Pakistan: Christliches Ehepaar von „Blasphemie“ freigesprochen

Manche Anklage ist selbst im gegenüber den nichtmuslimischen Minderheiten extrem voreingenommenen, pakistanischen Rechtssystem zu absurd, um am Ende durchzukommen. 

Pakistan

Ein christliches Ehepaar, das im Jahre 2008 nach den berüchtigten Paragraphen 295 B und C, den sog. „Blasphemieparagraphen“ des pakistanischen Strafrechts, angeklagt wurde, hat nun vor einem Appellationsgerichtshof einen Freispruch erreicht. Nach einem fast drei-einhalbjährigen Rechtsstreit, der ihnen von Bekannten aufgezwungen wurde, gab es also einen gerechten Ausgang, wenn auch die Angst und Einschüchterungen der letzten Jahre nicht mehr ausgelöscht werden können.

Üblicherweise wird der o. e. Paragraph dazu benutzt, um private Streitigkeiten zwischen Muslimen und Nichtmuslimen im Lande zu Gunsten der Muslime zu manipulieren. Streitigkeiten um Land, Besitz oder simple Nachbarschaftskonflikte arten auf diese Weise in „Religionskonflikte“ aus, wenn man den beteiligten Nichtmuslimen den Vorwurf der „Beleidigung des Propheten Mohammed“ o. ä. macht. Durch die immanente Drohung mit einem langwierigen Rechtsstreit oder gar einem aufgeputschten Straßenmob können die Nichtmuslime dann zu Kompromissen oder Zugeständnissen gezwungen werden, die sie nach dem geltenden, pakistanischen Zivilrecht nicht machen müssten.

Diese Situationsbeschreibung einmal vorausgeschickt, werde ich nun versuchen, den Fall von  Munir Masih und seiner Frau Ruqayya ganz knapp und ohne allzuviel Juristen-Terminologie aufzudröseln. Am 08. Dezember 2008 wurde gegen das Ehepaar in Mustafabad, Kasur-Distrikt, Anzeige nach dem weltweit umstrittenen Artikel 295 des Strafrechts gestellt („Beleidigung des Propheten und des Koran“). Ein gewisser Muhammad Nawaz hatte die Anzeige erstattet. Hintergrund war aber aller Voraussicht nach ein persönlicher Streit zwischen der Familie von Munir Masih und einem Mann namens Muhammad Yousaf. Yousafs Chauffeur ist der andere „Muhammad“ in diesem Pseudo-Drama, der bereits erwähnte Muhamad Nawaz. Ein Schelm, wer Böses hierbei denkt.
Ruqayya soll nach der ursprünglichen Anzeige den Koran für einen „Exorzismus“ missbraucht haben und diesen ohne eine rituelle Waschung berührt haben. Ihr Mann sei „mitschuldig“, weil er sie nicht an ihrem Tun gehindert habe. Außerdem sollen beide in der Folge „den Prohpheten Muhammad beleidigt“ haben.

Die Details der folgenden „Ermittlungen“ und der ersten Prozesse erspare ich Ihnen, liebe Leser, da ich sie selbst nur verwirrend, absurd und auch ein bischen eklig finde.  Am 02. März 2010 wurde in jedem Fall das christliche Ehepaar von einem erstinstanzlichen Gericht zwar von den „Blasphemie“-Vorwürfen freigesprochen, jedoch wegen „Besudelns“ des Koran zu einer lebenslangen Hafststrafe verurteilt. Gegen diesen Entscheid hatte ihr Rechtsbeistand Chaudry Naim Schakir Berufung eingelegt und nun vom Obersten Berufungsgericht in Lahore Recht bekommen. Der dortige Richter sah die von den Anklagebehörden vorgebrachten „Argumente“ als gar zu schwach und durchsichtig an und sprach die Angeklagten am 17. Mai 2012 frei. So hatte die Anklage beispielsweise beim erstintanzlichen Prozess NICHT EINEN EINZIGEN ZEUGEN vorgebracht, der im Verfahren selbst ausgesagt hatte.

De facto basierte also der gesamte „Fall Munir Masih und Ruqayya Bibi“ auf Hörensagen, was dem Obersten Richter  Mazhar Ali Akbar Naqvi in Lahore offensichtlich nicht für eine Verurteilung ausreichte. Eine bemerkenswerte Entscheidung, mit der der Jurist sich unter den immer stärker werdenden Islamisten Pakistans wohl wenig Freunde machen wird, die aber der Rechtskultur der Landes gut ansteht. Man soll ja das Hoffen und das Beten niemals aufgeben, heisst es nicht zu Unrecht in unseren Kirchen.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR MEHR RECHTSSICHERHEIT VON RELIGIÖSEN UND ETHNISCHEN MINDERHEITEN IN ISLAMISCHEN LÄNDERN.

(Quelle: „compass direct news“ vom 18. Mai 2012)

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