Pakistan: illegal enteignetes, kirchliches Grundstück wird weiterhin nicht zurückgegeben

Bereits im Januar 2012 haben wir hier im Blog über den illegalen Abriss eines Gebäudes der Caritas und die anschließende illegale Beschlagnahme des Grundstücks durch die Regionalregierung von Pandschab in Lahore berichtet.

Das Caritas-Zentrum, in dem sich ein Tagespflegeheim für ältere Menschen, eine Nähschule für Mädchen, eine Kapelle und ein Schwesternkonvent sowie weitere Einrichtungen der katholischen Kirche befunden hatten, war am 9. Januar 2012 unter Aufsicht eines hohen Beamten der Lokalregierung, unter Polizeischutz und mit schweren Geräten niedergerissen worden.

Nun hat der Apostolische Administrator der Erzdiözese Lahore/Pakistan, Bischof Sebastian Francis Shaw zur aktuellen Lage in den seit damals laufenden Rückgabeverhandlungen Stellung bezogen. Gegenüber dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ hat er im Interview beklagt, dass die Regionalregierung die Rückgabe zwar regelmässig zusage, jedoch offensichtlich nicht daran interessiert sei, dies auch tatsächlich zu tun.

 Es sieht nach leeren Versprechungen aus. Selbst nach einem Gespräch mit einem Regierungsbeamten, der uns die sofortige Rückgabe zusicherte, ist nichts passiert. Wenn uns die Provinzregierung das Grundstück zurückerstattet, wird sie uns nicht dafür entschädigen, dass sie die Gebäude niedergerissen hat. Wir müssen selbst für den Wiederaufbau aufkommen. Es ist ungerecht.

Auch zur Strategie der Verhandlungsführer der Regionalregierung macht Bischof Shaw sehr interessante Angaben. Als Vorbedingung für die Rückgabe sei so z. Bsp. die Einrichtung einer Schule aus eigenen Mitteln auf dem Gelände genannt worden.

 Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch dies dazu dient, die Erstattung hinauszuzögern, da die Regierung möglicherweise hofft, dass wir diese Bedingung nicht erfüllen können. Wir sind für die Regierung als Christen ein leichtes Opfer,da sie von uns keine Gewaltausbrüche zu befürchten hat.

Die Katholiken von Lahore seien mittlerweile sehr aufgebracht über diese Situation und die Arroganz, die aus dem Verhalten der Regierungsvertreter spricht.

 Sie sagen: ‘Wir sind gebürtige Pakistanis, wir arbeiten für den Fortschritt und das Wohl Pakistans. Die Regierung sollte uns schützen!‘

Eine recht typische Fehleinschätzung christlicher Minderheiten in vielen Ländern Asiens scheint hinter dem Verhalten der Behörden zu stehen. Christen gelten in vielen, auf religiös-ethnische Konformität bedachten Ländern als „soziale Spalter“ und gesellschaftlich desintegrierend. Deshalb werden sie unterdrückt, vertrieben, mit Zwangskonversionen in ihrer Zahl geschwächt und oftmals getötet. Da Christen aber gerne „dem Kaiser geben, was des Kaisers ist“ sind sie eben nur Sündenböcke für andere, gesellschaftliche Miss-Stände. Sie sind nämlich üblicherweise die am einfachsten zu regierende, soziale Gruppe, wenn man ihr Menschenrecht auf freie Religionsausübung nicht einschränkt oder ganz und gar negiert.

„kath.net“ berichtet aber auch noch ein anderes, interessantes Detail über das fragliche Caritas-Zentrum:

Bereits seit 2007 gibt es einen Rechtsstreit um das seit 1887 bestehende Zentrum. Es wurde vom Staat widerrechtlich enteignet, nachdem eine zum Islam konvertierte Frau, die die Hilfe der Caritas in Anspruch genommen und in dem Zentrum eine Unterkunft gefunden hatte, Eigentumsrechte auf die von ihr bewohnten Räumlichkeiten erhoben hatte.

Tja, die „Ungläubigen“ müssen all ihre Habe hergeben, wenn die „Rechtgläubigen“ dies verlangen. Diese Mentalität steckt hinter dem ganzen Fall, wie es scheint.

BITTE BETEN SIE DOCH AUCH FÜR EINE FRIEDLICHE, EINVERNEHMLICHE LÖSUNG DES RÜCKGABESTREITS UM DAS KIRCHLICHE ZENTRUM VON LAHORE.

(Quelle: „kath.net“ vom 25. Mai 2012)

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