Sudan: Krankenstation und Büros christlicher Verbände geschlossen

Was die Einführung der Scharia als Grundlage staatlicher Gesetzgebung und Autorität in der Praxis bedeutet, erfahren wir gerade wieder aus dem Sudan. In der umstrittenen Provinz Darfur spielte sich folgendes ab:

Am 22. April 2012 wurden in Nyala, südliches Darfur, die Büros des „Sudan Council of Churches“ (SCC) von Angehörigen der Sicherheitsbehörden Sudans geschlossen. Ohne Angabe von Gründen stürmten Angehörige des „National Intelligence and Security Service“ (NISS) um 08. Uhr morgens das Anwesen, verlangten von den anwesenden Mitarbeitern des SCC alle Schlüssel herauszugeben und das Grundstück sofort zu verlassen.  Auch die Schlüssel der Fahrzeuge wurden kassiert und die Vehikel dann davongefahren. Wohin, ist bis heute unbekannt. So wurden fünf Automobile und drei Motorräder „konfisziert“ (de facto eher: gestohlen, da der SCC diese wohl erfahrungsgemäss nie wiedersehen wird). Drei Mitarbeiter des SCC wurden verhaftet und an einen unbekannten Ort verbracht. Ihre Familien sind in großer Angst um ihr Wohlergehen.

Mitarbeitern, die später erschienen, wurde von bewaffneten NISS-Soldaten der Zugang verwehrt. Im Zuge dieser Maßnahmen soll auch eine von Kirchen getragene Klinik, die den Ärmsten der Gegen medizinische Versorgung zukommen ließ, geschlossen worden sein.  Das Christentum gilt im (Nord-) Sudan als ausländische, „feindlich gesonnene“ Gruppierung, da sich der Staat als islamische Republik definiert. Alle Christen wurden unlängst ausgebürgert und dazu aufgefordert, sich in den 2011 gebildeten Staat Südsudan zu begeben, der mehrheitlich von Animisten und Christen bewohnt wird. Dies stellt de facto eine „religiöse Säuberung“ dar und ist ein weiteres Verbrechen, des ohnehin schon wegen der Massaker von Darfur mit internationalem Steckbrief gesuchten Präsidenten (Nord-) Sudans Omar Al-Bashir.

Am 24. April 2012 wurden auch alle Bankkonten des SCC in Nyala durch eine staatliche Komission „eingefroren“. Desweiteren wurden vier Autos und fünf Motorräder der Hilfsorganisation „Sudan Aid“ an diesem Tag konfisziert. Fünf ihrer Mitarbeiter wurden ebenso inhaftiert, aber kurze Zeit später wieder freigelassen.

All diese Maßnahmen wurden ohne Angabe von Gründen oder Gerichtsbeschlüsse und offizielle, schriftliche Order durchgeführt. Gegen diese Beschlüsse könnte man nämlich Rechtsmittel einlegen und sich wehren. Gegen Willkürmaßnahmen wie die eben beschriebenen, die sozusagen „unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit“ stattfanden ist kaum etwas zu machen. Außer eben genau diese Öffentlichkeit herzustellen, die vielen autoritären und diktatorischen Regimen unangenehm ist.

BETEN WIR DOCH FÜR EIN STANDHAFTES CHRISTENTUM IM SUDAN, DAS SICH AUCH DURCH STAATLICHE WILLKÜRMASSNAHMEN NICHT VON DER NACHFOLGE CHRISTI ABBRINGEN LÄSST.

(Quelle: „compass direct news“ vom 14. Mai 2012)

P.S.:
Omar al-Bashir hat mittlerweile am 20. April 2012 (Hitlers Geburtstag, sicher kein Zufall) den Stämmen der in Süd-Kordofan gelegenen Nuba-Berge den Krieg erklärt. Diese Region solle durch das Militär von allen „Kräften gesäubert werden, die sich seiner islamischen Regierung“ widersetzten. Viele Nuba sind Christen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

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Ein Gedanke zu “Sudan: Krankenstation und Büros christlicher Verbände geschlossen

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