemacht, sie tun es jetzt und sie werden nicht aufhören es zu tun.

Er verwies dabei u. a. auch auf die ausländischen Geld- und Waffenlieferanten und die besten Verbindungen der  “Gruppe zur Propagierung der Lehren des Propheten und des Dschihad” (Ex-”Boko Haram”) zu internationalen, islamischen Terrornetzen.  Wortwörtlich nannte er die Gruppe eine „blutrünstige, islamische Sekte ohne jegliches Verständnis für die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens“.

BITTE BETEN SIE FÜR DIE BEDRÄNGTEN UND GEQUÄLTEN CHRISTEN ZENTRALNIGERIAS. IHRE STANDHAFTIGKEIT MUSS IHRE ZUKUNFT BILDEN. BETEN WIR AUCH DAFÜR, DASS DIE CHRISTEN NIGERIAS SICH VON RACHEGEDANKEN FERNHALTEN UND NUR MASSNAHMEN ZU IHREM SELBSTSCHUTZ ERGREIFEN.

(Quelle: „compass direct news“ vom 29. Mai 2012)

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Ein Gedanke zu “Nigeria: Ex-Kirchenleiter spricht Präsident ins Gewissen

  1. Schade eigentlich, dass nur Kirchenvertreter, die als im Ruhestand befindliche Hirten nichts mehr zu verlieren haben, solche deutlichen Worte finden und den „appeasement“-Politikern den Spiegel vorhalten. Bei aller „moralischen“ Autorität, die Bischof Akinola noch immer haben mag, sollten doch lieber die Herren in Amt und Würden etwas entschlossener auftreten. Und nicht nur im sonnigen Nigeria…

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