Bangladesh: unbequemer, christlicher Menschenrechtler wird langsam aber sicher „abgemeldet“

Bangladesh ist hierzulande eigentlich nur durch die große Armut im Lande und den mit unwandelbarer Regelmässigkeit auftauchenden Monsun bekannt. Aber da ist mehr, wie uns der Fall des Menschenrechtsaktivisten William Nicholas Gomes beweist.

William Nicholas Gomes, 28, ist Konvertit vom Islam und hat in den vergangenen Jahren aktiv in seiner Heimat über Menschenrechtsverletzungen und Gewalt gegen religiöse und ethnische Minderheiten berichtet.  Als Korrespondent von „Asia News“, einer auch von mir sehr geschätzten Quelle, hat er direkt von Ereignissen aus Bangladesh berichtet, die andere Nachrichtenagenturen gar nicht auf dem Schirm hatten. Für die unabhängige Menschenrechtsgruppe „Asian Human Rights Commission“ untersuchte er im ganzen Land Menschenrechtsverletzungen und dokumentierte Fälle von rassischer oder religiöser Diskriminierung. Während seiner Reise kam es auch vor, dass er über seine Bekehrung sprach, was ihm nun möglicherweise zum Verhängnis wurde.

Bangladesh hat laut Verfassung den Islam als Staatsreligion. Der Anteil der Christen an der Bevölkerung liegt laut „open doors“ bei unter einem Prozent. „Open doors“ dazu weiter im Länderprofil, wo Bangladesh auf Platz 49 im Weltverfolgungsindex steht:

 Im Internet, aber auch im Fernsehprogramm des Landes, wird sporadisch gegen den christlichen Glauben gehetzt. Dabei werden gerade gegen Christen, die sich vom Islam abgewandt haben, immer wieder falsche Anschuldigungen vorgebracht und die Gläubigen dadurch eingeschüchtert.

Seit 2009 ist Hasina Wajed wieder Ministerpräsidentin. Die Politikerin der „Awami-Liga“, einer sozialistisch-zentralistischen Partei, war bereits von 1996 – 2001 einmal Regierungschefin und wird jetzt indirekt für die Taten einer paramilitärischen Polizeitruppe verantwortlich gemacht. Dieses „Rapid Action Battallion“ (RAB) soll seit 2009 für mehr als 200 Morde an Oppositionellen beteiligt gewesen sein.

Auch William Nicholas Gomes begann vor einiger Zeit damit, sich politisch zu engagieren und der Regierung auf einer angeblich recht populären Website die Stirn zu bieten. In Berichten und Gedichten drückte er sein Unbehagen über die rücksichtslose und autoritäre Politik der Regierung aus. Die RAB hatte ihn dafür im vergangenen Jahr festgenommen und gefoltert, um ihn einzuschüchtern und zum Verstummen zu bringen. Er wurde wieder freigelassen, aber seine Aktivitäten wurden auf Schritt und Tritt überwacht. Die alles andere als unabhängige Justiz begann nun, einen Fall von „Anzettelung von Aufruhr“  gegen ihn vorzubereiten. Daraufhin verließ er Bangladesh und tauchte im Spätsommer 2011 in Hong Kong unter.

Von dort aus betrieb er aber weiterhin seine Website „williamgomes.org“, wo er sich ausführlich über die von ihm während seiner Reisen durchs Land gewonnen Erkenntnisse ausließ. Diese Website wird jetzt von der Regierung Bangladeshs mit aktiven Blockademaßnahmen versehen und kann derzeit im Land nicht mehr angewählt werden. Gomes ruft die Regierung dazu auf, diese Blockade zu beenden und sich bei ihm zu entschuldigen:

 Ich glaube, dass Zensur eine Maßnahme nicht für die Erlangung größerer Freiheiten, sondern für das Vorenthalten von Freiheiten ist.
Ich glaube, dass Zensur eine Chance für die Mächtigen ist, Individualismus zu unterdrücken und Zwang und Totalitarismus zu verstärken.

William Nicholas Gomes bekommt trotz des „Ausblendens“ seiner Meinung aus dem politischen Diskurs in Bangladesh noch immer viel Solidarität bekundet. Vor allem die ebenfalls mit Zwangsmaßnahmen und sozialer Diskriminierung auf allen Ebenen konfrontierten Christen Pakistans haben sich unmißverständlich auf seine Seite geschlagen. Der Pakistan Christian Congress hat sich öffentlich für ihn ausgesprochen. Seine Website will er von einen anderen Server aus beizeiten wieder zugänglich machen.

Gomes lebt in Hong Kong ohne seine Frau und zwei Kinder, denen die Ausreise verweigert wird. Aber er weigert sich weiter beharrlich, sich der Macht der Politiker zu beugen. „Ich neige mein Haupt nur vor Gott.“ so lässt der mutige Aktivist verlauten.

BITTE BETEN SIE FÜR VERSORGUNG, SOLIDARITÄT UND KRAFT FÜR WILLIAM NICHOLAS GOMES. CHRISTEN MIT RÜCKGRAT, SO WIE ER EINER IST, ZAHLEN IMMER EINEN HOHEN PREIS FÜR IHR ENGAGEMENT.

(Quelle: „bosnewslife“ vom 27. Mai 2012)

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