Syrien: Melkitisch-katholischer Patriarach spricht klare Worte

Wir werden seit Wochen und Monaten über die Situation in Syrien nur sehr einseitig informiert. Unsere Medien versuchen, eine Art „Äquidistanz“ zwischen der offiziellen Seite der Assad-Diktatur und den amorphen Gruppen der sog. „Aufständischen“ vorzutäuschen.

Syrien

In Wahrheit übernahmen sie von Anfang an die Funktion, den Aufständlern propagandistischen und argumentativen Beistand zu leisten. Nachdem in Ägypten, Tunesien und Libyen autoritäre Regime gefallen waren (mit und ohne Mithilfe des Westens und von dessen Medien) wollte man diesmal gleich „von Anfang an“ dabeisein und dem klassischen, oberflächlichen und von den Zwängen der „30 – Sekunden-Beiträge“ im TV oder online-Medium geschuldeten Schwarz-Weiss-Denken folgend, eine „aufklärerische Rolle“ übernehmen.

Nun will ich hier keinesfalls das Assad-Regime schönmalen. Eine Diktatur ist eine Diktatur, egal, welche politische oder autokratische Rechtfertigung sie sich selbst verpasst.  Dennoch sind die Aufständischen keineswegs die „hehren Freiheitskämpfer“, die uns online-Aktivisten, Massenmedien und „Betroffene“ so gerne verkaufen wollen. Ich kaufe es nicht, denn ganz, ganz selten bricht auch mal eine Lücke in der Nebelwand medialer Verschleierung auf. Gerade Christen durchbrechen von Zeit zu Zeit das Mediensperrfeuer aus „Rebellion ist Frieden“ und gibt uns einen Einblick, was die Lage im Land für unsere Brüder und Schwestern dort wirklich bedeutet.

Die christliche Minderheit Syriens hatte, vor dem Beginn der Aufstände, eine zahlenmäßig relevante Stärke und bei aller systemimmanenten Diskriminierung, der Christen in allen islamisch dominierten Ländern ausgesetzt sind, war patriotischen Syrern, gleich ob Christen, Alewiten oder Schiiten, ein gewisser Spielraum der wirtschaftlichen- und Karriere-Entfaltung eingeräumt.

Der Knackpunkt in Syrien war immer das Verhältnis der regierenden Baath-Partei (alewitisch dominiert) zur sunnitischen Bevölkerungsmehrheit. Diese fühlte sich (nicht zu Unrecht) sozial benachteiligt und politisch machtlos. Nicht umsonst war und ist Syrien der engste Verbündete des schiitischen Iran. Wahabistisch-islamistische Bestrebungen von Sunniten wurden vom Regime mit äußerster Härte unterdrückt und die Ausbreitung der Muslimbrüder und anderer Anhänger des weltweiten „Kalifats“ de facto verhindert.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Die Sunniten wittern „Morgenluft“ und werden dafür massiv durch Waffen, Geld und Personal aus Saudi-Arabien und Katar unterstützt. Dies ist die wahre Frontlinie in Syrien und die westlichen Medien erkennen dies nur in Ausnahmefällen. Was Christen nun von den sunnitischen Fundamentalisten zu erwarten haben, erzählen uns ihre Vertreter, nicht selten aus der Not der Verzweiflung heraus, wenn man sie nur zu Wort kommen lässt. (Siehe die verlinkten Artikel oben) Die Stadt Homs ist ein gutes Beispiel dafür:
 https://gebetskreis.wordpress.com/2012/03/18/syrien-umkampfte-stadt-weitgehend-christenrein/

Nun hat sich ein weiterer Kirchenvertreter in klaren Worten zur Lage vor Ort geäußert. Der melktisch-griechisch-katholische Patriarch von Antiochien (das Amt gibts tatsächlich) mit Sitz in Damaskus, Gregorios III. hat unlängst in einem Interview seine allgemeine Betrachtung publiziert:

 Es gibt keine Revolution mehr, es gibt keine Demonstrationen mehr. Es gibt nur noch Banditentum und die Welt weigert sich, das wahrzunehmen ! Ausländische Elemente haben das Land betreten und haben sogar damit begonnen, auf die Christen einzuschlagen, die nun angesichts der Gefährdungs-Situation die Stadt Homs verlassen mussten.

Er hat auch unmissverständliche Worte für die europäischen Medien, mit denen er sich während einer Reise in die „alte Welt“, bei der er auf die Situation von Christen in Nahost aufmerksam machen wollte,  letztlich auseinandersetzen musste.

 Ich unterstütze nicht das Regime, wie man mir in Frankreich vorwarf, aber ich unterstütze die Realität. Die Zeitungen hier verbreiten Stereotype, haben zumeist nur eine einzige (parteiliche, Anm. d. Übers.) Quelle und sind bereit, so ziemlich jedem zuzuhören, außer mir.

Gefragt, wie er das militärische Vorgehen der Assad-Regierung im Konflikt bewerte, sagte er etwas, dass man hierzulande nur als „revolutionär“ bezeichnen kann. Er nannte es „zu spät und zu wenig“. Seine anti-israelischen Ausbrüche, die bei Kirchenvertretern und staatstreuen Nationalpatrioten in Nahost leider, leider sehr verbreitet sind, werde ich hier mangels Relevanz nur erwähnen, aber nicht zitieren.

Wie man die Äußerungen von Klerikern bestimmter Kirchenzweige auch immer bewerten mag, man sollte sie in jedem Falle bei der Beurteilung der Lage im immer kälter und brutaler werdenden „Arabischen Frühling“ miteinbeziehen und sich vor der holzschnittartigen „Gut – Böse“ – Show unserer Massenmedien hüten. Hier gibt es mehr als einen Mitspieler und die Christen drohen weiterhin, ganz gleich in welchem der betroffenen Länder, zerrieben oder vertrieben zu werden. Ihnen vor allem sollte aber unsere Solidarität gelten, auch wenn wir ihnen vielleicht ab und zu ein wenig mehr über die wahre Lage in Israel beibringen sollten.

BITTE BETEN SIE WEITERHIN FÜR DAS ÜBERLEBEN DES CHRISTENTUMS IN SEINER WIEGE UND SEINEN „URLÄNDERN“.

(Quelle: „agora vox“ vom 12. Mai 2012)

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Ein Gedanke zu “Syrien: Melkitisch-katholischer Patriarach spricht klare Worte

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