Äthiopien: Tamirat Woldegorgis steht vor dem Nichts

Tamirat Woldegorgis aus Äthiopien steht vor dem Nichts. Der Christ aus der im Süden des Landes gelegenen „Somali-Region, Zone fünf“ war für viele Monate im Gefängnis, ist krank und hat alles verloren, was einst sein Leben ausmachte. Familie, Gesundheit, Beruf. 

Äthiopien

Was war geschehen ? Tamirat Woldegorgis, ein Christ aus dem Ort Hagarmariam, war Schneider in einer örtlichen Bekleidungsmanufaktur in Moyale, die er mit einigen Kollegen gemeinsam aus Privaträumen heraus betrieb. Dort arbeitete er mit Kollegen unterschiedlicher Religionen zusammen, bis ihm vorgeworfen wurde, er habe in die von ihm gefertigten Kleidungsstücke die Worte hineingenäht „Jesus ist Herr“. Das Gleiche soll er nach den Vorwürfen muslimischer Kollegen auch in einen Koran gekritzelt haben, in ein Holzstück geritzt, auf einen Minibus gesprüht und auf eine Hauswand geschrieben haben. Alle diese Vorwürfe waren unbewiesen, haben aber nach Medienberichten „lokale Scheichs“ wütend gemacht, was in dieser, ganz offiziell der Scharia unterworfenen Region Äthiopiens, gefährlich ist.

Und so kam es, wie es in Scharia-kontrollierten Regionen dieses Planeten immer kommt: der Mann wurde am 18. November 2010 zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen „Entweihung eines Korans“ verurteilt, obwohl weder Indizien noch Beweise vorlagen, sondern nur aufgrund von „Hörensagen“ geurteilt wurde. Aber die Aussage von Muslimen gilt vor Scharia – Gerichten mehr, als die von Christen, weshalb solche Urteile immer wieder zustande kommen, auch wenn die Zeugen und Ankläger ganz offensichtlich lügen. Wie dem auch sei: Tamirat Woldegorgis musste vor dem Antritt seiner Haft auch noch den plötzlichen Tod seiner Frau verkraften und wurde im Gefängnis von Jijiga misshandelt und zeitweise mit 50 anderen Häftlingen in eine winzige Zelle gesperrt. Er sagt dazu:

Das Leben im Jijiga-Gefängnis war sehr hart. Ca. 50 Gefangene wurden in einen kleinen Raum eingesperrt. Wir lebten geradezu zusammengepfercht. Dieses brutale Gefängnis in Jijiga konnte ich nur durch die Gnade Gottes überleben. Einige Insassen starben.

Die häufigen Misshandlungen dienten übrigens u. a. dazu, Tamirat Woldegorgis dazu zu bringen, seinem christlichen Glauben abzuschwören und Muslim zu werden. Wen dies nicht an die Behandlung erinnert, die Pastor Youcef Nadarkhani im Iran erhält, der hat entweder ein schwaches Gedächtnis, das ich hiermit gerne auffrische, oder glaubt auch ebensosehr an „Einzelfälle“ der Verfolgung wie an den Weihnachtsmann. Zwei Freunde, die sich in der lokalen Polizeiwache nach dem Verbleib Tamirats nach der Verhaftung erkundigten, wurden übrigens für zwei Wochen in Haft genommen.

Während der Haftzeit bekam er nur zweimal Besuch von einem Anwalt. Am 25. April 2012 wurde er nun vorzeitig aus der Haft entlassen, dies jedoch, ohne, dass man ihm seine Personalpapiere  zurückgegeben oder ein Entlassungsschreiben ausgehändigt hätte. Nach seiner Rückkehr in den Heimatort fand Tamirat heraus, dass sein Haus mittlerweile abgerissen wurde und sein Landbesitz inzwischen von Muslimen beackert wird. Die Maschine, auf der er und andere früher Kleidung nähten, ist ebenfalls „verschwunden“. Auch über den Verbleib seiner zwei Kinder gab man ihm bei der Polizei von Moyale keine Auskunft. Gerüchte besagen, dass ein Vertreter der lokalen Verwaltung das Grundstück von Tamirat annektiert hat.
Nur zwei Dinge hat Tamirat Woldegorgis derzeit noch: eine schlimme, von den Misshandlungen im Gefängnis herrührende Beinverletzung, die ihn humpeln lässt, und seinen Glauben an Gott.

Dieser Mann, der nur dank der Hilfe eines Freundes, bei dem er wohnen kann, überhaupt ein Dach über dem Kopf hat, bekommt nun, als hätte er noch nicht genug durchgemacht, Drohnachrichten. „Wir wollen dich hier nicht. Wenn du hierbleibst, überlebst du das nicht !“ Mittlerweile hat Tamirat am 07. Mai 2012 einen Brief als Appell an die Behörden des Landes in Addis Abeba, den Stadtrat von Moyale und diverse zwischengeordnete Ebenen gerichtet, in dem er um Aufklärung über den Verbleib seiner Kinder und auch seines Eigentums bittet.

BITTE BETEN SIE FÜR GERECHTIGKEIT FÜR TAMIRAT WOLDEGORGIS. DIESEM BRUDER IST ÜBEL MITGESPIELT WORDEN UND NUN WIRD ER NACH SEINER UNGERECHTFERTIGTEN HAFT AUCH NOCH BEDROHT UND BESTOHLEN. MÖGE IHM DER HERR ALLES DOPPELT UND DREIFACH ZURÜCKERSTATTEN.

(Quelle: „compass direct news“ vom  17. Mai 2012)

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